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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449374 mal)

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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1260 am: 16. Oktober 2010, 00:38:37 »

Aus aktuellem Anlass hier ein Gerät für Jim, geeignet zur Entnahme von Gesteinsproben in etwas
größerem Umfang..  :)  http://www.herrenknecht.de/

mfg kmr
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Low

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Der Schatz am Lhotse
« Antwort #1261 am: 16. Oktober 2010, 23:05:21 »

Der Schatz am Lhotse

Nepal

Als die um ihre Gesteine betrogenen Italiener die Lastwagen zurückgaben, blieben die meisten der verbeulten Behälter im Kathmandutal.
Dort gab es früher drei Königreiche, mit Betonung auf reich an Kulturgütern: Kathmandu, Patan und Bhaktapur.

Ein fleissiger Handwerker erstand die Metallkisten günstig, beulte sie in monatelanger Handarbeit aus und lackierte sie mit hochglänzendem
Bleiweiss, (12) das er als Restposten billig zusammenkaufte. Seit mehr als einem halben Jahr wartete er vergeblich auf Käufer für die glänzenden
Behälter in seinem Gemischtwarenladen, halbwegs zwischen Kathmandu und Patan.

Als die Leute aus Tulsa in Kathmandu ankamen, wurden sie am Flughafen von wenigen Amerikanern um so herzlicher begrüsst. Sie bezogen ihre
Quartiere im Thamel Quartier, kühlten ihren Durst mit überteuertem Everest Bier und stellten erfreut fest, dass es sogar eine Pepsi Fabrik gab.
Bei ihren Spaziergängen konnten sie es nicht lassen, ihre Dollars bereits in zweifelhafte Souvenirs oder handgewobene Seiden zu investieren.
Die berühmte Tempelanlage mit der Swayambunath Stupa lag weithin sichtbar auf einem Hügel, knapp vierzig Minuten Fussmarsch von Thamel
entfernt.
 
In der Nähe von Kupondole entdeckte ein Mitarbeiter weisse Blechkisten, die sich hervorragend für etwaige Transporte eignen würden.
Dass viele Bars bereits um zehn Uhr schlossen, bereitete ihnen keine Probleme, denn in Tulsa im Bible Belt kannte man die Prohibition. Der freie
Alkoholausschank war stark eingeschränkt. (13) Ähnliches kennen wir im LOS.

Jim verbrauchte in Indien viel Wrigley und liess im Rahmen indisch-amerikanischer Völkerverständigung Unmengen von Tüten-Gummi liegen.
Nach der Landung war er in bester Laune und wollte sich sofort mit der Gruppe und den nepalesischen Begleitern treffen. Die Ausrüstung sollte
ergänzt werden.
Ferner benötigte er Behälter für Gesteinsproben. Er vernahm erleichtert, dass ein Mitarbeiter Transportkisten aus lackiertem Stahl gesehen hatte.
Der Abmarsch zum Berg in wenigen Tagen sollte mit Akklimatisierungsphasen knapp drei Wochen dauern. Er selbst verzichtete auf den Flug nach
Lukla, sondern marschierte mit seinen Leuten, um sich die nötige Kondition für den Berg und das Sammeln der Gesteine holen.

In Namche Bazaar, 3440 Meter über Meer betrug der Sauerstoffgehalt der Luft noch fünfzig Prozent des üblichen Wertes.  Fast die Hälfte der
Mitarbeiter zeigten Erschöpfungszustände, während die Nepalesen des Trupps mit der Höhe keine Mühe bekundeten und munter die schweren
Lasten schleppten.

Jim setzte den Anmarsch und Aufstieg zum Lhotse mit reduzierter Mannschaft fort. Ab 4500 Metern litt er unter Kopfschmerzen und einschneidenden
Konzentrationsstörungen. Er liess sich wenig anmerken. Sie schlugen ein Lager auf und wollten sich am nächsten Tag ganz dem Probensammeln
widmen. Er sah ein, dass er unmöglich höher steigen und wesentlich näher an den Berg gelangen könnte.
Etwas Sauerstoff im Zelt brachte Linderung, leider nicht lange. Nach all den Jahren in der Prärie wirkte der mächtige Berg irgendwie bedrohlich
und bedrückend auf das Team kleiner Ameisen davor.

