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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449507 mal)

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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1380 am: 25. Januar 2011, 21:12:59 »

Lieber Low,

jetzt tun mir meine beiden etwas schnoddrigen Antworten  auf Deinen
Beitrag "Bettlektüre" wirklich leid. Ich las wohl zu unsensibel.

Gut nur, dass es Dir (wenn auch nur wenige) zugewandte Menschen nicht
nur in der Vergangenheit gab. Wenn auch von Lebensqualität kaum etwas
bleibt, die Qualität Deiner Ausdrucksfähigkeit bleibt eine Gabe, von der wir
hier alle etwas haben. Respekt und Dank!

Gruß, kmr
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Low

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Leckerbissen aus Hinterindien
« Antwort #1381 am: 29. Januar 2011, 12:41:51 »

Leckerbissen

Zwei Knaben mit den landestypischen Krankheiten Hunger und Geldmangel trödelten gelangweilt herum. Sie zupften an bunten Blumen und
Gräsern und kickten kaputte Kehrichtsäcke. Ein mittelgrosser Käfer erweckte ihre Aufmerksamkeit. Sie fingen ihn und spielten mit dem
bemitleidenswerten Tier, welches nun dazu verdammt war, Zirkuskunststücke zu erlernen. Der eigensinnige Käfer jedoch wollte nicht.

Ratlos beobachteten beide Knaben den krabbelnden Käfer, bis einer meinte:
„Gibst du mir einen Baht, wenn ich dem Käfer den Kopf abbeisse?“
„Das tust du sowieso nicht, blöder Angeber. Du magst ja nicht einmal gebratenen Bambuswurm. Einen Baht ist mir das Vergnügen schon Wert.“

Der geldgierige Junge blickte schelmisch auf den Käfer, schluckte einige Male leer. Dann biss er unerwartet zu.
In der Hand hatte er den immer noch krabbelnden kopflosen Käfer.
Mit der anderen Hand empfing er die Münze, die ihm nur zögerlich überreicht wurde.
Der Käfer bewegte seine Beinchen entschieden langsamer, als der Geldgeber seinen Kameraden fragte:
„Gibst du mir meinen Baht zurück, wenn ich den Rest des Käfers esse?“

Anmerkung:
Heuschrecken, in der Flugperiode, am Anfang der Regenzeit Termiten, werden im Dorf häufig als Rohkost verzehrt. Eine grosse Heuschrecke
gilt einen Baht.
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Low

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Ein Geheimnis vieler Bar-Girls aus Hinterindien
« Antwort #1382 am: 01. Februar 2011, 14:57:46 »

Ein Geheimnis vieler Bar-Girls

Als ich die Geschichte “Leckerbissen“ Mowgli, einem geborenen Kleintiervertilger und Insektenvernichter erzählte, lachte der Tränen. Warum?
Ich kenne diese Dörfer und deren derbe Delikatessen. Es ist ja nicht nur der Hunger, sondern teilweise Neugier, Mutprobe und Überlieferung,
neben Früchten, Gemüsen, Kräutern und Pflanzen, alles was kreucht und fleucht zu verspeisen.
Andererseits sagte mir vor vielen Jahren eine gebildete Chinesin, sie verstehe es nicht, dass wir Europäer vergammelte Milch, stinkenden Käse,
essen.
Für mich ist es in mancher Hinsicht wenig begreifbar - doch äusserst interessant, was Krethi und Plethi alles in den Mund und freiwillig teils aus
Langeweile, teils zum Kitzel und Spass ebenfalls in andere Körperöffnungen schiebt und stösst.

