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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449412 mal)

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Low

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Weiberparty in Hinterindien
« Antwort #1305 am: 18. November 2010, 12:07:41 »

Weiberparty

Am 10. sagte Dick ganz nebenbei:
„Am 12. ist Frauenparty in einem exklusiven Hotel in Chiang Mai. Die Party ist der acht jährigen, klavierspielende Tochter einer Freundin gewidmet.
In ihrer Villa gibt es einen klimatisierten Raum, einen kleinen Saal, nur für das Klavier. Oder ist es gar ein Flügel? (1) Vielleicht ein Steinway,
ein Bösendorfer oder für eine halbe Million Euro ohne Transportkosten - ein Fazioli?“
Ich unterbrach den Fluss der Rede und fragte: „Wie heisst das Hotel?“
„Hab’s vergessen.“

Am 12. um 13 00 ging’s los. Kleiner Lunch, ohne mich, im Beautysalon,
bloss ein Anfuttern für das kommende Essen im Luxus Hotel.
Um 14 00 Haarstyling und Make-up ohne mich beim weiter entfernten Nachbarn.
Um 17 30 machte ich mich vergeblich bereit, als Begleiter in die Stadt zu reisen. Ich dachte an eine gediegene Strohwitwerfeier und hatte wenig
Lust für einen nervenden Faulpelz Abendessen zu bereiten. Zudem gab es keine Lebensmittel im Haus, ausser Reis, Couscous, Pasta und einigen
Flaschen Schnaps. In der Regel kochten wir drei zusammen.
Um 18 00 Uhr, dem angeblichen Partybeginn, zog ich mich wieder um. War sie bereits verreist?

Später kam Dick doch noch. Das Gesicht war mit reichlich Schminke zu einer furchterregenden Fratze entstellt. Weiss schwarze Kontraste dominierten.
Nichts für meine pastellbestückte feinfühlige Empfindungspalette. 
Das stümperhafte Spätwerk des dilettantischen Giganten, vielmehr des gigantischen Dilettanten Khun Ud: Die personifizierte Lanna-Schreckschraube.

Ich bat, sie solle für Mowgli im Beautysalon Abendessen organisieren.
Wozu sonst haben wir Personal?
Grell-rotes, eng anliegendes Kostüm. Ab ins Auto.
Einhundertzweiunddreissig Pferde dröhnten gequält.
Weg war sie.

Gegen 22 00 ein Anruf:
„Darling, es wird elf Uhr! Willst Du meine Freundin sprechen?“
„Nein. Ich kann meine Notdurft alleine verrichten!“

Zu jener Zeit begann das lange Warten.
Eine Spur zu lang für eine Kinderparty.
Zwischen Mitternacht und ein Uhr versuchte ich mehrmals vergeblich, sie fernmündlich zu erreichen.

War sie betrunken? Hatte sie einen Unfall?
War sie im Spital, mehr tot als lebendig?
Schlief sie bei einer Freundin?
Wurde sie gar vergewaltigt und danach abgeschlachtet?
Wird Hackfleisch demnächst billiger?

Ich duschte.
Gegen 01 30 fror ich jämmerlich und ging zu Bett.
Nach 02 00 kam sie. Unüberhörbar. Buddha sei Dank.
Sie lallte im Badezimmer etwas von Hotelparking, beschädigtem Auto, Versicherung und Polizei.
Ich fragte:
„Was hast du getrunken?“
„Drei Bier.“
Gläser? Flaschen? Liter? Fässer?

Sie kämpfte mit dem Make-up.
Sie wässerte sich, den Boden und die weitere Umgebung der Nasszelle.
Sie kam ins Bett.
Sie stank undefiniert.
Ich hatte Atemprobleme bedingt durch Krämpfe in der Zwerchfellgegend und bewegte mich für eine Stunde im Haus.
Danach suchte ich wieder die Wärme des Bettes.
Um 07 00 übergab sie sich.
Ich setzte mich an den PC.

Nichts neues im Forum.
Doch, Kern ist Moderator.
Gratuliere.

Sie litt bis in die Abendstunden.
Und ich vertrottelte eine hedonistische Orgie mit abscheulichen Ausschweifungen und Unkeuschheit.

13. November 2010

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCgel_(Tasteninstrument)

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Kern

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1306 am: 18. November 2010, 13:26:25 »

Gekruemmt stehender Applaus (kurzzeitige Zwerchfellprobleme)
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Alfred

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1307 am: 18. November 2010, 16:40:15 »

-LOW-
Ein Buch mit vielen Seiten des Inhaltes siehe oben, in deinem letzten Posting wuerde ich sofort kaufen und weiterempfehlen.

