ThailandTIP Forum

Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Erweiterte Suche  

Neuigkeiten:

Hier kommen sie zu den aktuellen Nachrichten auf ThailandTIP.info
Seiten: 1 ... 13 [14] 15 ... 121   Nach unten

Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 444238 mal)

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Lao Tse
« Antwort #195 am: 08. März 2009, 22:48:13 »

Lao Tse
Zitat


"Ich habe drei Schätze, die ich hüte und hege. Der eine ist die Liebe, der zweite ist die Genügsamkeit, der dritte ist die Demut. Nur der Liebende ist mutig, nur der Genügsame ist grosszügig,
nur der Demütige ist fähig zu herrschen."


Es ist nicht so, dass mir nichts mehr einfällt. Aber es gibt Dinge, die ich nicht besser erklären kann.

...

Lao Tzu, der Alter Meister, ist ein legendärer chinesischer Philosoph, der im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll. Je nach Umschrift wird der Name auch Laotse, Lao-Tse oder Lao-tzu geschrieben.
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: @ drwkempf
« Antwort #196 am: 09. März 2009, 18:28:37 »

@ drwkempf

Merci für den St.Low!

Diese bösartige Geschichte existiert. Ich hoffe, damit keine religiösen Gefühle zu verletzen.
Für die Anteilnahme an meinen kranken Forumskollegen widme ich die nächste Erzählung „ Der Heiligenschein“ den Jüngern des Hippokrates und besonders dir.
Du vermittelst nicht nur Wissen, du verbreitest Hoffnung. Danke.

Quellen:
Hippokrates von Kos geboren um 460 v. Chr. auf der griechischen Ägäisinsel Kos; gestorben um 370 v. Chr. in Larisa, Thessalien gilt als der berühmteste Arzt des Altertums.
Hippokrates wurde schon zu Lebzeiten hochverehrt. Er gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft.

Ich hatte das Glück, Kos und auch Larissa zu bereisen, traf den berühmten Mediziner aber nicht mehr.
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Bar Geschichte
« Antwort #197 am: 09. März 2009, 21:47:29 »

Bar Geschichte

Ich bedaure die Verzögerung. Die Beste aller Ehefrauen machte sich als studiertes Bar-Girl  an der Theke zu schaffen und lud zum abendlichen Cocktail ein:
Kokossaft mit Rum aus Kuba.
Seit Wochen gibt es hier keinen Rum aus Bermuda, von mir aus gesehen ein Aristokrat unter den Zuckerrohrschnäpsen. Aber man könnte ja auf Maekhong ausweichen.
Eine Flasche Rum gleich fünf Flaschen Maekhong.
Ich las einmal irgendwo, dass eine Kokosnuss den Vitaminbedarf eines Tages deckt. Man lebt ja nur einmal, aber meistens gesund.

Und jetzt, ein paar Stunden später, darf ich mich des Ruhmes voll, auf die Suche nach dem Heiligenschein machen.
Das ist auch eine Art Tagebuch, nein, eine Leidensgeschichte.

Quellennachweis:
Schumann’s Barbuch
Wilhelm Heyne Verlag München, 1984
« Letzte Änderung: 09. März 2009, 22:23:24 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Der Heiligenschein
« Antwort #198 am: 09. März 2009, 21:54:45 »

Der Heiligenschein

Ein Antrag auf meine Heiligkeit wurde gestellt. Allerdings wollte ich keinen filigranen, zerbrechlichen Halo, wie er auf schönen, unbezahlbaren alten Gemälden dargestellt ist.

http://www.geschichteinchronologie.ch/steiner-terror/Steiner_klassenzimmer-d/027-Raphael-madonna-dell-granduca-m-blondem-jesusbaby.jpg

Mit Rücksicht auf unser eher schlecht als recht ausgebildetes Raumpflegepersonal, stellte ich das Gesuch auf einen eher rustikalen und pflegeleichten Heiligenschein in rostfreiem Stahl.
Gold kam für mich als Anfänger nicht in Frage, ausserdem wäre es viel zu schwer und würde zu erheblicher Transpiration im heissen Klima führen.
Eine Ausführung in Titan, eventuell Titankarbid, wäre für die Tropen wohl am Geeignetsten.

