ThailandTIP Forum

Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Erweiterte Suche  

Neuigkeiten:

Hier kommen sie zu den aktuellen Nachrichten auf ThailandTIP.info
Seiten: 1 ... 8 [9] 10 ... 121   Nach unten

Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449679 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Pachpicha

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 916
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #120 am: 27. Januar 2009, 18:09:31 »

Zug   Bangkok - Kuala Lumpur oder Gelsenkirchen - Dortmund.  :D :D
Gespeichert

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Sabotage
« Antwort #121 am: 27. Januar 2009, 22:26:35 »

Sabotage         März 2007

Das neue Haus für die Eltern in Nahm Tuang, wurde mit einem Tag Verspätung am 10. März, rechtzeitig vor der Regenzeit, fertig. Nur die nicht unbedingt notwendige Vorfassade als Schattenspender unter dem Dach, althergebrachten Emmentaler Bauernhäusern nachempfunden, fehlte einstweilen. Ich wollte dazu Bretter des alten Hauses verwenden.
Der total verarmte Schwager beabsichtigte diese für seinen Bau nutzen.
Warum hatte der Schwager kein Geld? Er pflanzte Mais an und verkaufte ihn zu einem guten Preis. Eine Grossfirma holte das Gewächs tonnenweise ab, aber vergass einfach, ihn zu bezahlen.
Bei einem Anruf an die Firma antwortete die Sachbearbeiterin:
„Möglicherweise ist unser Buchhalter mit ihrem Geld durchgebrannt!“

Ich entwarf nicht nur das ganze Gebäude, sondern war für sämtliche Details zuständig. Meine Erfahrungen beruhten auf einem Neubau und zwei Renovationen in Chiang Mai.
Als ich sah, wie da gepfuscht wurde, musste ich mir sagen, dass ich das besser kann. Nicht das Pfuschen.
Mein Bauleiter in Chiang Mai, Khun Sand, hatte immer ein offenes Ohr für meine Anliegen und kopierte viele Ideen für seine eigenen Projekte.
Sobald er jedoch von den Baustellen verschwand, herrschte wieder Chaos.
Eine grosse Hilfe war, dass ich  sämtliche Pläne, Stück- und Preislisten im PC gespeichert hatte. Für jedes Detail gab es eine Zeichnung. Die Leute konnten keine Pläne lesen.
Aus Bildern wurden sie klug. Ich wusste, wie viele Backsteine für pro Quadratmeter benötigt wurden. Die Maurer hatten keine Ahnung.

Dick und ich planten und führten sämtliche Sanitär Installationen selbst aus,
nachdem wir am Neubau und nach den Renovationsarbeiten in ChiangMai monatelang Leckstellen reparierten.
Ich zeichnete die elektrischen Installationen mit geerdetem drei Draht System und FI Schalter. Ein Onkel, ein Schwager und Dick verdrahteten zusammen das ganze Haus nach meinen Anweisungen.
Während in Chiang Mai jede Farbe Phase sein kann, benutzten wir in Nahm Tuang gelb für Erde, blau für Neutral und braun für Phase.
Kabel, Dosen und Zuleitungen schleppten wir von Chiang Mai in die Provinz Phitsanulok und sparten so etwa fünfzig Prozent der Kosten.
An Ort hätten wir bloss überteuerte und veraltete Aluminium Kabel kaufen können. Für weniger Geld erstanden wir besser isolierte, verlustfreiere Kupferkabel.

Wir hatten ein gutes Verhältnis zu den Arbeitern. Die schliefen auf der Baustelle. Das hatte den Vorteil, dass kaum Material gestohlen wurde.
Fast jeden Abend gab es ein Festessen mit der Familie. Ich sorgte für geregelten Getränke Nachschub, dass die Promille Werte überschaubar blieben.

Beim Testen erlebten wir böse Überraschungen. Von sechs Lampen brannten anfänglich nur deren vier. Waren es meine unerfahrenen Elektriker?
Nein, die Armaturen der Lampen waren lausig verkabelt. Lose Schrauben verhinderten den Stromfluss.