Habe schon gestern sehr schmunzeln muessen ueber das von dir stammende Zitat welches -GRUENER- im Oasiis-Sihanoukville thread voll treffend und passend zitierte.
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Low

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Zitat aus Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1308 am: 18. November 2010, 17:13:25 »


Danke Alfred

Das Zitat ist aus # 1180: „Lobpreisungen in den Abendstunden“ und lautet:
„Er hat üble Launen an sieben von acht Tagen die Woche, daneben freilich ist er ein guter Mensch!“

Das erinnert mich irgendwie an einen Lebenslauf von Tucholsky:
„Der Vater: Quartalssäufer. Das Jahr hat fünf Quartale.“
Frau Kleptomanowa las bestimmt nie Tucholsky.
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Low

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Ein Käfer Spiel aus Hinterindien
« Antwort #1309 am: 20. November 2010, 22:35:25 »

Ein Käfer Spiel

Die beiden Artikel über den Reis mit wissenschaftlich fundierten Exkursionen zur Pasta führte zu unerwarteten Resultaten.
Unter dem Motto: „Freunde, das Leben ist lebenswert,“ (1) kreierten kecke Pastafarier ein neues Spiel. (2)
Eigentlich ist es ein uraltes Spiel mit neuem Namen.

Er:
„Liebling, lass uns Bucatini spielen. Ich bin der Rüsselkäfer!“
Sie:
(„Nein Käferchen, ich habe Migräne.“             Existiert Migräne in Hinterindien?)
„Ja Käfer,... gib mir das Rüsselchen!“

Hie und da ist meine Nase auch ohne Schnupfen dicht. Die näheren Ursachen, wie beispielsweise Luftverschmutzung, kennen wir meistens
nicht. Im Schlaf ist die verstopfte Nase besonders unangenehm, weil die Mundhöhle austrocknet.
 
Als Teilzeit Pastafarier machten wir eine vortreffliche Erfahrung. Nach intensivem Rüsseln (für Anfänger: Nicht die Nase) je nach Libido und
Kondition einige Minuten bis unbegrenzte Zeit auf der nach oben bis zum Erbeben offenen Nudelskala, wurde die Nase unvermittelt frei. (3)
Das ist nicht nur für eiskalte Rechner preisgünstiger, sondern im Allgemeinen weit umweltverträglicher, vergnüglicher und erregender als jeder
gekaufte Nasenspray.

Darum heisst es bei uns nicht nur ermunternd: „Lass uns bucatinisieren,“ sondern näselnd poussierend:
„Schatzilein, hast du auch eine verstopfte Nase?“

(1)

(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes_Spaghettimonster
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Libido
« Letzte Änderung: 20. November 2010, 22:38:59 von Low »
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Kern

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1310 am: 20. November 2010, 23:19:56 »

Aha!

Da liegt wohl die Aufloesung.
Vielleicht koennte folgendes der Wahrheit entsprechen:

Ich vertrottelte eine hedonistische Orgie mit abscheulichen Ausschweifungen und Unkeuschheit

und Reistafeln, weil ich mich als gewaltiger Ruesselkaefer zu erkennen gab:-)


Gute Nacht, Low
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Low

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Schlechte Gastgeber in Hinterindien
« Antwort #1311 am: 23. November 2010, 10:48:59 »

Schlechte Gastgeber

Meine Denkweise ist nicht mehr so frei und unbeschwert, wie vor einigen Wochen.
Auf wenig bedachte Kommentare, Unfreundlichkeiten aller Art und Lügen reagiere ich schnell relativ unbeherrscht, sauer und kritischer als je
zuvor. Deshalb schwieg ich und sass zur Selbstzensur auf Griffeln und Tastatur.

Die Ereignisse warfen mich nicht nur in eine Talsohle, sondern in ein düsteres, finsteres Loch. Es war ganz in der Nähe der Hölle angesiedelt.
Während Wochen des Psychoterrors tröpfelte bohrend eiskaltes Wasser auf meinen empfindlichen, überhitzten Schädel. Durch die starke
emotionale Belastung schrie ich in nächtlichen Panikattacken und Albträume rissen mich aus dem Schlaf.
Ganz langsam bin ich am Aufarbeiten der Ereignisse. Schleppend dringt etwas Licht in eine eher trüb diffuse Mixtur menschlichen Daseins.

