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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449641 mal)

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Cee

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1770 am: 11. März 2012, 14:40:34 »

@Low

In unserer "nur die Jugend und sonst garnichts- Zeit", ist der Begriff "Grufti" geradezu human.
"Komposti", dieser Begriff ist aktuell und trifft wohl den Kern der- was wohl; der Vorstellung von Jugendlichen zu
älteren Menschen. Erinnerst Du Dich noch an den Spruch von damals: "trau keinem über dreissig"

Auch allen einen schönen Sonntag
Cee
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norwegerklaus

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1771 am: 11. März 2012, 19:22:30 »



Wusste wirklich nicht was die unter "Grufti" definieren , ist ja schrecklich wenn nicht schon bösartig ???
Für mich war ein Grufti wie ich, einer der am Rand der Grube (Gruft) steht und überlegt ob er sich noch lohnt eine "Langspielplatte" zu kaufen oder nicht.
Und jetzt sollen wir "Komposti" ,schon Humus, heißen, das ist inhuman {;
Ich habe in meiner Jugend nur den "über Dreissigjährigen" getraut, da ich Respekt hatte/habe und etwas von  der Erfahrung , besonders von den "Silberfüchsen", abschauen wollte.

Danke für die Aufklärung! :o

Gruß Klaus
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Low

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Schwere Leseprobleme aus Hinterindien
« Antwort #1772 am: 12. März 2012, 14:57:57 »

Schwere Leseprobleme

@ Mordnegerklaus

Fieberschübe ließen meine Sehschärfe erneut schrumpfen. Die Bemerkung:
"... einer der am Rand der Grube (Gruft) steht und überlegt ob er sich ...," wirkte aufbauend.
Langspiellatte. Ein Stichwort für: “Falsche Frau im Bett.“
Sie plätscherte dauernd. Beruhigende Worte, selbst Handgreiflichkeiten wie tätscheln fruchteten nicht, wirkten
eher inspirierend:
„Dschai dee, very handsome, good morning, good evening, chwy, ngern, nüng phan ...“
Vom Garten aus riß Dick das Fenster auf und schrie wütend:
„Halt endlich die Klappe.
Mach deine Arbeit.“
Kurzinstruktion an eine für sämtliche Dienstleistungen bereite, jedoch dauernd fordernde Masseuse.
Als es ruhig wurde, dachte ich an den khlongfahrenden Grufti und sein Boot.
Schwimmende Aussichtsplattform, rezyklierte Galeere – respektlos abgekürzt Sarg.
« Letzte Änderung: 12. März 2012, 15:05:45 von Low »
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namtok

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1773 am: 12. März 2012, 17:16:13 »

@ Mordnegerklaus


was soll ich nun mit dieser unverschämten  {; Beleidigung anfangen  ???


Leider macht die bei uns implementierte Höflichkeitssoftware daraus auch keinen in "Sternchen" gesetzen gewalttätig lebensbeendenden dunkelpigmentierten Santa Claus   {+



Zitat
chwy

ist das schwyzerthai   8)  ]-[
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██████  Ich sch... auf eure Klimaziele !

Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1774 am: 12. März 2012, 17:41:06 »

Das sollte keine Beleidigung sein, sondern einfach aufzeigen, wie gegenwärtig schlecht lesbare Worte
(Verdana 5) im Delirium (ohne Drogen oder Alkohol) ankommen.
Lieber Klaus, verzeih mir bitte, es war wirklich nicht böse gemeint. Leider lese und interpretiere ich seit längerer
Zeit auf diese Weise.

Die Mitteilung: (namtok)
„Unter dem obigen Link geht es seit geraumer Zeit nur noch zu ein paar Nettigkeiten im Anschluss an den
 Fotobericht, der Rest wurde in die " Prügelecke " ausgelagert,“ schockierte mich lange, schlimmer als Fußtritte.