Am nächsten Tag drehte sich der Lhotse vor seinen Augen. Er konzentrierte seine Blicke auf den Boden. Siehe da, inzwischen Schnee und Eis
entdeckte er die Spitze einer kleinen Pyramide aus kantigen, anscheinend frisch geschlagenem Gestein. Er untersuchte die Stücke und bemerkte
gleich, dass alles zumindest ähnliches Material war. Er nahm sein Feldbuch, notierte Ort und Zeit und liess seine Helfer den Schatz konfiszieren
und registrieren. Das Beste war, dass all das Zeug genau in eine seiner Kisten passte.

All die kleinen Schein-Opfer in den Heiligtümern am Wegrand schienen die Götter Nepals gnädig zu stimmen. Jim torkelte einige Dutzend Schritte
und er entdeckte diesmal einen Quader aus frisch gebrochenen Gesteinstücken, ein anders Profil als zuvor, aber alle Stücke gehörten zur selben
Familie. Er zückte das Feldbuch und dann waren seine wenigen Assistenten beschäftigt, denn die Sherpas konnte er nicht mit wissenschaftlichem
Kram belasten.

Sie arbeiteten den ganzen Tag. Jim fand im Höhenrausch an verschiedenen Stellen mehr geschlagenes Gestein, als er es sich in den kühnsten
Träumen ausdividieren durfte. Sie übernachteten wieder im selben Camp und traten am nächsten Tag den beschwerlichen Rückweg an. Der Chef
versiegelte mit Schlössern der US Army die schneeweissen Kisten persönlich.
Zurück in Namche Basaar wurde der Teilerfolg der Expedition gefeiert. Alle Teilnehmer, Steine und Sherpas flogen ab Lukla nach Kathmandu in
die Zivilisation.

Tulsa

In Tulsa zeigten die GANS Champions atemberaubende Dia-Shows aus Nepal. Fremdartige, hinduistische und buddhistische Tempel aus den
Städten. Bilder vom gewagten Trekking über Hängebrücken, bis zu den gewaltigen Gebirgsketten der Achttausender. Jeder nahm an, die Kollegen
seien oben gewesen und hätten auf den Rest der Welt herunter gepinkelt. Jeder drittklassige Detektiv hätte den Weg der Expedition an Hand der
weggeschmissenen Wrigley Verpackungen nachvollziehen können.

Als endlich die weissen Kisten mit den Gesteinen eintrafen, notierte der diensttuende Angestellte sorgfältig die Gesteinsnummern und sämtliche
Details, bevor er die ungewaschenen, mit einer unauffälligen Puderschicht bedeckten Stücke teilweise für Dünnschliffe, grösstenteils für die
Steinbrecher freigab. Danach herrschte in sämtlichen GANS Laboratorien für Monate Hochbetrieb.

Als nach langer Zeit Jim und die GANS Mitarbeiter all die Resultate in Excel gespeichert hatten und mit Access hunderte von Analysen verglichen,
sah er plötzlich nur noch zwei Möglichkeiten:
Entweder, die Geschichte der Entstehung des Himalayas musste neu geschrieben werden, oder – der Weltuntergang am 21. 12. 2012 findet
wirklich statt. (14)

Jim war ahnungslos, dass er die Proben der Italiener viele Kilometer von ihrem Ursprungsort entfernt gefunden hatte und dass die gesammelten
Gesteine durch eine zusätzliche Bleibehandlung ähnlich dem Labor von Bombay im Prinzip undatierbar wurden.

Ist es nicht so, dass die menschliche Seele durch Fremdeinflüsse, es muss nicht unbedingt eine Blei-Keule sein, derart geschädigt werden kann,
dass sie unansprechbar wird und praktisch jegliche Kommunikation versiegt?
Das persönliche Glück liegt nicht irgendwo in Eis und Schnee begraben am Fusse des Lhotse, sondern in der Reichweite eurer Arme und Empfindungen.


(12)
http://de.wikipedia.org/wiki/Bleiwei%C3%9F
(13)
http://en.wikipedia.org/wiki/Bible_Belt
(14)
http://www.unmoralische.de/weltuntergang.htm


Ende
« Letzte Änderung: 16. Oktober 2010, 23:15:46 von Low »
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1262 am: 17. Oktober 2010, 01:52:47 »

"Das persönliche Glück liegt nicht irgendwo in Eis und Schnee begraben am Fusse des Lhotse,
 sondern in der Reichweite eurer Arme und Empfindungen
."

