Besten Dank für die angeregte Diskussion. Leider konnte ich nicht eingreifen.
Wir sind jenseits des Internets, an den Grenzen zum Isaan und befassten uns mit der Einhaltung der
Luftreinhalteverordnungen in feuerungstechnischen Anlagen in Tempeln.
Und weiter geht es mit den Tücken der Technik:
Wasser ist zum Waschen da...
.... auch zum Zähneputzen,
kann man es benutzen. (1)
Radiohörer und Liebhaber populärer Musik erinnern sich eventuell an das kulturell bedeutende, dem richtigen
Leben nachempfundene Lied der Peheiros von 1956. Vielleicht war das ein erster Meilenstein in der grünen
Bewegung, die wie Schnecken tastend die Fühler ausstreckte. Das ergreifende Resultat: Die Peheiros hingen
sogleich ihre Autoreifen an die Wand.
Wasserversorgungen im Dorf im Reisfeld sind technisch problematisch. Die öffentliche Wasserversorgung hat in
der Zuverlässigkeit etwa den Stellenwert der Stromversorgung.
Mit Unterbrüchen muss gerechnet werden. Meistens ist der Druck in den Leitungen unter dem Einschaltpegel
von Waschmaschinen. Die arbeiten daher meist nachts. Die öffentliche Wasserversorgung wird ohne jegliche
Ankündigung, dafür selten gereinigt. Der selektionierte Pechvogel wäscht gerade dann sein neu erworbenes,
möglichst weisses, seidenes Hemd mit schwarzem, hochgradig chloriertem Schlamm.
Private Wasserversorgungen werden gedankenlos kopiert. Eine kleine Pumpe, durch den Wasserpegel im Tank
geschaltet, fördert Grundwasser. Oben ist der Tank offen. Dort ist eine Art Treppchen montiert. Über das Treppchen
plätschert das gepumpte Wasser in den Tank.
Ich fragte den Besitzer einer Wohnsiedlung mit Bungalows, wozu das gut sein. Er sagte geheimnisvoll: „Ozone.“
Als gläubiger Technokrat dachte ich, dass die Bleche unter Hochspannung stehen, und dass das Wasser durch
Ozon gereinigt wird. Der zweite Blick zeigte, dass alle Bleche auf demselben Potential wie der Tank liegen. Es ist
ein rein mechanischer Wasserfall. Die von der Dreckluft in Chiang Mai verschmutzen Bleche werden beim Pumpen
regelmässig gewaschen. Eine Leitung mit Einwegventil vom Tank verhindert Lufteinbrüche in die Saugpumpe (Primer).
Nach dem Vorratstank fördert eine druckgesteuerte zweite Pumpe das Wasser durch einen meist rostigen, mit
Kies und Holzkohle gefüllten Filter zum Verbraucher. (2) Innen sind die blauen Rohre alle mit einer schwarzen
Schicht aus Kohlenstaub und Dieselruss veredelt.
Öffnet ein Benutzer einen Wasserhahn, sinkt der Druck im System und die Pumpe läuft an. Ist der Pegel im Tank
tief, schaltet auch die erste Pumpe ein. Probleme gibt es, wenn die zweite Pumpe mehr fördert als Nummer eins.
Auf solche Kleinigkeiten angesprochen zeigt der blossgestellte Installateur ein müdes Lächeln.
Ich hatte genug Überraschungen und beschloss, beim Neubau einen eigenen Brunnen bohren zu lassen. Der
funktionierte annähernd zufriedenstellend, bis die beiden Pumpen bei Hochwasser ersoffen. Wir entfernten
danach etwa zwanzig Meter unnötige Leitungen und ersetzen beide Pumpen. Wir montierten eine Pumpe mit
einem kleinen Vorratstank auf einem hochwasserfesten Sockel. Danach hatten wir mit halber elektrischer
Leistung die doppelte Wassermenge in besserer Qualität, weil wir den 1500 Liter Tank zur Luftreinigung und
zum Züchten von Bakterien nicht mehr benötigten.
Als vorausschauender Pessimist, installierte ich einige Ventile, mit denen wir beim Ausfall unserer eigenen
Wasserversorgung jederzeit auf die öffentliche Wasserversorgung zugreifen könnten. Leider ist diese Anordnung
für lokale Reisesser absolut unverständlich.
Den obsoleten Wassertank zügelten wir, nachdem wir die Wassertreppe entfernten und gegen einen Deckel
eintauschten, zum Gästehaus. Das liegt am Ende der Wasserleitung. Wenn jeder im Dorf seine Zahnlücken spült
und seinen Wagen wäscht, fällt der Leitungsdruck gegen Null. Nur gut, dass die Herren kein Wasser, sondern
Lao Khao trinken, sonst wäre der Druck im Minusbereich.
Mit dem Tank und einer kleinen Pumpe kann man jetzt jederzeit problemlos duschen und sogar stark verschmutzte
Körperpartien kärchern. Das funktioniert so lange einwandfrei, bis sich unsere geistig eher bemitleidenswerten
Raumpflegerinnen den Tücken der Wasserversorgung annehmen. Vor wenigen Tagen reklamierte die Maid:
„ Kein Wasser im Gästehaus.“
Sie hatte recht. Weil der Pegel im Dorf nach Monaten ohne Regen sehr niedrig war, schloss einer der
zuvorkommenden Nachbarn unsere Zuleitung ab. Erst als der Tank leer war und die Pumpe trocken lief,
schaltete die Zugehfrau den Strom ab und reklamierte.
Wir besichtigten die Schadenstelle. Ich bemerkte das geschlossene Ventil und den leeren Tank. Ich öffnete
das Ventil, das Wasser floss für Momente hörbar in den geschlossenen Tank. Später war der Druck dazu nicht
mehr ausreichend. Ich prüfte die Pumpe. Sie arbeitete. Der Wasservorrat im Speicher war ungenügend. Deshalb
kehrten wir ohne weitere Abklärungen nach Hause zurück.
Am nächsten Morgen hatte die Frau genügend Wasser, um den Garten zu giessen, bloss der Druck fehlte.
Am späteren Nachmittag nahm ich mein Werkzeug und wir besichtigten den Schadenplatz erneut.
Die Reinigungsspezialistin vergass leider, die Pumpe auszuschalten und das Haus abzuschliessen.
Ich nahm wütend an, dass die Pumpe heiss lief und der Motor überhitzt sei. Fehldiagnose. Es zeigte sich,
dass ein(e) Ahnungslose(r) mit den Ventilen spielte. Die Pumpe konnte keinen Druck aufbauen, weil das Wasser
aus dem Tank über die Pumpe während etwa fünf Stunden im Kreislauf gleich wieder dorthin zurück befördert
wurde. Ein kleiner Anteil gelangte in die öffentliche Wasserversorgung.
Da war jemand ganz nahe daran, das Perpetuum mobile zu erfinden. (3)
.... doch kein Mensch kann so tief sinken
und das Wasser einmal trinken
Das weiss doch jeder Tor
nur der Wein schmeckt nicht nach Chlor
(1)
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Holzkohle(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Perpetuum_mobileFrohe Ostern wünscht
Low
So Buddha will, gibt’s dann die Eier zu Hause in CNX.