Am schlimmsten war die Wasserversorgung. Dick und ich schlossen die alte Pumpe über ein zusätzliches Ventil ans neue Haus an. Der Wasserhahn an der Aussenmauer der Küche tropfte leicht.
Mit etwas Teflonband dichtete ich das Gewinde. Der Rest schien in Ordnung.
Nach einer halben Stunde spritzte Wasser aus den Keramikfliesen im Badezimmer.
Wir schlossen das Ventil und unser Arbeiter öffnete auf meine Anweisung die Badezimmermauer auf der Aussenseite. Merke: Einheimische Handwerker wollen immer Fliesen entfernen.
Unsere Anschlüsse waren dicht.
Er öffnete ein weiteres Stück Mauer rechts. Dort strömte das Wasser in Mengen von oben herunter, dass ich mir sagen musste, das es kaum Dicks oder mein Fehler sein konnte.
Ich befragte den Arbeiter, ob er beim Fliesenlegen zur Niveaukontrolle wie üblich Nägel und Schnur benutzte. Er sagte nein. Wir öffneten das Hauptventil erneut und ich prüfte das Lavabo.
Dort kam kein Wasser. Aber aus der Wand rechts sprudelte es nach wie vor.
Ich befahl dem Mann, die Wand aussen links aufzuspitzen. Dort fanden wir die Bescherung. Sein Kollege nagelte drei Löcher in die Wasserleitung, bevor er die Fliesen verlegte.

Der Grund: Beide Arbeiter hatten während dem Bauen ein Auge auf Dicks hübsche Schwester geworfen.
Bei Quetschungen und Verletzungen hatte sie stets eine lindernde Hand für die Verletzten. Das gefiel den beiden Handwerkern.
Der eine, der Nagler, war bereits verheiratet und hatte mehrere Kinder. Der blitzte ab.
Aus Rache sabotierte der geile Kerl die Leitungen im Suff und verschwand eine Woche zuvor von der Baustelle.


Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Samuijumbo

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 877
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #122 am: 28. Januar 2009, 11:05:58 »

Weiter machen. :-*
Gespeichert

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Danke
« Antwort #123 am: 28. Januar 2009, 20:02:05 »

Danke                Jan 2009       Nov 2008

Ein Thread im Forum lautete:
„Woran liegt es, dass man leider so oft noch nicht einmal ein "Danke!" bekommt?“ Das Spektrum der Antworten war breit gefächert.
Ich hätte die Frage auf meine eher knappe Art abgerundet auf:
„Warum dankt mir keiner?“ oder breiter: „Warum bedankt sich keiner?“

Wenn jemand bei einer Anfrage nach Leistungen welcher Art auch immer, nicht bitte sagt, wird er wohl kaum danken.
Dagegen hilft mir das „10 kleine Negerlein“ Prinzip:

Fünf kleine Negerlein, die tranken bayrisch' Bier,
Das eine trank, bis dass es barst, da waren's nur noch vier.

Ein Farang-Bekannter, zu dem ich längere Zeit keinen Kontakt hatte, rief mich an und lud uns in ein Lokal der gehobenen Klasse zum Dinieren ein.
In so einem Schuppen kann man ja nicht von Essen sprechen.

Ich wusste, der Mann hatte schwierige Zeiten hinter sich. Seine Frau hatte Spielschulden. Die Familie in Bangkok verlangte nach einem neuen Wagen. Sie erkrankte an Krebs.
Sie war schlecht versichert. Die Behandlung verschlang einige Hunderttausend. Trotz allen Aufwendungen starb sie.

Er lernte eine weitere Thailänderin kennen. Sie sprach etwas englisch. Sie war anspruchslos und arbeitete. Sie hatte weder Kinder noch Eltern zu versorgen.
Trotzdem mussten sie in ein bescheideneres Haus umziehen. Sie erduldete den nicht gerade einfachen Patron, Berufsalkoholiker, Fussballfan, TV-Addikt, Golfspieler und freiwilligen Assistenten der Polizei.

