@Kern #919 (und inzwischen andere - ich habe nicht immer Zeit, gleich zu antworten)
Da für mich einiges hier Basiswissen darstellt, hatte ich bei "Allwissend-Wikipedia" noch nicht nachgeschaut. Nun stellte ich wiederholt fest: Wikipedia ist alles andere als allwissend und schon gar nicht objektiv!
Die Wurzeln unserer westlich-abendländischen Kultur gehen zurück auf das Römische Reich. Und hier wie immer diktieren die Sieger die Geschichtsschreibung.
In den betreffenden Beispielen werden die Wiki-Einträge von den Betonköpfen der christl. Lehrbuch-Archäologie beherrscht.
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Beispiel Baalbek: Da haben die Römer frech einen (zweifellos schönen) Tempel auf uraltem Kulturgrund gebaut und damit alles für sich vereinnamt. Die hier als Beispiel angeführten 800-Tonnen-Quader stammen NICHT von den Römern! Wenn man genau liest, wird das explizit auch nicht behauptet. Es wird galant darüber hinweg gegangen.
Auf den "Terassen von Baalbek" als Fundament wurden lediglich die römischen Bauten gesetzt. Nur wer darum weis und gezielt danach sucht, findet z.B. dann noch folgenden Eintrag:
Ruinen von Baalbek
"... Die eigentlich phönizische Gründung erlebte ihre erste Renaissance in hellenistischer Zeit, wo die Stadt unter dem Namen Heliopolis bekannt wurde. ...
So beeindruckend die Ruinen sind, unser Highlight ist etwas anderes.
Die Terrasse, auf der jener Jupitertempel errichtet wurde, findet bemerkenswert wenig Beachtung in der Fachliteratur. Verdient hätte sie diese allemal. Sie ist aus 24 gewaltigen Monolithen gebaut, von denen der größte stolze 800 Tonnen wiegt. An solch einen Brocken haben sich noch nicht einmal die ägyptischen Pyramidenbauer versucht. Und die hatten nur flaches Gelände zu überwinden.
Das Gelände zwischen dem Steinbruch, aus dem die Blöcke stammen, und der Baustelle war alles andere als eben. Wie die Blöcke transportiert wurden, bleibt rätselhaft. Und zum Bau der Terrasse von Baalbek mussten gleich drei dieser Riesenbrocken herangeschafft werden. Soweit wir es beurteilen können, kann man als Teil der Terrasse sogar die drei größten jemals verbauten Monolithen der Welt bewundern.
Wenn der Schein nicht trügt, waren die Bauherren zuversichtlich, sogar noch größere Lasten bewältigen zu können. Zumindest fanden sich im Steinbruch weitere, noch unvollendete Blöcke. Einer davon - der "Stein des Südens" - galt bis in die 1990er Jahre gar als "größter Baustein der Welt". Dann wurde unweit ein noch größerer Brocken gefunden.
Der Stein des Südens wiegt bei rund 20 Metern Länge und einem Außenmaß von über 4x4 Meter (tatsächlich ist er bis zu 5,29m breit) etwa 1000 Tonnen. Sein Nachbar kommt geschätzt auf 1200 Tonnen.
Es ist auch nicht klar, wie alt die Terrasse ist. Sie wurde mit ziemlicher Sicherheit nicht von den Römern erbaut und auch in den griechischen Quellen findet sich kein Hinweis auf diese Herkulesarbeit. Die Herkunft liegt also im Dunkeln, die Ausführung grenzt an ein Wunder, sicher ist nur, dass sie nicht fertig gestellt wurde. Anscheinend ist es diese Kombination, die die Terrasse von Baalbek zu einem "arte factum non grata" machte (womit ich laut Google gerade einen neuen Begriff geprägt habe); ein Artefakt also, mit dem sich niemand gern abgibt, an dem sich zumindest kein Archäologe die Finger verbrennt..."
(
http://www.kristian-buesch.de/welterbe/ruinen_baalbek.php)
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Die Methode der späteren Fremd-Vereinnamung ist übrigens sehr verbreitet. So haben auch die Inkas ihre Tempel auf tausende Jahre älteren Bauten gepflanzt - ebenso wie die Spanier wiederum später ihre Kirchen auf den geschleiften Inkatempeln errichtet haben.