Hallo Arthur
Wegen der Steigerung der Nominalloehne reicht es voellig aus, die Mittel nicht zu erhoehen. Mit dem gleichen Geld kann dann einfach weniger gemacht werden.
Zwar schaffen die unter der Yinglak-Regierung seit Januar 2013 auf 300 Baht gestiegenen
Mindestlöhne für manche Unternehmer schon zusätzliche Probleme, aber nach meiner Meinung überschätzt Du (zumindest für Thailand) die negativen Auswirkungen dieses
einen Kostenfaktors.
1. Viele gute (und auch langjährige) Arbeiter/Angestellte bekommen eh schon lange mehr als 300 Baht (= ca. 7 € 50) pro Tag. Ferner haben viele Unternehmer einfach freiwillige Zusatzleistungen gestrichen (bzw. kostenpflichtig gemacht), um die Erhöhung des
Mindestlohnes auszugleichen. Hier geht es (nebenbei gesagt) nicht um eine Nominallohn-Erhöhung für alle, sondern nur um eine Mindestlohn-Erhöhung für die Thais am Ende der Stange.
Zur weiteren allgemeinen Info (nicht für Dich Arthur

. Denn Du weißt um solche Dinge.):
Nominallohn-Erhöhung (brutto) = Erhöhung ohne Berücksichtigung der allgemeinen Preissteigerungen/Inflation
Reallohn-Erhöhung (netto) = Erhöhung mit Berechnung der Realitäten/der tatsächlichen Kaufkraft (= manchmal gut; manchmal reicht sie nicht, um allgemeine Preissteigerungen aufzufangen)
2. In Thailand werden Millionen von billigen Arbeitskräften aus dem Ausland (insbesondere Kambodscha, Myanmar, Laos) beschäftigt, die von diesem Mindestlohn oft nur träumen können.
3. Der Kostenfaktor Arbeit ist nur
ein Faktor. Zusätzlich gibt es:
Lohnnebenkosten
Zahlungen an Lieferanten für Material
Zahlungen für Betriebsstoffe und Energie
Honorare für Dienstleistungen (Steuerberater etc.)
Steuern und Abgaben
Versicherungen
Mieten/Immobilienkosten
Investitionen
Instandhaltungskosten
Fuhrpark
Buchhaltung
usw.
---
Nun zum eigentlichen Thema "Was hat sich nach sechs Monaten im Amt eigentlich wirklich geändert?"Gestern sprachen wir in geselliger Runde länger mit einem cleveren, bescheiden auftretenden Thai-Chinesen (mit ausgewogenen politischen Meinungen; anscheinend halb gelb, halb rot

), der durch eine sehr hübsche Nichte nun schon über 3 Jahre zur Familie gehört.
Der betreibt in Bangkok mehrere kleine Firmen, ist anscheinend insgesamt zu 70% vom Export abhängig und gab bis zu diesem Sommer über 300 Thailändern Lohn und Brot.Seine (hier interessanten) Sätze gebe ich nun in Kurzform weiter. (Wobei er als verschwiegener Mensch von den richtig interessanten Dingen leider so gut [wie eigentlich immer] nichts erzählte

.)
Der Mindestlohn sei für ihn noch nie ein Problem gewesen, weil er nur gute Leute gebrauchen kann, die bei ihm sowieso mehr verdienen.
(U.a. stellt er schöne Amulette, kleine Buddhas usw her. Vieles davon wirkt antik

.)
Dann brachte er selber die Rede auf Prayut und redete sich schnell in Rage. (Der ist als mittelständischer Unternehmer
richtig, richtig sauer auf Prayuths Regierung und besonders auf Prayuth selber.)
Die folgende, unvollständige Aufzählung ist von mir. Denn er brachte ständig Querverweise, sprang zwischen den Themen, redete kaum englisch und teilweise im Ärger sehr schnell thailändisch, und ich verstand (trotz der kräftigen Hilfe meiner Frau) leider bei weitem nicht alles.
(Da hätte ich gerne den Kollegen namtok dabei gehabt.)
1. Diese Regierung mische sich nicht nur in große, sondern auch in kleinere und kleinste wirtschaftliche Belange ein. Und das in bestimmender, arroganter und unwissender Weise.
(Mehrmals zeigte er seinen Ärger über Prayuths dämliche Direktive/drängenden Vorschlag, wegen des jetzt niedrigen Rohkautschuk-Preises alle Kautschuk-Bäume bis zum Alter von 3 Jahren umzuhauen. Wer gelernt hat, ein bisschen längerfristig zu denken [und nicht nur bis zur Nasenspitze!] wird den Schwachsinn dieser Weisung verstehen.)
2. Um eventuelle Korruption aufzuspüren (mein Gedanke dazu: und das in Asien