Wir genossen die Tafelfreuden und schwemmten die Delikatessen mit teurem Wein hinunter. Die Vergangenheit unserer Partner berührte mich während dessen nicht im Geringsten.
Als  der Herr Ober die Rechnung auslieferte, waren unsere Gastgeber zufällig gerade auf Rauchpause.

Jetzt fehlt wieder eines.




10 kleine Negerlein:
Text der ersten deutschen Version (F.H.Benary,1885)
 

Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

drwkempf

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.919
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #124 am: 29. Januar 2009, 10:44:40 »

So wie sich das liest, wirst Du auch nicht pausenlos vom Glück verfolgt :-)

Schreig ja weiter!
Gespeichert
Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Allmacht
« Antwort #125 am: 29. Januar 2009, 17:01:17 »

Allmacht

Neuerdings tummelt sich ein selbsternannter, auffällig wenig erleuchteter  Buddha im Tip Forum. Dieser Buddha hat bedauerlicherweise die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen.
Trotz der gediegenen Form der Orakel Sprüche offenbaren sie innere Hohlheit und Leere. Anstatt Ruhe und Weisheit verbreiten sie Unbehagen.

Irgendwo aus meiner Erinnerung drängte eine Geschichte ans Licht.

Buddha war kein Schöpfer, Buddha war ein Lehrer.
Der Schöpfer im Hinduismus heisst Brahma. Brahma wird meist mit vier Gesichtern und vier Armen dargestellt. Die berühmteste Brahma Skulptur in Bangkok ist im Erawan Schrein.
Dort bittet man um Geld, mehr Geld, Liebe, beruflichen Erfolg, Gesundheit und Erleuchtung.
Ich nehme an, Brahma würde es nichts ausmachen, wenn Forenteilnehmer aus Phuket nach Käsekuchen verlangen.
In Thailand wird Brahma Tao Mahaphrom oder kurz Phra Phrom genannt.

Brahma ist allmächtig.
Brahma is so mächtig, dass er einen Stein schaffen könnte,
so gross wie einen Berg und er könnte ihn heben wie ein Staubkorn.

Brahma ist allmächtig. Er ist so mächtig, dass er einen Stein schaffen könnte,
so gross wie die Welt und er könnte ihn heben wie einen Fussball.

Brahma ist allmächtig. Er ist so mächtig, dass er einen Stein schaffen könnte,
so umfassend an Grösse, dass er ihn selbst nicht heben könnte.
Aber wo bliebe da die Allmacht Brahma’s?



« Letzte Änderung: 29. Januar 2009, 17:05:33 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

drwkempf

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.919
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #126 am: 29. Januar 2009, 19:32:13 »

"Nicht ärgern, nur wundern", das hilft in vielen Fällen weiter.
Sensibilität lässt sich leider nicht anordnen, ich glaube, daß unser neuer "Buddha" nicht wichtig genug ist, um ausgiebiger diskutiert zu werden. Vielleicht merkt er das ja auch noch und kommt mit einem anderen Namen ins Forum zurück. "Es ist mehr Freude über einen reuigen Sünder als über 100 Gerechte."
Geben wir ihm doch einfach eine Chance. :-)
Gespeichert
Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Kopfweh
« Antwort #127 am: 30. Januar 2009, 11:26:37 »

Kopfweh      Januar 2009

Special Forces als Wort gibt es meines Wissens nicht in Thai. Man stellte mir den Herrn als Polizei Armee, oder Armee Polizei vor. Eine Kampfmaschine von einem Mann, eine Art Sumo Kämpfer für den Urwald. Die springen mit 50 Kilogramm Gepäck am Rücken, zusätzlich die Waffe in der Hand, vom Helikopter in den Dschungel. Ist so etwas im Zeitalter vom Global Positioning System (GPS) noch sinnvoll? Fragt mich nicht warum die das tun, ohne Rücksicht auf Verletzte. Anscheinend weil es ein goldbetresster Ordensträger befiehlt.