Da hast Du sicherlich recht! ;)

Wolfram
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hellmut

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Re: Der Schatz am Lhotse
« Antwort #1263 am: 17. Oktober 2010, 01:57:15 »

Hallo Low, wieder einmal klasse geschrieben!

Nur hier solltest du noch nachbessern:

... 3440 Meter über Meer betrug der Sauerstoffgehalt der Luft noch fünfzig Prozent des üblichen Wertes. ...

Der Sauerstoffgehalt der Luft nimmt bei steigender Höhe nur unmerklich ab. Das ist auch gut so, denn sonst gingen Flugzeugen in der Luft mangels Sauerstoff die Triebwerke aus.

Du meintest sicher den Luftdruck. Der halbe NN Druck liegt über dem Meer in etwa 5,5 Km Höhe. Im Gebirge nimmt der Druck bei zunehmender Höhe langsamer ab. Auf 3,5 Km Höhe über NN sollte man normalerweise nach einem Tag Anpassung fasst nichts spüren, es sei denn man ist starker Raucher oder man hat eine andere Einschränkung der Lungenfunktion.
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Antares

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1264 am: 17. Oktober 2010, 04:31:51 »

Hallo zusammen,

also ich sage es mal so: Der Sauerstoffanteil in der Luft liegt IMMER bei 21vol%. Alleine der Partialdruck des Sauerstoffs ändert sich in Abhängigkeit zur Höhe über NN. Absolut stehen in einem Atemzug in 5300m Höhe (Basislager Lhotse) nur noch ca. die Hälfte der Sauerstoffmoleküle für den Gasaustausch in der Lunge zur Verfügung. (Barometrische Höhenformel).

Grüße aus 40m über NN

Marcus
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Low

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Chimborazo
« Antwort #1265 am: 17. Oktober 2010, 13:19:20 »

Chimborazo

@Hellmut und @Antares

Danke für die Einwände und Erklärungen, die unbestritten sind.
Die Höhenempfindung ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Der Altiplano, Peru, mit dem Titicacasee liegt auf etwa 3800 Metern.
Meine Tochter, damals keine dreissig Jahre alt, arbeitete einige Monate im Central Valley in Chile.
Danach konnte sie die Schönheiten des Altiplano kaum geniessen. Sie litt an unerträglichen Kopfschmerzen.
Meine Cousine, nicht mehr die Jüngste, holte sich dort oben ein Herzleiden.

Ich musste einen Vorwand finden, um Jims Verstand einzunebeln. Der Höhenkoller eignete sich bestens dazu. Ich danke für das Verständnis.

Bereits Professor Galletti sagte:
"Als Humboldt den Chimborazo bestieg, war die Luft so dünn, daß er nicht mehr ohne Brille lesen konnte."

http://de.wikipedia.org/wiki/Chimborazo
« Letzte Änderung: 17. Oktober 2010, 13:28:28 von Low »
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hellmut

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1266 am: 17. Oktober 2010, 18:54:56 »

@ Low, da "oben" war ich auch mal.
Während einer Südamerika Tour blieb ich aus gewissem Grund  :-* mehrere Wochen in Antofagasta.
Von dort aus unternahm ich einige Tagestouren ins Gebirge, und natürlich auch in die Atacama Wüste.
Nur in San Pedro de Atacama blieb ich für zwei Nächte.
Die Aufstiege, besser gesagt die Auffahrten empfand ich als extreme Belastung.
Am schlimmsten war die Tour zum Vulkan Licancabur. Innerhalb weniger Stunden fuhr man mit einem Minibus von NN (Antofagasta) bis auf ca. 4400 Meter Höhe.

Los ging es früh morgens bei etwa +20°. Nach einer Stunde Fahrt lag die Temperatur bereits unter 0°. Etwas später waren es -20 oder gar -30°. Extremer als die klirrende Kälte empfand ich jedoch die Fahrt an sich. Die Strecke, komplett Schotterpiste, ging stellenweise an steilen Berghängen entlang. Zum Glück konnte man während der Auffahrt praktisch nichts sehen. Ein Blick aus dem Fenster, war nicht möglich, da zugefroren. Nur der Fahrer hatte ein kleines Guckloch, das er sich alle paar Minuten mit einem "Camping Gaz" Kocher freimachte.  {+ Eine Heizung hatte der Bus natürlich nicht.

