Schrecken mit Schnecken
Unsichtbar:
„manchmal bin ich wirklich froh, dass du in deinem Thread von Fotos nur sehr wenig Gebrauch machst.“
Fotografieren ist angewandte Technik. Es ist nicht allzu schwer vorstellbar, wie durch ein System von Linsen eine Abbildung auf ein lichtempfindliches
Objekt projiziert und gespeichert wird. Danach entsteht ein mehr oder weniger dauerhaftes Bild oder Foto. Wie alt ist dieses Verfahren eigentlich?
Die erste Fotografie wurde bereits 1826 durch Joseph Nicéphore Nièpce im Heliografie-Verfahren gemacht.
1975 wurden versuchsweise Bilddateien von einer fast vier Kilogramm schweren Kamera in binärem Code auf Magnetband gespeichert (S. Sasson).
Über ein Dutzend Jahre zuvor konstruierte ich einen 8 Bit Zähler aus diskreten Bauelementen, Dioden und Transistoren. Mit einem viertel
Quadratmeter Fläche war er unübersehbar. Die Zählimpulse erhielt er manuell oder vom Magnetband eines Revox Gerätes.
Relativ bescheidene kommerzielle digitale Kameras eroberten bereits zehn Jahre nach den bescheidenen Experimenten mit der
Magnetbandkassette den Markt. Ältere Konsumenten waren durch die erstaunliche Technik überfordert.
Ein Freund erstand klammheimlich eine digitale Kamera. Warum wusste er selbst nicht. Irgendwie juckte ihn das Wort digital. Damals wurden
Leute, welche Begriffe wie Digital und Mega nicht dauernd gebrauchten, als geistige Neandertaler eingestuft. Während Monaten versuchte er
vergeblich immer wieder, einen Rollfilm in seine digitale Mega-Kamera einzulegen.
Später gelangte er mit seinem wohlgehüteten Geheimnis an mich. Ich machte versuchsweise einige Aufnahmen, öffnete die Kamera und zeigte
ihm den Speicherbaustein.
„Licht,“ sagte er: „Jetzt sind die Bilder zerstört!“
Auf dem PC Monitor bewies ich das Gegenteil, als ich ihm die Bilder zeigte. Unbegreiflich. Er stöhnte nur noch: „Für den Papa einen Grappa.“
Dick und ich haben gute Kameras. Teuflisch daran ist, dass das Bild nie perfekter ist, als der Mensch, der die Kamera bedient. Ich erlebe es selbst.
Wenn Dick einen Sonnenaufgang knipsten will, schraubt sie solange am Gerät, bis daraus ein Sonnenuntergang wird. Den klickt sie dafür doppelt,
denn sie traut der Kamera nicht.
Als wir in Port Dickson einen traumhaften Sonnenuntergang erlebten, sagte ich zu ihr: " Jetzt hast du genau sechzig Sekunden für die Aufnahme."
Sie schaffte es nicht ansatzweise.
Genau dieses Problem erduldeten wir mit der Nudel in der Zahnlücke. Ich besitze eine hochwertige digitale Spiegelreflex-Kamera. Sie ist ein
Lichtfresser. Im schummrigen Licht läuft nichts, wie ich bitter erfahren musste. Eine empfindlichere Optik würde hunderttausend Baht verschlingen.
So viele Kilogramm (in der Hitze schweisstreibende) Linsen benötige ich nicht, ich will ja keine Suppe kochen.
Dicks Kamera bringt noch bei spärlichem Licht gute Resultate. Aber bis die Kamera am Auge und der Finger auf dem Auslöser ist, sind zwei Pfund
Nudeln weg, denn man muss ja noch ein bisschen elektrisch Zoomen: „Der Fluch der Gummilinse.“
Sie übt jetzt Porträts mit Schnecken. In Sternstunden erwischt sie schon den Schwanz (der Schnecke).
http://de.wikipedia.org/wiki/Fotografiehttp://de.wikipedia.org/wiki/Diskretes_Bauelementhttp://de.wikipedia.org/wiki/Revox