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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 449356 mal)

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Low

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Hilfswerke für Dummies
« Antwort #705 am: 17. November 2009, 15:28:57 »

Klartext Hilfswerke

oder Hilfswerke für Dummies.

Eine Antwort:

„... auch wenn deine Geschichten x-mal gelesen wurden, weiss ich persönlich nicht soviel damit anzufangen!!
da bin ich wahrscheinlich einfach zu weit weg von eurer Welt ...“

Ein Notruf, ein Augenöffner für mich, dass meine Aufsätze teilweise unverständlich sind.
Darum bringe ich # 691, Hilfswerke, vom 7. November 2009 nochmals in abgespeckter Form: (1)

„Es sind oft Menschen aus bescheidenen finanziellen Verhältnissen, die für ihre in der dritten Welt leidenden Schwestern und Brüder
täglich ein Opfer bringen. Sie denken, damit Gutes zu tun, Not zu lindern, Leid zu vermindern und die Welt  damit schlussendlich zu verbessern.

Mein Erlebnis zeigte, dass für eine Patenschaft von über den Daumen gepeilt Fr. 60.00 pro Monat ein Kind im Monat 12 Liter Milch
erhalten sollte. (Das ist relativ teure Milch. Man könnte zusätzlich den Vater mit Lao Khao unterstützen.)
Diese Milch ernährte aber kein Kind, sondern diente zeitweise zur Aufzucht von Hunden. Sie beenden ihr Leben nach drei bis vier
Monaten in einem Schlachthof.“

Ich war selbst vor etwa dreissig Jahren beruflich in einem Einsatz für technische Zusammenarbeit und humanitäre Hilfe tätig.
Ausser meiner Zeit und Gesundheit wurden Hunderttausende von Fr., bestimmt über eine Million, vielleicht zwei oder mehr,
mehr oder weniger sinnlos verbraten.

Wie die Schweiz 5,5 Millionen für die Tsunami Hilfe verschlampte, zeigt ein Weltwoche Artikel vom 7.03.2008, Ausgabe 13/08. (2)

(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg83566#msg83566
(2)
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=18586&CategoryID=91
« Letzte Änderung: 17. November 2009, 15:34:29 von Low »
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #706 am: 17. November 2009, 22:55:44 »

Lieber Low,

man spricht nicht ohne Grund auch von einer Spenden-Mafia.
Wenn man in D vor einem Bankschalter steht, fallen die Staffeln
von Überweisungsformularen unzähliger Sammel-Organisationen
gleich ins Auge. Die Banken verdienen also schon mal automatisch
über die Gebühren mit.

Sicher sind nicht alle Schafe darunter schwarz, aber man verliert
neben Vertrauen auch den Überblick. So wird Hilfe zur unpersönlichen
Transaktion, auch um das Gewissen zu beruhigen.

Ich denke, wir sollten uns so nicht "loskaufen" von persönlichem Ein-
satz. Es ist viel gewonnen, wenn wir nur dann auf Menschen herabschauen,
um diese aufzurichten. Nicht nur mit Geld und meist auch nicht weit weg.

mfg kmr



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Low

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THAI 4,03 Milliarden Baht Verlust
« Antwort #707 am: 18. November 2009, 22:57:41 »

THAI 4,03 Milliarden Baht Verlust im 3. Quartal

http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/thai-403-milliarden-baht-verlust//back/2/

Der neue Präsident von Thai Airways, Piyasvasti Amranand:
„Eines der größten Probleme sei die Vetternwirtschaft innerhalb der Fluglinie. Das gelte sowohl für Einstellungen und Beförderungen
als auch für die Zeichnung von Verträgen: „Wenn Leute befördert werden, die Verbindungen haben, aber nichts können, dann mag
das anfangs okay sein, aber schließlich schwächt das die Firma. Die Qualität der Arbeit leidet darunter. Das ist, was mit Thai Airways passiert.“

Nach meinen Informationen ergatterten praktisch sämtliche Angestellte in CNX
Darlehen von ihrem Arbeitgeber. Wer keine Schulden hatte, wurde gefeuert.

