Arbeit versus Habgier als manipulierbarer Lernfaktor
Vier Jahre lang hatten wir dieselbe Hilfskraft für Häuser und Gärten.
Sie war eine Bäuerin, die sich getraute, mit ihr unbekannten technischen Hilfsmitteln zu arbeiten. Der Verschleiss war enorm, weil sie zu viel Kraft hatte und ihren Verstand nur selten gebrauchte.
Die Rotweinkelche waren zu dünnwandig. Das Glas brach spätestens beim Abtrocknen. Staubsaugerschläuche liessen sich nicht auf die doppelte Länge ausdehnen, ob gekrümmt oder gestreckt.
Sie war eine waschechte Staubsaugerschlauch-Verbrecherin. Ich drückte ein Auge zu und dachte, sie würde dazu lernen, denn zu Hause hatte sie weder Weingläser noch Staubsauger.
Sie sah äusserst schlecht und putzte nach Schema, ob Dreck da war oder nicht. Um ihr die Arbeit zu erleichtern, kaufte ich eine Brille für sie. Trotz der Sehhilfe sah sie den Schmutz an Kühlschranktüren, Türen oder Griffen nicht. Dafür wischte sie täglich Staub unter meinen auf dem Schreibtisch abgelegten Dokumenten.
Messerspitzen sind gefährlich. Sie schützte uns davor. Sie knallte die Messer so gekonnt auf die Fliesen, dass sich die Spitzen rechtwinklig abbogen. Messerspitzen kann man überdies dadurch unschädlich machen, indem man das Messer als Schraubendreher benutzt oder zum Öffnen von Dosen und Flaschenverschlüssen. Schraubenzieher, Dosen- und Flaschenöffner brachten wir allesamt ins Brockenhaus.
Sie testete erfolgreich die Schutzschalter der Stromversorgung während unserer Abwesenheit. Der Kühlschrank arbeitete nicht mehr. Sie wusste nicht warum, rettete dennoch unsere Butter in den Beauty Salon.
Das Gefrierfach und die Garnelen darin übersah sie. Ihr Kühlschrank zu Hause hatte keine zwei Türen. Die Krustentiere roch ich bei unserer Rückkehr trotz erheblicher Luftverschmutzung auf zwanzig Meter bei Gegenwind.
Mia’s PC steht auf einem Tisch vor einem vergitterten Fenster. Weil Mia mit PC Reparaturen einiges Geld verdiente, legten wir diese Beträge in eine Schublade unter dem PC.
PC Geld sollte wieder in PC’s investiert werden.
Eines Tages wollte ich Zubehör kaufen und öffnete die Schublade. Kein Geld.
Wir fragten die Putzfrau, ob sie etwas wisse. Sie sagte:
„Das Geld war zu nahe am Fenster. Ich versorgte es in eine andere Schublade in einem Nachttisch, damit es keiner stehlen kann.“
Sie klaute nie etwas. Nur bei Regenwetter benutzte sie unsere Schirme – auf dem Motorrad notabene und vergass sie anschliessend zu Hause.
Unsere europäischen Reinigungstücher schmiss sie Vergesslicherweise mit dem Dreckwasser zusammen ins WC, ein Stück pro Woche. Unbezahlbar.
Für Gartenarbeiten war sie unschlagbar. Da griff sie zu und es machte ihr wirklich Spass. Weil Rasen ja nichts gilt, rechte sie das Gras bis zu den Wurzelspitzen.
In der Nähe vom Grill gab es eine einzigartige dreieckige Waschgelegenheit aus Keramik. Erst beim zweiten Versuch gab das Waschbecken endlich nach und löste sich in Scherben auf.
Bei längerer Abwesenheit unsererseits brachte sie ihren Fernseher von zu Hause mit und übernachtete mit ihrem Mann im Beauty Salon.
Wir haben drei Häuser und zwei Gärten. Dennoch war es leicht möglich, sämtliche Arbeiten in vier bis fünf Stunden zu erledigen. Wenn Sie um neun Uhr anfing, konnte sie gegen ein Uhr nach Hause.
Diese Frau lebte für lange Zeit in äusserst bescheidenen, um nicht zu sagen ärmlichen Verhältnissen. Alles Geld, das sie nach Hause brachte, wurde vom Bruder als Wandelanleihe behändigt und sogleich in Alkoholika umgesetzt. Anscheinend traute auch er der Stabilität des Baht wenig, denn mit zunehmendem Alkoholgenuss wird alles diffus und wackelig.
Nach seinem Tode konnte sie sich endlich ein goldenes Kettchen leisten, danach einige Kleider. Anschliessend erwachte ihre unbeschränkte Geldgier.
Mia zeigte ihr vor einigen Monaten, wie man Würste herstellt. Die Frau stand sehr früh auf, machte Würste und verkaufte sie nach sechs Uhr auf dem Markt, bevor sie bei uns arbeitete.
Nachfolgend verkaufte sie mit den Würsten illegale Lose. Noch einträglicher als Wurstherstellung und Arbeit war der ungesetzliche Losverkauf an Leichenfeiern und Veranstaltungen.
Am Lukrativsten war die Summe der drei Tätigkeiten.
Als ich im Januar erkrankte, wollte ich das Gepolter der Raumpflegerin nicht im Hause haben. Mir läuteten bei hohem Fieber die Ohren ohnehin, so dass ich auf die vertrauten Geräusche von fallenden Messern und klirrenden Gläsern gerne verzichtete. Ich bat Mia, die Frau im Garten zu beschäftigen.
Pietätvoll erkundigte sie sich:
„Verliere ich meine Stelle, wenn er stirbt?“
Sie hatte immer weniger Zeit für uns und arbeitete kaum mehr als zwei Stunden.
In dieser kurzen Zeit beschädigte sie mehr Gegenstände, als ich am restlichen Tag in Stand stellen konnte. Weil sie ihre Zeit meist bei mir verbrachte, hatte ich keine Ahnung, dass sie die beiden andern Häuser nicht mehr betreute. Wegen ihren Nebenerwerbstätigkeiten schlief sie kaum noch und brach fast wöchentlich bei Mia im Beauty Salon zusammen. Sie verheimlichte, dass sie krank war und Medikamente einnahm.
Farang und illegale Lotterien passen schlecht zusammen. Deshalb wollte ich sie nicht weiter beschäftigen. Bei den angebliche Medikamenten war ich übrigens nicht sicher, ob es irgendwelche ungesetzlichen Aufputschmittel waren.
Siehe auch:
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