Dort endlich angekommen, blieb mir dann nur noch das ?
« Letzte Änderung: 12. März 2012, 18:14:08 von Low »
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norwegerklaus

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1775 am: 12. März 2012, 18:28:13 »



Kurzmitteilung von Grufti zu Gruftie:  alles ok ;D
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1776 am: 12. März 2012, 19:02:13 »

haLow,
wie kriegen wir Dich wieder raus aus der Gruft?

ratlos, kmr
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franzi

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Re: Arterhaltung und Brutpflege in Hinterindien
« Antwort #1777 am: 13. März 2012, 03:11:40 »



Über frs Geschmack denke ich seit vielen Stunden intensiv nach. Noch habe ich Verwicklungen mit überlangen
Kopftüchern. Schützen sie vor Gesichtsverlust?
Beide Geschichten sind im tiefsten Grunde wenig lustig. Zu viele Farang sind direkt betroffen. Sie wollten es
nicht wissen, oder sie wissen es wirklich nicht. (Sie wollte in die Galeries Lafayette.)


Die erste Geschichte ist für mich eine Schwarze Komödie mit einem Fragezeichen. Hat der Ladenbesitzer eine Leiche geschlagen oder einen Verletzten erschlagen. Dann habe ich mir mit meinen krausen Gedanken bildlich vorgestellt, mit welch saurer Miene der Schütze die Rechnung der von ihm durch die vielen Schüsse selbst beschädigten Dachziegel oder Platten beglichen haben wird.
Für den kleinen Gauner sowieso nicht, aber auch für dessen Familie kann ich nicht das geringste Mitleid empfinden. Glücklicherweise wird man in Thailand noch nicht vom Opfer zum Täter gemacht und vielleicht helfen solche Eigeninitiativen, die Kriminalität einigermaßen in Grenzen zu halten.

Die zweite Geschichte beschreibt auf für mich amüsante Art Thailand, wie es leibt und lebt. Erheiternd darum, da ich meines Wissens nach nicht zu den betroffenen Farangs gehöre.

fr
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Wenn ich nur "hier" schreibe, meine ich Nakhon Si Thammarat und Umgebung

Low

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Falsche Jungfrauen und Ansichten aus Hinterindien
« Antwort #1778 am: 13. März 2012, 12:54:11 »

Danke Franzi für die unerwartete und saubere Analyse.
Der Schütze war außerordentlich. Anders als bei Überfällen in Goldgeschäften, wo nervöse Akteure auf drei
Meter Distanz daneben schießen, steckten angeblich sechs Projektile im Jungen. Ob der Genickbruch durch
den Sturz oder die Eisenstange verursacht wurde, werden wir nie erfahren.

Falsche Jungfrauen und Ansichten

Es gelang mir mathematisch und im realen Leben schlecht, die Sanukfaktoren (Triebhaftigkeit, Gier, Unfälle,
Verbrechen) der einheimischem Bevölkerung und der lustbetont Zugereisten mit meinen primitiven
Vorstellungen eines geruhsamen Lebensabends zu verknüpfen.
Warum stolpere nur ich immer wieder über nichtlineare Ereignisse? Ich hatte Bekannte, deren Leben war mit
Skat, Golf, Kegeln, Kino und Bierabenden dermassen angereichert, dass sie weder buddhistische Feiertage
kannten, noch bemerkten, wie ihre angetrauten Peinlichkeiten sich täglich anderweitig begatten liessen und
sie die Schmarotzer gar mitfinanzierten.
Sie hatten scharenweise erfolgreiche Freunde, mit Villen für zig Millionen und zwanzig Badezimmern. Keine
Bibliothek. Die palmengesäumten Wege zu den Palästen waren mit Nobelkarossen aus Deutschland und
England überstellt. Die studierenden Sprösslinge bevorzugten italienische Sportschlitten mit absolut
unaussprechbaren Namen, wie Alko Romeo oder Bucatini alla matriciana. Wir brüskierten diese Menschen,
wenn wir Einladungen zu Glamour-Parties und Fress-Orgien per Drahtesel, immerhin Tesco DeLuxe, folge
leisteten. (1)
Ich lebe in einem bescheidenen Haus mit bloss zwei Türen in einem Armenviertel ohne biedere Bewacher.
Draussen vor der Tür stehen ein alter Toyota und ein roter Flitzer von Yamaha. Trotzdem wurden bei
dringenden Verbindlichkeiten, das heisst tieffliegendem Pleitegeier über der Unterkunft, nicht die Multi-
milliardäre, sondern ich angepumpt.