Siehe auch:
Der fliegende Pleitegeier.
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg81251#msg81251

Ebenfalls eine Art Spenden-Mafia; ein Hilfswerk!
« Letzte Änderung: 18. November 2009, 23:03:54 von Low »
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #708 am: 19. November 2009, 03:24:14 »

Und dann machen heimtückische Schlepperfahrer in FRA auch noch die schönen Jumbos kaputt!
http://www.welt.de/vermischtes/article4710522/Jumbojet-prallt-am-FlughafengegenSchlepper.html

Was dann im Detail SO ausgesehen hat: http://i584.photobucket.com/albums/ss289/Thoti1000/ThaiAirways2.jpg

mfg kmr
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hellmut

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #709 am: 19. November 2009, 05:25:38 »

Zitat
Der neue Präsident von Thai Airways, Piyasvasti Amranand:
„Eines der größten Probleme sei die Vetternwirtschaft innerhalb der Fluglinie. Das gelte sowohl für Einstellungen und Beförderungen
als auch für die Zeichnung von Verträgen: „Wenn Leute befördert werden, die Verbindungen haben, aber nichts können, dann mag das anfangs okay sein, aber ...

Mir scheint, der Typ ist zu "thailändisch" veranlagt um den schleichenden galoppierenden Untergang aufhalten zu können.  ;D

Und dann machen heimtückische Schlepperfahrer in FRA auch noch die schönen Jumbos kaputt! ...

Das war nur die schon lange fällige Retourkutsche auf : A380 Unfall im Bangkok

Zitat
The pushback vehicle operator was not blamed for the damage as Mr Apinan (der damalige Thai-Airways Chef)
said the accident occurred because the jet is so large that it needs more space on the taxiway.
... Eventuell war der thailändische Pilot, oder der Schlepperfahrer, sein Vetter.  :o

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Ozone

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Re: THAI 4,03 Milliarden Baht Verlust
« Antwort #710 am: 19. November 2009, 06:19:01 »

Der neue Präsident von Thai Airways, Piyasvasti Amranand:
„Eines der größten Probleme sei die Vetternwirtschaft innerhalb der Fluglinie. Das gelte sowohl für Einstellungen und Beförderungen
als auch für die Zeichnung von Verträgen: „Wenn Leute befördert werden, die Verbindungen haben, aber nichts können, dann mag
das anfangs okay sein, aber schließlich schwächt das die Firma. Die Qualität der Arbeit leidet darunter. Das ist, was mit Thai Airways passiert.“

Jouu, eben auch ein HinterIndien-Klassiker. Die Fluggesell(en)schaft wird geführt wie eine Polizeistation  einer Touri-Hochburg. Viele Uniformen formen eine hohle Hand. Geld fliesst  zwar reichlich; immer den Befürnissen der Günstlinge gerecht werdend.
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Farangs besitzen teure Uhren, Thais haben mehr Zeit

khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #711 am: 19. November 2009, 18:43:05 »

Inaktive Posten sind da wohl streng verboten?

Man kann nur hoffen, dass das Vettern-Englisch in den Thai-Cockpits
wenigstens etwas besser ist als das von diesem "Air-China" Experten.

Bitte anschnallen:

mfg kmr
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Low

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Logisch, oder?
« Antwort #712 am: 20. November 2009, 13:19:27 »

Logisch, oder?

Dieselfahrzeuge schaffen locker hundert Kilometer bei einem Verbrauch von zwölf Litern oder weniger.
Wenn man den Motor beispielsweise vor dem Haus im Stand laufen lässt, fallen keine Kilometer an.
Ergo verbraucht der Wagen auch keinen Sprit, beziehungsweise Diesel.
Deshalb lassen Thais ihre Kisten ewig tuckern, ohne den Motor je abzustellen.

Diesel, ein Gemisch aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen, bedeutet Wohlstand, demzufolge Wohlgeruch.

http://www.diesel-parfums.com/countryselector.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Dieselkraftstoff


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Low

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Kein Volltreffer
« Antwort #713 am: 21. November 2009, 14:28:11 »

Kein Volltreffer            20. November 2009

Ich hatte die vergangenen zwei Wochen etwas Mühe beim Schreiben.
Dick erlebte eine verbale gezielte Attacke, glücklicherweise keinen Volltreffer; jedoch stark genug, um mittelschwere Depressionen
auszulösen. (1) Ein depressiver deutscher Fussballtorwart warf sich in dieser Zeit vor einen Zug.

