Schulen, Bildungsstätten und Lehranstalten
Während Jahren unterstützten wir einen Knaben am Rande der Zivilisation und finanzierten Schule und Erziehung.
Der aufgeweckte Knabe hat Weisheiten in sich, die uns staunen lassen. Manchmal redet er mit Tieren und Pflanzen. Er lernt, wenn er Interesse
hat, unglaublich schnell. Anders als seine gleichaltrigen Kollegen sieht er, wenn er Fehler macht und gibt sie zu.
Leider hatte er nur ältere, wenig gebildete Menschen, als Betreuer. Sie konnten ihm bei den Hausaufgaben nicht helfen. Ausser dem Fernseher
gab es kein kulturelles Angebot, keine Bücher, keine Zeitungen, nichts.
Die anderen Knaben im Weiler hatten nur Flausen im Kopf. Sie prügelten sich, stahlen Kleinkram, beschädigten aus langeweile Fahrzeuge aller
Art, hingen tatenlos herum, rauchten und soffen in Verstecken, quälten Tiere und waren zu faul zum Lernen.
Darum spielte der Bub lieber mit Mädchen. Darauf erhielten wir einen Anruf einer besorgten Mitbürgerin. Sie teilte uns mit, das dieser Knabe
homosexuell sei. Das ist höhere, mir unverständliche Logik, denn ich spiele selbst auch lieber mit Angehörigen des weiblichen Geschlechts.
Aber ihr stehen die raufenden, bösartigen Bengel mit ihren sinnlosen Zerstörungen näher.
In der teuren, besseren, christlich angehauchten Schule in der Kreisstadt, die Lehrer tranken, wenn überhaupt - nur im Verborgenen,
herrschten chaotische Zustände. Prügeleien im Schulbus, verschmieren der Kleider mit Kugelschreiber, Beschädigung von Ausrüstungsgegenständen,
duldeten anwesende Lehrkräfte stillschweigend. Die waren ausserhalb des Schulhauses plötzlich keine Autoritäten mehr. (1)
Die Mittagsverpflegung war eine garstige Sonderveranstaltung mit extremen Auswüchsen. Ältere Schüler spuckten den Jüngeren ins Essen,
garnierten es mit Würmern, Schnecken, Kot und allem was da kreucht und fleucht. Aus Not frassen die Kinder blitzschnell. Mit drei vollen Löffeln
Reis im Mund, schaufelte sie noch eine beinahe lebensgefährliche Ladung Gemüse nach. Die Schüler entwickelten Wangen wie seinerzeit der
Trompeter Dizzy Gillespie bei seinen höchsten Tönen. (2)
In den letzten Wochen schleuderten einige Idioten nach der Mahlzeit ihre Teller wie Frisbees aus dem Schulhof rücksichtslos in die Gegend,
nicht ganz so weit wie der Schwede Christian Sandstrom mit zweihundertfünfzig Metern. (3) Als eine Tages über hundert Teller fehlten, fragte
die Schulleitung die versammelten Kinder, ob jemand wisse, wo die Teller seien.
Unser ehrliches Knäbchen gab bereitwillig Auskunft, ahnungslos, dass ihn später dafür die Missetäter verprügeln würden.
Die Lehrkräfte liessen die Unholde gewähren. Der Mut zum Einschreiten und bestrafen der Lümmel fehlte. Waren es finanzielle oder politische
Gründe? Der Knabe hatte eine schwere Zeit und getraute sich kaum noch aus dem Haus.
Den Lehrstoff im Rechenunterricht, welcher mir in mehreren Jahren vermittelt wurde, erledigten die Lehrkräfte mit den überdurchschnittlich
begabten Kindern vom Land, vom Thailand, in wenigen Monaten. Kein Wunder, dass der Stoff unzureichend verstanden wurde und praktisch
nichts davon hängen blieb.
Der Englischunterricht bestand im Abschreiben von Wörtern. Dass man die Worte im Kopf speichern sollte und nicht im Schulheft, wurde den mehrfach
geprüften Edelpädagogen nie beigebracht. Solange das Wort nur in Wörterbüchern steht, ist es tot. (4) Sogar in der Muttersprache Thai herrschten
mehr Lücken als Wissen, wie uns eine Sprachlehrerin versicherte.
(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4t(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Dizzy_Gillespie(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Frisbee(4)
http://www.sprache-werner.info/Die-d-Spr-auf-Abwegen.1737.html?PHPSESSID=0a981f5a16cfa09f3ced299141a8f2a6Fortsetzung folgt