Ich werde mal versuchen, euch das ein wenig auseinander zu fummeln, da es ein wenig durch einander geht.
Der Augenhintergrund besteht aus "Zapfen" und "Stäbchen". Erstere braucht man für das Farbensehen, die Stäbschen fürs Schwarz-Weiß-Sehen.
Die Zapfen sind in der sogenannten Makula(Fleck) konzentriert, die Stäbchen findet man außen um die Makula herum.
Bei hellem Licht ist die Pupille sehr eng, die Photolinse ist also fast geschlossen, nur die zentral gelegene Makula mit den Farbensehzapfen werden belichtet, man sieht Farben ideal.
Bei Dämmerung weitet sich die Pupille, die Photolinse geht also auf, jetzt werden auch die Stäbchen belichtet, man sieht auch bei Dämmerung noch etwas, allerdings nur Schwarz-Weiß, zum Farbensehen reicht's nicht mehr, obwohl die in der Makula gelegenen Zapfenzellen mit beleuchtet werden.
Was hat das mit dem Diabetes mellitus zu tun?
Wir erinnern uns, dass die Zuckerkrankheit die kleinsten Arterien, die sogenannten Arteriolen so weit verlegt, dass die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff in die Zelle bringen und die die Schlackenstoffe (zu allererst das Kohlendioxyd) abtransportieren, nicht mehr in die Zelle - Zapfen oder Stäbchen - gelangen können. Die Zellen sterben also ab, der Patient erblindet nach und nach.
Bei der Betrachtung des Augenhintergrundes verschafft sich der Augenarzt einen Eindruck vom Aussehen dieser Zapfen- und Stäbchenversammlung. Wird der Hintergrunf merkwürdig blass, verdämmert die Macula, so ist die Diagnose klar, einen Weg zurück gibt es nicht! Da helfen auch keine Vitamine mehr.
Die Wirkung des Vitamins A auf das Sehvermögen hat mit der Zuckerkrankheit nichts zu tun. Vitamin A Mangel ist bei normaler Ernährung höchstgradig selten, Vitamin A ist aber eines der wenigen Vitamine, die man überdosieren kann und die dann eher zu Giften werden als dass sie noch etwas nützen. Also Finger weg!!! Vitamin A darf man nur geben, wenn eine Vitamin A Mangel durch serologische Untersuchungen erwiesen ist.
Bei der Starerkrankung - grauer oder grüner Star - ist nicht der Augenhintergrund, sondern die Augenlinse erkrankt. Die Linse, die normalerweise wasserklar und damit durchsichtig ist, trübt mehr und mehr ein, zunächst nur in Linsenmitte, späterauch in der Linsenperipherie, sodass das Licht den Augenhintergrund gar nicht mehr erreicht. Man sieht also trotz intaktem Augenhintergrund immer schlechter, schließlich bleibt nur noch ein Blick durch Milchglas übrig.
Schon die alten Ägypter haben das erkannt und den "Star gestochen", d.h. die getrübte Linse entfernt. Das Resultat war ein Sehen wie durch ein starkes Vergrößerungsglas, aber immer noch besser als ganz blind.
Heute ersetzen wir die getrübte Linse durch eine schöne neue Linse ("Iriscliplinse"), die auch noch extra geschliffen werden kann, sadass viele Patienten heute nach einer Staroperation besser sehen als je zuvor.
Die Linse gehört übrigens zum Augenvordergrund.
Was hat das mit den Tropfen auf sich, die man vom Augenarzt ins Auge getropft bekommt?
Der Wirkstoff heißt Pilocarpin, er ist entfernt mit dem Atropin, dem Gift der Tollkirsche, verwandt. Als "indirektes Sympathomimetikum" (ein Stoff, der so ähnlich wirkt wie unser Stress- oder Fluchthormon Adrenelin) weitet das Pilocarpin die Pupille maximal, man bekommt sozusagen medikamentös verursachte "schreckgeweitete Pupillen", eine ideale Untersuchungsbedingung für den Augenarzt, wenn er sich für den Augenhintergrund interessiert. Bis die Wirkung des Pilocarpins abgeklungen ist, ist der Patient blendempfindlich, auch die Brechkraft der die Augenlinse umgebenden Muskulatur ist gestört, sodaß der "Autofocus" nicht mehr funktioniert.
Wie ganz richtig bemerkt wurde, sollte man so nicht versuchen, Auto oder sonst irgendetwas zu fahren. Nach ein paar Stunden, die man am besten verschläft, um die Augen geschlossen zu halten, ist alles wieder wie vor der Untersuchung.
Alles klar? Oder habe ich es zu komplziert erklärt? Dann wird gern nachgebessert!
Euer drwkempf