Das Wirtschaftswunder Mai 2009
In der Geschichte 112 „Keine Karriere“ erwähnte ich die Ereignisse um eine strauchelnde
junge Frau. Sie ist gewiss nicht vom Schicksal begünstigt und eine Pechsträhne löste die
Andere ab. Zur Zeit ist sie in Behandlung im Universitäts-Spital. Sie hat irgendwelche
Probleme im Blut. Dem Lebenswandel entsprechend gäbe es einige unschöne Möglichkeiten.
Arbeiten kann sie nicht.
Ihre Tante, früher eine Art vermögender Dorffeldwebel, vielleicht sogar im Generalsrang,
wurde in den Strudel unschöner Erfahrungen mitgerissen. Zuerst finanzierte Tantchen
ein neues Motorrad, welches das Mädchen innerhalb von drei Jahre abzahlen sollte.
Nach nur zehn Monaten ist das ungepflegte Moped voller Kratzer, von zahllosen Notlandungen
auf dem Asphalt und sieht wesentlich älter aus, als das Rad der Tante, welches das verwöhnte
Kind verschmähte.
Dann verjubelte die Tante irgendwelches Gold für die Göre für eine Abtreibung in einer Privatklinik.
Später zeigte sich, dass die Tante vor etwa vierzig Jahren im Süden einmal verheiratete war
und zwei Söhne hatte. Trotz den zwei strammen Stammhaltern war sie nur eine von vielen
Frauen und sie ergriff damals empört und ausser sich das Hasenpanier, die Flucht in den Norden.
Hier wütete sie rachsüchtig und zerstörte unter selbstmörderischem Körpereinsatz möglichst
viele Familien, solange ihre Kasse stimmte. Sie hatte viele Männer, Husband genannt. Sie war
jedoch nie wieder verheiratet. Ihre Vergangenheit blieb ein Geheimnis.
Sie wurde älter und begnügte sich mit einem oder zwei zahlungskräftigen Kunden oder Liebhabern.
Vor einigen Monaten fanden die gewitzten Bübchen heraus, dass da ja noch irgendwo eine
Mutter war, die man nach Strich und Faden ausnehmen konnte, nach dem der Vater die beiden
Tagediebe und Taugenichtse (1) in die Wüste geschickt hatte.
Die Frau wehrte sich gegen die drohende Armut und versuchte auf verschiedene Weise
wieder etwas Bargeld zu ergattern. Sie kaufte im Ausverkauf ein paar Fernsehapparate,
die sie gewinnbringend weiterverkaufen oder zumindest vermieten wollte. Sie machte
die Rechnung, ohne die fiesen Tricks ihrer Landsleute zu berücksichtigen.
Die Mietapparate verlor sie innerhalb kürzester Zeit. Die Thais zahlten eine zu kleine Kaution
und die erste Miete. Dann wechselten sie samt TV das Domizil mit unbekanntem Aufenthalt.
Einer ihrer Wunderknaben, etwa dreissig Jahre jung, arbeitsscheu und partygeil,
vertrödelte einige Zeit in einem Tempel. Ich bitte um Verzeihung, wenn sich jemand durch
diese Wortwahl und Rücksichtslosigkeit angepöbelt führt, aber vertrödelt ist in diesem Falle
einzig richtig. Der Novize (2) ging nämlich zu Mütterchen und erzählte, wie stinklangweilig
es im Tempel sei, kaum auszuhalten und er benötige unbedingt einen Fernsehapparat um
überleben zu können.
Der Mutter perlten Tränen, die selbstlose Opferbereitschaft ihres Herzblutes anerkennend
und sie förderte das spirituelle Denkvermögen des geistlosen Idioten im Tempel mit einem Fernsehapparat.
Währenddessen lösten sich ihre Ersparnisse zusehends auf. Es gab Familienmitglieder zu
ernähren und Raten abzustottern. Vor allem das Moped war mit 60 000 THB ein rechter
Brocken, speziell, weil die junge Frau erwerbsunfähig ist.
Und sie alle, alle, Söhne, Brüder, Schwägerin, Nichten, Neffen sitzen im Haus der Tante und
warten alle auf Essen und ein Wunder,
das im fernen Bangkok von einem Herrn Abhisit angekündigt wurde.(3)
(1)
Gottfried Keller: Der Taugenichts
Gottfried Keller * 19. Juli 1819 in Zürich; † 15. Juli 1890 ebenda
http://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Kellerhttp://www.mittelschulvorbereitung.ch/content/ssv/TE56kTaugenicht.pdfhttp://www.zeno.org/Literatur/M/Keller,+Gottfried/Gedichte/Neuere+Gedichte/Jahreszeiten/Der+Taugenichts(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Novize(3)
http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/optimistischer-abhisit-wirtschaft-wird-schwarze-zahlen-im-vierten-quartal-2009-schreiben//back/2/