Wir hatten unlängst einen nicht unbedingt pflegeleichten Gast zu betreuen. Wir versuchten unser bestes, was offenbar nicht genügte.
Während fünf Tagen boten wir ihm Unterkunft, Ausflüge und Exkursionen, sowie ein kulinarisches Feuerwerk, von Thai Spezialitäten aus der
Küche und ausgesuchten Restaurants bis zu frischen Früchten and Leckereien vom Grill aus unseren Gärten an. Dazu hatte der Besucher einen
grösseren Vorrat an Schokoladen, Biskuits und Junkfood im Gepäck.
Bereits nach fünf Tagen, am 17. Oktober, ertrug er unsere Bewirtung nicht mehr. Er benötigte zum Überleben in Lanna-Land unbedingt Essen
von KFC, sowie die neueste CD von Shakira. „World Wide release 15. October 2010,“ wie er eindringlich betonte.
Ich zweifelte etwas daran, ob Shakira in so kurzer Zeit den Weg ins eher provinzielle Chiang Mai fand.

KFC sagt im Internet: „Wir versuchen stets alle Gäste zu ihrer Zufriedenheit zu bedienen.“  Bisher bedienten wir die Gäste nicht. Wir strebten
danach, sie zu verwöhnen, was teilweise gelang.
Wir waren mit der Zubereitung von Brathähnchen nach dem Originalrezept von Colonel H.D. Sanders aus Kentucky überfordert und offerierten
deshalb unserem delikaten Gast zwanglosen Transport zu KFC fürs Abendessen, eingeschlossen die anschliessende Rückreise, Shakira
eingeschlossen, in sein freies Quartier. Er nahm mein Angebot nicht zur Kenntnis und antwortete schlicht nicht, nachdem er mich bereits den
ganzen Tag ignorierte.

Drei Stunden nach einem reichlichem Mittagessen, stand Dick in der Küche des Beautysalons und durfte eine zusätzliche Mahlzeit für den
hungrigen Besucher zubereiten. Sie mag es, wenn heisshungrige Gäste ihre Spezialitäten geniessen.
Dieser hatte einen schweren rostigen Hammer und eine scharfe Axt mit einem elegant geschwungenen Griff in seiner Reisetasche. Er zeigte
seine Bewaffnung der Köchin und meinte todernst:
„Wenn Du mich vergiften willst, stirbst du zuerst.“
Solche Worte inspirieren natürlich einen Chef. Das muss ich demnächst nachahmen.

Während dessen unterhielt ich mich bei etwas Wein auf der Veranda mit wesentlich gesprächigeren Gästen. Wir waren ahnungslos, was bloss
dreissig Meter entfernt von uns ablief. Dick präsentierte mir später kurz die unglaubliche Werkzeugsammlung lokalen Ursprungs.

Danach verschwand der vermutlich gesättigte Gast mit seinem Gepäck auf einem der Fahrräder. Er führte, wie wir einen Tag später herausfanden,
ein Dutzend Schlüsselanhänger, etwa zehn Taschenlämpchen und Lampen, achtzehn CD und DVD, einen Laptop, DVD Wiedergabegerät mit
Bildschirm, diverse MP3 Spieler, eine externe 330 GB Festplatte, Netzgeräte, Verbindungskabel, diverse Kopfhörer, USB Hub, ein Pfund Bonbons,
zwei Regenschirme, zwei Telefone, zwei unterschiedliche Besteckgarnituren vom Typ: “Abenteuermahlzeit in der Wildnis“ und neben Axt und
Hammer zwei Pfeffersprays “Made in Germany“ zur Selbstverteidigung mit sich. Diese Sprays wurden in den Flughäfen offenbar nicht beanstandet.

Am Dorfeingang schmiss er unser neueres Fahrrad achtlos ins hohe Gras, trat wütend dagegen und demonstrierte sichtbar seine schlechte Laune.
Möglicherweise funktionierte die Schaltung schlecht oder ein Tröpfchen Öl war da und dort in der Kette festgeklemmt.
Dann versuchte er, von irgend jemandem ein Moped zu mieten. Sein Plan war, damit samt seiner Elektronik nach Bangkok zu reisen. Bangkok
liegt ja gleich um die nächsten zwei, drei Ecken. Der Flieger benötigte für die Strecke nur eine gute Stunde.
Die angesprochenen Dorffrauen telefonierten sogleich Dick, als sie den drängelnden Kunden identifizierten. Eine Vermietung fand wegen unserer
engherzigen Auslegung, der Mann hatte weder Ausweise noch Erfahrung im Umgang mit Motorfahrzeugen, nicht statt.