Dabei fühlte ich mich seit meinen jungen Jahren mit den Medizinern relativ abgehärtet, denn ich erlebte vom steckengebliebenen silbernen
Serviettenring im Maul bis zum Suppenschöpfer in der Vagina – oder war es gerade umgekehrt - bereits in der Schweiz ein buntes Kaleidoskop
menschlicher Irrungen und Wirrungen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kaleidoskop

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dii

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1383 am: 01. Februar 2011, 15:08:53 »

...kann ich mir jetzt nicht verkneifen 



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...Alkohol macht langsam dumm - egal,wir haben Zeit... kein Sklave mehr  >:

wyooo

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1384 am: 01. Februar 2011, 15:23:53 »

...kann ich mir jetzt nicht verkneifen 

Ist das nicht unbequem?  ???
Kniest du jetzt vor deinem Laptop?  :]
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Low

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Missbrauch
« Antwort #1385 am: 01. Februar 2011, 16:47:24 »

Trotz bewusst beschränktem Vokabular wurde die Geschichte mit sämtlichen Variationen verstanden.
dii, danke, sind Flaschen Früchte oder Gemüse?
Es handelt sich bestimmt um eine ältere Aufnahme, denn heutzutage werden oft Mobiltelefone missbraucht.

Vom Missbrauch des Telefons handelt die nächste Geschichte.
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1386 am: 01. Februar 2011, 18:52:40 »

Wir haben aus diversen Körperöffnungen schon die tollsten Gegenstände geborgen.
Die Colaflaschen waren über einen längeren Zeitraum bei Männlein und Weiblein offenbar sehr beliebt, aber auch Massagestäbe, Kugelschreiber, sogar Haarspraydosen (auf dem Röntgenbild nur durch die Metallfeder im Sprühmechanismus zu identifizieren) und eine Menge anderer Gegenstände. Merkwürdigerweise wussten die Patienten nie, wie die bewussten Gegenstände an die Orte des späteren Auffindens gekommen waren.
Auch ein tragischer Fall war dabei. Eine Glasflasche hatte bei einem dilletantischen Bergungsversuch den Enddarm verletzt, die anschließende Bauchhöhlenentzündung hatte der Patient, der sich sehr geschämt hatte, solange verheimlicht, bis ihm nicht mehr zu helfen war.
Er verstarb sozusagen an einer Liquidepur-Flasche (Liquidepur ist ein Abführmittel!).

Ein Mobiltelefon habe ich an den verdächtigten Stellen bisher nie erblicken müssen. ;]

Wolfram
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Antares

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1387 am: 03. Februar 2011, 01:07:52 »

Hallo miteinander, der Patient hat auf der rechten Seite auch noch eine Hüftgelenksprothese......der scheint was auszuhalten. {+

Grüße
Marcus
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1388 am: 03. Februar 2011, 13:35:03 »

Richtig, Antares.
Was lehrt uns diese Abbildung?
Bei Verwendung eines weicheren Materials wäre unter Umständen das Gelenk nicht beschädigt worden.

Marmor, Stein und Knochen bricht, aber diese Flasche nicht.

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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1389 am: 03. Februar 2011, 19:03:21 »

Die Hüftgelenksprothese sitzt im Gegensatz zu der mitabgebildeten Flasche übrigens regelrecht, obwohl sie auch schon ein älteres Modell ist - genau wie der Prothesenträger. {+

Wolfram

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Low

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Schrübli-Müller
« Antwort #1390 am: 03. Februar 2011, 20:40:14 »

Schrübli-Müller

Sehr interessant, Wolfram.
Erkennst Du etwa die Handschrift von Schrauben-Müller, liebevoll Schrübli-Müller genannt.
Professor Maurice E. Müller war von 1963 bis 1980  Ordinarius für Orthopädie und Chirurgie des Bewegungsapparates an der Universität Bern
und Direktor der Universitätsklinik für Orthopädische Chirurgie am Inselspital in Bern. Er gilt als Pionier der orthopädischen Chirurgie.
Maurice Müller war ein bedeutender Kunstmäzen und mit etwa hundert Millionen Stifter des Zentrums Paul Klee in Bern.

http://de.wikipedia.org/wiki/Maurice_Edmond_M%C3%BCller

http://www.paulkleezentrum.ch/ww/de/pub/web_root.cfm


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Low

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Kabale und Triebe in Hinterindien
« Antwort #1391 am: 04. Februar 2011, 09:26:45 »

Kabale und Triebe                                                                                                                                          Jan./ Feb. 2011
Teil 1

In der Schule behandelten wir im Musik- und Sprach-Unterricht während Wochen die Zauberflöte. Gemeint ist das von Wolfgang Amadeus
Mozart komponierte Singspiel mit Orchesterbegleitung. Das Libretto schrieb angeblich ein Emanuel Schikaneder. (1)
Im Singsaal krächzten sonderbar schrille Stimmen begleitet mit Knackgeräuschen und Klavier von uralten Schellackplatten, Vorkriegsware,
undefinierbar im Raum. (2) Die Technik interessierte mich mehr als die Geräusche, denn mit wirklicher Musik hatte der Lärm wenig Ähnlichkeit.