Unterwegs machten wir etliche Pausen zum Coca-Mate trinken, um dem geringer werdenden Luftdruck auszuhalten. Wer diese leichte Droge nicht trank, hatte keine Chance bis oben hin zu kommen, und wurde, grün im Gesicht, an einer der Zwischenstationen abgeladen. Eindrucksvoll war jedoch die sich ständig verändernde Landschaft. Vom tropischen Grün über eine Mondlandschaft entlang Gletschern mit ewigen Eis bis zu urzeitlich anmutenden Vulkanlandschaften. Zwischendurch einige uralte verlassene Incadörfer und Oasen mit heißem Geysiren, in einem konnte man sogar baden, allerdings erst auf der Rückfahrt, als selbst in dieser Höhe die Luft warm war.

Auf der Rücktour konnte man während der Fahrt den Streckenverlauf verfolgen.
Nur gut das dies auf dem Hinweg nicht möglich war.  {+ Teilweise hangelte sich die Piste in unzähligen Serpentinen entlang steiler Berge. Auf der einen Seite ging es gefühlte 1000 Meter fasst senkrecht bergab, auf der Anderen ebenso steil bis ins scheinbar Unendliche bergauf. Dabei war die Piste so schmal das Gegenverkehr ein echtes Problem geworden wäre. Später erfuhr ich jedoch das die Strecke Vormittags nur aufwärts und Nachmittags nur abwärts befahren werden darf.

Doch dies alles hat, wenn überhaupt, nur entfernt mit deinem Thema zu tun.
Wenden wir uns also wieder deinem Held "Jim" und seinem geschwundenen Verstand zu!

Eine Bustour in vielleicht 6 Stunden von NN bis in über 4000 Meter Höhe ist schon eine extreme Belastung. Oben angekommen, kann man sich kaum mit Gedanken befassen die über die Technik "wie atme ich möglichst viel Luft ein, ohne dabei aus der Puste zu geraten", hinaus gehen. 100 Meter normales Gehen erzeugt bereits Seitenstiche, wie ein 1000 Meter Lauf auf Zeit in "normaler" Höhe.
Es braucht sicher mehrere Tage bis die Lunge sich auf die dünne Luft eingespielt hat, wobei ich mich frage wie es möglich ist in dieser Höhe Schlaf zu finden, wo jedes einzelne Luft holen intensive Gehirntätigkeit beansprucht.

Dein Held, "Jim" hatte diese Akklimatisationszeit vermutlich nicht, oder er hatte sie sinnlos verstreichen lassen indem er im Thamel Quartier, seinen Durst mit Everest Bier bekämpfte, und sich so neben der Problematik der dünnen Luft sein Gehirn noch zusätzlich vernebelte.  }{

Um so verständlicher das seine Expedition, außer Schleichwerbung für Wrigleys, absolut keinen Sinn erfüllte. ;D
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Low

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Kaugummi
« Antwort #1267 am: 20. Oktober 2010, 12:04:35 »


Kaugummi

Typen wie Jim, fils à papa, lernte ich zur Genüge kennen.
Ein Herr Doktor aus einem Nachbarland vergewaltigte die Maschinen richtiggehend. Seine Messfehler waren doppelt so gross, wie die von
Anfängern. Sämtliche Apparate wiesen Defekte auf und die Ersatzteile hatten die Schwindsucht.

Fragen sie mich nicht, was er im Gelände, war es der Himalaya, oder im Chemielabor anstellte.

Eines Tages hatte ich genug von dem Kerl, der im Begriffe war, den guten Ruf der Forschungsstelle zu vernichten und dem ich zahlreiche
Überstunden verdankte.
“Herr Doktor Frankenstein*, warum arbeiten sie so unsorgfältig und setzen den Namen des Hauses aufs Spiel?“ fragte ich ihn unverblümt.
„Jo wissens, I brauch keine genauen Resultate. I will bloss meine Annahmen betätigen.“

@ Hellmut
Die Idee vom Kaugummi ist geklaut. Den Namen erwähnte Klaus Schädelin bereits im Buch: “Mein Name ist Eugen.“   
Das Buch war so gut, mittlerweile ist es ein Kinderbuchklassiker, dass es anfänglich in den Berner Schulen verboten war. (Publiziert 1955).

