Erstaunlich, was derzeit in der "Nation" an Kommentaren kommt:
Bessere Bildung und mehr Geld bedeuten noch keine LegitimationPravit Rojanaphruk
@PravitR February 5, 2014 1:00 am
Am Sonntag, als der Generalsekretär des regierungsfeindlichen Volksdemokratischen Reform-Komitees, Suthep Thaugsuban, nach der Wahl seine Ansprache hielt, erklärte er diejenigen zum Sieger, die ihr Wahlrecht nicht hatten wahrnehmen wollen und unterstellte auch Wahlbetrug. Auffällig war aber, daß ein Thema in seiner Rede überhaupt nicht zur Sprache kam. Mit keiner Silbe ging er darauf ein, daß aufgrund von Störmanövern der PDRC-Anhänger 8-10 Millionen Wahlberechtigten eine Ausübung ihres Wahlrechtes unmöglich gemacht worden war.Es scheint, daß Einfühlungsvermögen aufgrund des nun schon beinahe ein Jahrzehnt währenden politischen Konfliktes inzwischen ein rares Gut geworden ist. Die Menschen auf beiden Seiten konsumieren einseitige Informationen in einem solchen Maße, daß sie den Ansichten der Gegenseite inzwischen jegliche Stichhaltigkeit absprechen.
Ein in Bangkok stationierter ausländischer Politikfachmann machte neulich die Bemerkung, daß seine gutsituierten Nachbarn in der Sukhumvit sich ehrlich und von ganzem Herzen ein Thailand ohne Korruption wünschen würden. Ich antwortete, daß mir deren Wunsch zwar bewußt sei, aber ihr Versuch, das Problem mit unzulässigen Mitteln wie der Forderung nach einer nicht gewählten “Volksrat”-Regierung für 18 Monate oder einem Militärputsch zum Sturz der aktuellen Regierung anzugehen, nicht akzeptiert werden könne. Diese Optionen würden nur noch größere Probleme schaffen.
Allerdings können es sich auch viele Rothemden einfach gar nicht vorstellen, daß die Motive vieler PDRC-Anhänger in diesem Punkt tatsächlich uneigennützig sind.
Manche sagen, daß sie allenfalls leere Phrasen und Haßtiraden auf den Demo-Bühnen beider Seiten erwarten. Ich bin schwer enttäuscht davon, daß es selbst Diskussionsrunden, die von der angeblich gebildeten Klasse abgehalten werden, nicht fertigbringen, die Feinheiten und Komplexizität des gegenwärtigen Konfliktes zu erfassen.
Vergangene Woche, nur wenige Tage vor der Wahl, veranstaltete die alternative Rung-Arun-Schule ein Forum zum Phänomen PDRC. Der Gründer dieser Schule, der für seine unverblümte Herangehensweise und exorbitante Gagen bekannt ist, trug ebenfalls auf diesem Forum vor.
Bedauerlicherweise zeichneten die gehaltenen Vorträge ein sehr plattes, einseitiges Bild des Konfliktes – das absolut Gute gegen das Böse.
Sie wollten nicht sehen, daß viele Anhänger der geschäftsführenden Regierung von Yingluck Shinawatra ebenso wie Personen, die weder Yingluck noch das PDRC unterstützen, überzeugt sind, daß das allgemeine Wahlrecht nicht angetastet werden darf. Das PDRC bedroht dieses hehre Prinzip, wenn dessen Führer nicht aufhören zu erklären, daß die Demonstranten besser, gebildeter und wohlhabender seien und schon deshalb mehr politischen Einfluß und Legitimation verdienten.
Solange Thailand aufgrund dieses fortgesetzten Konfliktes in der Schwebe verharrt, ist es unerläßlich, daß beide Seiten sich um mehr Einfühlungsvermögen bemühen, die positiven Seiten ihrer Gegner anerkennen und gleichzeitig ihre eigenen, negativen Seiten erkennen.
Klar, die Roten weigern sich bislang, die dunklen Seiten der Regierung Yingluck und die Rolle, die ihr Bruder Thaksin dabei spielt, wahrzunehmen. Ebenso verschließen sich die PDRC-Anhänger der Notwendigkeit für mehr Transparenz und Redefreiheit. Die Roten haben es bislang nicht geschafft, sich angemessen für den immensen Schaden zu entschuldigen, den sie der Geschäftswelt durch die Blockade der Ratchaprasong-Kreuzung 2010 zugefügt haben. Das gleiche richtet nun das PDRC mit seiner lang andauernden „Schließt Bangkok“-Kampagne an.
Am Sonntag stand eine PDRC-Demonstrantin beim Isetan-Kaufhaus neben mir und wurde stinksauer, als sie hörte, daß das Einkaufszentrum heute um 18 h schließen würde und nicht später, wie sonst üblich. Daß sie an dieser Situation mit schuld war, war ihr ganz klar nicht bewußt.
Quelle:
http://www.nationmultimedia.com/politics/Better-education-more-money-do-not-give-you-legiti-30226085.html