Das Ziel war, dass eine Horde prügelnder pubertierender Knaben die Aufführung des Werkes im altehrwürdigen Stadttheater verfolgen und
geniessen sollte. In der Folge waren uns Personen wie Paparazzi und Papagalli geläufig, ich meine natürlich Papageno, Papagena und Pamina.
Als wir dann durch Krawatten und viel Brillantine in den Haaren verstärkt im Theatersaal gespannt warteten bis sich der Vorhang endlich hob,
gab es anstelle von Emanuel Schikaneder Friedrich Schiller: Kabale und Liebe. (3)

Ein als bürgerliches Trauerspiel zu bezeichnendes Drama erlebten wir in den vergangenen Wochen durch die niederträchtige Handlungsweise
sogenannter Vertrauenspersonen. Oder würden sie ihren wertvollsten Besitz, ihre Kinder, Erpressern, Lügnern, Gaunern und Schurken
anvertrauen?

Dick hatte seit Wochen einige Geschäfte in Phitsanulok zu erledigen. Wir dachten daran, Mowgli zur Bildungsreise mitzunehmen, denn übliche
Schulreisen enden in Einkaufsparadiesen. Am Central Airport Plaza in Chiang Mai zählten wir auch an schlechten Tagen mindestens fünfzehn
Reisebusse diverser Schulen. Kinder ohne Taschengeld übten den halben Tag für die Weltmeisterschaften im Rolltreppenstrammstehen. Die
sportlichen Dummköpfe unter ihnen besprangen die Treppen in der Gegenrichtung. Übergewichtige Schüler bevorzugten nach einem Happy
Meal oft Lifte als Dauerpassagiere. Wäre ich heute Medizinstudent, würde meine Dissertation lauten: Reizgefühle im jugendlichen Darm beim
brüsken Abbremsen eines Liftes mit einem Viertelpfünder im Magen.

Als Dick in der Schule vorsprach und ihr Begehren für die Reise anmeldete, drohte die Schulleitung damit, dass demnächst ein absolut
lebenswichtiges Pfadfinder-Lager auf dem Programm stehe. Sollte Mowgli fehlen, würden wir später auf ein Abschlusszeugnis der Schule wohl
vergeblich warten.
Dick erhielt eine Liste von Gegenständen, welche die Teilnehmer mitbringen mussten. Wir bereiteten alles vor. Der Gatte und Ehegemahl der
Raumpflegerin würde Mowgli ins Lager fahren. Am Tag unserer Abreise rief einer der Lehrer an, Mowgli müsse zusätzlich ein Zelt mitbringen.
„Etwas zu spät, Herr Oberlehrer. Wir fahren auf der Autobahn. Da gibt es leider nur sehr beschränkt Zelte zu kaufen!“

Am Donnerstagmorgen war Mowgli bereits um sieben Uhr am künftigen Lagerplatz. Er erzählte uns am Telefon, dass viele Knaben, jedoch keine
Lehrer oder Aufsichtspersonen an Ort seien. Wahre Ware Freiheit im Land der Freien. Welch ein grosszügiger Unterschied zur alten Welt,
wo pingelige Lagerleiter meistens bereits am Vorabend das Gelände rekognoszieren und vorbereiten.

Am späten Freitagnachmittag erhielten wir die Meldung, dass Mowgli schon wieder zu Hause sei. Er sei beim Spiel gestürzt. Die Schule hätte
ihn ins Spital zur Untersuchung gebracht. Man hätte keinerlei Brüche oder Schäden festgestellt.
Wir wußten, seine Betreuung war gesichert und machten uns wenig Sorgen. Trotzdem beschlossen wir, einen Tag früher als vorgesehen,
bereits am Samstag am frühen Abend zu hause zu sein, um im Bedarfsfalle beistehen zu können.