Der Mann mit seinem dunklen glattrasiertem Schädel und Vollmondgesicht, Stierennacken, Händen wie Greifzangen und Amboss gleichzeitig, war furchteinflössend, aber er lächelte mich an wie einen alten Freund. Ich dachte mir, der Kerl kann einen 10er Nagel mit der blossen Hand zu zwei Dritteln in einen Balken schlagen und ihn nachher mit den Hinterbacken wieder herausziehen.

Er hatte einen Unfall. Er stürzte zu Hause. Der Sturz bewirkte eine starke Blutung im Schädel. Ob er stürzte, weil sein Gehirn beschädigt war, oder der Schaden durch den Sturz hervorgerufen wurde, interessierte niemanden.
Er überlebte. Anfänglich konnte er seinen Redefluss nicht mehr bändigen. Er plapperte Tag und Nacht, pausenlos. Zur Beruhigung erhielt er Psychopharmaka.
Die Kontrolle seiner Körperfunktionen litt. Das Gehen wurde mühsam. Kot und Urin flossen mehr oder weniger ungehemmt.

Er ist verheiratet  und hat drei stämmige Söhne zwischen zehn und fünfzwanzig Jahren. Beide Partner arbeiteten. Jeder hatte sein eigenes Haus, wenn auch nur ein paar Meter voneinander entfernt. Weil beide relativ gut verdienten, wurden die zwei Häuser mit unnötigem Krempel gefüllt, denn es war ein leichtes, Kredite zu bekommen.
Zusätzlich versorgte er eine Mia Noi mit einer nun elf jährigen Tochter mit 10 000 Baht pro Monat.

Die Kreditlasten blieben. Das Einkommen wurde kleiner. Die Frau sollte arbeiten und gleichzeitig ihren hilfebedürftigen Gatten pflegen. Ausweglos.
Die Eltern des Mannes stellten ohne lange Diskussion und Rückfragen für 3000 Baht eine Hilfskraft ein. Bezahlen durfte natürlich die Ehefrau, ohne jegliche Budgetplanung das Ende der Finanzen.
Die Angestellte war taubstumm. Dennoch pflegte sie den Mann so gut es ging. Sie zeigte ihm ihren Ärger, wenn die Hosen wieder mal voll waren.
Sie hielt den Patienten und die Häuser sauber. An ihrer Arbeit war nichts auszusetzen.

Nach einem Monat erhielt sie ihren Lohn und die Chefin sagte ihr, sie solle nach Hause gehen, sie könne sie unmöglich weiter bezahlen, es tue ihr Leid.
Die gehörgeschädigte Frau aber wollte nicht weg. Sie sagte, es gefalle ihr hier. Das Essen sei gut, die Arbeit sei nicht schwer und mache ihr Spass.
Der „General“ hatte seine Pflegerin, ob er sie mochte oder nicht.

Die Verständigung mit dem Soldaten wurde schwierig. Er lebte ein seiner eigenen Welt. Als ihm seine Frau gestand, sie hätte Probleme mit den Schulgeldern für die Söhne, antwortete er:
„Warum, ich habe doch Millionen!“ Darauf händigte er ihr seine Spielkarten aus.
 
Ich treffe ihn möglicherweise wieder, wenn er erneut Pillen für seinen kranken Kopf braucht.


« Letzte Änderung: 30. Januar 2009, 11:37:17 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Trinkwasser
« Antwort #128 am: 31. Januar 2009, 14:01:25 »

Trinkwasser         Juni 2007

Wir haben eine eigene Wasserversorgung. Trotzdem kauften wir aus Sicherheitsgründen Trinkwasser. In unserer Nähe gibt es eine halbprivate Trinkwasserverkaufsstelle. Sie wurde etwa vor zwei Jahren teilweise mit öffentlichen Mitteln erstellt. Zur Wasseraufbereitung dient das Umkehrosmose-Verfahren.
Man zahlte eine Depotgebühr für Harass und Flaschen. Für einen Baht pro Flasche erhielt man ein durchschnittlich gutes Wasser. Zur Beurteilung mass ich den  elektrischen Leitwert, den ph Wert und wir verglichen den Algenbefall auf Zeit. Mikroskopisch war das Wasser einwandfrei (Schulmikroskop).
Für den Leitwert könnte ich keine absoluten Zahlen liefern. Ich habe ein Standardglas, das für Vergleiche allemal genügt.