Weil ich in heiligen Dingen nicht sehr erfahren bin, halfen mir einige Leute beim Ausfüllen der Formulare, denn die sind noch schwieriger zum Ergänzen,als die Erhebungen der hiesigen Fremdenpolizei.
Ein ewig kichernder chinesischer Jurist mit Falsettstimme und Klumpfuss, Herr Doktor jur. S.A. Tan unterstützte mich mit seinen ausgefallensten Ideen.
Er meinte, dass ich im Vatikan keinerlei Erfolgschance hätte, denn dort müsse man vor der Heiligsprechung zuerst tot, zumindest scheintot sein. Der Chef daselbst sei der Massstab aller Dinge.
Dr. S.A. Tan äusserte sich unvorteilhaft über die Herren im Stato della Città del Vaticano, die in bunten Weiberröcken herumliefen, sich gegenseitig artige Komplimente machten
 und sich offenbar keinen Deut um das schöne Geschlecht kümmerten und dennoch auf Nachwuchs von dieser Seite angewiesen waren.

Deshalb wandten wir uns vielversprechend an:

Ihre Heiligkeit
Die Oberhirtin, Papesse Mamma
Muttikhan

Die Oberin war wenig erfreut an meinen dilettantischen Bemühungen um etwas Glorienschein und zeitlose Unvergänglichkeit. Sie wies mich harsch an ihre Materialabgabestelle,
Division A wie Asien, Unterabteilung T wie Thailand und dort and die sich in Auflösung befindliche Gruppe N wie Nord, mit der dringenden Aufforderung, ich solle mich sputen wegen der Umstrukturierung, sonst bräuchte ich mindestens zehn Jahre Geduld. Bis dahin wären dann meine Akten, wegen Umstellung auf EDV, bestimmt unauffindbar verlegt.
Dr. S.A. Tan freute sich am positiven Bescheid. Er lachte sich ins Fäustchen.
Verzeihung der Ausrutscher zu Geheimrat Goethe. Der Gesetzesverdreher machte sich feixend und mit viel Elan ans Werk, das ich nur noch zu unterzeichnen brauchte.  

Ich war fast auf alles gefasst, als die Antwort eintraf. Als ich den Wisch ungläubig betrachtete, entzog sich mir der Boden unter den Füssen und der Verputz bröckelte von den Wänden.
Dann verbrannte das Dokument in meiner Hand ohne Blasen zu hinterlassen. Dr. S.A. Tan polterte etwas Gips von der Decke auf den Schädel.
Zwei wüste Beulen entwickelten sich, so dass er geschwind seinen Hut nehmen musste. Der Jurist hinterliess bei seinem schnellen Abgang einen Hauch von Schwefeldioxid
und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Es hiess da in etwa:
Betreff: Heiligenschein in Sonderausführung.
So etwas komme laut ortsüblichen negativen Erkundigungen nicht in Frage.
Ich hätte Dreck am Stecken, an welchem auch immer. Ich sei eines jener lumpigen Mannsbilder, die jungen Damen stets einen Knüppel zwischen die Beine werfen,
wenn sie sich auf dem beschwerlichen Pfad der Tugend zu irgend etwas aufraffen wollten.
Heiligenschein gäbe es keinen, nicht einmal eine Spezialversion aus OTOP (One Tambol One Product) Hundedreck käme für mich in Frage. Ja, der tiefste aller Hosenbandorden sei noch zu hoch für mich.
Entschuldigt mein Unwissen, Hosenbandorden oder Hodenbandorden kenne ich nicht, mir ist nur das Strumpfband geläufig.

Nur weil ich einmal einer verdurstenden Ameise das Leben mit einem Tropfen Urin rettete, (der allerdings nur wegen Parkinsonschem Zittern nicht im Urinal landete,)
könnte man mir auf einen weiteren Antrag einen allerdings klemmenden Reissverschluss aus einem Armeemagazin (Heilsarmee?) abgeben.

