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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449425 mal)

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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #300 am: 22. Mai 2009, 15:34:44 »

Der Rastplatz Khuntan befindet sich einige km nach dem Elefanten Camp an der Strecke Lampang -  Chiang Mai.
Relativ gut signalisiert. Restaurant, WC, etc.. Ein richtiger Rastplatz, wie in Euroland, vielleicht etwas klein geraten, kein Markt.
Zugang vom Highway Chiang Mai - Lampang möglich.
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namtok

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #301 am: 22. Mai 2009, 21:37:24 »

Den offiziell ausgeschilderten Khuntan Rastplatz kenn ich auch, nur hab ich da noch nie irgendwelche Verkaufssände gesehen.

Aber ein Stop am Thung Kwian Markt, einige km nach dem Elefantencamp in die andere Richtung (Lampang) lohnt sich sehr, und auch mal weiter hinten schnuppern, für viele Thais ein Pflichtstop nach dem Trip in den Norden.
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██████  Ich sch... auf eure Klimaziele !

Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #302 am: 22. Mai 2009, 22:35:38 »

Verkaufsstände gab es nicht. Nur ein Ladenlokal links vom Haupteingang.
95 % Ramsch. Die restlichen 5 % bereiteten mir zum Teil schlaflose Stunden, wie eine
Schnitzerei einer Guan Im, Kwan Yin. Bevor ich so etwas kaufe, schlafe ich immer eine Nacht.
Der Siebenschläfer hat verloren.
Oh nein, wenn das letzte Stündchen schlägt, verbietet der Kuckuck, etwas einzupacken.
Guten Abend, gut Nacht...
« Letzte Änderung: 22. Mai 2009, 22:39:05 von Low »
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Low

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Geld, Money und Moneten
« Antwort #303 am: 24. Mai 2009, 14:06:15 »

Geld, Money und Moneten

Profuuu beschreibt jeweils schön, was die Mädels alles so draufhaben, den Reichtum
ihrer Ideen und die schnelle Analyse der Opfer.
Das ist in Nordthailand nicht wesentlich anders. Es gibt obendrein immer wieder Damen,
die ihre Ideen als semikriminelle Energie verwenden.
In der Geschichte:
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg51482#msg51482“
berichtete ich über die geklaute Uhr von Buci, die verkauft werden sollte.
Entschuldigt bitte, Es handelte sich natürlich um eine Uhr von Gucci!
Dieselbe Dame leidet kaum an Ideen zur Monetenbeschaffung: Ihr Farang-Gatte
kaufte seinerzeit einen Pick-up gegen Barzahlung. Sie fand später eine Bank, die
das Fahrzeug mit 400 000 THB belehnte. Wie die Bank den Kredit ohne Einbezug
des Ehemannes bewilligte, ist eine andere, fast unglaubliche Geschichte!
Der Ärmste ist krank im Spital. Jetzt will sie den Pick-up schnellstens für 100 000 THB
plus Bankschulden verhökern.

Wir suchten eine neue Raum- und Gartenpflegerin. Ohne viel Aufwand meldeten sich in
kürzester Zeit zwei Frauen. Die Erste wog vielleicht einen Doppelzentner.
Man sah ihr die Trägheit und das Fressvermögen von weitem an. Sie konnte sich nur schlecht
bewegen und musste bestimmt alle zwanzig Minuten futtern. Ohne sich je umzusehen,
verlangte sie gleich mal mehr Lohn. Ich befürchtete unter anderem verstopfte Toiletten,
Mehrarbeit für mich, und legte mein Veto ein.

Die zweite Bewerberin arbeitete bei einer mir bekannten Thai-Familie. Die haben vier Wagen.
Einen aus Japan, einen aus München und zwei aus Stuttgart. Dann stehen noch mindestens
zwei Mopeds herum. Ob der Fahrzeugpark bezahlt ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiss nur,
der Putzfrau wurde ein anständiges Gehalt versprochen, so dass sie zusagte. Leider erhielt sie
in zwei Jahren nie den vollen Lohn, nur Teilbeträge und sie wurde stets auf später vertröstet.
Weil sie eine typisch arme, schlecht geschulte Thai ist, führte sie keine Buchhaltung und kennt
den Gesamtbetrag, den sie verloren hat, nicht.
Sie arbeite dort lange Stunden, betreute die kleine Tochter des Arbeitgebers des Morgens und
bereitete sie für den Schulbesuch vor. Abends war sie öfters Babysitter.
Wenn die Wohnung endlich sauber war, verschmutzen ein paar unerzogene Hunde den Platz.