Als wir mit unseren Gästen kurz nach sechs Uhr zum Essen aufbrachen, war unser spezieller Kostgänger, den wir gemäss Verabredung in die
Fressbude seiner Wahl bringen wollten, nicht aufzufinden. Er war und blieb längere Zeit verschollen. Telefonisch war er trotz Thai SIM Karte
nicht erreichbar.

Nach der Rückkehr von unserem Lanna-Abendessen fand Mowgli den Bauchbeutel des Vermissten mit Pass und vielen Farang-Banknoten auf
der Strasse vor dem Beautysalon. An flatterndes Papiergeld gewöhnte sich Mowgli in den vergangenen Tagen, weil unser Spaziergänger in der
nächtlichen Finsternis jeweils den Garten des Gästehauses, Bäume und Sträucher reichlich mit Geldscheinen zu dekorieren pflegte. Wie Obst
sammelte der Knabe in den frühen Morgenstunden den Geldsegen ein, um ihn später zwecks Recycling dem Eigentümer wieder auszuhändigen.

An all diesen und folgenden unglücklichen Ereignissen trage ich die alleinige Schuld und Verantwortung. Dies ist jedenfalls die felsenfeste
Überzeugung unseres betrübt beleidigten Klienten.

Die Fortsetzung lesen sie komischerweise in:
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg148325#msg148325

« Letzte Änderung: 23. November 2010, 11:00:31 von Low »
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Kern

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1312 am: 23. November 2010, 12:23:53 »

Hallo Low


Du bist weit ueberdurchschnittlich gastfreundlich, tolerant und duldsam.
Gluecklicherweise haben auch andere Mitmenschen diese Eigenschaften. Aber wohl die wenigsten anderen Mitmenschen haetten diesen unfreundlichen Idioten so lange so nett behandelt.
Das ist ein weiter und vielschichtiger Themenbereich:  z.B. Toleranz/vordergruendige Eigen-Interessen und Gastreundschaft/Quaelerei usw.


Gruss   Achim
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Grüner

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1313 am: 23. November 2010, 15:46:54 »

Wenn möglich, sollte man kranke gewalttätige Seelen von sich fernhalten, da sie einen selbst runterziehen. Jedenfalls NICHT rund um die Uhr an sich ranlassen.
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1314 am: 24. November 2010, 17:42:49 »

Low,
hoffentlich sind die betroffenen Lanna-Leute gutmütiger als der Retter..
Gegen viele Deiner hinterindischen Geschichten verblassen meine sporadisch auftretenden Albträume.
Deine obige Gastgebergeschichte zeigt aber, dass nichts so schlimm ist, dass es nicht noch schlimmer
werden kann. Wahnsinn!

Ich wünsche Dir/Euch in Hang Dong von Herzen alles Gute.

Gruß, kmr  .
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Low

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Wahnsinn als Reisegepäck
« Antwort #1315 am: 26. November 2010, 13:22:14 »

Wahnsinn als Reisegepäck

Dieser Aufsatz wird verständlicher für Leser, welche die Vorgeschichten “Schlechte Gastgeber“ (1) und “Jesus in der Gummizelle“ kennen (2).
Er zeigt, dass man persönliche Probleme vor Ort lösen sollte, denn vor ihnen gibt es kein entkommen. Sie reisen mit.

Grüner hat vollkommen recht. Ich versuchte nicht nur kranke Seelen fernzuhalten, sondern wurde im Laufe der Jahre zunehmend kontaktscheu.
Etwas anders war die Lage bei Onkeln und Tanten und ähnlichen Verwandten. Mein abgrundtiefes Misstrauen ist inzwischen fast unbegrenzt
krankhaft.

Der niederträchtige Kerl war Gast bei meiner hochschwangeren Tochter. Seine Reise nach Thailand war auf Ende Monat geplant. Weil er die
tagsüber berufstätige Frau abends und morgens durch sein egoistisches Verhalten masslos ärgerte und reizte, er bemerkte in seiner
Selbstverliebtheit nicht einmal ihre Schwangerschaft, beschleunigten wir seine Abreise nach Thailand. Vielleicht retteten wir dadurch ein
ungeborenes Kind.