Da ich als halber Buddhist wenig Wert auf materielle Güter lege, verzichtete ich auf technisch minderwertige Reissverschlüsse.
Als Scheinheiliger brauche ich keinen Heiligenschein. Das wäre Materialismus pur.


Johann Wolfgang Goethe (1749 - 1832)
Faust. Der Tragödie erster Teil (1797/1806)

Halo:
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-9531-2009-02-18.html


« Letzte Änderung: 09. März 2009, 21:59:08 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Profuuu

  • Thailand Guru
  • *******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 3.179
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #199 am: 10. März 2009, 00:57:53 »

Habe ich mir gleich gedacht, dass der Teufel beim Heiligenschein seine Finger mit im Spiel hat.  >:
Gespeichert
mfG
Professor Triple U

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #200 am: 10. März 2009, 10:49:58 »

Siehst du Profuuu, ich bin bei dieser Prüfung sauber geblieben, getreu dem Spruch von Mia:
"Lieber Diadem als Kondom!"
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

pierre

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 921
  • pattaya
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #201 am: 10. März 2009, 10:56:25 »

@Profuuu
zumindest bei der zuteilung des ebensolchigen. 8)

@Low
haettest eben besser gleich den scheinheiligenschein beantragen sollen.  ;D :D :D
Gespeichert

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #202 am: 10. März 2009, 11:23:50 »

Mir fehlte der Schein für den Scheinheiligenschein.
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Abfall
« Antwort #203 am: 11. März 2009, 04:23:05 »

Abfall

Als ich vor etwa acht Jahren ins Dorf zog, kümmerte ich mich nicht um den Abfall.
Ich produzierte praktisch keinen. Der Obmann in unserer Strasse kassierte dementsprechend nichts.
Ich roch hie und da einen stinkenden privaten Sammelwagen, einen uralten Pickup,
auf dem die Säcke über zwei Meter hoch gestapelt wurden.
Das meiste wurde aber nicht kostenpflichtig gesammelt, sondern kostengünstig verbrannt.
Für Dosen, Flaschen, gefüllte Plastiksäcke oder Elektronik gab es genügend Büsche beim Kinderspielplatz.
Für Abfälle bezahlten nur zugewanderte Idioten.

Die Lage änderte sich mit dem Bezug des neuen Hauses. Da wurde ich zur Kasse gebeten.
Anfänglich bezahlte ich fünfzig Baht im Monat. Manchmal wurde der Unrat wöchentlich eingesammelt,
dann einmal in zwei Wochen. Später wurde der Preis auf achtzig Baht erhöht. Als wir 
hundert Baht im Monat ablieferten, wurde die Abfallentsorgung ohne Voranmeldung eingestellt.
Die Polizei in Lampang, nur etwa hundert Kilometer von hier entfernt, erhielt Beschwerden
wegen unerträglichem Gestank. Sie ging der Sache nach und musste erfahren, dass der ganze Dreck
von Chiang Mai und Umgebung in der Nähe von Lampang in den Dschungel gekippt wurde.
Die zwei Orte tauschten nicht nur Freundlichkeiten aus.

Danach wurde abends vor den Häusern auf dem Strässchen wieder gefeuert.
Papier, tote Katzen und Gartenabfälle störten mich nicht. Das Problem sind PVC und Styropor.
Letzteres wird von Garküchen und Grossverteilern zum Verpacken von Fertiggerichten, Fleisch und Gemüse verwendet.

Wird PVC verbrannt bildet sich ätzender gasförmiger Chlorwasserstoff. Zusammen mit Wasser
oder Luftfeuchtigkeit bildet das Gemisch Salzsäure. Es entstehen hochgiftige Dioxine.
Die Verbrennung erfolgt unvollständig und russend. Rauch und Russ enthalten polykondensierte
Aromaten, wie Benzpyren, Pyren und Chrysen, die hochgiftig und karzinogen wirken.

Polystyrol verbrennt mit leuchtend gelber, stark russender Flamme und einem süsslichen Geruch
nach Styrol. Die Dämpfe sollten nicht eingeatmet werden, sie sind gesundheitsschädlich, weil sie
neben Styrol weitere Zersetzungsprodukte enthalten.
Polystyrol könnte vollständig rezikliert werden.

