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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 445217 mal)

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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1425 am: 19. März 2011, 19:28:13 »

Lieber Low,

manchmal muss man warten, die Muse küsst nicht im Akkord! {;
Das muss noch lange nicht heißen, dass Obstipationsprobleme - egal welcher Art - vorliegen.
Unsere Vorfahren haben das in dem Merkspruch "Gut Ding will Weile haben" knapp und treffend bemerkt.

Über den Astigmatismus-Kellner habe ich etwas gelacht, mich dann aber gefragt, ob seine Wahl nicht die bessere war.
Ein Singapur Sling schmeckt ja bekanntlich nur, wenn er wirklich gelungen ist. Das kommt nach meiner Erfahrung nicht gerade häufig vor.

Wolfram
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Low

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Feuchter Gruss aus Singapur
« Antwort #1426 am: 20. März 2011, 22:39:45 »

Drwkempf als Muse?

Lieber Herr Doktor,
Hilft Obstler wirklich gegen Obstipation?

Feuchter Gruss aus Singapur                                                                                                                      März 2011

Unser Kellner mit eingebautem, anscheinend virusbefallenem Interpreter – Singapur Sling = Bier Singh,  marschierte auf unser Drängen mit der
Bierflasche in der Hand beleidigt zur Bar zurück und liess einen weiteren Cocktail schütteln, denn auf einen fehler- und stümperhaft gemischten
Drink reagiert mein Magen mit weit weniger Säure als auf die meisten Thai Biere.

Der Singapur Sling stammt ursprünglich aus der Bar des Raffles Hotels.
Ngiam Tong Boon, der sein Handwerk offenbar verstand, kreierte den Longdrink zwischen 1910 und 1915. Das ist fast wie beim echten New
Orleans Jazz, keiner kennt das Geburtsjahr, weil er unter Mitwirkung unsittlicher Einflüsse und unzähliger zweifelhafter Damen im Rotlichtviertel
entstand.
Unglaublich aber wahr: In den dreissiger Jahren ging das Originalrezept verloren. Barkeeper, Bartender, Barmaiden, Tapster und weiteres
Personal versuchten sich krampfhaft an die Mixtur zu erinnern.  Sie fanden angeblich sogar einige Notizen!
Das Rezept, wie es 1936 einem Gast in der Long Bar handschriftlich ausgehändigt wurde, sah Zutaten wie Gin, Cherry Heering, Bénédictine
und Ananassaft von Früchten aus Sarawak vor.

Die teure Brühe, welche heute für 30 S$ in der Bar im Raffles angeboten wird, ist stark modifiziert. Weil weltweit Kulturreisende Riesenmengen
Sling verlangen, werden sie vorgemischt. Eine automatische Mischbatterie kombiniert am Ausschank Alkohol und Ananassaft in genau
ausgemessenen Volumen. Nur auf ausschließliches Verlangen wird der Drink noch von Hand geschüttelt. Trotz des Verkaufserfolgs im Raffles
heimste der Cocktail mehrere unrühmliche, eher despektierliche Bezeichnungen ein. Beim Vergleich der Preise und der Qualität des Angebotes
in Singapur im Mai 2010 schloß Raffles eher bescheiden ab. (1)

Anweisung von 1936 (Raffles Bar) zum Schütteln des typisch tropisch-exotischen Getränkes (Lebenselixiers)
SINGAPUR SLING

30   ml Gin, Gordons London Dry Gin
15   ml Heering Cherry
120 ml Ananassaft
15   ml Limetten Saft
7.5  ml Cointreau
7.5  ml Dom Bénédictine
10   ml Grenadine
einen Spritzer Angostura Bitter

Ausser dem Bénédictine werden die Schnäpse auf fein gebrochenem Eis kurz geschüttelt. Nicht abseihen, den ganzen Shaker-Inhalt ins Glas
gießen, den Ananassaft zugeben und den Bénédictine aufschwimmen lassen.
Mit einem wohlfeilen Stück Ananas (wenn möglich aus Sarawak), Cocktailkirsche und beliebig Orchideen dekorieren. Allfällige Erfolgserlebnisse
bitte mitteilen!