Wenn unser Besucher vom Gästehaus her kam, setzte er sich zuweilen an den Tisch, ass einige tropische Fruchthäppchen und sprach mit mir
über seine Projekte. Unvermittelt wurde er aggressiv und beschuldigte mich laut schreiend als Zerstörer seiner Vergangenheit und Zukunft.
Ich widersprach selten, denn ich nahm an, dass er mich weder hörte noch hören wollte. Nachdem er seinen Ballast abgeworfen hatte, brach
er für einige Zeit in Heul- und Weinkrämpfe aus, die sich dann teilweise in fast hysterischem Gelächter auflösten.
Dass er krank war, zeigte sich an seinen Ängsten. Er fühlte sich bedroht und verfolgt und fand teilweise den Weg geradeaus ins etwa
zweihundert Meter entfernte Gästehaus nicht mehr. Er brauchte ärztliche Fürsorge. Wie konnten wir helfen?

Für uns war seine Aktion im Nachhinein betrachtet, das Beste was geschehen konnte. Noch am Mittag telefonierten wir einer uns bekannten
Fachärztin und versuchten, einen Termin mit ihr zu vereinbaren. Sie hatte wegen Vorlesungen erst am späteren Nachmittag Zeit. Ob der Patient
mit uns die Sprechstunde besucht hätte, ist fraglich. Eine stationäre Behandlung in der Klinik hätte er sicher abgelehnt. Doch dann überstürzten
sich die Ereignisse.

Nach seiner Missetat zweifelte ich lange an meinem Vorgehen. Als Polizei und Ambulanz in Chiang Mai am Tatort waren, wir verfolgten das
Geschehen wie eine Fussballreportage am Telefon, hätten wir eigentlich den Wagen am nächsten U-Turn sofort wenden und nach Hause zurück
kehren sollen. Empfehlenswert wäre eine Flugreise ins benachbarte Ausland gewesen.
Aber ein längerfristiges Entkommen gab es für uns kaum. Die Polizei hätte uns als Gastgeber leicht mit Hilfe von Immigration und Telefonnummern
ermittelt. Andererseits konnten wir durch unsere Anwesenheit dem Täter und Patienten helfen. Der Polizei war es sehr angenehm, die
Einlieferungsinstruktion für die Klapsmühle entgegen zu nehmen.

Die Verhältnisse sind hier so, dass eine Ambulanz meisten keine Soforthilfe anbieten kann. Es gibt weder Schmerzmittel noch Beruhigungsspritzen
für verhaltensgestörte oder tobende Patienten. Da wird durch rohe Gewaltanwendung für den Transport eher ein Knochenbruch riskiert,
als einige Baht in Medikamente zu investieren.

Die Festnahme durch die Polizei, sechs Uniformierte und einen Fahnder in Zivil, erfolgte auf meine Handzeichen professionell, schnell und
schmerzfrei. Die wenigen anwesenden Sanitäter hätten sicher mehr Mühe bekundet.

Beim Spitaleintritt gibt es meist keine ärztliche Hilfeleistungen, bis die Kostenfrage gelöst ist. Unser Patient wartete festgeschnallt auf einer
harten Transportliege im Spital in Begleitung eines Beamten während mindestens drei Stunden, bis wir den Tatort verliessen und im Spital
die Eintritts-Formalitäten erledigt hatten.

Die Spitalpflege war überraschend gut. Abgesehen von der ersten Nacht, die er mit schwer kranken Menschen in der Hochsicherheits-Abteilung
verbrachte, war der Aufenthalt mehr als zumutbar.
Seine erste, jüngere Ärztin vertraute seinen Aussagen und wollte ihn bereits nach einem Tag in ein VIP Einzelzimmer stecken.
Die Chefärztin durchschaute den Patienten, der immer noch Stimmen mit Todesdrohungen und weiteren Botschaften aus dem Jenseits hörte
sofort und bemerkte, dass ein Privatzimmer wegen seiner Unberechenbarkeit viel zu riskant sei.
Der Kranke zeigte sich während Wochen zwischen gutmütig bis launenhaft  aggressiv. Es gab Tage, an welchen wir ihn nicht besuchten oder
wir verabschiedeten uns bereits nach wenigen Minuten. In guten Zeiten wirkte er als Clown und Unterhalter auf der Abteilung. Er war als
Sänger und Tänzer sehr beliebt.