Die feuernde Mutter einer ebenfalls feuernden Nachbarin starb an Lungenkrebs. Die Nachbarin hat
selbst Krebs und macht gegenwärtig Chemotherapie. Die Familie, inklusive Tochter feuert weiter.
Es wäre ja möglich, dass die Krankheit vererbt wurde und nicht von der vergifteten Luft herrührt.

Ich sammelte Dosen, Flaschen und Zeitungen. Anfänglich wurde ich belächelt. Als die Dorfschönen
bemerkten, dass man aus Abfall Geld machen konnte, fand ich viele Nachahmerinnen. Mittlerweile gab
es in Hangdong am Marktplatz eine Abfallsammelstelle. Leider waren die Leute zu faul oder zu vergesslich
beim Marktbesuch gleich den Unrat mitzunehmen.
Erneut wollte man Müll einsammeln, für den überrissenen Preis von einhundertfünfzig Baht  pro Monat.
Der Grund für die Teuerung war, dass die Kassiererin fünfzig Baht pro Haushalt fürs Einziehen wollte
und dies bei nicht garantierten Abfuhrtagen. Wir fanden die Lösung darin, dass wir unserer Putzfee
im Monat hundert Baht zusätzlich gaben und sie sich um die Entsorgung bemühte. Sie machte dabei
ein gutes Geschäft, denn in ihrer Gemeinde wurde der Müll für vierzig Baht abgeholt.
 
Mit den Bemühungen um weniger Dreckluft organisierte die Gemeine eine geordnete Kehrichtsammlung
an zwei Tagen pro Woche. Für vierzig Baht erhalten wir nun zehn grosse Kehrichtsäcke pro Monat.
Wir haben Mühe, acht Säcke zu füllen.

Gegenüber unserem Haus gibt es ein kleineres freies Grundstück. Dorthin schmeissen unsere hochgeschätzten
Nachbarn des Nachts alte Fauteuils und andere grosse unerwünschten Dinge. Heute gab es von uns ein
Trinkgeld für die Kehrichtarbeiter, damit sie diesen Schrott ebenfalls einsammelten.
In Zukunft gibt werden die Sünderinnen und Sünder gefilmt. Danach wird sie unser Jurist Dr. S.A. Tan verzeigen,
oder sie landen allesamt ohne seine Mitwirkung in der Hölle.

Abfall, eben.
« Letzte Änderung: 11. März 2009, 04:43:33 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Marktnotizen
« Antwort #204 am: 12. März 2009, 09:59:53 »

Marktnotizen                                März 2009

Die Weltwirtschaftkrise wird im Dorf ausgebadet. Wie immer trifft es vor allem Unbeteiligte.
Kleine Leute, die hart arbeiten. Menschen, die keine Aktien besitzen. Arbeiter, die nicht wissen,
was ein Hedge-Fonds ist. Frauen, die sich keinen Deut um Devisen Kurse, dafür Haare scheren.
Diejenigen mit Aktienbesitz verschneit es noch härter.
Wie kann ich haushalten ohne zu leiden oder kann ich mit Spargel sparen?

Einige Beispiele liefert der Markt von Hangdong.
Ein Bauer erhält für ein Schwein von der Grossschlachterei 20 Baht pro Kilogramm Lebendgewicht.
Der Erlös zahlt ihm nicht einmal das Futter. Von Verdienst ist keine Rede. Wenn er selbst schlachtet,
verkauft er schönes Fleisch für ungefähr 80 Baht pro Kilogramm. Im Grossverteiler kostet dieselbe Ware bis 180 Baht.

Bäuerinnen boten Erdbeeren feil. Es gibt zwei Sorten. Die einen sind schön rot wie die in Europa,
haben ein angenehmes Aroma, sind aber kaum al dente, sondern ungewohnt hart für verwöhnte Farang Gaumen.
Wir kochen aus dieser Art ein hervorragendes Kompott. Die halbierten Beeren sind dann weich
und werden mit Vanille Eis zum Festschmaus.