*Name vom Autor verändert.

http://www.google.com/search?hl=de&q=Klaus+sch%C3%A4delin+Mein+Name+ist+Eugen&aq=f&aqi=&aql=&oq=&gs_rfai=

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Kern

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1268 am: 20. Oktober 2010, 12:47:15 »

Zitat
    „Jo wissens, I brauch keine genauen Resultate. I will bloss meine Annahmen betätigen.“
     

 :o      :]       :]
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1269 am: 20. Oktober 2010, 19:49:20 »

..Der Mensch beginnt beim Akademiker..
Quelle:

 ;) kmr
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Low

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Wissenschaftliche Bauernfängerei
« Antwort #1270 am: 21. Oktober 2010, 16:40:58 »

Wissenschaftliche Bauernfängerei

Jim und sein fiktives Labor waren gewiss nicht die Einzigen, die fehlerhafte Daten produzierten.

Die direkte Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade.
Solche Geraden dienen ebenfalls zur radiometrischen Datierung von Gesteinen. Sie werden Isochronen genannt.  Dabei müssen keine
Annahmen über die anfängliche Konzentration des Zerfallsprodukts im Gestein gemacht werden, um es zu datieren. Im Prinzip reichen zur
Bestimmung der Isochronen-Steigung und damit zur Altersbestimmung zwei Punkte im Isochronendiagramm. In der Regel werden jedoch
mehrere Fraktionen separiert, gemessen und im Diagramm verwendet.

Nun sehen sie den Betrug des Dr. Frankenstein.
Je ungenauer das Resultat, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiterer Punkt auf der Geraden sitzt. Und wenn man noch
zwei, drei missliebige Ergebnisse weglässt,  kriegt jeder Schlaumeier die schönste Isochrone der Welt.
Mit der heutigen Präzision der Messungen erhält man nur noch eine Gerade, wenn man einen grösseren Fehler, der sogar Probensammeln
und Chemie berücksichtigt, einschliesst.

Es ist fast wie im richtigen Leben: Die einzige Gerade ist der Zick-Zack!
Für Skeptiker: In Nichteuklidischen Geometrien ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten wegen der Raumkrümmung kein
Geradenteilstück.(1)

In Aufbruch zum Lhotse, Antwort #1259, schrieb ich unter Global:
Gewissenlose Wissenschafts-Päpste mit wertlosen Analysen schwatzen der Menschheit immer wieder neuen, grossartigen Unsinn auf.

Das ist vorläufig der letzte Beitrag mit Bezug zur wissenschaftlichen Forschung.

Ich widme mich nun wieder bodenständigen heimischen Schmutz- und Schlammgeschichten, weit weg von den realen Graniten des Himalaja. (2)

Die Erklärungen waren vielleicht etwas kurz. Mehr zum Thema Isochronen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Isochronenmethode
(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Raumzeit
(2)


« Letzte Änderung: 21. Oktober 2010, 16:55:59 von Low »
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Low

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Ergänzende Erklärung
« Antwort #1271 am: 23. Oktober 2010, 12:47:16 »

Ergänzende Erklärung

Im letzten Aufsatz “Bauerfängerei“ war ich eventuell zu oberflächlich und zu abstrakt für Menschen, mit wenig Mathe Kenntnissen.
Wenn einer kommt und erzählt:
„Gestern habe ich ein Haus für eine Million gekauft,“
ist das nur bedingt richtig, wenn er dafür 1 756 499 THB hinblätterte.
Das wären dann wohl eher an die zwei Millionen.
Damit wird meine Aussage:
"Je ungenauer das Resultat, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiterer Punkt auf der Geraden sitzt," verständlicher.
Der Betrüger wusste nach zwei Bestimmungen annähernd, wie seine Resultate aussehen durften.
« Letzte Änderung: 23. Oktober 2010, 12:58:51 von Low »
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Drei Wohlgerüche aus Hinterindien
« Antwort #1272 am: 25. Oktober 2010, 11:29:52 »

Drei Wohlgerüche                                                          ca. Feb. 1982

Aus Kostengründen durfte ich auf einer Dienstreise Pläne und Handbücher nicht als Fluggepäck aufgeben. Der Aktenkoffer reiste als
unbegleitetes Gepäck und sparte mit seinen fünfzehn Kilogramm zuerst einige harte Steuerfranken.