Mowgli und die Putzfrau erzählten uns dann ihre Versionen der Geschichte.
Mowgli fand einen Platz in einem sechser Zelt. All die andern Knaben besaßen Telefone mit eingebauten Kameras. Sie nutzen die Linsen nicht,
um Fauna und Flora der Umgebung  zu filmen. Sie onanierten Tag und Nacht und hielten ihre ausdrücklichen Samenergüsse eindrücklich mit
der Kamera fest. Diese pornografischen Meisterwerke wurden dann via Telekommunikation zu Fachleuten in die andere Zelten übermittelt.
Weil Mowgli weder überbordende Lust noch über einen einschlägigen Telefonanierografen verfügte, verdammten ihn seine wild spritzenden
Kameraden zum Schmiere stehen vor dem Zelt.
Als er lange nach Mitternacht müde wurde, in der Kälte schlotterte und einen Lehrer suchte um Verrat zu begehen, hatte die Aufsichtsperson
keine Zeit, sich um die Kleinen zu kümmern. Die älteren Schüler benötigten angeblich strenge Überwachung. Die verlustierten sich nicht nur mit
Genitalien. Sie hatten Alkoholika, sie rauchten, qualmten  und konsumieren Drogen. Gute Nacht!

Als Mowgli nach einer praktisch schlaflosen Nacht unmittelbar nach dem Frühstück bei einem Spiel laufen sollte, wurde ihm schwindlig und er
stürzte. Die Lehrer schleppten ihn in ein Zelt. Einer der Lazarettgehilfen verstopfte seine Nasenlöcher mit Tiger-Balsam! Mowgli verträgt die
Schmiere nicht und erbrach prompt sein Morgenessen.

Fortsetzung folgt.

Bedingt durch die Geschichte nutzte ich die Gelegenheit, um mir einige neuere Ausschnitte aus der Zauberflöte auszusuchen und anzuhören.
Die Ausnahme ist die nicht ernst zu nehmende Aufnahme mit Frau Foster Jenkins aus dem Jahre 1944.
Viel Vergnügen wünscht
Low

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zauberfl%C3%B6te

W. A. Mozart - Ouvertüre "Die Zauberflöte" KV 620, Levine


Duett Papageno-Papagena mit Cecilia Bartoli

Diverse Auszüge, Muti 2006

Lucia Popp als Königin der Nacht
 
Dito:
Die schlechteste Sängerin der Carnegie Hall: Florence Foster Jenkins

Mehr über Florence:
http://de.wikipedia.org/wiki/Florence_Foster_Jenkins

(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Schellackplatte
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kabale_und_Liebe


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Low

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Kabale und Triebe II Teil
« Antwort #1392 am: 07. Februar 2011, 13:33:50 »

Kabale und Triebe
Teil 2

Darauf riefen die Lehrer unsere Putzfrau an, um den stinkenden Kranken raschmöglichst loszuwerden. Als die Putzfrau meldete, ihr Mann sei
in zehn Minuten im Lager, beauftragten die Lehrer Mowgli, seine sieben Sachen zu packen. Auf dem Weg zu seinem Zelt brach er endgültig
zusammen.
Er war für mindestens zwanzig Minuten bewusstlos und war erst im Spital von Hangdong wieder ansprechbar. Unsere Perle, nicht die Schule,
brachte ihn dorthin. Der diensttuende Arzt gab ein in einem Tempel gesegnetes Paracetamol und sandte den Patienten ohne weitere
Untersuchung nach Hause.

Als ich vernahm, dass Mowgli auf den Rücken stürzte, führte ich Gefühlstests an seinem ganzen Körper durch. Er hatte einige Ausfälle an seinem
linken Arm. Doch eine Rückenmarksverletzung konnte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschliessen. Er litt unter Kopfschmerzen. Ich gab ihm ein
weiteres Paracetamol und empfahl Bettruhe.
Es dauerte etwa vier Tage, bis das Kopfweh merklich nachliess. Die Sensibilität am Arm verbesserte sich täglich. Dick brachte ihn danach wieder
ins Spital nach HangDong. Dort fühlte man sich nicht kompetent. Es gebe in der Stadt ein Spital für Hirnprobleme, erklärte eine Fachfrau griesgrämig.
Dort sei die Goldkarte leider ungültig. Sie nahm die Versicherungskarte und zerschnitt sie demonstrativ.