Mein persönliches Bargirl mixte die gebrannten Wasser zu Hause nach einer kurzen Einführungsphase perfekt. Der Lehrverbrauchsverschleiss
kostete uns weniger als zehn Flaschen Gordon und war unter hohem Lallfaktor von Anfang an genießbar. Zur Zeit fehlen uns nur Heering,
Bénédictine und Angostura. Das sind nicht die Namen meiner bevorzugten kurvigen Hausangestellten, sondern fehlender Flaschen.

Wir warten gespannt die weiteren Entwicklungen ab, denn Sling-Variationen gibt es praktisch wie Sand, - in Thailand – Müll, am Meer.
Demnächst wird das populäre Getränk von Raffles mutmaßlich wie Pulversuppe im Beutel verkauft. Der Mist muß dann nur noch zusammen mit
exakt 200 ml kaltem Wasser und Eiswürfeln nach Belieben, kräftig geschüttelt werden.

Frisch von der LeBar,
Low

http://www.singapore-vacation-attractions.com/singapore-sling.html

Vorsicht: Unverdünnter Ananassaft kann Obstipation im Eiltempo, wie ein geölter Blitz, beheben. Solche technischen Probleme treten beim
Genuß von Sling sehr selten auf.
« Letzte Änderung: 20. März 2011, 23:12:23 von Low »
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1427 am: 21. März 2011, 00:15:20 »

Lieber Low,

wir haben ganz offensichtlich ähnliche Erfahrungen mit dem Singapur Sling im Raffles Hotel gemacht. {+
Da ich das thailändische Bier üblicherweise in den gängigen Mengen gut vertrage, neige ich in nicht näher bekannten Bars eher dem Bier zu.

Meine Singapur Sling Erfahrungen in der Bar des Raffles Hotels in der Meerlöwenstadt waren derart, dass ich für lange Zeit weiten Abstand von diesem berühmten Mixgetränk eingehalten habe. Erst ein Barmixer in einem eher unbekannten Hotel konnte mich von dem Irrglauben abbringen, dass dieses Getränk schon ganz prinzipiell fälschlicherweise hoch eingeschätzt wird.
Der oben genannte Barmixer mixte das Getränk in der von Dir beschrieben aufwändigen Weise, ohne bei den Ingredienzien an der falschen Stelle zu sparen.
Ob er allerdings mit Deinem ganz privaten "Bargirl" mithalten kann, werde ich wohl gelegentlich einmal im Rahmen einer Chiangmai Visite herausfinden müssen. :-)

Ich halte übrigens nicht nur von den Bar-Leistungen des Raffles Hotels nicht viel, auch das Hotel ist seinen hohen Preis nicht wirklich wert, es sei denn, man findet ein ausgesucht schnöseliges Verhalten des Hotelpersonals besonders trendy!
Singapur hat fürs gleiche Geld und auch für wesentlich weniger weit besseres in der Hotelszene zu bieten.

Ob Obstler bei Obstipationsbeschwerden hilft?
Kann ich leider nicht beurteilen, weil mir derartige Beschwerden Gott sei dank persönlich fremd sind.
Ich rate zum Individualversuch.

Mir den allerbesten Grüßen an das o.g. Bargirl

Wolfram
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Grüner

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1428 am: 21. März 2011, 18:54:31 »

Wolfram, wem an der Touristenfalle in der Lobby des Raffles nix anderes einfaellt als dort den 10 Millionten S. Sling zu bestellen (fuer Gaeste uebrigens kostenlos) und noch meint, dass er was besonderes kriegt, der muss wohl zwanghaft das nachmachen, was im Lonely Planet steht und dem gehoert es auch nicht anders.  {+

(Daiquiri und Maitai sind im Raffles uebrigens OK, ebenso die dazugereichten Haeppchen ... fuer s naechste Mal)
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TiT

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1429 am: 21. März 2011, 19:29:55 »

Häppchen? Du meinst jetzt aber nicht diese unsäglichen Erdnüsse aus den Sackbatterien hinter der Bar, wovon dann die Schalen überall auf dem Boden rumliegen?
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Grüner

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1430 am: 21. März 2011, 19:35:40 »

TIT, die Rede ist hier nicht von irgendner kleinen Bierbar in der Patpong oder Sukhumvit, sondern vom Raffles Hotel in SIN.