Die Frau hat eine siebzehnjährige Tochter. Ihr Mann, arbeitsloser Trinker, durstige Seele und
Lao Khao Spezialist, kurz - eine verschnapste Dreifaltigkeit, wollte sich vor sechs Jahren im Suff
am Mädchen vergehen. Darauf schmiss sie ihn raus.
Was die Mädels alles so draufhaben!
« Letzte Änderung: 24. Mai 2009, 14:14:07 von Low »
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Buci

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #304 am: 24. Mai 2009, 16:18:06 »

Ich musste wieder in den Keller..  :D  :D  :D  Weitermachen!
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Low

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Hammelfleisch und Steckrüben
« Antwort #305 am: 25. Mai 2009, 17:48:58 »

Hammelfleisch und Steckrüben

Ähnliche Gedanken, verschiedene Schreibweisen, dargeboten zur Auflockerung vom
gedrängt numerischen Low Stil. Einige Sätze eines erfolgreichen Suchenden,
eines grossartiger Schriftstellers:

Philosophen und Moralisten haben den Körper immer mit Skepsis betrachtet. Sie verweisen
darauf, dass die Befriedigung seiner Lust von kurzer Dauer ist. Ein Vergnügen ist aber
trotzdem ein Vergnügen, auch wenn es nicht ewig dauert. Es ist schön, an einem heissen
Tag in kaltes Wasser zu springen, auch wenn unsere Haut die Kälte schon nach kurzer Zeit
nicht mehr empfindet. Weiss wird auch nicht weisser, wenn es statt eines Tages ein Jahr lang
hält. lch betrachtete es seinerzeit als Teil meines Lebensentwurfs, alle sinnlichen Freuden
zu geniessen. lch fürchtete mich nicht vor Unmässigkeit. Ein gelegentlicher Exzess kann
durchaus anregend wirken. Er verhindert, dass Mässigung zu einer abstumpfenden Gewohnheit
wird. Es stärkt das System und beruhigt die Nerven. Der Geist ist oft dann besonders frei,
wenn der Körper satt und zufrieden ist; ja, manchmal scheinen die Sterne für den, der in
der Gosse liegt, noch heller als für den, der sie vom Gipfel eines Berges aus betrachtet.
Das stärkste Vergnügen, das der Körper empfinden kann, ist die geschlechtliche Vereinigung.
lch kenne Männer, die ihr ganzes Leben dafür gegeben haben; sie sind jetzt zwar alt, doch
ich habe, nicht ohne Überraschung, festgestellt, dass sie ihr Leben als erfüllt ansehen. Es ist
mein Pech, dass ich mich, bedingt durch meine anspruchvolle Natur, diesem speziellen
Vergnügen weniger intensiv hingegeben habe, als es möglich gewesen wäre.
Ich habe Mäßigung geübt, weil ich schwer zufriedenzustellen war. Wenn ich das eine oder
andere Mal die Personen sah, mit denen die großen Liebhaber ihre Bedürfnisse befriedigten,
war ich eher erstaunt über die Derbheit ihres Appetits, als daß ich neidisch auf ihre Erfolge
gewesen wäre. Offensichtlich muß man nicht oft hungern, wenn man willens ist, sich von
Hammelfleisch und Steckrüben zu ernähren.