Neulich nahm die durstige Dick einen kräftigen Schluck. Wenige Minuten später erbrach sie alles.
Das Wasser in der Flasche roch eindeutig nach Seife. Vermutlich lagerte jemand Waschmittel in der Flasche, bevor er sie zum Auffüllen retournierte.
Wir brachten die fragliche Flasche zur Verkaufsstelle und beschwerten uns.
Als wir einige Tage später Wasser kaufen wollten, streikte das Personal und boykottierte uns.
 „Wenn unser Wasser nicht gut genug für euch ist und ihr so empfindliche Mägen habt, kauft doch teures, aber nicht besseres Wasser bei Tesco-Lotus!“

Konsumentenschutz gibt es hierzulande kaum. Zudem machen Thais keine Fehler. Wir waren nicht die einzigen Kunden, die mit diesem Hersteller Probleme hatten.

Ich baute seinerzeit ein riesiges Badezimmer. An der Schmalseite der Badewanne errichteten wir ein langes Podest für Blumen, Frauen und andere schöne Gegenstände.
Darauf konnten wir bequem einen kleinen Wassertank stellen und einen Abfüllplatz für Flaschen einrichten. Darüber an der Wand hängt nun unsere eigene Umkehrosmose-Filtrierung.
Und wenn Blondie mal vergisst den Hahn abzustellen, fliesst das Wasser in die Badewanne.





Vergleich: Gemessene Leitwerte im Standardglas
Unser Leitungswasser, ungefiltert     15 kOhm
Schlechtes gekauftes Trinkwasser     20 kOhm
Gekauftes       UK Osmosewasser      30 kOhm
Quellwasser am Doi Inthanon           30 kOhm
Neu    eigenes UK Osmosewasser      50 kOhm



« Letzte Änderung: 31. Januar 2009, 14:05:30 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Ingo †

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 997
  • Alles hat seine Zeit.
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #129 am: 31. Januar 2009, 14:20:03 »


Konsumentenschutz gibt es hierzulande kaum. Zudem machen Thais keine Fehler.

So ist es, @Low,

und da dies so ist, muss man hier sehr sorgfaeltig sein.
Und trotz aller Sorgfaeltigkeit, es erwischt dich doch. Oft genug.
Dem Wasser, das wichtigste Element fuer uns, wird hier zu wenig Beachtung geschenkt.

Ich weis mittlerweile warum die Einheimischen soviel Feuerwasser trinken,
oder bei Gerichten mit Feuergewuerz nicht geizen.
Und am Ende ihres Daseins auch das Feuer bevorzugen.

Ingo
Gespeichert

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Buchungen
« Antwort #130 am: 01. Februar 2009, 17:05:54 »

Buchungen         April 2008

Für ein Visum der Botschaft im Wonnemonat Mai brauchte Mia ein bestätigtes Rundflugticket. Wir fuhren zum Business Park und wollten diese Bestätigung von Thai Airways,
weil wir gesammelten Meilen investieren wollten.