Für einen lieben Feund hatte ich eine Flasche Gutedel wohl gepolstert in meinem Koffer. Als ich diesen nach meiner Ankunft abholte,
bemerkte ich darunter mit Entsetzen eine kleine Lache. Ich geiferte wortlos, dachte an all meine nassen Sachen und suchte darauf im
ganzen Flughafen nach meinen Akten.
„Dieser Koffer,“ sagte man mir nach zeitraubenden Nachforschungen, „ist im Frachtterminal auf der andern Seite des Flughafens.
Am Besten nehmen sie ein Taxi dorthin.“
Den kürzesten Weg über die Pisten gestattete man nicht!

Wir fuhren zum streng bewachten Frachtterminal und gelangten nach endlosem Fragen zum richtigen Gebäude. Dort erhielt ich meinen
Koffer nicht, dafür eine Anzahl Formulare. Damit begab ich mich zur Zollabfertigung, wo bereits mehrere Menschenschlangen warteten.
Ich hatte das Privileg sitzend anstehen zu dürfen.

Dann wurde ich eingehend über die Ware und deren Wert verhört. Nachher wurden die Scheine gestempelt. Danach flitzte ich zurück zum
Gebäude mit dem Aktenkoffer. Der Taxameter tickte indessen munter weiter und schon etwas über zwei Stunden nach der Ankunft und dem
Entrichten einer kleinen Gebühr war ich wieder glücklicher Besitzer der Dokumente.

Während der Fahrt in die Stadt öffnete ich neugierig mein Gepäck und fand zu meiner Erleichterung die Weinflasche unbeschädigt vor.
Ich stellte beide Koffer in das Hotelzimmer, genehmigte mir einen kühlen Drink an der Bar und wartete dann beim Inder am Mount Emily
auf meinen Kollegen.

Als ich Stunden später in mein Zimmer wollte, herrschte dort ein fürchterlicher Gestank. Ich sagte zu mir:
„Im Nachbarhaus, wird wohl ein Gericht mit Sambal Belachan zubereitet."
Sambal Belachan ist eine kräftige Würze, die aus verfaulten, sprich fermentierten Garnelen, Muscheln und Fischköpfen besteht. Auf ein
Kilogramm Speise genügt eine Messerspitze davon vollauf. Ich kann das Zeug ohne Brechreiz kaum riechen, doch in den Gerichten ist es
bekömmlich.
Tags darauf benötigte mein Kollege ein Dokument aus meinem Aktenkoffer.
Nach dem Gestank  im Zimmer zu schliessen, kochte der Nachbar schon wieder mit Sambal Belachan.
Ich nahm den Koffer, öffnete ihn und Tränen flossen ins Gesicht und auf den Boden. Sämtliche Bücher, Ordner und Pläne waren mit garstiger
Fischtunke gewürzt.

Innerlich verfluchte ich die sesselklebenden, ahnungslosen Bürokraten in ihren Massanzügen in klimatisierten Räumen, welche für ihre
kümmerlichen Fehlentscheide noch üppige Gehälter bezogen.

Um den Gestank loszuwerden, schenkte ich den verseuchten Koffer später einem indischen Mitarbeiter. Er wusch ihn mehrmals sorgfältig
und behandelte ihn dann mit  Rosenparfum. Die Mischung beider Essenzen ergab einen chemischen Kampfstoff.

                                                                                                *

Wir lebten bereits mehrere Wochen in Asien. Wenn immer wir unsere Dokumente benötigten, mussten wir den Atem anhalten, obwohl die
Sauce mittlerweile kristalline Formen angenommen hatte. Wehmütig dachten wir etwa beim Bier an einen milden Käsegeruch und an unsere
Lieben zu Hause. Unsere intensive Arbeit konnte fehlende Streicheleinheiten nicht ersetzen.

Hübsche Mädchen waren auffällig wenig vorhanden. Dafür gab es Moskitos im Schlafzimmer, Silberfischchen in den Kleidern und überall
Kakerlaken in verschiedenen Wachstumsstadien. Viele der einheimischen Damen gingen der zeitgemäßen Landessitte entsprechend
zugeknöpft und verschleiert spazieren.  Dreißig Jahre zuvor Jahren war noch oben ohne Mode. Wir fragten uns, ob die Grazien wohl zu
hübsch oder zu hässlich seien. Kurz gesagt, bei uns herrschte ein Mangel an weiblichem Gehalt, wie seinerzeit auf Käpten Cook's Schiffen.