Kannst auch im Oriental Hotel in BKK in der Bar nen Cocktail bestellen, dann weisst Du was ich mit "Haeppchen" meine.

Dort ist ja die gleiche Preisklasse.

Wenn Du die Haeppchen alle schaffst, brauchste keinen Dinner mehr.

Hat natuerlich seinen Preis...
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TiT

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1431 am: 21. März 2011, 19:39:09 »

@Grüner

Auch ich spreche vom Raffles in Singapur, präziser, der "Long Bar" in demselben Hause. Dort wurden bei meinem letzten Besuch, der zugegebenermaßen bereits einige Jährchen zurückliegt, standardmäßig ungeschälte Erdnüsse aus riesigen Jutesäcken, die hinter der Bar standen, zu den Drinks gereicht.
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Grüner

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1432 am: 21. März 2011, 19:42:20 »

Die Long Bar ist nur fuers walk-in Publikum, das mal gucken will. Das ist nicht das Raffles Hotel, jedenfalls nicht mehr, wenn Du drin residierst.

HINTER der Long Bar beginnt der Hotelbereich, der ist nur fuer Gaeste zugaenglich. Was dort geboten wird, ist vom allerfeinsten.
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TiT

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1433 am: 21. März 2011, 19:55:45 »

Na schön, dann hab ich da halt nur den Touristenbereich erlebt - bin halt hinter meinem Kumpel hermarschiert, der damals in Singapur lebte...
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1434 am: 21. März 2011, 20:20:26 »

Mein Aufenthalt im Raffles Hotel liegt einige Jahre zurück, auch der Aufenthalt in der bar des Hauses.
Der Preis hat mich damals nicht gestörrt, ein gewisses Preisniveau ist in Luxushotels zu erwarten.
Allerdings hatte ich damals auch einen Service vermutet, wie er zum Beispiel im Oriental Hotel in Bangkok oder im Peninsula Hotel in Hongkong selbstverständlich ist.

Dass eine Bar ihren berühmtsten Cocktail nicht hinbekommt, ist darüber hinaus ein Armutszeugnis.
Das entschuldigen auch die sagenhaften Häppchen nicht.

Wolfram
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Low

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Rückblich auf Raffles
« Antwort #1435 am: 22. März 2011, 16:39:45 »

Rückblich auf Raffles

Damit meine ich nicht den Thomas Stamford Raffles, welcher am 6. Juli 1781 an Bord des Handelsschiffes Ann als Sohn des Kapitäns Benjamin
Raffles vor der Küste von Port Morant, Jamaika geboren wurde.
Bereits als Teenager trat er in die Dienste der Britischen Ostindien-Kompagnie ein. In seinem kurzen Leben leistete er beinahe Unglaubliches.
1805 sandten ihn seine Vorgesetzten auf die Insel Penang vor der Westküste Malaysias.
Im kleinen Museum von Georgetown bewunderte ich durch Raffles erstellte Landkarten, welche leider genüßlich durch Insekten emsig verzehrt
wurden!
1811 wurde Raffles Leutnant Gouverneur von Java. Sieben Jahre später wirkte er als Gouverneur von Bengkulu im Westen Sumatras.
Seine Expedition landete am 29. Januar 1819 vor der Insel Singapur und weitsichtig ließ er die Stadt als zukünftiges Handelszentrum errichten.
Sir Thomas Stamford Raffles verstarb am 5. Juli 1826, am Vorabend seines 45. Geburtstages.
Sein Name lebt in Singapur weiter in der Raffles Institution, einer Schule, welche Raffles 1823 gründete. Für Touristen weit bekannter dürfte das
gleichnamige Hotel sein.