Dick verlangte wütend einen Überweisungsschein an die Klink in Chiang Mai. Die Frauen stritten sich. Dick kühlte darauf ihr überhitztes Haupt in
einem Beautysalon.
Eine Anfrage an die Schule ergab, dass die Schulversicherung bloss für Unfälle gelte. Der Knabe aber sei krank. Die Schule und ihre Versicherung
seien für Krankheiten nicht zuständig.  Einige Stunden später stellte das Spital in HangDong endlich einen Überweisungsschein aus.
Ich überlegte, ob ich während der letzten Jahre je epilepsieähnliche Symptome an Mowgli beobachtete. Unsere relativ stressige Reise in der
grössten Hitze in den Isaan überstand er jedenfalls problemlos. Der Einzige, der in seiner Anwesenheit je auf den Kopf fiel, war ich.

Wir hatten das Glück, eine gute Ärztin zu finden. Sie investierte Stunden für genaue Abklärungen und ordnete einen zusätzlichen MRI Scan an.
Zu denken gab uns allerdings, als sie erzählte, ihr Sohn sei bei einem Pfadfinder-Lager mit einem Messer in den Bauch beglückt worden.
Die Lagerleitung lehnte jegliche Verantwortung mit der fadenscheinigen Begründung ab, der “Unfall“ habe sich erst nach der Einstellung des
Lagers ereignet. So etwas ist kein Unfall, sondern ein Verbrechen.
Die Frau wurde gebeten von einer Klage gegen den Täter abzusehen, da es dem Ansehen der Schule schaden würde! (Diese Standardformel
ist mir mittlerweile wohl bekannt. Der Ursprungsort könnte die Universität Chiang Mai sein. Dort gilt dann für die Studenten zusätzlich allgemeine
Schweigepflicht.)

Sie wechselte erfolglos die Schule des Jungen. Die vorsätzliche und gedankenlose Brutalität der Jugendlichen kombiniert mit dem Unvermögen
von Lehrern und Leitung trug erneut Früchte. Ein Trommelfell des Jungen ist zerstört. Schule und Versicherung lehnten erneut jegliche Haftung ab.
Wie wäre denn das, wenn sich einer der Galgenvögel beim Onanieren im Zelt den Penis verletzt?

Die Ärztin stellte für Mowgli ein Zeugnis zu Handen der Schule aus und bat die Lehrerschaft, Mowgli gegenwärtig weder sportlichem Stress
noch der Sonne auszusetzen.
Als er wegen Schwindelanfällen die Schule anrief und dem Lehrer mitteilte, er könne den Unterricht nicht besuchen, erwiderte der forsche Typ:
„Du lügst. Ich will deine Mutter sprechen.“
Dick sagte dem Mann am Telefon: „ Mowgli lügt nicht.“
„Lasen die Herren Lehrer das ärztliche Attest?“
Natürlich nicht. Die nehmen doch nicht jeden Wisch zur Kenntnis. Der geht bestimmt verloren. Sicherheitshalber machte ich eine Kopie auf der
Festplatte.

Hier ist es nicht üblich, Abwesenheiten der Kinder schriftlich zu bestätigen oder zu entschuldigen. Die Bengel schwänzen unbehelligt tagelang
die Schule und betreiben häufig mit läufigen Mädchen Fortpflanzungs- und Inseminations-Seminare. Diese bemerkenswerten Tätigkeiten wurden
genauestens mit Telefonen festgehalten. (4)
Am 7. November 2008, bei meiner Anmeldung im Forum, war ich ahnungslos, was das Wort Telefonsex in Zukunft bedeuten könnte.