Ich bereitete mich zum abendlichen Ausgang vor und öffnete die Türe, um meinen Kollegen abzuholen. Da war es, ein Fluidum, ein Hauch,
ein Duft, --- nur eine unwiderstehliche Klassefrau konnte so etwas verbreiten. Erregt klopfte ich beim Nachbarn. Der schlurfte gemächlich aus
seinem Zimmer, schaltete und atmete ebenfalls tief. Wir waren uns einig:
„Suchen, nur zum Anschauen."
Unsere vereinten Bemühungen blieben erfolglos und nach einer Weile sagte mein gewitzter Kollege:
„Das ist sicher der neue Insektenspray!“
Es war der Spray.

                                                                                               *

Durian heisst zu Deutsch nicht grundlos Stinkfrucht. Der reiche Duft der reifen Frucht ist nicht bloss für westliche Nasen schlicht umwerfend.
Einen Durianverkäufer riecht man selbst bei Gegenwind.
In Malaysia und Singapore gilt die Durian nicht nur als Delikatesse. Es werden ihr Heilkräfte zugeschrieben, speziell dann, wenn man sie mit
Salz geniesst. Wer einen Durianbaum besitzt, ist kein armer Mann.
In den Flugzeugen der lokalen Gesellschaften ist das Mitführen von Waffen und Bomben verboten. Die Durian als Stinkbombe ist ebenfalls
gebannt.

In vielen Hotelzimmern fand ich den folgenden Anschlag:
Das Mitbringen von Mädchen und Durian ins Zimmer ist verboten.
Das Management.

War das eine oder das andere erlaubt ?

Hier im Haus sind öfters beide anzutreffen: Frau mit Durian.
Die riechen beide besser als mancher miefende Käse.
« Letzte Änderung: 25. Oktober 2010, 11:47:49 von Low »
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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1273 am: 27. Oktober 2010, 18:00:41 »

Hallo Low, danke!
Ein Schnupperkurs  :) wie er [hoffentlich bald] im Buche steht.

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Tagträumer und Nachtwandler
« Antwort #1274 am: 29. Oktober 2010, 12:06:50 »

Tagträumer und Nachtwandler

Der erste Arbeitstitel: “Die kleinen Unterschiede,“ war in Ordnung und ist vielsagend. Trotzdem finde ich Tagträumer und Nachtwandler
aussagekräftiger

Im Oktober war ich innerhalb dreier Wochen drei Mal in der Psychiatrie.
Nicht, dass ich unter meinen eigenen schrägen Aufsätzen durchgedreht hätte. Ich war bloss Zulieferer. Sogar das kann hartes Brot sein.
Bereits die Krankentransporte erwiesen sich im Vergleich mit D-A-CH als äusserst fragwürdig. Die Polizei behandelte die Patienten schonungsvoller
als die Sanitäter.

Schon die oberflächliche Beobachtung der Situation einiger Insassen erschütterte mich tief. Ich mag gegenwärtig noch nicht darüber sprechen
und benötige etwas Zeit und Distanz zu den Ereignissen und melde mich später wieder.

Low                                                                                                                                                          Ende Okt. 2010




Die kleinen Unterschiede                                                                        Anfangs Okt. 2010

Nördlich der Alpen ist es in den Häusern meist angenehm warm. Draussen herrschen erfahrungsgemäss kühle bis kalte Temperaturen.
In Thailand ist es in vielen Hotels und Einkaufszentren unangenehm kühl. Sobald man ins Freie gelangt, ist es zur Zeit herrlich warm,
nicht heiss wie in den Monaten April und Mai.

In Europa sind die Menschen Sonnenanbeter und bräunen ihre Körper bei allen möglichen und ebenso unmöglichen Gelegenheiten.
Im LOS röstet man Hühner und Ratten. Der eigene Körper wird vor UV und Hitze bewahrt. Jede Hautcreme enthält Weissmacher.
Bleich ist beautiful.

In der Schweiz war ich mir kaum bewusst, dass meine Partner und die meisten Verkehrsteilnehmer ihr Gehirn eingeschaltet hatten, sofern
sie nicht gerade bewusstlos, betrunken waren oder schliefen.