An die großen Jutesäcke in der Bar erinnere ich mich gut. Die Erdnüsse wurden nicht gereicht. Selbstbedienung war angesagt. Im sonst blitz-
blank sauberen Singapur schmiß man in der Bar die Abfälle einfach auf den Boden. Nach mehreren harten oder auch gemischten Drinks war die
dermaßen präparierte Piste ein ideales Testgelände fürs Gehvermögen.

Ein Tag im Raffles blieb besonders einprägsam. Wir dinierten am 15. Februar 1981 zu dritt gediegen im Palmenhof. Nur eine Stunde nach Mitternacht
erblickte mein Sohn die Lichter dieser Welt. Höhepunkte in Lows Leben als Erdling! Danach wurden wir zum zerbrechlichen Quartett.
Grenzenlose Gier gepaart mit ungeheuren Portionen Dummheit zerstörten innerhalb weniger Jahre eine Familie.
Raffles dagegen überlebte seit 1887.

http://www.nndb.com/people/709/000104397/
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hmh.

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Re: Rückblich auf Raffles
« Antwort #1436 am: 22. März 2011, 21:11:45 »

15. Februar 1981
Ja, damals kostete das Raffles 25 Dollar pro Nacht. Es war auf dem Hund, aber alles noch echt!  }}
Ebenso wie das Strand in Rangoon (1983 11 Dollar, mit schwarz gewechselten Kyatt bezahlt  ]-[ ), das E & O in Pinang. das Bela Vista in Macao, das alte Railway Hotel in Huahin (Photo von damals übrigens hier: http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/freier-und-frau-in-thailand-wahre-liebe-eine-speziallektuere-zur-abschreckung/back/122/ ) und all die anderen Hotels, die sich damals wirklich noch lohnten und die alte Atmosphäre hatten. Hohe, kühle Räume, mit Deckenventilatoren, keine Klimatisierung, trotzdem schwitzte man nicht.

Ich habe diese Hotels Anfang der 1980er ganz bewußt durchgemacht, auch das Mandarin und das Peninsula in Hongkong, obwohl die damals schon sündhaft teuer waren, trotz Presserabatt. Das einzige, von dem ich wirklich enttäuscht war, war das Mandarin in Hongkong.

Als wir 20 Jahre später für unsere jährlichen Flittertage zum Beispiel das Raffles einmal fünf Tage buchten. kostete die Courtyard Suite dann 495 Dollar pro Nacht trotz Medienrabatt.  :'(

Aber es wurden unsere bis dahin schönsten Flittertage aller Zeiten. Die Suiten im Raffles sind erheblich besser als etwa der Garden Wing im Oriental in Bangkok, was unter anderem bei der Bad-Ausstattung sehr deutlich wird.

Zum Essen sind wor vom Raffles (außer als wir von der Raffles-Pressesprecherin einmal zu Doc Cheng's eingeladen wurden :-X ), natürlich auf die Straße, zum Beispiel in die "Food Alley", oder nach Little India oder noch besser nach Geylang zu den Entenmeistern!

Den künstlich-akademischen Streit um den Singapore Sling verstehe ich übrigens nicht. Es handelt sich um einen schlechten Cocktail, egal, wo man den in bestellt.
Er muß außerdem durchaus genau so schmecken, wie im Raffles. Die haben das Originalrezept und ich weiß, daß es auch peinlich genau nach dem Original mit natürlichen Zutaten gemacht wird. Kommt natürlich auch im Container, aber es muß genau drin sein, was drauf steht.
Alles, was angeblich "besser" schmeckt, ist angehübscht, aber es ist eben kein original Singapore Sling, wie er in der Raffles Bar erfunden wurde!

Die Leute waren früher bescheidener und die Zeiten waren karger, die Zutaten schlichter, das ist der Grund, warum so manche modern angehübschte Turbo-Version vielleicht "besser" schmeckt.