W. Somerset Maugham
Die halbe Wahrheit
Diogenes Verlag Zürich, 1997


William Somerset Maugham   * 25. Januar 1874 in Paris; † 16. Dezember 1965 in Saint-Jean-Cap-Ferrat bei Nizza

http://de.wikipedia.org/wiki/William_Somerset_Maugham
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Buci

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #306 am: 26. Mai 2009, 02:42:20 »

Ähmmm... Schönsausfen ist auch möglich. Aber... nicht empfehlenswert. Irgendwann erwacht man(n) nämlich am nächsten Tag...   ;D

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Blackmicha

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #307 am: 26. Mai 2009, 02:47:15 »

Ähmmm... Schönsausfen ist auch möglich. Aber... nicht empfehlenswert. Irgendwann erwacht man(n) nämlich am nächsten Tag...   ;D



einfach nicht hinschauen ! absolut ignorieren ! 

ist nur mist , wenn du noch nicht bezahlt hast !   >:(
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Essen und Beischlaf sind die großen Begierden des Mannes

Konfuzius - oder so

Low

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Das Wirtschaftswunder
« Antwort #308 am: 26. Mai 2009, 17:46:24 »

Das Wirtschaftswunder             Mai 2009

In der Geschichte 112 „Keine Karriere“ erwähnte ich die Ereignisse um eine strauchelnde
junge Frau. Sie ist gewiss nicht vom Schicksal begünstigt und eine Pechsträhne löste die
Andere ab. Zur Zeit ist sie in Behandlung im Universitäts-Spital. Sie hat irgendwelche
Probleme im Blut. Dem Lebenswandel entsprechend gäbe es einige unschöne Möglichkeiten.
Arbeiten kann sie nicht.

Ihre Tante, früher eine Art vermögender Dorffeldwebel, vielleicht sogar im Generalsrang,
wurde in den Strudel unschöner Erfahrungen mitgerissen. Zuerst finanzierte Tantchen
ein neues Motorrad, welches das Mädchen innerhalb von drei Jahre abzahlen sollte.
Nach nur zehn Monaten ist das ungepflegte Moped voller Kratzer, von zahllosen Notlandungen
auf dem Asphalt und sieht wesentlich älter aus, als das Rad der Tante, welches das verwöhnte
Kind verschmähte.
Dann verjubelte die Tante irgendwelches Gold für die Göre für eine Abtreibung in einer Privatklinik.
Später zeigte sich, dass die Tante vor etwa vierzig Jahren im Süden einmal verheiratete war
und zwei Söhne hatte. Trotz den zwei strammen Stammhaltern war sie nur eine von vielen
Frauen und sie ergriff damals empört und ausser sich das Hasenpanier, die Flucht in den Norden.
Hier wütete sie rachsüchtig und zerstörte unter selbstmörderischem Körpereinsatz möglichst
viele Familien, solange ihre Kasse stimmte. Sie hatte viele Männer, Husband genannt. Sie war
jedoch nie wieder verheiratet. Ihre Vergangenheit blieb ein Geheimnis.
Sie wurde älter und begnügte sich mit einem oder zwei zahlungskräftigen Kunden oder Liebhabern.
Vor einigen Monaten fanden die gewitzten Bübchen heraus, dass da ja noch irgendwo eine
Mutter war, die man nach Strich und Faden ausnehmen konnte, nach dem der Vater die beiden
Tagediebe und Taugenichtse (1) in die Wüste geschickt hatte.
Die Frau wehrte sich gegen die drohende Armut und versuchte auf verschiedene Weise
wieder etwas Bargeld zu ergattern. Sie kaufte im Ausverkauf ein paar Fernsehapparate,
die sie gewinnbringend weiterverkaufen oder zumindest vermieten wollte. Sie machte
die Rechnung, ohne die fiesen Tricks ihrer Landsleute zu berücksichtigen.
Die Mietapparate verlor sie innerhalb kürzester Zeit. Die Thais zahlten eine zu kleine Kaution
und die erste Miete. Dann wechselten sie samt TV das Domizil mit unbekanntem Aufenthalt.

Einer ihrer Wunderknaben, etwa dreissig Jahre jung, arbeitsscheu und partygeil,
vertrödelte einige Zeit in einem Tempel. Ich bitte um Verzeihung, wenn sich jemand durch
diese Wortwahl und Rücksichtslosigkeit angepöbelt führt, aber vertrödelt ist in diesem Falle
einzig richtig. Der Novize (2) ging nämlich zu Mütterchen und erzählte, wie stinklangweilig
es im Tempel sei, kaum auszuhalten und er benötige unbedingt einen Fernsehapparat um
überleben zu können.
Der Mutter perlten Tränen, die selbstlose Opferbereitschaft ihres Herzblutes anerkennend
und sie förderte das spirituelle Denkvermögen des geistlosen Idioten im Tempel mit einem Fernsehapparat.