In Hinterindien wurde mir klar, dass der Kopf vom Schöpfer vor allem für die Haarpflege und zur Einnahme von Speisen und Getränken
erschaffen wurde.
Die Gesichtshaut dient zum Schmieren, Malen und Pudern. Zubehör wie Ohren und Nasen unterstützen das Anhängen von Schmuck. Er muss
nicht unbedingt echt sein, wie die Wimpern, bloss zum Klimpern.

Ich benötigte vierzig Jahre  -  die höhere Eingebung erhielt ich erst letzte Woche nach einer kräftigen Gehirnerschütterung, dass viele Menschen
hier ohne das Gehirn zu benutzen als Tagträumer oder Nachtwandler ihren Lebensweg absolvieren. Das Wort “beschreiten“ wäre fehl am Platz,
weil sogar für Kurzstrecken ab sechs Jahren ein Moped her muss, wie auch immer. Man könnte ja beim Gehen stürzen und darob aufwachen.

Jegliche Planung, minimales Überlegen und Vorausdenken sind ausgeschlossen.
Dies betrifft sämtliche Situationen, von der Schule über Einkäufe bis zum Kinder kriegen. Mir ist das solange egal, wie ich nicht unter dieser
Storchenmentalität leide. Aber wenn ich im Land des Lächelns durch provozierten Schlendrian an Leib und Leben gefährdet bin, erstarrt mein
Gesicht zur unfreundlichen Maske und ich reagiere nicht mehr unbedingt liebenswürdig.

Die endlose Schluderei und die Liederlichkeit werden zudem von einer phänomenalen Vergesslichkeit überragt, die annähernd krankhafte
Dimensionen erreicht.

Ich kenne in Europa einige Menschen, welche als geistig Behindert eingestuft sind und in speziellen Pflegeheimen betreut leben (müssen).

Nach eidgenössischen Massstäben würde möglicherweise ein Drittel der Dorfbevölkerung als debil klassiert. Was sind die Ursachen der
Beschränktheit?

Hier besuchen junge Leute nach der Schule höchstens Sitzungen, wo gegen harte Währung Lao Khao ausgeschenkt wird, fahren danach
Motorfahrzeuge und ballern wie im Kino mit Kanonen herum.

Wir hatten leichte Kontroversen wegen der Schule. Diplomatisch ausgedrückt, Mowgli log kaum, aber er erzählte auch nicht die Wahrheit.
Dick befragte einen Lehrer zur Situation und der erklärte eindeutig weitschweifig beschwichtigend, wohlverstanden über einen Zwölfjährigen:
„Mowgli ist nicht der Schlechteste und nicht der Beste. Er ist anständig.
Er trinkt nicht, er raucht nicht und er nimmt keine Drogen. Gebt ihm Zeit!“
Zeit, die ihm dann die Schule, wie gehabt, für Sinnlosigkeit und Warten stiehlt.

Wie sieht meine Rechnung nach sechs Monaten Schule aus? Sie ist relativ bitter.  
Ungefähr achtzig Prozent des gelernten Stoffes wurden bereits vergessen.
Wie blitzartig Vergesslichkeit und Unbedachtheit zuschlagen, zeigt ein Beispiel:

Wenn wir zusammen Speisen zubereiten, wäscht Mowgli erst seine Hände.
Das hindert ihn danach nicht, in den Haaren zu wuscheln, zu popeln oder irgendwelchen Unrat vom Boden aufzuheben. Letztes Mal reinigte
er in der Küche auf meine Aufforderung während der Arbeit seine Hände etwa sechs Mal.

Den Gipfel der Gedankenlosigkeit demonstrierte er, als er ein langes, dunkles Haar vom Boden beseitigte.
Ich sagte: „Schmeiss es in den Kehricht.“
Sein Gehirn war ausgeschaltet. Die Ohren hörten nicht.
Gedankenlos legte er das schöne Haar auf den sauberen Rüstplatz.

Ob er sein Leben als qualifizierter Tagträumer oder sachkundiger Nachtwandler weiterführt, bleibt gegenwärtig ihm überlassen. Ich muss
vorläufig kürzer treten, sonst droht ein irreparabler Dachschaden. Für Mowgli begann die neue Zukunft  gestern.


  
« Letzte Änderung: 29. Oktober 2010, 12:12:25 von Low »
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Sie wollte in die Galeries Lafayette.
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