Die Firma war nicht mehr im Business Park tätig. Die neue Adresse war den Angestellten nicht bekannt. Darum fuhren wir zum nahe gelegenen Flughafen.
Diese Agentur konnte nur Jahres Tickets ausstellen, gab uns aber freundlicherweise die Adresse von Thai Airways International in Chiang Mai.
Die waren in einem imposanten neuen Gebäude zurück an der Propaklao Strasse. Von den zahlreichen Schaltern waren deren drei besetzt.
Zwei Damen waren mit Maniküre beschäftigt. Ja, diese Mädels wissen, was sich gehört und können der Kundschaft nur behilflich sein, wenn die Nägel ordentlich bemalt sind.
So zogen wir eine Nummer und warteten auf die bereits lackierte Bedienung. Nach einer Weile, in der wir die neuen Räumlichkeiten entsprechend würdigen konnten, wurde unsere Nummer elektronisch angezeigt.
Ich gab der Angestellten meine Computer-Liste mit unseren Namen, Flugdaten inklusive Flugnummern und sagte ihr, dass wir ein bestätigtes Rundflugticket für den Visumsantrag im Mai benötigen.
Die Tickets würde ich aber erst nach erhaltenem Visum bezahlen.
Sie tippte, schaute, tippte wieder, schüttelte den Kopf und wiederholte die Prozedur mehrmals angespannt. Irgendwo kratzte ein Nadeldrucker. Dann gab sie mir einen Fetzen Papier mit kaum lesbarem Druck und murmelte etwas, der Flug vom 26. sei noch nicht bestätigt, man würde mich aber anrufen.
Am nächsten Tag rief mich eine Mitarbeiterin von Thai an. Sie sagte, der Flug am 26. April sei perfekt.
Ich stutzte, 26. April? Mia’s Termin auf der Botschaft war am 7. Mai.
Die Schalterbeamtin war offenbar nicht in der Lage, die korrekten Daten von meiner Liste zu kopieren.
Ich nahm eine Lupe und versuchte, den Wisch von Thai Airways zu entziffern. Ich sah, dass die Flüge anstatt für Mai für April  gebucht waren.
Noch ärgerlicher war, dass meine Wenigkeit komplett vergessen wurde. Ich rief Thai an, und annullierte die Flüge.
Dann erinnerte ich mich. Es war kurz vor Feierabend. Die Damen bepinselten Ihre Zinken nicht für die Kundschaft, sondern für den Ausgang!

Wir fuhren wieder 20 Kilometer nach Chiang Mai. Dick parkierte den Wagen in einem idyllischen Tempel. Nach einem zehn minütigen Spaziergang erreichten wir mein vertrautes Reisebüro.
Ein paar Minuten später überreichte mir die Chefin mit einem Lächeln das lesbare Dokument mit den detaillierten Daten.

P.S. Wären keine Meilen involviert gewesen, hätte ich ausser der Bezahlung alles per Email erledigt, jedoch nicht bei Thai.
« Letzte Änderung: 01. Februar 2009, 17:09:22 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Hunger
« Antwort #131 am: 02. Februar 2009, 11:15:28 »

Hunger      1. Februar 2009


Gestern unterhielt sich auf der Strasse eine offenbar neu zugezogene Frau mit Mia.
„Du hast ein grosses Haus. Du trägst schöne Kleider. Man sagte mir, dein Mann ist Farang. Uns geht es sehr schlecht. Die Kinder haben kein Essen, sie hungern. Leihe mir 500 Baht.“
Mia antwortete:
„Mein Mann ist Farang. Er ist geizig. Er traut niemandem. Er gibt mir kein Geld. Er hat aber ein gutes Herz. Er will nicht, dass Kinder hungern. Komm in den Beauty Salon.
Ich gebe dir Reis und Gemüse, vielleicht hat es sogar etwas Fleisch oder Fisch.“

In der Tat sind 500 Baht eine Menge Geld. Man könnte damit zwei Kilogramm gutes Schweinefleisch, fünf Kilogramm Reis, kiloweise Gemüse und fünf Flaschen Bier
oder eine Flasche MaeKhong kaufen.
Doch wozu brauchen Kinder Bier oder Schnaps?

Mia wartete auf die Frau mit den hungrigen Kindern. Keiner kam.
Der Abend brachte des Rätsels Lösung: Keine hungernden Kinder, Karaoke Party.

Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Taxi driver
« Antwort #132 am: 03. Februar 2009, 09:56:02 »

Taxi driver

Er war stets gut zu mir. Er war freundlich, pünktlich und zuverlässig. Bei Einkäufen nahm er nie Kommissionsgelder. Er hatte Festpreise. Sein Wagen war fast neu und immer hervorragend gepflegt.
Er hatte ein paar Macken. Wenn er mich morgens abholte und eine Frau im Haus sah, dachte er jedesmal, das sei jetzt meine neueste Beischläferin. Er dachte es nicht nur, er fragte hemmungslos.
Ich hatte meine stereotype Antwort: „Ich spreche nicht über Frauen. In diesem Falle aber schon. Das war Khun Sun. Sie besorgt die Wäsche.“
Er hatte eine Frau in irgend einem Vorort auf der andern Seite der Stadt.
Er hatte einen Sohn, auf den er sehr stolz war. Aber er missachtete ihn. Wenn er ihn loswerden wollte, deponierte er ihn Stunden-, ja Tageland in einem Computer Shop.

Bei mehrtägigen Ausflügen an irgend einen Ort, hatte er stets seine Weiberbekanntschaften. Während ich mich meinen Aufgaben und Interessen widmete, rief er die flugs an,
ganz Mann von Welt und grosser Golfer, und vereinbarte Rendezvous.  Ich wusste, mit seinem Asthma passierte da nicht viel.
Neun Monate im Jahr stand er jederzeit auf Voranmeldung zur Verfügung. Drei Monate lang hatte er dann Kundschaft aus Schweden. Die Herren spielten Golf.
Er auch. Am Ende der Saison besass er manchmal weniger als zuvor.

Und eben, Frauen. Ich war mal mit seiner Familie und Schwägerin in einer Bar und spendierte ein paar Cocktails. Er konnte es nicht lassen und telefonierte vor vielen Zuhörern mit dem zarten Geschlecht. Sein Sohn, damals etwa zwölf Jahre alt, schämte sich in den Boden.

Anfänglich erzählte er mir, er möchte früh Feierabend machen und am späteren Nachmittag seinen Sohn von der Schule abholen. Sie wären für einige Monate  bloss zu zweit.
Seine Frau habe eine einträgliche Arbeit in Amerika. Sie habe dort eine Schwester.
Wir beide wussten nicht, dass es keine Schwester in Amerika gab. Sie war seit kurzer Zeit mit einem Amerikaner verheiratet. Der litt unter den Folgen eines Schlaganfalles. Sie pflegte und umsorgte ihn.
Als sie damals zurück kam, bemerkte sie, dass das fast abbezahlte Haus wieder zu hundert Prozent belehnt war. Sohnemann war vernachlässigt und krank, weil der Vater von gesunder Ernährung wenig verstand und sie meist von Junk Food und billigst Garküchen lebten.

Die Frau hatte ein schlechtes Gewissen, denn sie liebte den Sohn. Fortan widmete sie sich ganz der Familie in Thailand.
Der vereinsamte Amerikaner lernte eine andere Thailänderin kennen. Die lief nicht weg. Die beiden schmiedeten Heiratspläne. Das Problem war die bestehende Ehe, die aufgelöst werden sollte.
Anstatt sich mit der ersten Frau gegen eine bescheidene Abfindung von vielleicht 100 000 THB gütlich zu einigen, versuchte der Geldsack, die Frau wegen Bigamie einzuklagen.
Er hatte keine Ahnung, dass die Frau mit dem Taxi Driver einen gemeinsamen Sohn hatte, ohne je verheiratet zu sein.
Sin Sod, Brautgeld, floss in beiden Fällen nicht.
« Letzte Änderung: 03. Februar 2009, 10:01:32 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Rückblende
« Antwort #133 am: 04. Februar 2009, 13:42:35 »

Rückblende
Es stellen sich für mich ein paar Fragen.

Taxi Driver # 133

Anfänglich verurteilte ich meinen Fahrer stillschweigend wegen seinen Weibergeschichten.
Ich sah seine „Frau“ verschiedentlich. Sie war hübsch und im Vergleich zu meinen Dorffrauen bescheiden, fleissig und intelligent. Sie war weder Alkoholikerin noch
eine Spielernatur. Doch es zeigte sich, dass beide nichts taugten.
Welch ein Wahnwitz in zwei Beziehungen?
Leid tut mir der Sohn. Wie verkraftet man solche Eltern?