Währenddessen lösten sich ihre Ersparnisse zusehends auf. Es gab Familienmitglieder zu
ernähren und Raten abzustottern. Vor allem das Moped war mit 60 000 THB ein rechter
Brocken, speziell, weil die junge Frau erwerbsunfähig ist.
Und sie alle, alle, Söhne, Brüder, Schwägerin, Nichten, Neffen sitzen im Haus der Tante und
warten alle auf Essen und ein Wunder,
das im fernen Bangkok von einem Herrn Abhisit angekündigt wurde.(3)

(1)
Gottfried Keller: Der Taugenichts
Gottfried Keller * 19. Juli 1819 in Zürich; † 15. Juli 1890 ebenda
http://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Keller
http://www.mittelschulvorbereitung.ch/content/ssv/TE56kTaugenicht.pdf
http://www.zeno.org/Literatur/M/Keller,+Gottfried/Gedichte/Neuere+Gedichte/Jahreszeiten/Der+Taugenichts
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Novize
(3)
http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/optimistischer-abhisit-wirtschaft-wird-schwarze-zahlen-im-vierten-quartal-2009-schreiben//back/2/
« Letzte Änderung: 26. Mai 2009, 18:14:29 von Low »
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #309 am: 26. Mai 2009, 21:23:16 »

Ich geh mit Buci in den Keller! :D :D :D
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Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

Low

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Buci mit drwkempf im Keller
« Antwort #310 am: 26. Mai 2009, 21:44:59 »

Dann geh mit Buci in den Gottfried Keller:

Der Taugenichts

Die ersten Veilchen waren schon
Erwacht im stillen Tal;
Ein Bettelpack stellt' seinen Thron
Ins Feld zum ersten Mal.
Der Alte auf dem Rücken lag,
Das Weib, das wusch am See;
Bestaubt und unrein schmolz im Hag
Das letzte Häuflein Schnee.

Der Vollmond warf den Silberschein
Dem Bettler in die Hand,
Bestreut' der Frau mit Edelstein
Die Lumpen, die sie wand;
Ein linder West blies in die Glut
Von einem Dorngeflecht,
Drauf kocht' in Bettelmannes Hut
Ein sündengrauer Hecht.

Da kam der kleine Betteljung,
Vor Hunger schwach und matt,
Doch glühend in Begeisterung
Vom Streifen durch die Stadt,
Hielt eine Hyazinthe dar
In dunkelblauer Luft;
Dicht drängte sich der Kelchlein Schar,
Und selig war der Duft.

Der Vater rief: "Wohl hast du mir
Viel Pfennige gebracht??"
Der Knabe rief: "O sehet hier
Der Blume Zauberpracht!
Ich schlich zum goldnen Gittertor,
Sooft ich ging, zurück,
Bedacht nur, aus dem Wunderflor
Zu stehlen mir dies Glück!

O sehet nur, ich werde toll,
Die Glöcklein alle an!
Ihr Duft, so fremd und wundervoll,
Hat mir es angetan!
O schlaget nicht mich armen Wicht,
Laßt Euren Stecken ruhn!
Ich will ja nichts, mich hungert nicht,
Ich wills nicht wieder tun!?"

"O wehe mir geschlagnem Tropf!?",
Brach nun der Alte aus,
"Mein Kind kommt mit verrücktem Kopf,
Anstatt mit Brot nach Haus!
Du Taugenichts, du Tagedieb
Und deiner Eltern Schmach!?"
Und rüstig langt' er Hieb auf Hieb
Dem armen Jungen nach.

Im Zorn fraß er den Hecht, noch eh
Der gar gesotten war,
Schmiß weit die Gräte in den See
Und stülpt' den Filz aufs Haar.
Die Mutter schmält' mit sanftem Wort
Den mißgeratnen Sohn,
Der warf die Blume zitternd fort
Und hinkte still davon.