Anlässlich eines ersten Spitalaufenthaltes von Dick sprachen die Ärzte von starker  Migräne und verordneten Cafergot. (2) Erst die
Fachärztin einer spezialisierten Klinik in Chiang Mai erkannte vor einigen Jahren die zerstörerische Krankheit.

Ich fürchtete um meine Partnerin und erhielt prompt einen Hauptgewinn in den Solarplexus. (3) Von  dort bahnte sich das Gift den
Weg ins Gehirn, weil ich mit meiner Posaune am Hintern nicht genug Dampf oder Halleluja Choräle abblasen konnte. Das ist üblich
bei Störungen im vegetativen Nervensystem.

Wenn wir in Chiang Mai mit dem Auto unterwegs waren, fuhren wir in Galaxien. Entweder bewegten wir uns fast mit Lichtgeschwindigkeit
in total fremden Welten oder wir waren am Ladeanflug  auf den letzten Metern zum Mond.
Übereinstimmendes ereignete sich im Haushalt, beim Kochen und im Garten. 
Mit viel Feingefühl steuerte ich das havarierte Schiff ohne jegliche Medikamente durch die Klippen in der Brandung.
Endlich ging es ihr besser.
Heute bereitete die beste aller intergalaktischen Köchinnen einen Shanghai Nudelsalat zu. Ich assistierte und wendete in der Bratpfanne
Hackfleisch, gewürzt mit etwas Chili Pulver, Kräutern und Paprika. Danach ersäufte ich brodelnd im selben Gerät einige Garnelen im Maekhong.
Ich freute mich auf diesen bunt gemischten Salat. Ein feiner Riesling wartete im Kühlschrank.
Leider vergass die Köchin bei den Chilischoten das Zählen. Der Shanghai Nudelsalat geriet zur Szechuan-Pfefferorgie. (4) Sie benötigte
naturbelassene Salatblätter und Brot, um ihre mehr als pikanten Feuernudeln zu schlucken.
Ich entfernte die grössten Schotenstücke im Teller sorgfältig, schmatzte unanständig, lobte die Nudeln und erklärte beiläufig, das sei
offenbar die heisseste Nummer des Jahres 2009. 
Nach Anweisungen von hmh begnügte ich mich mit Wasser anstelle von Wein. Nur sie schielte mit einem Auge vergeblich auf ihr leeres Glas.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Depression
(2)
http://www.novartis.com.au/PI_PDF/caf.pdf
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Solarplexus
(4)
http://www.spice-up.com/gewuerze/szechuan.php
http://www.chinesisch-kochen.net/szechuan-kueche.html
http://www.chefkoch.de/rs/s0/szechuan+pfeffer/Rezepte.html

Schanghai Nudeln, ein ähnliches Rezept:
http://www.chefkoch.de/rezepte/465811139918928/Schweinefleisch-Shanghai.html

Wir verzichten auf den Lauch und verwenden etwas Koriander, eine kleine Tomate und geschnittene Salatblätter.
Anstelle getrockneter Garnelen schmore ich frische im Maekhong.
Eine oder zwei feingehackte Chili Schoten sollten nicht fehlen.
Die Schanghai Nudeln selbst kochen wir, bis sie sich rollen.
« Letzte Änderung: 21. November 2009, 15:10:09 von Low »
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #714 am: 21. November 2009, 22:17:46 »

...Die heißeste Nummer des Jahres -

Hallo Low,
auch Dein 777ter  Beitrag zeigt, dass Du sogar in der tückischen  Brandung
Hinterindiens weder Deinen Humor, noch Deine Freude an gutem Essen und
erlesenen Getränken verloren hast. Aber wo ist die Grenze des Erträglichen?

Auch wenn ich hier keinen Buddha in der Nähe habe, so verfüge ich doch noch
über einen Satz Thai-Räucherstäbchen. Die werde ich mal anzünden,damit die
miesen Geister der Bosheit, der Mißgunst und der Krankheit endlich "die Mücke"
machen. (keine Ironie, auch wenn flapsig geschrieben)
.

mfg kmr
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #715 am: 22. November 2009, 13:32:47 »

"Nach Anweisungen von hmh begnügte ich mich mit Wasser anstelle von Wein."