Andere Langnasen pedalten in frischer Morgenluft und sahen überall fröhliche Kinder. Fromme Mönche
sammelten indessen reihenweise Essen und Geschenke. Die Radler fuhren auf sauberen, frisch geteerten
Wegen. Wenn ich dieselben Strassen benutzte, wich ich Schlaglöchern aus. Abfälle garnierten Fahrbahn
und Ränder. Fäkalien in verschiedenen Formen und Reifestadien zählte ich nicht. Für mich verblieben in frisch
gebügelten Uniformen übermüdete, schläfrige, gähnende, auf einen Schulbus wartenden Knirpse.
Mönchen und Nonnen begegnete ich im Makro, wie sie sich anstelle stiller Meditation an den Regalen selbst
bedienten. Die Novizen dagegen studierten an Ständen Hehlerware für ihre Bildschirme. Sie suchten kaum
nach heiligen Pali Tripitaka Texten und verliessen dann die Händler höchst zufrieden mit mir unbekannten
religiösen Titeln wie: Assassins creed, Final Fantasy, Inglourious Basterds und 'The Cabin in the Woods'.

Die werdende Mutter ist knapp 14. Es bestehen keine bürokratische Verfahren, noch irgendwelche Melde-
pflichten. Als Regel gilt lediglich, sobald die Schwangerschaft einer Schülerin erkennbar ist, sollte sie den
Unterricht nicht mehr besuchen. Es könnte ja etwas hängenbleiben. Schlimmer: Kolleginnen zum Nachahmen
animieren. Teilweise dürfte die Unterscheidung junger Schwergewichte Rätsel aufgeben. Ich verwechselte in
meiner Naivität fettleibige Schnellimbissposturen mit Fertilität!
Ausländische Tagträumer und Nachtbuben werden streng bestraft, wenn sie ahnungslos eine 16 jährige
mehrfache Mutter als Minderjährige verführen!
Der feine Unterschied für Gäste besteht also nicht nur bei Eintrittspreisen in Museen und Nationalparks.

(1)
http://glamourparties.ca/
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Assassin%E2%80%99s_Creed
Auf einschlägigen Internetseiten tauchten Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung illegal kopierte Versionen auf.
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Final_Fantasy
Bisher verkauften sich weltweit über 100 Millionen Einheiten, Raubkopien nicht gerechnet.
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Inglourious_Basterds
(5)
http://en.wikipedia.org/wiki/The_Cabin_in_the_Woods



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Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Kern

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1779 am: 14. März 2012, 03:28:04 »

Bei diesem verbalen Feuerwerk fiel mir als leidenschaftlichem Hohlnudel-Fan plötzlich auf, dass Wort-Kombinationen wie "ihre angetrauten Peinlichkeiten" umgehend zu akuter Atemnot führen können.

Und morgen werde ich meinen Donnerstags-Psychiater befragen, ob Assoziationen und erkenntnistheoretischer Realismus sehr ansteckend sind.
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Low

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Kein Twist in Hinterindien
« Antwort #1780 am: 15. März 2012, 19:26:13 »

Kein Twist

@Kern. Nimms leicht. Alles wandelt sich. “Ihre angetrauten Peinlichkeiten" wird zu “angegrauten Peinlichkeiten".
Hohlnieten (Nudeln) im Topf, im Bett, oder anderswo findest du überall.
Anhand der Bilder deines Ventilverteilerzentrums der Wasserversorgung gehörst Du ebenfalls zu den WC-Baronen.
Es erspart in den Tropen Hygienemaßnahmen beim Kochen, beispielsweise den kostspieligen Ersatz angegrauter
Schneidebretter, wenn Familie und Verwandtschaft sich gleichzeitig erleichtern können. Nicht wie im alten Europa,
wo in den Warteschlangen vor den Toiletten der Twist erfunden wurde. Davon konnte ich Dick in unserer leicht
angespannten Wohnsituation überzeugen. Sie aber twistet nicht wie ich und Chubby Checker, sondern spurtet
bei Notlagen in den Schönheitssalon. (1)