Das betrifft auch viele andere "moderne" Versionen alter Nahrungsmittel und Getränke.

Die Wahrheit ist die, daß die Leute heute vor lauter Industriezutaten, Fertig-Vorgemixtem (auch für Cocktails!), Geschmacksverstärkern und Schimmelaroma sowieso nicht mehr wissen, was "echter" Geschmack ist.

Für das Fußvolk im Raffles ist der Singapore Sling außerdem sowieso nichts anderes als eine Touristenfalle. In jedem Reiseführer steht halt der Blödsinn drin, von wegen daß man in Singapur das Gesoffs mal an der Long Bar probiert haben muß  {+ Per Hand frisch pressen und einzeln Mixen ist bei dem Massenandrang natürlich heute nicht mehr drin.

Ich hatte schon immer eine Abneigung dagegen, das zu tun, was alle tun, siehe TIP Führer Bangkok.

Ich empfehle im Raffles vor allem, nüchtern zu bleiben, um Mitternacht nüchtern zum Schwimmpfuhl auf dem Dach des Hauses. Wenn diejenigen die unbedingt an der Bar hocken müssen, dann nicht stören, ist es dort oben nämlich traumhaft schön! Der schönste "Moonlight Swim", den man sich zu zweit wohl antun kann. :-*

Und danach, immer noch nüchtern, noch ein paar Turnübungen auf dem Übergrößen-Bett in der Courtyard Suite.
Die Matratzen im Raffles sind nämlich auch vom feinsten!  8)   :o  ;)
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Alfred

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1437 am: 22. März 2011, 23:40:56 »

-hmh-
Die letzten Saetze, hoeren sich nach tollen -Glory Days- an. Super.   ;)

 
« Letzte Änderung: 23. März 2011, 00:16:49 von Kern »
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Low

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Andere Klebrigkeiten aus Hinterindien
« Antwort #1438 am: 25. März 2011, 18:01:22 »

Andere Klebrigkeiten

Meine abrupten Ausführungen sind häufig schlecht verdaulich und schwer verständlich. Dies zeigen nicht nur rare Antworten, sondern ebenfalls
die Lesbarkeitsquoten nach Flesch, welche sich nach folgender Formel errechnen:
206,835 - (1,015 x durchschnittliche Wortzahl/Satz) - (84,6 x durchschnittlliche Silbenzahl/Wort). (1)
Der Aufsatz “Feuchter Gruss aus Singapur“ ist mit dem Ergebnis 24 niederschmetternd, wenn 100 als verständliche Norm gilt. Werte unter dreissig
werden nach diesem Literaturbarometer als nur für Kakademiker verständlich lesbar eingestuft. Ich schluckte leer. Gleichzeitig zeigt sie die Qualität
der Tip-Forum Leser(innen).

Meine im Hintergrund versteckt lauernde Aussage war: Über 95 Prozent der Bars weltweit brauen Singapur Sling nicht nach dem Originalrezept
von 1936. Sogar die Raffles Bar änderte vor Jahren die Rezeptur und addierte zusätzliche Kohlenhydrate in Form von Zuckersirup. Zucker ist
bekanntlich billiger als Schnaps. Aus Zucker entsteht, wer hätte es gedacht, Alkohol. Dieser Trick wird von geldgierigen Winzern nicht nur in
sonnenarmen Jahren vielfach angewandt. Mit heutigen, teuren Analyseverfahren ist dieser Zucker im Wein nachweisbar.

Schumann’s Bar Buch zeigte bereits1984 Variationen. Auf Vitamine in Form von Ananassaft wurde bewusst verzichtet, jedoch nicht auf Zucker.
Zuckersirup und zusätzlich Grenadine bereichern gegenwärtig fast sämtliche Cocktails. Kein Wunder, wenn unzählige Schlampen nach längerem
Barbesuch besonders süss wirken.