Es perlte seiner Tränen Fluß,
Er legte sich ins Gras
Und zog aus seinem wunden Fuß
Ein Stücklein scharfes Glas.
Der Gott der Taugenichtse rief
Der guten Nachtigall,
Daß sie dem Kind ein Liedchen pfiff
Zum Schlaf mit süßem Schall.
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Low

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Nässe
« Antwort #311 am: 29. Mai 2009, 15:34:41 »

Nässe, am Liebsten in Flaschen abgefüllt.

Manchmal möchte ich ebenfalls in den Keller. Vor allem wenn ich mich daran erinnere,
dass da noch eine ältere Flasche Strohwein (Vin Jaune) aus dem Jura lagert.
Hierzulande ist leider nicht an Unterkellerung zu denken. Der Grundwasserspiegel ist
im allgemeinen zu hoch. Als wir seinerzeit im März bauten, war das Wasser etwa auf
einhunderachtzig Zentimetern tiefe. Beim Anbau des Beauty Salons waren wir nach
zehn cm im Wasser. Dieses Frühjahr hatten wir Schwierigkeiten aus neun Metern tiefe
genügend Wasser zu pumpen.
Vor den Rodungen und der Erstellung der Grossgartenanlagen Flora Rajapruek, warnten
verschiedene Experten vor einem Grundwasserrückgang in der Region Hangdong.
Auch ohne Keller brauchen wir auf die niedlichen Kellerasseln nicht zu verzichten.
Sie sind, wie viele Zeitgenossen, nachtaktiv. Asseln gehören nicht zu den Insekten,
sondern zu den Krebstieren.

Wesentlich interessanter einen Keller zu haben wäre es, wenn die Strassen im Dorf einen
Meter unter Wasser liegen. Man müsste bei so einer Gelegenheit einen Notsäuferausweis
haben, um all die schönen Flaschen retten zu können. Ich erinnere mich an das letzte richtige
Hochwasser. Da brachte die rührige Gemeindeverwaltung, war es vor den Wahlen, warmes
Essen und Kerzen zum Dorfeingang.
Wer der Flut widerstand, konnte sich die Schätze abholen. Ältere oder kranke Menschen
gingen meist leer aus. Man stelle sich einen Familienvater mit drei kleinen Kindern vor, wie er
die gespendeten Nahrungsmittel, säuberlich in Styropor verpackt, mit beiden Händen über
dem Kopf balancierend durchs Hochwasser watete.
Am Tag darauf war jeweilen Matratzentag.  Da wurden alle gefluteten Matratzen auf den
Strassen ausgestellt und getrocknet. Endlich wusste ich, warum verschiedentlich asiatische
Teesorten ein Aroma wie muffigen Matratzen entwickeln.
« Letzte Änderung: 29. Mai 2009, 15:42:56 von Low »
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Horlogerie
« Antwort #312 am: 31. Mai 2009, 10:36:29 »

Horlogerie

Eigentlich sollte hier fast das Ende einer lange recherchierten Uhren Geschichte stehen.
Weil ich manchmal eine Nacht zuwarte, fand ich heraus, dass wir uns gegenwärtig mit
der Publikation selbst gefährden könnten.
Ich werde das Pamphlet bei der nächsten Gelegenheit unverändert einfügen.
Hier ist nur der Schluss des Aufsatzes:

Wenn einer in Hinterindien einen Kriminalroman schreiben will, braucht er keine
überwältigende Phantasie. Dumm stellen, Sehnerven aktivieren, Gehör einschalten,
die Klappe halten und das Gehirn nicht mit Alkohol oder andern Drogen (Frauen) betäuben.
Dann braucht es die Fähigkeit, die unglaublichen Darbietungen leicht verarbeiten können.
Das sind häufig die Grundlagen der Geschichten aus Hinterindien.
Es gibt Mitmenschen, die lachen sogar darüber. Ja, ich auch. Das ist vielfach der einzige
Weg,  dem Irrsinn zu begegnen.
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Low