Die Qualifikation unserer Wohnlage erfolgte gratis durch Zugehörige der oberen Zehntausend. Einige besser-
gestellte Damen erklärten dies Dick ausgiebig. Gute Manieren, europäische Luxus-Uhren und Goldschmuck
genügten noch lange nicht. Zusätzlich äußerten sie schwere Bedenken betreffend des Gartens. Es gab zu
wenig Beton, dafür Bananen und andere Sträucher, welche vor allem weiblichen Geistern Unterschlupf bieten.

„Was macht denn dein Mann, während du dich in feiner Gesellschaft amüsierst? Vertreibt er sich die Zeit mit
betelkauenden Dorfweibern oder hat er gar eine knusprige Mia Noi?“
„Um den mache ich mir wenig sorgen. Den halben Tag lang reibt er mit einer Hand seine Pfeife. Wenn er
besonders gut gelaunt ist, greift er nach dem Sack und sucht einige Tabakkrümel. Während er wenige Zeilen
in den PC hackt, mische ich dann die Cocktails. Er reiht sich in die Kategorie der quasi nichtrauchenden Denker
und Dichter ein. Er dichtet ebenfalls Wasserleitungen.“

Mit dem Toyota sieht es noch trauriger aus. Wenn meine Nachbarn ihre schlecht gewarteten Problemkisten nach
sechs Jahren abbezahlt haben, machen sie ohne Überlegung einen neuen Vertrag. Sie sind das Leben auf Raten
gewohnt. Motor und Getriebe spielen keine Rollen. Ausschlaggebend sind Preis, Farbe, Soundsystem, CD- DVD-
Spieler und Spoiler.
Sie verstehen nicht, warum unser Fahrzeug noch nicht ersetzt wird. Dieser Wagen geht regelmäßig in den
Service und ist nicht pannenanfällig. Er sieht aus wie neu, bis auf die leicht angetrübten Scheinwerferabdeckungen.
Ein Fahrzeug mit ähnlichen Leistungsdaten will ich nicht, sondern wirklich etwas Neues. Sonst wäre es ebenfalls
an der Zeit, die Partnerin zu wechseln. Für mich alten Knacker sind ihre Stossdämpfer jedoch noch absolut in
Ordnung.

(1)
« Letzte Änderung: 15. März 2012, 20:00:41 von Low »
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norwegerklaus

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1781 am: 15. März 2012, 21:41:49 »


@ Low

erneut klasse {*

Meine Assoziation bei älteren Stoßdämpfern: " Das Nachfedern kann einen aus der Bahn werfen!"

".....Er reiht sich in die Kategorie der quasi nichtrauchenden fast ständig Pfeife reibender und nach dem Sack greifender Denker
und Dichter ein, der auch mit einigen gesuchten Tabakkrümel, wenn er nicht in den Pc hackt, ebenfalls Wasserleitungen dichtet.“

Wer ist denn dies???

Gruß  Nörgelwegklaus
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Low

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Pfeife aus Hinterindien
« Antwort #1782 am: 16. März 2012, 12:31:11 »

Pfeife aus Hinterindien

Gruß  Nörgelwegklaus
Danke, speziell für die Verhornballung. (1)

Für Apple Benutzer und für Schweizer, speziell für schweizerische Applenutzer, empfehle ich, ein i einzusetzen.
Nörgeliwegklaus
A?:
Nörgelwegklausi

Während Jahren zeigte ich Widersprüche des Daseins auf. Diese eigenwillige, bittere Situationskomik bringt
viele Leser(innen) zum Lachen.  Wir leben teilweise mit Hypothesen belastet, Kapitalisten mit Hypotheken,
in einer gespiegelten Welt von Widersprüchen. In den folgenden Episoden versuche ich erneut, eine
Annäherung an die Realität zu finden. Ich freue mich auf jede Antwort. Teilweise hatte ich selbst Mühe, die
Ereignisse zu verarbeiten.