Die andere Sorte ist etwas kleiner, weniger rot, aber sehr angenehm zum Essen.
Wir fanden diese Sorte Beeren, sie gehören eigentlich zu den Nüssen, nur selten.
Die Preise sind für beide Gattungen gleich. Zweihundertfünfzig Gramm kosten zehn Baht. 
Kauft man mehr, gibt es Discount. Drei Kilogramm kosten dann 100 Baht.
Beim Grossverteiler in Chiang Mai bezahlt man für weniger frische Ware 135 Baht für 250 Gramm.
Ein kleines Töpfchen Erdbeermarmelade kostet 135 Baht im Geschäft. Unser Selbstkostenpreis
pro Kilogramm dürfte unter 50 Baht liegen.
Das wäre für einen initiativen Kleinunternehmer durchaus ein Geschäft.

Unsere eigenen Bio Bananen sind sehr gut, leider unverkäuflich. Wir haben erfolgreich
versucht, Bananen mit Erdbeeren als Kompott im Verhältnis von eins zu vier zu mischen.
Für Dummies: Gewicht, nicht Anzahl!

Zuckererbsen, auch Kefen genannt, werden mit der Hülse gegart oder als Schote roh verzehrt.
Wenn die Erbsen bei hiesigen Temperaturen wachsen, werden sie manchmal über Nacht zu gross,
leider etwas zäh und sind nicht mehr zu verkaufen.
Die Bauern verschenken dann die Ernte auf dem Markt, weil sie nicht wissen, dass man die Erbsen
aus den schlecht geniessbaren Hülsen lösen könnte. Mia macht das perfekt.

Wir dämpfen gewürfelte Schalotten mit etwas Oliven-Öl und Butter glasig. Dann geben
wir die Erbsen zusammen mit feingeschnittenen Karotten und aromatischen Kräutern bei.
Etwas Petersilie genügt. Ich mag auch Koriander. Wenn wir für 10 Baht Karotten kaufen, (Tesco 45 Baht),
erhalten wir die Kefen gratis.

Den grössten Hit landete Mia bei den Spargeln. Das Stangengemüse ist mein Top-Favorit,
auch biologisch, denn Spargelpollenkörner können ohne Befruchtung keimen. Der entstehende
Embryo hat das gleiche Erbgut wie die Vaterpflanze und ist somit ein Klon derselben.
Unsere Gastgeber handeln oft etwas kopflos. Genauso kaufen sie Spargel.

Während Mia die Köpfchen nach Hause bringt, sind die Thais mit den Stengeln zufrieden.
Für uns ist das schlecht nachvollziehbar und dennoch nicht abwegig, denn einige
Farang ziehen für ihren Stengel kopflose Frauen vor.




Veronika, der Lenz ist da

Veronika, der Lenz ist da,
die Mädchen singen Tralala,
die ganze Welt ist wie verhext,
Veronika, der Spargel wächst,
ach Du Veronika, die Welt ist grün,
drum laß uns in die Wälder ziehn.
Sogar der Großpapa, sagt zu der Großmama:
Veronika, der Lenz ist da.

Text: Fritz Rotter







« Letzte Änderung: 12. März 2009, 10:54:07 von Low »
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Profuuu

  • Thailand Guru
  • *******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 3.179
Re: Geschichten aus Hinterindien: Marktnotizen
« Antwort #205 am: 12. März 2009, 12:18:39 »


Während Mia die Köpfchen nach Hause bringt, sind die Thais mit den Stengeln zufrieden.
Für uns ist das schlecht nachvollziehbar und dennoch nicht abwegig, denn einige
Farang ziehen für ihren Stengel kopflose Frauen vor.