Aha, daher der Name "Löschwasser"!

Der Riesling wird trotz allem nicht lange überlebt haben. ;)

Wolfram
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Low

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Ein Schritt vor und zwei zurück
« Antwort #716 am: 23. November 2009, 16:24:46 »

Ein Schritt vor und zwei zurück

Es gibt Tage, da sitze ich beinahe mut- und ratlos da. Ich frage mich, wo ich bin.
Im grössten Irrenhaus der Welt? Bin ich närrisch oder ist es meine Umgebung?

Die meisten Leute im Dorf sind nicht in der Lage, einen Stuhlgang zu verrichten und denselben fachgerecht zu entsorgen.
Dessenungeachtet gibt dir jeder ungefragt Ratschläge, um die weder ersucht noch gebeten wurde.
Sie verdienen kaum Geld. Wenn sie Geld haben, können sie nicht damit umgehen. Die monatlichen Schulden übersteigen
die manchmal beträchtlichen Einkünfte.
Freund Dong steht mit über THB 600 000 in der Kreide. Ihm geht es ähnlich wie mir. Jeden Tag ab siebzehn Uhr sitzt er
mut- und ratlos am Steintisch vor dem Haus und begiesst seine Trübseligkeit mit Schnaps, bis er wieder doppelt klar sieht.

Sie sind Facharbeiter für das Amputieren von Bäumen und Sträuchern mit einer schartigen Machete. Dass man einen Baum
artgerecht und sauber mit einer Säge oder Baumschere bearbeiten kann, wissen sie nicht.
Sie vergeuden Dosenweise Insektenspray ohne eine Dauerwirkung zu erzielen.
Von einem ausgeklügelten Spritzplan haben sie keine Ahnung. Trotzdem stören sie dich bei der Arbeit mit ihrem unsinnigen
Geschwätz.
Ihre Kinder gleichen eher Heissluftballonen und Michelin Reifenreklamen als menschlichen Wesen. Doch sie sind Ernährungs-
spezialisten bei Thai Airways.
Sie verbrennen giftige Abfälle und sitzen in der Nähe des Feuers bis sie kotzen. Das ist dann der Beweis der Schädlichkeit
unseres Insektenvertilgers.

Ein besonders beliebter und beleibter Nachbar liess Fischteiche graben. Er pumpte nicht etwa sauberes Grundwasser hinein,
sondern legte seine blauen Leitungen zu einem Gewässer, das zur Hauptsache aus Fäkalien und Waschmitteln besteht.
Zwanzigtausend Fische verrecken nun gemeinsam mit einigen Pflanzen in der unbelüfteten Sauce. Schuld daran ist unser Bambus,
weil starker Wind selten genug einige Blätter davon in seine Jauche bläst.

Ich freute mich. Die Gegend wurde vom Müll befreit. Für vierzig Baht im Monat gab es zweimal pro Woche Kehrichtabfuhr mit
einem speziell erworbenen Müll-Fahrzeug.
Gegenwärtig liegen rund um den Kinderspielplatz wieder jede Menge Abfälle.
Der Grund: Die Kehrichtsammler wollten keine Säcke mehr abgeben. Die müsste nun jeder selber besorgen.

Dick war an einer Versammlung. Es gibt eine Lautsprecheranlage im Dorf. Jeder Schmarren wird ohrenbetäubend unter
Musikbegleitung angekündigt. Nur zu dieser praktisch geheimen Veranstaltung gab es keine Einladungen. Ein knappes Dutzend
Leute waren mehr oder weniger zufällig anwesend. Dort wurde erklärt, die Abfuhr rentiere nicht, deshalb die Massnahmen mit
den Säcken. Dick verlangte nach Einsicht in die Buchhaltung und in die Abrechnungen. Für Leerglas, Metall und Papier erlöste man
ungeplante Einnahmen. Aber eine Buchhaltung gibt es bestimmt nicht.
Das teure Fahrzeug ist schlecht ausgelastet. Während mehr als fünf Tagen pro Woche steht es ungenutzt herum. Warum konnte
die Gemeinde nicht mit den Nachbarn einen gemeinsamen Plan ausarbeiten? Warum braucht jeder Weiler ein eigenes Fahrzeug,
welches kaum benutzt wird?
Möglicherweise dient die Kehrichtflotte zum Schmuggeln, denn die Polizei in ihren schmucken Uniformen mit den auf Hochglanz
polierten Stiefeln, wird kaum einen miefenden Kehrichttransporter anhalten und durchsuchen.