Die Pfeife aus Hinterindien

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Verballhornung

« Letzte Änderung: 16. März 2012, 16:36:19 von Kern »
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Shortie †

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1783 am: 17. März 2012, 02:39:30 »

@Khun Low

Herrlich,wenn Du schreibst,kann man sich das Geschehene bildlich vorstellen ;D

Der "do the twist" Vergleich,so traurig es auch ist,brachte mich beim Betrachten des youtube Videos,zum Lachen...

Bitte,bitte nicht aufhören zu schreiben,habe dein Buch nun zweimal durch und deine realen Geschichten,sind eine Klasse für sich ;}

Das schöne,gebundene Buch,hat einen Ehrenpatz,in meinem Bücherregal.

Ich hoffe,wie viele andere,auf eine Fortsetzung.

Um deine erstklassige "Schreibe",beneide ich dich!

Würde auch gern,erlebtes,so (be)schreiben können,leider fehlt mir dieses Talent.

Alles Gute,auch unter widrigen Umständen,wünsche ich dir für deine Zukunft :)

shortie,stiller Mitleser und Fan,deiner realen Geschichten aus Hinterindien...
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A prayer for the wild at heart, kept in cages....

Tennessee Williams

Low

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Schöne Bescherungen in Hinterindien
« Antwort #1784 am: 19. März 2012, 11:39:07 »

Schöne Bescherungen                                                                                                             Dezember 2011

Nach dem Ableben von Dicks Vater wünschte sich die lustige Witwe, zukünftig von der einen Tochter in Chiang
Mai, es gibt deren drei, nicht nur betreut, sondern verwöhnt zu werden. Es gab Platz im Schönheitssalon.
Ich kannte das Lästermaul der Frau. Es führte in ihrem Dorf bereits zu Handgreiflichkeiten und Prügeln. Wir
blieben von ihren Intrigen nicht verschont. Aber was sollte ich gegen den verständlichen Wunsch einwenden.
Die Alte erschien, gesundheitlich angeschlagen, bereits Ende August, viel früher als ersehnt oder geplant.
Nur das Mundwerk funktionierte wie frisch geölt, selbsttätig und ohne jegliche Unterstützung aus Hirnregionen.
Sie litt angeblich unter hohem Blutdruck  und anderen undefinierbaren Beschwerden. Sie schluckte ganze
Kollektionen farbiger Pillen.
 
An gängigen medizinischen Geräten fehlt es uns nicht. Yai besuchte uns nicht nur zum Abendessen. Ich
registrierte regelmäßig Blutdruck, Puls und Temperatur und erstellte eindrückliche Tabellen. Der Blutdruck war
für eine Endsechzigerin mit 110 nicht übermäßig hoch. Im rechten Oberschenkel dagegen lagen die Werte
mindestens 30 Einheiten höher. Als ehemaliger Ultrahochvakuumspezialist bemerkte ich die Verengung im
Pumpsystem. Dick ging mit ihr ins Krankenhaus. Sie besuchte den Zahnarzt. Sie war in besten Händen.
Sorgen bereiteten mir die Herzfrequenzen, welche ständig weit über achtzig lagen. Mein Ruhepuls liegt bei
fünfzig. Ruhe nützte bei ihr nichts. Ich wußte nicht, daß ein hyperaktives Maulwerk die Herztätigkeit derart
beeinflussen kann. Man hätte sie totschlagen müssen, um den Puls zu senken.

