Lieber Alex,
Du hast mir da eine Menge Fragen gestellt. Und da will mich nicht drücken. Sei sicher, ich werde da nicht auf irgendetwas herumreiten, so etwas mache ich nur, und nun verwende ich ein Bild aus dem Fußball, wenn nachgetreten wurde.
Ich gebe zu, von Hunden verstehe ich nichts.
Ich weiß aber, dass Hund sehr emotional besetzt ist und Hund für viele Menschen aus dem Abendland wie auch aus dem Morgenland eben nicht ein Tier wie jedes andere auch ist.
Wenn mir erklärt wird, dass die Schuld für manchen Biss nicht allein beim Hund liegt, weiß ich nicht, ob ich nun lachen oder weinen soll. Meint da jemand tatsächlich, ein Tier sei schuldfähig? Genau so geht es mir dann auch, wenn ein anderer darauf hinweist, die Tiere seien ja nicht verantwortlich für ihre Lebensumstände. Meint da wirklich jemand, ein Tier sei für irgendetwas verantwortlich?
Es ist genau so sinnlos, einem Tier einen Schuldvorwurf zu machen wie einer Feuerwaffe die Schuld am Tode des Erschossenen zu geben oder einem Auto die Schuld an einem Unfall. Und deshalb ist es ebenso sinnlos, von einem schuldigen oder unschuldigen Tier zu sprechen.
Kategorien wie Schuld und Verantwortung oder Gut und Böse können nur bei der Beurteilung menschlichen, nicht aber tierischen Verhaltens angewandt werden.
Wenig weiterführend ist es, wenn lang und breit erklärt wird, dass sich Hunde wie Hunde verhalten. Obwohl ich zugegeben wenig von Hunden verstehe, genau das hätte ich auch vorhergesagt. Auch bin ich nicht überrascht, dass ein Hund, der zum Zombie gemacht wurde, sich wie ein Zombie verhält. Aber schön, dass mal darüber gesprochen wurde.
Gelernt habe ich allerdings, dass Hunde der Familienanbindung bedürfen. Bis dato hatte ich immer vermutet, dass ein Hund von Natur aus keines Halters bedarf und für Hunde Herumstreunen eine ganz normale (artgerechte) Lebensweise ist. Aber wie gesagt, ich verstehe nichts von Hunden.
Stöbere ich ein wenig in älteren Geschichten, war der Straßenköter in Deutschland (und nicht nur dort) ganz normal und Hundefänger ein ehrbarer Beruf. Eine aus meiner Sicht durchaus pragmatische Lösung. Hunde wurden nicht zur Landplage und auf den nicht so ganz verantwortungsvollen Halter wurde ein gewisser Druck ausgeübt.
Als Wohlstandsfolge ist dann Bello zu einem Massenphänomen geworden.
Von Freunden aus Deutschland wurde mir wiederholt berichtet, dass Bello dort nicht mehr herumstreunt und stattdessen sauber ist und regelmäßig zum Tierarzt geht. Wohlerzogen ist er auch und springt nicht, sollte ihm danach sein, plötzlich auf die Fahrbahn. Selbstverständlich sorgt Herrchen auch immer für die Beseitigung der Hinterlassenschaften Bellos. Weigerungen von Mitarbeitern städtischer Grünflächenaemter, bestimmte Rasenstücke zu mähen, gehören der Vergangenheit an. Klar, es passiert schon mal anders. Aber da hilft natürlich ein klärendes Gespräch mit Herrchen oder Frauchen.
Für herrenlose Hunde gibt es selbstverständlich so etwas wie Hartz IV. Die Gemeinden sind angehalten, Tierheime zu unterhalten. Viele weitere Tierheime gibt es in privater Trägerschaft.
Die Frage, ob das alles artgerechte Hundehaltung ist, verkneife ich mir mal.
Anders dagegen Thailand. Dort sind wild oder halbwild lebende Hunde normal. Und das sind dann Hunde, die ein Reservoir für Infektionskrankheiten und Parasitosen darstellen. Hunde, nach deren Biss eine vorbeugende Tollwutbehandlung angeraten wird. Hunde, die eine Gefahr für den Straßenverkehr sind.
Ich bin zwar der Meinung, dass man dort regulierend eingreifen sollte, weiß aber auch, dass meine Meinung die Thai nicht im Geringsten interessieren wird. Hier ist es eher so, solange die Straßenköter den Thai nicht zu lästig sind, passiert nichts und wenn doch, dann werden sie auch was unternehmen. Ich wage aber die Vorhersage, dass sie dann Hundehalter nicht verpflichten werden, ihren Tieren einen Mikrochip zu implantieren oder Tierheime einrichten werden.
Interessant fand ich die Ausführungen, dass sich der Bestand der hier streunenden Hunde vor allem aus ausgesetzten Tieren rekrutiert. Ich hatte da eher vermutet, dass sich eine solche Population vor allem aus eigener Kraft reproduziert. Aber wie gesagt, ich bin Hundelaie.
Aber das ist auch letztendlich unerheblich. Im Biologieunterricht habe ich gelernt, dass die Größe einer Population ohne fremde Eingriffe nahezu ausschließlich durch die verfügbaren Nahrungsmittel bestimmt wird. Das ergibt es dann den einfachen Zusammenhang, je nahrhafter und üppiger der Inhalt von Mülltonnen, desto grösser die Population streunender Hunde.
Allerdings, ganz so einfach ist das dann doch nicht. Fallen Hunde als Abfallverwerter aus, werden andere Kulturfolger wie z.B. Ratten diese Aufgabe übernehmen.
Wenn man denn wollte, hier sollte man ansetzen. Aber wie heißt es in andrerem Zusammenhang so treffend, nur ernstgemeinte Zuschriften erwünscht.