[...] Ich kann immer nicht so spitzfindig formulieren.[...]
Du formulierst das schon ausgezeichnet. Wir brauchen in diesem Forum einfach mehr Stimmen, die auch heute noch dazu stehen, weswegen sie einst hierher gezogen sind. Negativ geht einfach. Positiv denken ist weitaus schwieriger. Da muss man dann schon nachdenken, wenn man einmal etwas kritisieren möchte.
Ich kann nur jedem Firmenbesitzer, jedem leitenden Angestellten und jedem Rentner (was anderes gibts in Thailand im Expat-Bereich ja nicht) nahelegen, seine Einstellung zu Thailand zu hinterfragen. Ist es nicht positiv, dass es hier so gut wie keine Arbeitslosigkeit gibt? Ist es nicht positiv, dass hier alte Menschen nicht in die Altenpflege-Industrie abgeschoben werden, sondern bei der Familie leben, bis sie sterben? Ist es nicht positiv, dass es hier keine soziale Hängematte gibt, sondern jeder für sich selbst verantwortlich ist. Dabei aber jeder die Möglichkeit hat, einen Nudelsuppenstand aufzumachen und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ohne Behörden-Erlaubnis-Prozedur und ohne grosse Schikanen? Ist es nicht Positiv, dass es von Bangkok aus nur 140 km zum Strand sind? Ist es nicht Positiv, dass wir leben, wo andere in Urlaub hinfliegen?
Der Bildungsstandard in Thailand ist noch nicht hoch genug, für eine funktionierende Demokratie. Sie funktioniert ja in Deutschland nicht einmal richtig. Sonst hätten wir keine Frau Merkel als Bundeskanzlerin. Was ist also falsch daran, dass ein General Prayuth den Leuten das verordnet, was sie am meisten lieben: Sanuk. Jedenfalls besser als sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Ob die derzeitigen "Aufräumaktionen" Bestand haben werden, wird die Zukunft zeigen. Eines jedenfalls ist sicher: Thailand braucht jemanden, der ihnen sagt wo es lang geht. Die Nr. 1 ist leider alt. Die Nr. 2 ist ... Muss ich noch mehr sagen?
Der TIP ist doch eine Zeitung. Was hindert ihn also daran, auch einmal so zu berichten, dass Leute
angezogen statt
abgestossen werden? Den hier ansässigen Expat-Firmen täte er auf jeden Fall einen Gefallen damit. Sprachrohr von Systemkritikern zu sein und dabei ernst genommen zu werden, dazu fehlen ihm, sorry, die Eier. Sich selber täte er ebenfalls einen Gefallen, nämlich dass er mehr gelesen wird. Jede Werbeagentur würde es als Todsünde bezeichnen, wenn ein Medium in einem Tourismus-Land permanent gegen diejenigen Klischees (ja natürlich sind es Klischees) anschreibt, weswegen die Urlauber hier her fliegen.
Kein Ausländer wird hier ernsthaft daran gehindert, seinen Geschäften nachzugehen, wenn er von Anfang an die gesetzlich vorgeschriebenen Voraussetzungen erfüllt hat. Keinem Firmeninhaber, keinem Angestellten und auch keinem Rentner. Und wenn eine Nudelsuppe in Thailand nun 30 statt vorher 20 Baht kostet... In Deutschland kostet sie mehr. Positiv denken.
Vielen Dank fürs Lesen.
Dieter