Ungesunde Getränke, Preise und Löhne im Gastgewerbe in Bangkok Ende August 2009
Sie kennen die schlechten Nachrichten: Bankenkrisen, Krisenbanken, Wirtschaftsflaute, weniger Luftverkehr,
weniger Tourismus.
Wir verbrachten einige Tage in Bangkok. Ich buchte eines der einst führenden Hotels. Der Preis fürs gepflegte
Zimmer mit Frühstück war erstaunlich günstig.
Die Preise für klassische Thai Massage von tausenddreihundert Baht pro Stunde liessen bei mir die Alarmglocken
klingeln. Im Norden bezahlen wir im kleinen Spital dafür hundert Baht. Der Preis fürs Internet lag bei schmerzenden
vierhundert Baht, nicht pro Tag, sondern pro Stunde.
Darauf kriegte ich in der Bar und in den Restaurants fast den immerwährenden Schluckauf.
Von drei Restaurants waren etwas mehr als die Hälfte geschlossen. Unmöglich, werdet ihr ausrufen. Doch,
das gibt es. Ein Lokal blieb geöffnet, die andere Verpflegungsgelegenheit wurde geschlossen. Das Thai-Restaurant
hatte einen stolpernden zwei Komma etwas Tage Rhythmus. Für Tänzer mag das attraktiv sein, für hungrige Mägen
die Hölle.
Als erstes besuchten wir die Bar für den offerierten Willkommensdrink. Die Getränkekarte verhiess nichts gutes.
Hundertachtzig Baht plus Service (10 %) plus Steuer (7%) für einen Softdrink sind schon fast kriminell.
Nur im Crazy Horse Saloon in Paris galt bereits in den siebziger Jahren der Einheitspreis. Eine Cola kostete dasselbe
wie ein billiger Champagner, Marke Chateau Mal de Tête.* Dafür waren sämtliche heissen Blicke auf die kaum bekleideten,
eher nackigen Weiber gratis.
Wir profitierten von der Happy Hour und bestellten Cocktails zu fast dreihundert Baht mit einem Nachlass von
fünfzig Prozent. Sofern der Mixdrink den internationalen Normen entspricht, wäre der Preis gerechtfertigt. Aber
die überzuckerten Getränke nach eigener Rezeptur schafften ihren Weg schlecht durch unsere verwöhnten
Cocktaildrainagen und wirkten eher appetitbremsend.(1)(2)
Mit verklebten Gaumen suchten wir darauf krampfhaft ein Restaurant, weil es draussen schüttete nach dem
modifizierten Motto (für die Moderatoren): Himmel, Hintern und Wolkenbruch.
Ein gelangweilter Koch sprach mit Dick und lud uns freundlich in sein Restaurant ein. Gähnende Leere herrschte im
mit Blumen hübsch dekorierten Speisesaal. Ein anständiges Buffet für teure achthundert Baht wartete vergeblich auf
Gäste.(3) Weil wir beide aus Rücksicht auf unsere Wespentaillen grosszügig auf das Buffet verzichteten, bestellten
wir wenige Thai Häppchen. Die Preise, deftige dreihundert Baht pro Gericht, förderten unseren Verzicht.
Die Qualität des Gebotenen war nicht zu bemängeln. Wir suchten dazu einen trockenen Weisswein. Die Weine wurden
meist zu über zweitausendeinhundert Baht angeboten. Wir bestellten einen völlig überteuerten Gato Negro, welcher
uns ein paar Tage später von einem Chinesen für bloss neunhundertdreissig Baht serviert wurde.
Vergleichsweise werden im Shangri-La in Chiang Mai ab eintausendreihundert Baht einige Raritäten (in Thailand) angeboten.
Seitdem ich im Spital für einige Tropfen Antibiotika zehntausend Baht pro Tag bezahlte, interessierten mich diuretische
Weinpreise kaum noch. (4)
Wir unterhielten uns mit dem einsamen Gastronauten. Er erzählte, er sei verheiratet und habe drei Kinder. Vor einigen Jahren
verdiente er siebenhundert Baht pro Tag. Zur Zeit sind es weniger als dreihundert Baht. Nach etwa einer Stunde erschien
doch noch ein älteres Ehepaar aus England zum Abendessen. Die amüsierten sich zu zweit am verwaisten Buffet und griffen
wacker zu.
Weitaus erfreulicher war die Lage der Angestellten im China Restaurant im Zen. Die verdienen pro Monat immer noch
zwanzigtausend Baht. Die Weine waren mit siebenhundertfünfzig Baht pro Flasche eher günstig und auch das Essen
war preiswert. Für Char Siew dumplings, Muh daeng, bezahlten wir für drei Stück achtunddreissig Baht.
Weil Herr Petrus eines Tages erneut die Schleusen öffnete, besuchten wir während der Happy Hour wiederum die Bar.
Wir bestellten Mai Tai. Der Herr Schüttelmeister arbeitete alleine, ohne jegliche Kellner. Das Zeug war wieder überzuckert.
Ich fragte meine Süsse, ob sie noch einen Mai Tai schlürfen würde. Mir war eher nach einem Gin Fizz zu Mute. Der liess
sich kaum mühelos verzuckern, aber diese Banausen schaffen sogar so etwas problemlos.(5) Der Chef verschwand plötzlich.
An seiner Stelle stand eine junge Frau. Ob die möglicherweise Drinks mixen konnte?
Wohl kaum. Während einer halben Stunde telefonierte sie ausgiebig, ohne sich um ihre durstigen Gäste zu kümmern. Darauf
verlangte ich ermüdet vom Zuhören die Rechnung. Trotz des schlechten Wetters besuchten wir danach ein chinesisches
Fischrestaurant mit bescheidenen Preisen und hervorragendem Essen.
Die beiden älteren Eignerinnen unterhielten sich angeregt mit Dick. Vor dem Lokal wischte ein älterer Kerl etwa alle dreiviertel
Stunden imaginären Dreck. Der Mann verdiente zweihundert Baht im Tag bei freier Kost und Unterkunft.
Da er weder Familie hatte, noch trank, rauchte oder irgend einem Laster frönte, war der besessene Besenarbeiter mittlerweile
steinreich. Das kam den Besitzerinnen zu gute. Wenn bei Lieferungen dringend Bargeld benötigt wurde, missbrauchten
die alten Damen ihren wischenden Knecht als ATM.
*zu Deutsch: Kopfweh, Schlossabfüllung
(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Cocktail(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Drainage(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Buffet_(Speise)
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Diuretikum(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Banause