Nachlese:
Vom Krankenhaus in Chiang Mai erhielt Dick ein gelbes Formular zum Bezug einer neuen Goldkarte. Der Bezugsort: Spital HangDong, wo die
alte Karte bewusst vernichtet wurde. Der Aufwand zum Bezug eines neuen Ausweises schliesst ein Reislein ins Spital ein. Dort sitzt man geduldig
mehrere Stunden, bis man an gnädigerweise bedient wird. Danach vergehen bis zum Erhalt der Karte dreissig Tage. Irgendwo wartet versteckt
eine einheimische Vergrämte mit einer scharfen Schere auf das nächste Opfer.

Stürzte der Knabe wegen einer Erkrankung im Gehirn, oder erkrankte er, weil er stürzte?

Hinterindische Freistil-Pfadfinder-Masturbations-Lager ohne wirklich verantwortliche Leitung mit richtigen Versicherungen gegen allfällige
Schäden gibt es für uns bestimmt keine mehr. Der Knabe darf seine Flöte bei Bedarf im Schönheitssalon mit einer Kamera und Projektion
auf einen Grossbildschirm entsamen.

(4)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg133435#msg133435

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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1393 am: 07. Februar 2011, 17:23:16 »

Zu Kabale und Triebe gibt es eigentlich eine ganze Menge zu bemerken. bzw nachzufragen?

Der Un-"Fall" ereignete sich bei einer Schulveranstaltung (ich neme an mit Anwesenheitspflicht). Die Sturzursache selbst ist dabei solange unerheblich, wie "innere" Ursachen (internistische Vorerkrankungen wie z.B.Herz- oder Nervenerkrankungen) nicht vorliegen.
Auch in Thailand bleibt sowas wohl bis zum Beweis des Gegenteils also erst einmal ein (versicherter) Schulunfall.

Sollte man eine derartige Frage nicht einmal bei VIMAMI stellen? Wir haben doch einen versierten TIP-Juristen.

Ich persönlich würde ja die ganze Story ins englische übersetzen und mal versuchsweise der Bangkok Post zukommen lassen.

Mowgli - den Lisa und ich herzlichst grüßen lassen - ist inzwischen durchuntersucht, eine "innere" Urasche für den Sturz wurde dabei Gottsei dank nicht gefunden, das ist gut so. Trotzdem ist m.E. die eigentliche Ursache des Sturzes nicht bekannt. Eine einzige schlaflose Nacht erklärt mir den Kollaps nicht ganz hinreichend.Das Schmierestehen sollte eigentlich weniger kraftzehrend gewesen sein als der Onaniermarathon seiner "Kameraden".
Der Dank gilt aktuell der pflichtbewusst untersuchenden Kollegin! Ob sie sich in jedem fall so vorbildlich verhalten hätte oder ob sie sich besonders angesprochen fühlte, weil ihr eigener Sohn berits ein ganz beachtliches persönliches Marthyrium hinter sich hat, bleibt hier nebensächlich.
Man sollte sich den Namen der Ärztin aber auf jeden Fall merken, da derart gewissenhafte Ärzte im bewussten Landstrich offensichtlich dünn gesäht sind.

Ich frage mich aus der Entfernung, wie Dick und Du das alles aushalten, ohne gelegentlich Amok zu laufen. ???

Wolfram
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1394 am: 08. Februar 2011, 04:21:10 »

Lieber Low und drwkempf,

bei diesen Schilderungen meint man immer, dass es nicht noch schlimmer
kommen kann, aber immer wieder werden wir hier eines Schlechteren belehrt.
Es gehört schon Einiges dazu, da nicht auszuflippen.

Ich kenne die Gesetzeslage nicht. Was würde passieren, wenn Dick und Low
sagen, dass sie den Jungen nicht weiter einer Lebensgefahr aussetzen wollen
und Mowgli künftig zu Hause unterrichtet wird?

Wenn man so locker Drogen wie Hausaufgabenlösungen unter Lehreraufsicht be-
sorgen kann, wird ein gutes Abschlußzeugnis für´s spätere Weiterkommen zu
organisieren doch sicher auch keine unüberwindbare Hürde darstellen..nur ist man
dann eigentlich schon wieder Teil dieser kranken Strukturen.

Das ganze öffentlich zu machen, wie Dr. Kempf vorschlägt, erfordert sicher auch
"cojones duro", aber die hat Low sicherlich. Viel Glück.

mfg kmr
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