Sabotage März 2007
Das neue Haus für die Eltern in Nahm Tuang, wurde mit einem Tag Verspätung am 10. März, rechtzeitig vor der Regenzeit, fertig. Nur die nicht unbedingt notwendige Vorfassade als Schattenspender unter dem Dach, althergebrachten Emmentaler Bauernhäusern nachempfunden, fehlte einstweilen. Ich wollte dazu Bretter des alten Hauses verwenden.
Der total verarmte Schwager beabsichtigte diese für seinen Bau nutzen.
Warum hatte der Schwager kein Geld? Er pflanzte Mais an und verkaufte ihn zu einem guten Preis. Eine Grossfirma holte das Gewächs tonnenweise ab, aber vergass einfach, ihn zu bezahlen.
Bei einem Anruf an die Firma antwortete die Sachbearbeiterin:
„Möglicherweise ist unser Buchhalter mit ihrem Geld durchgebrannt!“
Ich entwarf nicht nur das ganze Gebäude, sondern war für sämtliche Details zuständig. Meine Erfahrungen beruhten auf einem Neubau und zwei Renovationen in Chiang Mai.
Als ich sah, wie da gepfuscht wurde, musste ich mir sagen, dass ich das besser kann. Nicht das Pfuschen.
Mein Bauleiter in Chiang Mai, Khun Sand, hatte immer ein offenes Ohr für meine Anliegen und kopierte viele Ideen für seine eigenen Projekte.
Sobald er jedoch von den Baustellen verschwand, herrschte wieder Chaos.
Eine grosse Hilfe war, dass ich sämtliche Pläne, Stück- und Preislisten im PC gespeichert hatte. Für jedes Detail gab es eine Zeichnung. Die Leute konnten keine Pläne lesen.
Aus Bildern wurden sie klug. Ich wusste, wie viele Backsteine für pro Quadratmeter benötigt wurden. Die Maurer hatten keine Ahnung.
Dick und ich planten und führten sämtliche Sanitär Installationen selbst aus,
nachdem wir am Neubau und nach den Renovationsarbeiten in ChiangMai monatelang Leckstellen reparierten.
Ich zeichnete die elektrischen Installationen mit geerdetem drei Draht System und FI Schalter. Ein Onkel, ein Schwager und Dick verdrahteten zusammen das ganze Haus nach meinen Anweisungen.
Während in Chiang Mai jede Farbe Phase sein kann, benutzten wir in Nahm Tuang gelb für Erde, blau für Neutral und braun für Phase.
Kabel, Dosen und Zuleitungen schleppten wir von Chiang Mai in die Provinz Phitsanulok und sparten so etwa fünfzig Prozent der Kosten.
An Ort hätten wir bloss überteuerte und veraltete Aluminium Kabel kaufen können. Für weniger Geld erstanden wir besser isolierte, verlustfreiere Kupferkabel.
Wir hatten ein gutes Verhältnis zu den Arbeitern. Die schliefen auf der Baustelle. Das hatte den Vorteil, dass kaum Material gestohlen wurde.
Fast jeden Abend gab es ein Festessen mit der Familie. Ich sorgte für geregelten Getränke Nachschub, dass die Promille Werte überschaubar blieben.
Beim Testen erlebten wir böse Überraschungen. Von sechs Lampen brannten anfänglich nur deren vier. Waren es meine unerfahrenen Elektriker?
Nein, die Armaturen der Lampen waren lausig verkabelt. Lose Schrauben verhinderten den Stromfluss.
Am schlimmsten war die Wasserversorgung. Dick und ich schlossen die alte Pumpe über ein zusätzliches Ventil ans neue Haus an. Der Wasserhahn an der Aussenmauer der Küche tropfte leicht.
Mit etwas Teflonband dichtete ich das Gewinde. Der Rest schien in Ordnung.
Nach einer halben Stunde spritzte Wasser aus den Keramikfliesen im Badezimmer.
Wir schlossen das Ventil und unser Arbeiter öffnete auf meine Anweisung die Badezimmermauer auf der Aussenseite. Merke: Einheimische Handwerker wollen immer Fliesen entfernen.
Unsere Anschlüsse waren dicht.
Er öffnete ein weiteres Stück Mauer rechts. Dort strömte das Wasser in Mengen von oben herunter, dass ich mir sagen musste, das es kaum Dicks oder mein Fehler sein konnte.
Ich befragte den Arbeiter, ob er beim Fliesenlegen zur Niveaukontrolle wie üblich Nägel und Schnur benutzte. Er sagte nein. Wir öffneten das Hauptventil erneut und ich prüfte das Lavabo.
Dort kam kein Wasser. Aber aus der Wand rechts sprudelte es nach wie vor.
Ich befahl dem Mann, die Wand aussen links aufzuspitzen. Dort fanden wir die Bescherung. Sein Kollege nagelte drei Löcher in die Wasserleitung, bevor er die Fliesen verlegte.
Der Grund: Beide Arbeiter hatten während dem Bauen ein Auge auf Dicks hübsche Schwester geworfen.
Bei Quetschungen und Verletzungen hatte sie stets eine lindernde Hand für die Verletzten. Das gefiel den beiden Handwerkern.
Der eine, der Nagler, war bereits verheiratet und hatte mehrere Kinder. Der blitzte ab.
Aus Rache sabotierte der geile Kerl die Leitungen im Suff und verschwand eine Woche zuvor von der Baustelle.