Als Dick mit mir in den Süden flog, bat ich die Alte, die vom Arzt verordnete Medizin brav einzunehmen. Sie
langweilte sich ohne tägliche Betreuung und war eine der Ersten, die bei Onkels Anmeldeschwierigkeiten im
Nibbana nach Phitsanulok reisten.
Nach ihrer Rückkehr lag ihr Puls bei fünfundneunzig. Mich nervte, daß gleichzeitig Dicks sämtliche Kinder ins
Dorf zogen. Die eine hatte einen Job bei einer Bank. Söhnchen wollte von der guten medizinischen Versorgung
profitieren. Er hob sich beim Bergen tropischer Baumwurzeln einen Bruch. In Phitsanulok konnte man das Leiden
weder diagnostizieren noch behandeln. Er befürchtete, er leide an einer tödlichen Krebsgeschwulst. Seine
Freundin hingegen, wollte von Dicks Kenntnissen profitieren, um später einen Salon zu eröffnen. Ihr Dorf
verfügte über keine Einrichtungen zur Kapitalverschleuderung zwecks Pflege von Runzeln, Krähenfüssen,
erwünschter und unerwünschter Haare. Der hinterste Fleck Hinterindiens benötigt heute Blondinen. Eine
großartige Erfindung: Die Haarfarbe läßt sich der Intelligenz anpassen.

Am 14. Dezember verschärfte sich die Situation um Mutter. Wir frevelten, folgten einer Einladung zum Mittag-
essen und sahen uns später nach Wein und Weihnachtsgebäck in der Nähe des Flughafens um. Nach der
Rückkehr gegen zwanzig Uhr, betreute Dick ausnahmsweise eine Kundin, welche einen Langstreckenflug
vor sich hatte.
Das wurde für Mutter zuviel der harten Schicksalsschläge, andauernder Entbehrungen und Liebesentzug.
Sie war einem besonderen Hochdruck ausgesetzt. Einer ihrer allesamt nichtsnutzigen Söhne telefonierte,
er benötigte dringend vierzigtausend Baht. Anläßlich oder nach Onkels Kremation verlor die Alte eine viertel
Million Baht von ihrem Konto, Leistungen einer Lebensversicherung. Es entging ihr, wenigstens einen Teil
unserer Aufwendungen für Spital und Kremation zu vergüten.
Nun versuchte sie hemmungslos, für den bedürftigen Sohn Zaster bei Dicks Kindern einzutreiben. Der Hunde-
züchter sollte umgehend seine Hunde in Kohle verwandeln – nicht verbrennen, sondern verkaufen!
Der Verletzte wurde aufgefordert, sein praktisch neues Moped zu versetzen. Dick war nicht bereit, den
Tunichtgut zu subventionieren. Sie kannte das Sümmchen, das sich stillschweigend, wie Pfützen bei Sonnen-
einstrahlung, verflüchtigte. Das Leibesfrüchtchen rief nur bei finanziellen Engpässen an. Das heißt, er bettelte
dauernd! Dick kümmerte sich um ihre Kundin und ließ Mutter über die herzlose Saubande in Lan Na Land wüten
und toben.

Die Alte wollte unverzüglich nach Hause. Distanz vierhundertfünfzig Kilometer. Warten bis am nächsten Morgen
war unmöglich und ausgeschlossen. Sie forderte ihre beiden Enkel auf, sie gleich zu fahren. Die Jungen
reagierten nicht. Sie packte Zeug und machte sich in der Finsternis ohne jegliche Verabschiedung mit außer-
ordentlicher Bagage zu Fuß auf den Weg. Der Hundezüchter sah sie und fuhr mit ihr in die kalte Nacht hinaus.

Am Tag darauf wollte Dick die Waschmaschine benutzen. Sie bemerkte, daß Mütterlein als Proviant an die zehn
Kilogramm Waschpulver, einige Flaschen Speiseöl und sämtliche Vorräte an Nescafe und Ovomaltine mitlaufen
ließ. Einige antike Bronzeschalen aus Laos verschwanden ebenfalls. Das Herz hätte die elende Schlepperei
wahrscheinlich nicht lange mitgemacht. Für mich ist sie bereits gestorben.
 
Bereits zuvor fehlten nach einem Kurzbesuch des sich in permanenten Geldnöten befindlichen Wesens die
Verbindungskabel der Hintergrundberieselungsanlage des Salons. Die Einheiten selbst ließ er wegen fehlender
Transportmöglichkeiten stehen.
Mit derben Verlusten muß in Hinterindien jederzeit gerechnet werden. Dennoch war dieser Abgang meine
beglückende Weihnachtsbescherung.
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.
 

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