Stille Orte 23. September 2009
Es dürfte mindestens vierzig Jahre her sein, als ich in der damals einmalig prächtigen Anlage des
Tandjung Sari auf Bali verweilte. Der Palmenstrand mit dunklem Sand war eine Wucht. Die Häuser
im Palmengarten, im balinesischen Stil aus Naturprodukten errichtet und die ausgefeilte Harmonie
des Ganzen beeindruckten mich tief.
Abends wurde die Stimmung zusätzlich durch Legong und Ketjak Aufführungen verzaubert. (1, 2)
Ein Abend verblieb besonders tief in meiner Erinnerung. Im Garten sitzend, umgeben von blühenden
Sträuchern, erste Sterne glitzerten über den Palmwedeln, verspeiste ich genüsslich einen Fisch.
Ein Kellner kam und erkundigte sich, wie mir der Fisch schmecke. Ich antwortete:
„Ein fantastischer Fisch, delikat, kaum Gräte, schmeckt sehr gut.“
Bei "fantastisch" fühlte ich, wie sich im Bauchraum Druck aufbaute. Bei "gut" war meine Hose bereits
des Kotes voll.
Ich überlegte kurz, was ein Gentleman sei und was er zu tun habe und fand heraus, beispielsweise
ohne mit einer Wimper zu zucken, unbemerkt und stillschweigend die Notdurft in der Öffentlichkeit zu
verrichten, möglichst ohne eine Duftmarke zu hinterlassen.
Diese Nacht verbrachte ich im Bungalow bei einer speziellen Art des Legong Tanzes zwischen WC und
Dusche. Ich schluckte ein paar Mexaform Tabletten aus der Reiseapotheke und war bereits am folgenden
Tag fit für eine weitere Mahlzeit.
Bis zum nächsten Erlebnis der dritten Art, dauerte es etwa fünfundzwanzig Jahre.
Vor etwa zwölf Jahren war ich mit meiner Tochter in Chiang Mai. In der Dämmerung beobachteten wir
entzückt die leuchtenden Heissluftballons am Nachthimmel. Wir reisten nach Chiang Rai. Wir nahmen
ein Taxi hinauf an den Maekhong. Sie setzte bei Chiang Saen über den Fluss und brachte mir laotisches
Bier zurück.
Loy Krathong verbrachten wir in HuaHin, wo sie mit Mädchen und Frauen Krathongs bastelte. Ich reiste
mit ihr zurück nach Bangkok. Sie trat die Heimreise an. Ich flog wieder nach Chiang Rai, wo ich den Kok Fluss
näher erkunden wollte.
Dieser Fluss bringt Wasser von Burma über Tha Thon nach Chiang Rai und später in den Mae Khong.
Eine empfehlenswerte Bootsreise führt von Tha Thon nach Chiang Rai. Seitdem die kritischen Stellen eliminiert
wurden, gibt es sogar ein Kursschiff mit genügend Schwimmwesten an Bord. Früher baute man Bambusflösse
und reiste je nach Wasserstand gemächlich oder schneller.
Oberhalb von Chiang Rai gibt es bis Tha Thon keine Brücken mehr. Zur Querung des Flusses dienen Elefanten.
Wenn ein Elefant Ballaststoffe abgibt, dann genug bis reichlich.
Ich war bei meiner Bootswahl etwas unvorsichtig. Es lag zu tief im Wasser. Hin und wieder spritzte Wasser ins
Innere. Dagegen hatte ich eigentlich nichts. Erst als wir Elefantenballast querten und ausgiebig Gratismuster
davon ins Boot schwappten, war ich tief in der Jauche zu sitzend weniger glücklich. Doch dadurch lernte ich die
Lebensbedingungen von Güllen-Maden näher kennen.
Ich roch nicht nach Rasierwasser, als ich ins Hotel zurückkehrte. Ein ausgiebiges Schaumbad und frische Kleider
halfen bei der Eliminierung der Düfte nach Urwald, Elefant, Fluss und Abenteuer.
Am Tag darauf litt ich am Gegenteil einer Verstopfung. Richtige Bauchkrämpfe liessen mich mehrmals stündlich das
Badezimmer benutzen. Vom Besuch des nahegelegene Spitals wurde mir dringend abgeraten. Deshalb wollte ich
nach Chiang Mai zurück, damals mit Thai ein Hüpfer von einer halben Stunde.
Aber in dem Zustand war ein Flug zu riskant. Da erinnerte ich mich an die Hygieneartikel für Frauen.
In irgend einem Geschäft fühlte ich mich zwischen den einschlägigen Artikel fast verloren. Ich kannte einige
Markennamen aus Europa. Doch hier war alles in Thai angeschrieben. Die Verkäuferinnen kicherten, als ich hilflos in
den Gestellen nach einem rettenden Artikel suchte. Tampons fand ich nicht. Slipeinlagen mussten helfen.
Ich schaffte den Flug und den Weg zum Arzt unfallfrei. Der verschrieb fast ein Kilogramm Medikamente: Elektrolyte,
viel Tonerde zum Stopfen und Antibiotika gegen die Bakterien. Er murmelte etwas von Cholera.
Im Hotel war ich unvernünftig genug, mein Vorrat ging zu Ende, auf die Monatshygiene für Frauen zu verzichten und
verschmutzte prompt meine Kleidung.
Wieder musste ich in einem Einkaufszentrum die scheelen Blicke der Damenwelt über mich ergehen lassen.
Heutzutage findet man in jedem Grossverteiler Windeln und Spezialverpackungen für das Baby bis zum Opa.
Nach zehn Tagen war ich bereit für den Langstreckenflug nach Europa.
Dort traf ich einen Kollegen mit ähnlichen Krankheitssymptomen. Er war sehr unglücklich und litt seelisch. Wegen
vorzeitigem spontanem Stuhlabgang einen Arzt aufsuchen, wollte er anfänglich nicht. Dann war er reichlich
unvorsichtig in der Arztwahl und traf prompt auf einen Seelenklempner, einen älteren Psychiater.
Als ich ihn wieder sah, erkundigte ich mich sofort nach seinem Gesundheitszustand.
„Es geht mir blendend,“ meinte er.
„Du machst nicht mehr in die Hose?“ fragte ich.
Er erwiderte: „Doch, aber jetzt habe ich Freude daran.“
Fast unglaublich, aber leider wahr: Es gibt Expats in unserer Gegend, denen nach ausschweifendem Alkoholgenuss
das Verschandeln von Beinkleidern höchsten Genuss bereitet.(3)
(1)
http://warungnet.de/religion_und_kultur_teil_2.htm(2)
http://www.geo-reisecommunity.de/bild/143390/Ketjak-Taenzer-vor-dem-Tanah-Lot-Tempel(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Expatriate