Ohne Mangel an Meinungen, Mief und Müll, Mow - eh Low.


« Letzte Änderung: 23. November 2009, 17:21:54 von Low »
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drwkempf

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #717 am: 24. November 2009, 11:10:55 »

Lieber Low,

ich bewundere Deine Ausdauer, mit der Du die Umstände/Mißstände in Deiner Nachbarschaft beschreibst. Du hast autentisches Thailand um Dich herum mit allen Macken, die dieses "Land of Smile" sein eigen nennt.
Ich kann mir mühelos vorstellen, wie sehr man als zielgerichtet denkender Mitteleuropäer unter solchen Umständen leidet.
Aber in eines der sterilen Bangkoker Compounts zu ziehen, das kannst Du Dir doch auch nicht vorstellen.
Du wirst also inmitten Deiner "Geschichten aus Hinterindien" weiterleben, Dir manchmal zum Ärger, uns anderen zur Erheiteung und Erbauung. Und wer könnte diese Geschichten besser erzählen als Du?
Meine Empfehlung lautet:
Setz Dich mit Deiner Liebsten und einer guten Flasche Wein am Abend auf Deine Terrasse und genieße so den besseren Teil Deiner neuen Heimat.

Wolfram
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Low

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #718 am: 24. November 2009, 12:02:47 »

Hallo Wolfram

Deiner gut gemeinten Empfehlung kann ich nicht folgen.

Wir haben Winteranfang in Chiang Mai.
Abends ist es draussen kalt. Saukalt nach der Wärmeperiode von März bis Oktober.
Anfangs November war es Mittags in Chiang Mai gerade einmal 22 Grad.
Glücklicherweise weilten wir damals in Chanthaburi.
Es wurde wieder etwas wärmer.

Um nicht unsere Heizgeräte, richtige Stromfresser, dauernd zu benutzen, fliehen wir in den Süden.
Über Weihnachten gibt es Besuch. Die Menschen aus dem kalten Europa empfinden unser Klima paradiesisch warm.
Wir dagegen werden einige Nächte bibbern.
Letztes Jahr verloren wir am 25. Dezember praktisch unseren gesamten einheimischen Fischbestand. Die Wassertemperatur
erreichte am Mittag bloss 16 Grad. Als Knabe badete ich bei dieser Kälte in der Aare!
Im Garten sank die Temperatur am frühen Morgen unter 10 Grad.

Was machen die schlauen Einheimischen? Die feuern dann wieder und brennen alles ab. Dann gesellt sich zur Kälte zusätzlich
die Luftverschmutzung.

TIT
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Low

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Traum-Hochzeit und Hochzeitstrauma
« Antwort #719 am: 25. November 2009, 11:56:40 »

Traum-Hochzeit und Hochzeitstrauma                       24. November 2009

Wir Europäer haben oft das Gefühl, dass uns die Einheimischen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit schamlos ausplündern.
Was die Meisten nicht für möglich halten, ist die Tatsache, dass sich die Menschen Hinterindiens gegenseitig auch nichts schenken.

Meine erste Erzählung „Im Schlangental“ zeigte, wie ein junger Schulmeister in eine teure Ehe genötigt wurde. (1) Ein Freund lieh ihm
zehntausend Baht, um den geforderten Brautpreis von zusammengebettelten hunderttausend Baht zu entrichten. Der Mann erhielt sein
Darlehen bald nach dem Spektakel zurück, denn er hatte ja selbst eine aufblühende Herzensdame, die er unbedingt heiraten wollte.