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Der barmherzige Samariter
« Antwort #313 am: 31. Mai 2009, 21:09:00 »

Der barmherzige Samariter       (1)     31. Mai 2009

Wenn ich in meiner alten Heimat irgendwo, vielleicht auf der Strasse, einen verletzten
Menschen antreffe und keine Hilfeleistung erbringe, mache ich mich strafbar.
Anders ist es in Hinterindien. Meistens flüchten die Fehlbaren bei einem Verkehrsunfall
sofort. Breite Zuschauerkulissen feiern das Ereignis gebührend und bewundern die
verblutenden Verletzten bis Fachleute von Polizei und Ambulanzen eintreffen. Das ist besser
als jegliches Fernsehen, denn das Blut ist echt. Stöhnen und Schreie sind wie in Dolby
Surround Pro Logic (2). Dazu kommen erregende Gerüche von Schweiss und Blut, Erbrochenem,
angesengter Technik, heissem Gummi und Schwaden von Verbrennungsrückständen der
Motoren, der in den klimatisierten Fahrzeugen sitzenden Neugierigen.

Reiseapotheken sind in vielen westlichen Ländern in Fahrzeugen als Standardausrüstung
vorgeschrieben. Warndreiecke sind seit Jahrzehnten gesetzlich verordnet, neuerdings
auch Rettungswesten. Eine Grundausbildung in Nothilfe ist für den Führerscheinerwerb
unerlässlich. Die sachgerechte Lagerung von Verunfallten wird geübt. Ausnahmesituationen,
in welchen Konstellationen man Opfer nicht bewegen darf, werden zumindest diskutiert.

Sofern man hier Glück hat und von einer Spitalambulanz geborgen wird, darf man damit
rechnen, dass die Sanitäter eine knappe Grundausbildung im Rettungswesen genossen haben.
Schlimm ist es bei privaten Rettungsfahrzeugen, teilweise ausgemusterten Überlandtaxen,
die Patienten gegen Provision in Krankenhäuser einliefern. Unausgebildete Personen schieben
die Opfer erbarmungslos, dafür rasch und ohne jegliche Triage (3) auf einer nackten Blechbahre
in die Karre und ab geht die Post über Stock und Stein.

Wenn hier vereinzelt Äste auf den Fahrbahnen anzutreffen sind, kann sie ein Sturm
heruntergerissen haben, oder sie markieren eine Panne oder einen Unfall.
Vielleicht ist die Pannenstelle bereits geräumt und die Fahrer vergassen schlicht,
Steinbrocken und Grünzeug zu entfernen.

Es könnte im LOS durchaus gefährlich sein, Verletzten auf der Strasse beizustehen.
Sofern keine Zeugen existieren die aussagen könnten (vor allem wollen), ist nicht
auszuschliessen, dass später die Gesetzeshüter annehmen, man kümmerte sich als
Unfallverursacher und Täter um die Opfer.

Mir erging es in den letzten Tagen ähnlich. Ich musste ohne jegliche Hilfeleistung anbieten
zu können zur Kenntnis nehmen, wie ein Mensch offensichtlich langsam abkratzt, oder krass,
wie hier  „Sterbehilfe“ (4) praktiziert wird. Zu meiner Entlastung kann ich anfügen, dass ich
das Opfer kaum kenne. Wir sahen ihn früher bloss, wenn er seinen Hund spazieren führte.
Doch fragte ich mich nach Ablauf der Ereignisse ernstlich, ob Ärzte, Pflegepersonal und Banken
nicht ihre Sorgfaltspflicht verletzten.