Fortsetzung folgt
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dart

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Re: Schlechte Gastgeber in Hinterindien
« Antwort #1316 am: 26. November 2010, 18:40:53 »

Low, sei mir bitte nicht böse, aber wenn man beide Geschichten gelesen hat, kommt man schnell zu dem Eindruck das ihr ein gesteigertes Leidensbedürfniss habt.

Den Patienten hätte ich bereits nach dieser Aktion aus dem ersten Bericht ganz schnell entsorgt, völlig unabhängig von familiären Banden.

Dieser hatte einen schweren rostigen Hammer und eine scharfe Axt mit einem elegant geschwungenen Griff in seiner Reisetasche. Er zeigte
seine Bewaffnung der Köchin und meinte todernst:
„Wenn Du mich vergiften willst, stirbst du zuerst.“

So etwas geht gar nicht, warum sollte man sich ernsthaft weiteren, möglichen Gefahren aussetzen? --C
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Low

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Wie entsorge ich einen Aggressor?
« Antwort #1317 am: 26. November 2010, 21:47:15 »

@Dart

Du hast recht. Danke.

Wie entsorge ich einen Aggressor?

Low, der durch die Ereignisse etwas gestresste Erzähler, machte einen kleinen, aber bedeutenden Fehler.
Nach dem Zitat geht die Geschichte weiter mit:

Während dessen unterhielt ich mich bei etwas Wein auf der Veranda mit wesentlich gesprächigeren Gästen. Wir waren ahnungslos, was bloss
dreissig Meter entfernt von uns ablief. Dick präsentierte mir später kurz die unglaubliche Werkzeugsammlung lokalen Ursprungs,

Dann vergass ich zu erwähnen: ..., ohne dass sie die verbale Bedrohung in der Küche erwähnte.

Davon erfuhr ich erst später im Auto. Wir hatten ja angenehme Gäste, die wir betreuen, aber keineswegs verängstigen wollten.

Es ging es weiter mit:
Danach verschwand der vermutlich gesättigte .....

Nach dem Abendessen warnte ich Mowgli und Dick, den offenbar gewaltbereiten Gesellen in keines der beiden  Häuser eindringen zu lassen.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich gewillt war, ihn bei einem eventuellen Angriff kaltblütig abzuschlachten. In den letzten Wochen
tötete ich ohne Zeugen trainingsweise nur Hühner und Schweine mit Ursprung der Farm Kleptomanewitsch.

Glücklicherweise trafen wir den aussergewöhnlichen Besucher erst am nächsten Tag unter dem beidseitigen Schutz der Ordnungshüter. Bis auf
einige tausend Baht war ich vollkommen unbewaffnet.

OK?

Ich danke den kritisch aufmerksamen Lesern. Für Sherlock Holmes Nachfolger gibt es noch einige heikle Stellen in den Manuskripten, welche
ich im Nachhinein erklären könnte.
Vielleicht begreifen nun einige Leser meine Schlafstörungen.
Nach dem Frauentreffen ist unser Wagen in der Werkstatt. Ich kann mir weder Pillen noch Schnaps besorgen.


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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1318 am: 26. November 2010, 22:16:25 »

"Nach dem Frauentreffen ist unser Wagen in der Werkstatt."

Welcher hinterindischen Kalamität verdankt euer Auto seine Make up Aufenthalt in der Werkstatt?
Waren es etwa die drei Bier undefinierter Größe?

Ich bin schon so gespannt...

Wolfram
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Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

dart

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Re: Wie entsorge ich einen Aggressor?
« Antwort #1319 am: 26. November 2010, 22:18:26 »

Ich danke den kritisch aufmerksamen Lesern. Für Sherlock Holmes Nachfolger gibt es noch einige heikle Stellen in den Manuskripten, welche
ich im Nachhinein erklären könnte.
Du muss den Sherlock Holmes Nachfolgern sicher nichts erklären, mit ein wenig Glück können die auch lesen, und mit noch etwas mehr Glück das Gelesene auch verstehen. }{
Was du selber hier an schrägen, zum großen Teil auch an extrem gefährlichen Geschichten aus deinem kleinen Dorf lieferst, innerhalb der kurzen Zeit in der ich hier angemeldet bin,  ist ohnehin Outstanding......versteh mich nicht falsch, auf meinem kurzen Lebensweg hab ich schon einige Mitmenschen kennengelernt, die offenbar negative Dinge magnetisch anziehen.
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