@Benno
Wenn in Deutschland jemand erfriert hat er es selbst verschuldet denn er würde überall Hilfe bekommen.
Wenn er sie nicht in Anspruch nimmt oder sich dafür schämt kann ich das verstehen aber es muss niemand
in Deutschland hungern oder erfrieren.
Ist die Situation heute besser als 1993, trotz des Zustroms von mehr als 2 Millionen Asylforderern in den Jahren 2015/2016 ?
Als der "Spiegel" noch ein ernstzunehmendes Nachrichten-Magazin war, beschaeftigte sich die Redaktion auch mit dem Kaelte-Tod der Obdachlosen:

Jede Nacht fürchte er sich vor der tödlichen Kälte, sagt Thomas, doch der Schlafsack vom Sozialamt, die Isomatte und eine dicke Jacke hielten bislang leidlich warm: "Du mußt dich ausziehen nachts, Schuhe runter, Handschuhe aus. Sonst kriecht die Kälte in die Klamotten rein. Das ist das Gesetz."
Mindestens 10 Obdachlose sind in diesem Winter in Deutschland schon erfroren. Früh und hart hat der Frost zugeschlagen. Im ganzen vergangenen Winter, vergleichsweise milde, starben nach offiziellen Zahlen mehr als 30 der sogenannten Berber den Kältetod.
Jahr für Jahr landen mehr Menschen auf der Straße, weil Wohnungsnot und Armut zunehmen. Der Flut der Obdachlosen stellen sich Städte und Gemeinden jeden Winter erneut mit halbherzigen Notprogrammen entgegen. Für langfristige Lösungen fehlen Geld und Konzepte. Für kurzfristige fehlt der Mut.
"Die Kommunen tun viel zuwenig", sagt Martin Berthold, 55, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG): "Man weiß doch schon im Sommer, daß der Winter kommt." Jochen Meurers, 45, Sozialarbeiter und Chef des Frankfurter Vereins "Lobby für Wohnsitzlose und Arme", hat den Behörden gar vorgeworfen, sie würden den Kältetod der Elenden "billigend in Kauf" nehmen.
In Hamburg erfror ein Obdachloser, 30 Jahre alt, auf der auch nachts belebten Reeperbahn, nur wenige Schritte vom Polizeirevier Davidwache entfernt. Sein alter Schlafsack hatte bei vier Grad minus in der Nacht zum Buß- und Bettag zuviel Kälte durchgelassen.
In der Nacht zum Montag vergangener Woche erfror auf dem Frankfurter Petersfriedhof, genannt "Knochenpark", ein Obdachloser aus Neubrandenburg, gerade mal 38 Jahre alt. Am Donnerstag erfror ein gleichaltriger Mann in einem Schuppen in der Gießener Innenstadt. In Potsdam starb ein Obdachloser in einem Wäldchen. Er besaß nicht einmal eine Decke, und die Temperatur sackte in der Nacht auf knapp unter null Grad.
Ein schleichender Tod, die Opfer merken meist nichts. Viele sind krank und schwach, mit einer "Scholle" Rotwein (1,5 Liter) oder Schnaps trinken sie sich in den Schlaf. Die Kälte weckt sie nicht auf, sondern betäubt ihre Nerven. Sinkt die Körpertemperatur auf etwa 28 Grad, bricht der Kreislauf zusammen, das Herz beginnt zu flimmern.
Deshalb fürchten die Überlebenden nun jede Nacht, morgens nicht mehr aufzuwachen: "Es geht jetzt ums schiere Überleben", sagt Claus Liesigk, 44, von der Frankfurter "Lobby".
In Frankfurt am Main sind schon die Notquartiere voll, alle 550 Betten belegt wie sonst erst im Januar oder Februar. Die Stadt hat die Pfarrer gebeten, Obdachlose auf den Orgelemporen der Kirche schlafen zu lassen.
Doch die Massenquartiere der meisten Städte sind im Winter nicht ausgelastet, während zugleich Obdachlose in Hauseingängen erfrieren. Die Betten in den Schlafsälen würden oft "nicht angenommen", sagt Manfred Jensen, 47, von der Hamburger Obdachlosen-Zeitung Hinz und Kunzt, der selbst jahrelang "Platte gemacht" hat. In München etwa ist die Unterkunft in der Pilgersheimer Straße mit ihren 150 Betten, so das Sozialreferat der Stadt, "nie ausgebucht".
"Dort stehln's dir dei Zeig unterm *Hintern* weg", sagt ein Obdachloser, der lieber unter einer Brücke haust. Im Heim werde er bevormundet und "bläd o'gredt, wenn man amoi an Rausch mitbringt".
"Man will nachts nicht auch noch kämpfen", sagt der Hamburger Jensen. "Wer den ganzen Tag rumläuft und merkt, daß er stört, wer sich nicht gut riechend fühlt", der meide die Behörden-Pritschen, habe Angst vor zusammengepferchten Menschen.
Die großen Notunterkünfte seien kaum mehr als ein Alibi, dort könne "man keinen Hund reinjagen".
Die Obdachlosen, so der Frankfurter Liesigk, seien nur "die Speerspitze der Armut". Die Zahl der Arbeitslosen steigt, die Wohnungsnot nimmt zu, die Mieten klettern, und billige Quartiere werden als Eigentumswohnungen verhökert. Selbst Hausbesitzer, plötzlich arbeitslos und mit Tilgungsfristen der Bank im Nacken, landen auf der Straße.
Der vollstaendige Artikel bei:
DER SPIEGEL 48/1993