Nachtrag zur Karriere
Ich habe ein gewisses Verständnis, dass die Frau den Verschlag in Fang, in dem sie mit Mann und Kindern lebte, verliess. Es sind unwürdige Unterkünfte, die sich diese Menschen mit Hühnern, Katzen und Hunden teilen. Die Idee, die Kraft und der Mut zum Ausmisten, zum Verbessern ihrer Situation fehlt vollständig.
Diese Frau verliess ihre Familie mit unrealistischen Vorstellungen. Sie dachte nur an Geld, Gold und Elektronik. Sie hatte mehr als fünf Jahre Zeit. Veränderte sich etwas in ihrem Leben?
Unter Umständen wurde sie noch selbstsüchtiger als zuvor.
Rein wirtschaftlich tat sich gar nichts. Sie konnte keinen einzigen Baht auf ein Sparbuch legen. Sie wurde älter, aber nicht klüger. Vielleicht holte sie sich eine Geschlechtskrankheit.
All ihr Streben hatte nur einen Zweck: Geld. Sofern sie etwas besass, opferte sie es im Tempel. Der Hintergedanken war, dass Buddha korrupt ist,
dass man ihn schmieren kann und er die Glücksnummer im Traum bekannt gibt. Sofern der Erfolg im Tempel nicht garantiert ist, gibt es die Wahrsager.
Ob man im Tempel opfert oder dem Wahrsager ist Nebensache. Die Hauptsache ist der Gewinn.
Denken die überhaupt, ob ein genauso geldgieriger Wahrsager eine Gewinnummer bekannt geben würde? Wenn zufälligerweise zwei oder fünftausend Baht hereinkamen, wurde sofort reinvestiert.
Ich weiss nur, dass diese Frauen zu zweit oder dritt in der Stadt in einem Zimmer ohne jeglichen Komfort leben. Dafür bezahlen sie im Monat 6000 THB oder mehr.
Wenn etwas Geld im Haus ist, wird untereinander gespielt, denn man will ja mehr und dies möglichst schnell. Die Buchmacher sind freundliche, entgegenkommende Menschen.
Sie verleihen auch Geld, maximal 3000 Baht, zu günstigen zwanzig Prozent im Monat!
Haben die Weiber eine Ahnung, dass sie einige Kilometer ausserhalb für 2500 Baht ein ganzes Haus mit drei Zimmern, teilweise möbliert, mieten könnten?
Es gibt wenige, die so etwas machen, und wenn, dann sind sie überfordert.
Ich kenne eine Hübsche, die hat ein möbliertes Haus. Sie hat so viel Köpfchen, Busen, Hintern, Arbeit, drei oder vier Farang als Dauerkunden und damit genügend Einkommen,
dass sie sich eine Putzfrau leisten wollte. Weil unsere Reinemacherin öfters am frühen Nachmittag bereits mit ihrer Arbeit fertig ist, stellte sie kurzentschlossen die Aufräumerin eines Tages an.
Der Putzfrau verschlug buchstäblich es den Atem. Sie räumte einige Kubikmeter Mist aus dem kleinen Haus, vertrieb Ungeziefer, Ratten und Mäuse. Als sie sich bis zu den Schränken vorgekämpft hatte, fand sie den einen Schrank vollgestopft mit ungewaschenen Kleidern und Katzenkot. Im andern, etwas aufgeräumteren Schrank säugte eine Katze ihre Jungen.
Noch am selben Tag gab sie ihre neue zusätzliche Stelle wieder auf.
Die grenzenlose Gier erlebte ich ebenfalls im Dorf. Eine meiner verheirateten Freundinnen gewann in der Staatslotterie 4 Millionen. Endlich wurde die Familie ihre Schulden los.
Man bezahlte das Haus und alle die Kleinkredite. Es blieb noch genug übrig für zwei luxuriöse Pickup Cars, etwas Schmuck und all den Schund, den man eigentlich nicht braucht,
aber den die Nachbarn gerne hätten.
Sie konnte es nicht lassen und kaufte nochmals ein paar Lose und wieder schlug das Glück zu. Abermals vier Millionen. Sie kauften viel Land am Fuss der Hügel und bauten dort Gemüse an.
Anfänglich ging jede Woche ein Laster voll Grünzeug nach Bangkok, dann zwei, später drei. Der Wohlstand mehrte sich, langsam und bescheiden.
Zu langsam für die verwöhnte Frau, welcher der Reichtum bereits das Hirn vernebelte. Sie begann zu spielen. Innerhalb von zwei Jahren verlor sie alles!
Der Ehemann versuchte es in einem letzten Aufbäumen vor dem endgültigen Ruin mit Drogenhandel. Die Polizei erwischte ihn. Ende.
Ich erinnerte mich an eine ähnliche Geschichte, weder Gotthelf noch Dürrenmatt:
Wieviel Erde braucht der Mensch? (russisch Много ли человеку земли нужно?) Lew Nikolajewitsch Tolstoi, Erstveröffentlichung 1885.