Rückblende:
Markttag irgendwo in der Provinz. Stahlblauer Himmel über farbigen Schirmen und Ständen. Stimmengewirr. Handys dudelten.
Mehr oder weniger angenehme Duftfetzen von Garküchen reizten Rotznasen. Ein junger, gut aussehender Mann schlenderte durch
die geballten Menschenmassen, die Dreck und Staub aufwirbelten, der von einer steifen Brise fein verteilt wurde.
Plötzlich sah er sie. Ein Dutzendgesicht. Nein. Ein Gesicht, geschaffen zum Liebkosen. Strahlende, lebhafte Augen. Ihr glänzend schwarzes
Haar war um Nuancen dunkler als das der anderen Frauen. Zwischen ihren roten, süssen, zum Küssen einladenden Lippen leuchteten
wie teure Mikimoto Perlen ihre Zähne. Ihr verführerischer, wohlgeformter Körper verfügte über all die Rundungen und Wölbungen,
die sich ein Mann kaum in den kühnsten Träumen vorstellen kann.
Er hatten den Mut, sie, die Königin aller Märkte, die schönste Frau Hinterindiens, möglicherweise des ganzen Kontinentes, anzusprechen.
Widerstrebend liess sie sich zu einer Cola überreden. Sie kokettierte, turtelte und bedrängte ihn mit allen Waffen einer feenhaften,
bezaubernden Frau, während sie sich gleichzeitig heuchlerisch grösster Zurückhaltung befleissigte.
Wer erlebte ähnliche Augenblicke nicht schon selbst? Blutleere im Gehirn. Totalausfall sämtlicher Warnsysteme!

Nach wenigen Wochen wusste er fast alles über seine aussergewöhnliche Herzenskönigin. Sie stammte aus einer armen Familie, wollte
dennoch Lehrerin werden.
Er meinte: „Zieh zu mir ins Haus. Ich verdiene gut. Ich kann dein Studium finanzieren.“
Sie zierte sich und zog bei ihm ein. Er schuftete während fünf Jahren, bezahlte sämtliche Unterhaltskosten und wohl etwas mehr.
Zusätzlich wollte die Mutter des Mädchens nicht nur Gold sehen, sondern anfassen. Die Hochzeit wurde für die Zeit nach der Diplomierung
der intelligenten Schönen ins Auge gefasst.
Vor einem Jahr war es soweit. Die unverschämte Numismatikerin verlangte dreihunderttausend Baht plus Edelmetall für ihr wohl geratenes
Leibesfrüchtchen. (2) Der zukünftige Ehemann feilsche und erwiderte:
„Ich investierte bereits einige hunderttausend Baht in die Ausbildung deiner unvergleichlichen Tochter!“ Man einigte sich auf bescheidene
hunderttausend Baht und etwas Gold.

Der Sohn informierte seine Mutter, er wolle heiraten. Den Brautpreis könne er leider nicht entrichten, denn er habe seiner Herzallerliebsten
bereits das Studium finanziert. „Mutter, liebe Mutter, bitte hilf mir!“ Und sie half ihrem braven Sohn.

Eine grosse Feier wurde geplant. Eine Feier war nicht genug. Es mussten zwei sein. Eine Woche sollte bei der Brautmutter gefestet werden.
Einige Tage Schnaps und Unterhaltung sollte die Mutter des Bräutigams beisteuern.
Dann wurden Karten gedruckt. Goldschnörkel auf Büttenpapier. (3) Nur das Teuerste war billig genug.
Weil Mütterchen von vielen Einzuladenden nur die Nicknamen kannte, funktionierte der Postversand nicht. Während Tagen wurden auf
hunderten von Kilometern Einladungen persönlich zugestellt. Die Gästezahl liess sich anhand der Einladungen erahnen.
Die Feiern konnten beginnen. Gold, Geld und ein riesiges Getümmel mit einer mindestens verdoppelten Gästeschar. Die Lieferwagen der
Schnapshändler fuhren Sonderschichten.
Als sich der Staub endlich legte, bemerkte der frisch verheiratete Sohn, es war Rezession.
Seine Frau, die einstmals hinterindische Marktkönigin und frisch gebackene Lehrerin, hat er seit Monaten nicht mehr gesehen.

Die Hoffnung besteht, dass der Geprellte die Ehe bereits vor der Hochzeit vollzog.

Fakt, nicht Fiktion.

(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg27500#msg27500
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Numismatik
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCttenpapier
« Letzte Änderung: 25. November 2009, 12:53:21 von Low »
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