Hier mal ein m.E. interessantes Statement übersetzt (ja, ja, aus der "Nation", aber ich denke, trotzdem mal lesenswert):
Entgegen dem Wunsch des Volksdemokratischen Reform-Komitees war ich unter den Millionen, die gestern ihre Stimme abgaben.Ebenso gehörte ich zu den Millionen, die mit „Nein“ zu allen zur Wahl stehenden Kandidaten – auf den Parteilisten wie auch in den Wahlkreisen – stimmten.
Damit erteilte ich dem PDRC und alle politischen Parteien und Kandidaten eine Ohrfeige.
Seit zwanzig Jahren darf ich wählen und ich habe seitdem immer meine Stimme abgegeben. Ich tat das als Ehrerbietung gegenüber den Leuten, in Thailand wie im Ausland, die ihr Leben riskiert oder verloren haben bei dem Unterfangen, Gleichheit für alle sicherzustellen, ohne Ansehen von Religion, Geschlecht und persönlichen Ansichten. Was diesen Punkt angeht, schneidet die „Demokratie“ von all den politischen Systemen, unter denen die Menschen bislang gelebt haben, am besten ab.
Von daher ist das Ansinnen des PDRC völlig inakzeptabel. Ich lobe die Millionen, die ihre Einigkeit darin zeigten, das umstrittene Amnestiegesetz zu Fall zu bringen, aber der „Volksrat“, den das PDRC im Widerspruch zur Verfassung vorschlägt, ist etwas anderes. Bis heute ist unklar, wer da überhaupt „ernannt“ werden soll. Zudem ist es dem PDRC nicht gelungen, die Reformen zu umreißen, die der Rat in Angriff nehmen soll. Es ist wichtig, daß diese Reformen nicht nur darauf abzielen, das „Thaksin-Regime“ loszuwerden, sondern vor allem zum Wohle aller Thais die Zukunftsaussichten Thailands verbessern. Die Führer wissen eigentlich, daß sie Forderungen wie die geschäftsführende Premierministerin Yingluck Shinawatra müsse zurücktreten, nicht begründen können.
Genauso wenig gibt es für das PDRC einen stichhaltigen Grund, Wahlen zu blockieren. Insbesondere läßt sich dadurch keine Unterstützung für ihre „Reformen vor der Wahl“ gewinnen. Egal, was ihre Führer auch sagen, Taten sprechen eine deutlichere Sprache – und es gab ja Versuche, die Wahl zu blockieren. Es wäre klüger gewesen, wenn sie ein landesweites Referendum vorgeschlagen hätten darüber, ob die Thais die (unbekannten) Reformen vor einer landesweiten Wahl umgesetzt haben möchten. In zwei Jahrzehnten habe ich noch nie so ein ausgeprägtes Verlangen erlebt, wählen zu gehen, um den PDRC-Anhängern zu zeigen, daß sie die Mehrheit nicht ignorieren dürfen, wenn „Thailand“ Bestand haben soll.
Aber dennoch sehe ich keinen Grund, die Politiker egal welcher Partei zu unterstützen. Selbst wenn die Demokratische Partei an den Wahlen teilgenommen hätte, wäre die Antwort immer noch die gleiche.
Einige dieser Parteien waren Teil der Regierungskoalition und ihre Politiker haben dabei versagt, die armselige Politik der Regierungspartei Phüa Thai zu stoppen oder auch nur zu untersuchen. Vielleicht ist das aber auch nur ein Wunschtraum von mir, daß diese Politiker anders hätten handeln können – in einem Land, wo es ja an der Tagesordnung ist, daß die Politiker mehr auf ihre Parteiführung hören als das öffentliche Interesse im Sinn zu haben.
Ich war traurig, als das Parlament aufgelöst wurde, denn damit starb auch das Gesetzesvorhaben für den 2-Billionen-Baht-Kredit. Aber ich war froh, daß damit die verlustbringenden Reissubventionen genauso ihr Ende finden würden wie das schlecht geplante und ineffiziente Tablet-Computer-Programm.
Ich konnte die Phüa Thai nicht unterstützen, da deren Vorgehensweise ja erst zu diesem Chaos geführt hatte. Ich sollte daraus lernen, daß eine Mehrheit am Wahltag keine Garantie dafür ist, das absolute Sagen zu haben, solange eine Politik nicht wirklich zum Wohle des Landes ist. Ich konnte auch keine der anderen Koalitionsparteien wählen, da sie bei diesen Aktionen weggeschaut hatten. Ich konnte die Politiker weiterer politischer Parteien nicht unterstützen, weil deren Parteien es nicht geschafft haben, mich mit ihrer populistischen Politik zu überzeugen. Sie verkündeten alle nur eine Politik, die große Ausgaben bedeutete, ohne klare Ziele und Finanzierungsvorschläge. Sie hätten eigentlich aus den Krisen, die wir 1997 und 2008 erlebt haben, lernen müssen, daß in unserer sich rasch verändernden Welt die „Nachhaltigkeit“ der entscheidende Faktor ist.
Mir ist bewußt, daß am gestrigen Tag wählen gegangen zu sein nicht bedeutet, daß das politische Chaos, welches unsere Nation im Würgegriff hält, bald ein Ende haben wird. Es werden noch weitere Wahlen folgen, bis wir endlich wieder eine neue, stabile Regierung haben werden. Egal, wie lange dieser Prozeß sich auch hinzieht, ich bin immer noch zuversichtlich, daß wir am Ende doch wieder eine gewählte Regierung haben werden.
Und hoffentlich hat diese gewählte Regierung dann begriffen, daß die Interessen des Landes an erster Stelle zu stehen haben und sie die Fehler der vorherigen Regierung nicht mehr machen dürfen. Nur dann wird sie eine komplette Vier-Jahres-Periode im Amt bleiben und die thailändischen Bürger stolz auf ihre Regierung sein können. Hoffentlich kann meine Stimmabgabe – gerade auch vor dem Hintergrund der Gewaltaktionen am Vorwahltag und am Vorabend der landesweiten Wahlen – jedem verdeutlichen, daß nur demokratische, verfassungskonforme Lösungen Thailand aus diesem Chaos führen können. Möge die Demokratie herrschen!
Quelle:
http://www.nationmultimedia.com/national/A-slap-in-the-face-30225877.html