In dem Fall fällt der BJ schon mal flach.  ;)
Gespeichert
mfG
Professor Triple U

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Drei Gewichtseinheiten
« Antwort #206 am: 13. März 2009, 13:14:59 »

Drei Gewichtseinheiten

Vielleicht sind die grazilsten Frauen dieser Erde junge Inderinnen. Ihre vollendeten
Formen werden durch den Sari zusätzlich akzentuiert. An strategisch wichtigen
Punkten wird dezent etwas Haut gezeigt. Diese Frauen brauchen kein Beiwerk wie
Schmuck. Ihre glänzenden Haare, die funkelnden Augen, die wohlgeformten Lippen
und die Schatten der Wangenknochen sind im Idealfall perfekt aufeinander abgestimmt.

Wenn diese Ladies älter werden und der Körper etwas fülliger, möchten sie dennoch
ein paar Blicke auf sich ziehen. Das tun sie gekonnt, indem sie zum Hausherrn sehr
nett sind, ihm schmeicheln und über ihre verbleichende Schönheit und nervende Migräne klagen.

Der gepflegte Mann von Welt weiss, dass seine einstmals heiss Geliebte keine Medizin
und keine Kopfwehtabletten will. Sie braucht Karat in der Form von Granat, Lapislazuli,
Smaragd,  Spinell, Saphir, Rubin, Tigerauge, Zirkon, auch Diamanten – Top Wesselton – dürfen es sein.
So kommt es, dass selbst gereiftere indische Damen immer noch Blicke auf sich
oder zumindest auf ihre glitzernden Edelsteine ziehen.

Glücklicherweise haben viele Thailänderinnen diese Magie der farbigen Klunker nur
halb entdeckt. Ein paar Fingerringe und Anhänger für die Ohren reichen. Die Frauen
haben ganz andere Ansprüche: Der Baht in Form von Gold. Ein Baht wiegt genau 15.16 Gramm.
Diese Gewichtseinheiten gibt es in Form von Ringen, Kettchen und Ketten für Hals, Hand
und Fuss im Bereich von etwa 0.5 bis 100 Baht. Besonders reizvoll wirkt beispielsweise eine
30 Baht Garnitur im Nabelbereich. Für molligere Körper empfehle ich auf 50 Baht oder mehr aufzustocken.

Sollte sich der Besitzer einer solch aufgewerteten Schönheit eines Seitensprunges erdreisten,
verzeiht die Dame gnädig mit dem Hinweis, sie hätte da in der Auslage des Juweliers ein Collier
gesehen und ein paar Brillanten, die ihre gesundheitlich Verfassung erheblich verbessern könnten.

Mia sah in den Lauben von Bern in einem Schaufenster Bernsteinketten.
„Welch ein Zufall?“ meinte sie.
„Dass es so etwas gibt? Wäre dies nicht eine schöne Erinnerung an Bern?“
Meine Einwände, dass Bernstein nicht aus Bern kommt, sondern aus der Ostsee, liess sie nicht gelten.

Reine Erpressung, was diese Asiatinnen bieten, sagen die Herren der Schöpfung zu schnell.
Sie haben dabei die Frauen der westlichen Welt vergessen. Diese emanzipierten Wesen
kombinierten nämlich die Begriffe von Karat und Baht in das Wort Kabarat, bekannter als
Cabaret oder zu Deutsch Kabarett.
In der Öffentlichkeit sind das Lachnummern. Im häuslichen Intimbereich dagegen
sind es gefürchtete heisse Rituale zur Erlangung von äusserst fraglichen Erzeugnissen von
Kürschnern, Juwelieren, Geldvernichtungsinstitutionen und Autobauern wie:
Bugattilamborghiniferrarimaseratidetomasopagani.

Was für bescheidene Wesen doch wir Männer sind. Uns genügt ein Fussballspiel
am Fernsehen, vielleicht ein Bier dazu. Es dürfen auch zwei sein.
Ich verzichte auf den Fussball, ziehe einen alten Portwein vor und dazu eine
aromatische kubanische Zigarre, handgerollt auf dem fleischigen Schenkel einer
feurigen Kubanerin.
Wenn dann Fussball und Portwein fertig sind, die Zigarre sich in Rauch aufgelöst hat,
dann gibt’s nur eines. Eine Frau. Nur sie weiss, wie das Nachspiel endet:
Karat, Baht oder Kabarett.


Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

Profuuu

  • Thailand Guru
  • *******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 3.179
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #207 am: 14. März 2009, 02:28:56 »

Kompliment, low.

Nun kommt zu dem amüsanten Inhalt auch Form und Stil.  8)



 
Gespeichert
mfG
Professor Triple U

Low

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.362
Re: Geschichten aus Hinterindien: Dienstboten-Exotik
« Antwort #208 am: 14. März 2009, 14:07:24 »

Dienstboten-Exotik

Verschiedentlich schrieb ich Geschichten betreffend mein Personal in Hinterindien.
Ich verwies gelegentlich auf die Schriften von Gotthelf mit seinen Schilderungen
über Land und Leute. Dass es vor über 150 Jahren im Emmental damit nicht
unbedingt besser bestellt war, zeigt ein Ausschnitt aus:

Uli der Knecht

Es lag eine dunkle Nacht über der Erde; noch dunkler war der Ort, wo eine Stimme
gedämpft zu wiederholten Malen »Johannes!« rief. Es war ein kleines Stübchen in
einem großen Baurenhause; aus dem großen Bette, welches fast den ganzen
Hintergrund füllte, kam die Stimme. In demselben lag eine Bäurin samt ihrem Manne,
und diesem rief die Frau: »Johannes!«, bis er endlich anfing zu mugglen und zuletzt
zu fragen: »Was willst, was gibts?«
»Du wirst auf müssen und füttern! Es hat schon halb fünf geschlagen und der Uli ist
erst nach den zweien heimgekommen und noch die Stiege herabgefallen, als er ins
Gaden wollte. Es dünkte mich, du solltest erwachen, so hat er einen Lärm verführt.
Er ist voll gewesen und wird jetzt nicht auf mögen, und es ist mir auch lieber, er gehe
so gestürmt mit dem Licht nicht in den Stall.«
»Es ist ein Elend heutzutag mit den Diensten,« sagte der Bauer, während er Licht machte
und sich anzog, »man kann sie fast nicht bekommen, kann ihnen nicht Lohn genug geben,
und zuletzt sollte man alles selbst machen und zu keiner Sache nichts sagen. Man ist nicht
mehr Meister im Hause und kann nicht eben genug trappen, wenn man nicht Streit haben
und verbrüllet sein will.«
 
»Du kannst das aber nicht so gehen lassen,« sagte die Frau, »das kömmt zu oft wieder;
erst in der letzten Woche hat er zweimal gehudelt, hat ja Lohn eingezogen, ehe es
Fasnacht war. Es ist mir nicht nur wegen dir, sondern auch wegen Uli. Wenn man ihm
nichts sagt, so meint er, er habe das Recht dazu, und tut immer wüster. Und  dann müssen
wir uns doch ein Gewissen daraus machen; Meisterleut sind Meisterleut, und man mag sagen,
was man will, auf die neue Mode, was die Diensten neben der Arbeit machen, gehe niemand
etwas an: die Meisterleut sind doch Meister in ihrem Hause, und was sie in ihrem Hause
dulden und was sie ihren Leuten nachlassen, dafür sind sie Gott und den Menschen verantwortlich.
Dann ist mir noch wegen den Kindern. Du mußt ihn ins Stübli nehmen, wenn sie zMorge gegessen
haben, und ihm ein Kapitel lesen.«

Jeremias Gotthelf,  Pseudonym von Albert Bitzius
* 4. Oktober 1797 in Murten, Kanton Freiburg;
† 22. Oktober 1854 in Lützelflüh, Kanton Bern

Uli der Knecht, Uli der Pächter, Doppelroman, 1846-1849

Zusammenfassung:
Demnächst werde ich Rattana ins Stübli nehmen und ihr ein Kapitel lesen!
Gespeichert
Sie wollte in die Galeries Lafayette.

pierre

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 921
  • pattaya
Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #209 am: 14. März 2009, 14:46:49 »

hat sich nicht viel geaendert, die letzten 150 jahre.
       
Gespeichert
Seiten: 1 ... 13 [14] 15 ... 121   Nach oben
 

Seite erstellt in 0.147 Sekunden mit 23 Abfragen.