Ich verstehe nicht, dass die sonst erfinderischen Herrschaften ihren verpissten teuflischen und meist überzuckerten Kreationen mit verschiedenen
Ingredienzien keine neuen Namen vermitteln. Beim Benzin mit geringeren Unterschieden funktioniert  das.
Bestelle ich einen Lagavulin (2) Single Malt, will ich beileibe keinen Glenfiddich (3). Aber die meisten Gaumen können offenbar die feinen Nuancen
gar nicht feststellen. Wie ich erfahren musste, ist Betrug eher die Regel als die Ausnahme.
 
Wenn ich nach der Arbeit mit geröteten Augen und trockenem Rachen zu Hause ankam, gab es für mich nach der durch Isotope und Ionen
geschwängerten, steifen Laborluft nur ein Getränk, um meine Radioaktivität abzubauen. Einen Single Malt.
Die damaligen Partnerinnen wirkten öfters als Barfrauen und fragten süss:
„Liebling, wieviel Schnaps geht ins Glas?“
Ich antwortete: „Einen Finger!“
Sie massen dann den Finger, wie Frauen messen, nicht breit – sondern lang - Single Malt als Longdrink.

In Hinterindien ist die Luft weder trocken noch besonders radioaktiv. Eine üppige Schwere, ein Bouquet von Gewürzen, Blumen, Blüten, Curries,  
verschiedenem Reis von herb bis süss, Frauen, Hunden, Katzen, Kehricht und Kadaver umsäuseln uns ständig. Flaschen mit gebranntem Malz
sind rar und vorwiegend teuer. Hier bekämpfe ich beim Saufen nicht das periodische System der Elemente, sondern Dummheit und Arroganz,
nicht auszuschliessen meine eigene.

Deshalb sind mir alkoholisierte Fruchtsäfte an die Leber gewachsen. Auf Reisen lernen wir selten genug neue Schöpfungen kennen. Khun Kiatisak
aus Phitsanulok war so freundlich und stellte für uns die Rezeptur des Amore Dreamers des Hauses Yodia zusammen. Der Cocktail wurde hübsch
dekoriert in einer ganzen Ananas serviert. Neben zwei Sorten Rum und Dry Orange Curacao enthält der Mix drei Früchtsäfte und Zucker als Sirup
und zusätzlich den Farbstoff Grenadine (4), als eisgekühlte Klebrigkeit für kalorienbedürftige Kampfkuschler am Spätnachmittag zwischen
17 00 und 24 00 Uhr sehr empfehlenswert.

Nachdem die Preise von praktisch saftlosen Kokosnüssen dieses Jahr teilweise dreissig Baht überschritten, waren wir glücklich in den Ananas
eine preiswerte Alternative für unsere Cocktails zu finden.
Die Kopierversuche des Dreamers verliefen unbefriedigend. Dick schnitt zuviel Frucht weg. Der Cocktail leckte aus den Poren der Ananas oder
man musste sich beim Trinken beeilen. Das Gemisch war viel zu süss.

In der heimischen Bar veränderten wir die Zusammensetzung und begrenzten die Süsse. Wir schmissen die geschnittene Ananas in einen Krug
und setzen sie mit etwas Wachholderschnaps, zwei Sorten Rum und Cointreau über Nacht im Kühlschrank an. Anstelle von Orangensaft und
Zucker benutzt Dick 200 ml leicht herben, frischen Pomelosaft. Aus dem Amore Dreamer wurde der HangDong Sling. Das kalte Getränk beflügelt,
beschwingt Schwengel und hebt nicht nur die Moral.


(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lesbarkeitsindex
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lagavulin
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Glenfiddich
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Grenadine_(Lebensmittel)

Schumann’s Bar Buch, 2. Auflage 1984
Wilhelm Heyne Verlag, München
« Letzte Änderung: 25. März 2011, 18:08:01 von Low »
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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1439 am: 25. März 2011, 18:08:49 »

Klebrigkeit ist das richtige Wort fuer das Zeugs, das keiner braucht.

Wie gesagt, Daiquiri oder Maitai oder auch mal nen Margarita ohne Salz ...
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