Übertrieben ausgedrückt war es, wie wenn einer beispielweise in Pattaya an den Ohren
in den siebenten oder neunten Stock geschleppt wird, bevor er aus einer Nische oder
einem Fenster stürzt und die Ordnungshüter später den fachgerechten Selbstmord eines
lebensmüden Farangs diagnostizieren.
Der Adler ist noch nicht gelandet. (5)

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Barmherziger_Samariter
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Dolby_Surround
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Triage
(4)
http://www.uwenowak.de/arbeiten/sterbehilfe.xhtml
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Neil_Armstrong
« Letzte Änderung: 01. Juni 2009, 13:17:31 von Louis »
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Low

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Sparen mit und ohne Köpfchen
« Antwort #314 am: 02. Juni 2009, 15:38:00 »

Sparen mit und ohne Köpfchen                                             Mai 2009

Von den Reichen lernt man sparen, von den Armen lernt man kochen.
Sparen ist eine Tugend, Geiz eine Krankheit.
Sparen darf man nicht mit Horten verwechseln, bei dem Geld im Sparstrumpf,
unter der Matratze etc. zurückbehalten wird, ohne es anzulegen. So viel lernte ich
vom Internet über die Sittsamkeit des Sparens.

Im Dorf gibt es eine Familie, der in den letzten Jahren Millionen von Baht zu flossen. Die Frau
und Mutter schloss immer wieder Versicherungen für nahe Verwandte ab, die komischerweise
danach alle innerhalb weniger Monate verstarben. Vater, Bruder, Schwester. Sie wurden
ausnahmslos relativ rasch in der Nähe von Bangkok kremiert.
Einen Teil des Geldes investierte sie im Dorf unglücklich in Immobilien, ohne die Wohnsituation
der Familie zu erleichtern oder zu verbessern.
Vier erwachsene Personen leben auf etwa siebzig Quadratmetern mit mindestens vier
Klimageräten, deren Abwärme kaum entweichen kann. Der Wirkungsgrad der Kühlgeräte
ist bedingt durch die schlechte Isolation kümmerlich. Es gibt praktisch kein Gelände für
genügend Kühlung und Luftzufuhr.
Trotz dem dreifachem Hausbesitz im Dorf, fanden sich dessen ungeachtet keine Parkplätze
für die Fahrzeuge der Familie.

Noch gibt es unbebautes Land. Mit einem Teil des Geldes hätte ich mir da ein grosszügiges
Häuschen mit etwas Umschwung gegönnt. Doch seit dem die Leute über finanzielle Reserven
verfügen, wird hinterindisch akribisch (1) gespart.

Die Hausfrau und Mutter erklärte uns, wie sie im Monat alleine viertausend Baht für
elektrischen Strom einspart. Stichwort: Klimaanlagen.
Etwa zehn Kilometer von hier gibt es einen neuen Grossverteiler. Also morgens nach
dem Aufstehen, Duschen und der erfolgten Kriegsbemalung wird flugs das Ausgangstenue
angezogen, Klimaanlagen: AUS! Ab ins Auto und bereits zum Frühstück in den Grossmarkt.
Dort in der gekühlten Halle lässt es sich den ganzen Tag wohl sein. Hin und wieder nimmt
man ein preisgünstiges Häppchen, zum Beispiel SomTam zu nur neunzehn Baht, zu sich
und trinkt bei Bedarf etwas. Weil man das ganze zu zweit durchführt, spart man doppelt.
Sollte man sich langweilen, gibt es einen Beauty Salon.
In der Abteilung für Unterhaltungselektronik kann man sich jederzeit gratis einen Werbefilm
zu Gemüte führen. Manchmal ist die Tochter dabei. Damit wird der Sparfaktor verdreifacht.
Am Wochenende, nachdem der fleissige Ehemann zu Hause die Wäsche gewaschen und
gebügelt hat, erhöht sich der Multiplikator sogar auf vier.

Kluge Köpfe werden einwenden, das Auto benötigt doch Sprit. Zudem ist die Durchgangsstrasse
in Hangdong ständig so verstopft, dass das Fahrzeug eher mehr als zehn Liter auf hundert
Kilometer verbraucht. Ja, man tankt aus Spargründen Gasohol und das als Staatsangestellter
bei der volkseigenen Gratistankstelle. Schon wieder doppelt gespart!

Bei uns ist so ein Sparpotential leider nicht gegeben. Der Grund ist, dass die Stromrechnung
trotz des mindestens zweifach so grossen Hauses mit viel Umschwung keine tausend Baht beträgt.
Pech gehabt.



http://de.wikipedia.org/wiki/Sparen
(1)
http://de.wiktionary.org/wiki/akribisch
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