Schön wär’s September 2009
Auf der Suche nach einer positiven Geschichte, war ich endlich erfolgreich.
Lasst hören aus alter Zeit, von kühner Ahnen Heldenstreit.
Von der einstigen Stadtmauer in Chiang Mai ist ausser Fragmenten nicht viel übrig geblieben. Zahlreiche
Backsteine fanden in privaten Gemäuern nützliche, vor allem kostengünstige Verwendung. Darum sieht
man selbst bei genauerem Betrachten der Mauer nur wenige verwitterte alte Steine. Die Meisten jedoch
sind wesentlich jünger. Neu errichtete alte Stadtmauer findet man ohne grosse Kenntnisse von historischem
Mauerwerk am Chang Puak Tor.
Der Wassergraben vor dem Gemäuer wurde in den letzten Jahren regelmässig entrümpelt und aufgewertet.
Während den Wasserschlachten an Songkran suchen Beamte darin meistens erfolglos nach Bakterien. Auf die
ausserordentliche Wasserqualität zumindest während dem Thai Neujahr weisen zahlreiche Anzeigetafeln hin.
Bloss blondes Bier birgt bekannterweise bösere Bakterien!
In der Nähe des Suan Prung Tores liegt in einer Ecke der Altstadt der Suan Buak Haad Park. Um vom Suan Prung
Spital zum Park zu gelangen, muss die lebensgefährliche Chang Lor Strasse überquert werden. Dann führt eine
malerische Fussgängerbrücke über den Stadtgraben, bevor die Bamrung Buri Strasse als letztes stark frequentiertes
Hindernis wartet.
Eine gepflegt wirkende ältere Dame, eine Besucherin aus dem feuchtkalten Europa, mit graumeliertem Haar unter
einem ausladend mit bunten Früchten garnierten Hut und duftigem Sommerkleidchen am fragilen Körper, stand in
der Nähe des Spitals und wagte sich nicht, die Strasse zu überqueren. Sie stöckelte verzweifelt hin und her.
Da entdeckte sie in der Nähe einen rettenden Fussgängerstreifen mit zeitgemässer Lichtsignalanlage. Sie genoss
einige Züge abgas- und dieselgeschwängerter Luft, bevor sie sich auf den Weg zur Verkehrsampel machte. Kaum
war sie dort angekommen, wechselte das Signal von rot auf grün. Doch anders als in ihrer Heimat, rollte der Verkehr
unbehindert und ungebremst weiter. Ein paar Schulkinder hüpften von der anderen Strassenseite wie lebensmüde
in wildem zickzack Kurs durch die rastlosen Fahrzeuge. Verständnislos sah die alte Frau dem gefährlichen Treiben zu.
Das Signal für die Fussgänger wechselte auf rot. Der Verkehr floss gnadenlos weiter. Sie hoffte erneut auf die Grünphase.
Das Rotlicht hinderte weder Motorräder noch Automobilisten am sturen Gasgeben. Sie wartete fast starrköpfig darauf,
dass jemand die Regel beachtend, anhalten würde und presste unverzagt den Klingelknopf, bis ihre Finger schmerzten.
Da knatterte unverhofft ein Motorrad heran. Ein jüngerer Herr in adretter, frisch gebügelter, dunkler Uniform, mit gleissend
glänzenden Schuhen, polierter Dienstwaffe am Gürtel, schwang sich sportlich vom Rad.
Ah, dachte die Dame, die Polizei, dein Freund und Helfer. Beim nächsten Grün ergriff er ihre Hand. Mit seiner anderen Hand
versuchte er, die blindwütigen Verkehrsteilnehmer zu stoppen, während dem er seinen Schützling unverletzt über die Strasse zog.
Die ältere Touristin und der pflichtbewusste Polizeibeamte stammen aus Grimms Märchenbuch. Der Rest ist nicht erfunden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Grimms_M%C3%A4rchen