Trinkwasser # 129

Ich war erstaunt, dass der Artikel nur eine einzige Reaktion auslöste.
Dass Ingo das Wasser als wichtigstes Element ansieht, ist sein Problem.
Ich finde die Luft ist ebenso wichtig, denn ohne die Luft, käme das Bier nicht aus der Flasche.
Wasser, besonders Trinkwasser, ist doch schon heute eine weltweite Knacknuss.
Wie beim elektrischen Strom, der meistens aus der Steckdose kommt, sprudelt das Wasser aus dem Hahn oder aus der Flasche. Die Frage nach der Qualität scheint nebensächlich.
Sollte jemand spezifische Fragen haben, bitte PM.

Allmacht # 126

Ich ärgerte mich nicht über den selbsternannten Buddha. Meine innere Reaktion war die Geschichte über Brahma’s Allmacht.
Mia fragte mich, du hast so wenig Zeit für mich. Du spielst nur mit dem Computer. Was tippst du?
Ich sagte ihr, dass ich den Farang eine Geschichte über Phra Phrom erzähle.
Sie wollte genau wissen was. Sie war erstaunt zu erfahren, dass ich eine Geschichte kannte, die ihr ein Phra Yai vor langer Zeit auf einem Berg erzählte.

Danke # 124

Wer sagt denn, dass ich unglücklich war. Ohne diesen Kerl wären wir vielleicht zu Hause geblieben und hätten während unserem Kokos-Cocktail die Kartoffeln anbrennen lassen.
Vielleicht hätte das Haus Feuer gefangen und halb Nordthailand wäre ein Opfer der Flammen geworden.
Wegen den paar Baht gehe ich kaum pleite. Da bringe ich zur Zeit ganz andere Summen ins Spital.

Sabotage #122

Ich danke allen Geistern und Göttern in diesem Land dafür, dass der Arbeiter bloss die Wasserleitung vernagelte.
Hätte er die Stromzuleitung sabotiert, hätte das echtes Kopfzerbrechen ausgelöst. Oder hat schon jemand einen elektrischen Spannungsabfall aus einer Wand tröpfeln sehen?

# 115

Zitat:
„Thailand ist in meinem Herzen anders. Es ist das Paradies in dem ich lebe.
Das Paradies hört leider bereits hinter der Gartentüre auf.“
Daraus fabrizierte Ingo:
„Du bist ein begnadeter Traeumer.
Doch wenn ich dich richtig lese, dann hoeren deine Traeume am Gartenzaun auf.“

Träumer ist eine freundliche Unterstellung. Um das Paradies zu erhalten, braucht es Investitionen, Schutz und viel Arbeit.
Täten wir dies nicht, würden wir in absehbarer Zeit nicht im Paradies, sondern im Urwald leben.

Der Gartenzaun wirkt wie eine Lupe oder ein Fernrohr. Viele Menschen steigen auf einen Berg, um die Landschaft um sich herum zu beobachten, ziehen sich in einen Tempel zurück
oder benutzen die Dunkelheit, um ihre Augen zu öffnen.

Die Erlebnisse und Geschichten sind nicht Träume, sondern harte hinterindische Realität. Ich definiere mich als: „Daumenpeilender Real-Illusionist.“

Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

drwkempf

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.919
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #134 am: 05. Februar 2009, 09:10:27 »

Mir gefällt deine Art, das Leben um Dich herum zu betrachten. Erstaunlich ist, was Du Dir alles über die lange Zeit gemerkt hast - nun, es muss Dich doch sehr beeindruckt haben. Mehr noch gefällt mir, wie Du Dir über all die kleinen und großen Mißlichkeiten hinweg die Liebe zu Deiner neuen Heimat bewahrt hast.
Dein Schreibstil tut ein übriges. Mach weiter, ich warte jeden Tag auf eine neue Geschichte aus Hinterindien! ;)
Gespeichert
Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint
Seiten: 1 ... 8 [9] 10 ... 121   Nach oben
 

Seite erstellt in 0.095 Sekunden mit 24 Abfragen.