) würde sich die Prayuth-Regierung nicht nur in innerthailändische Geschäfte einmischen, sondern auch in alle möglichen Export-Geschäfte und -Vertriebswege.
Durch ihr bestimmendes Auftreten (Soldaten-Ton), ihre Arroganz, gepaart mit ihrer Unwissenheit zu wirtschaftlichen Belangen, würden sie ausländische Politiker und wichtige ausländische Unternehmer reihenweise ständig vor den Kopf stossen und viele Geschäfte mit Thai-Unternehmern zum Erliegen bringen.
(Auch dabei gilt: die ausländische Konkurrenz schläft nicht!)
Prayuth selber sei durch seine Art diesbezüglich absolut die Nummer 1.Offizielle Verlautbarungen zur thailändischen Wirtschaft seien geschönt.
(Meine Zwischenfrage, ob man eigene Umsatz-Verluste mit Schmiergeldern an die betreffenden regierenden Soldaten etwas auffangen könne, wurde erst nur mit einem unklaren Grunzen beantwortet.)
Aber dann kam folgendes:
3. Da die Umsätze dermaßen eingebrochen seien, hätten in Bangkok (usw.) viele Unternehmer die Tore ihrer Unternehmen vorerst ganz geschlossen und noch viel mehr Unternehmen hätten ihre Produktion gedrosselt.
Er selber habe mittlerweile ungefähr die Hälfte seiner Leute entlassen und werde wohl bald noch mehr entlassen, denn seine Lager würden überquellen.
(Zwar betonte er dann die soziale Seite, aber ich glaubte ihm mehr seinen geäusserten Schmerz/Ärger darüber, dass er dadurch sicher viele gute und gut angelernte Arbeiter/Angestellte auf Dauer verliert.)
4. Wieder sehr ärgerlich wurde er bei diesem Punkt:
Diese Prayuth-Regierung würde nur die "Ganz Großen", die Amart unterstützen, aber die "Kleinen" (dabei mein Gedanke

; immerhin hatte er bis vor kurzem noch 300 Angestellte; wo ordnet der denn mich ein?

) würden massiv behindert.
Z.B. würden die kleineren Unternehmer vom SME (diese Behörde oder Bank sagt mir nichts
) nur noch Kredite (auch kurzfristige!) von maximal 3 Millionen Baht bekommen. (Für Notzeiten in Unternehmen mit Hunderten Arbeitern/Angestellten, für größere Geschäfte und für deren kurzfristige Zwischenfinanzierung ist das wirklich ein lächerlicher Betrag.)
Natürlich könne er woanders auch Kredite bekommen. Aber die seien teurer und für neue Geschäftsfelder schwerer zu kriegen.
Und für seine gewohnten Geschäft bräuchte er mangels Umsatz nun gar keine kurzfristigen Kedite mehr.
---
Diesen Gewinnertyp, diesen fähigen, gewieften Thai-Chinesen habe ich noch nie so ärgerlich gesehen.Leider sehe ich ihn durch sein Wirken in Bangkok nur 2x bis 3x im Jahr.
Aber ich habe schon lange gelernt, ihn (neben seinem Hirn auch für seine effektiven Einsätze für seine in vielen Beziehungen schwachbrüstige Isan-Verwandschaft) ernst zu nehmen.
Zwar kann ich viele seiner Sätze - besonders wegen des völlig ungenügenden, thailändischen Umgangs mit ernsthaften Informationen - kaum nachprüfen, aber ich glaube ihm trotzdem (eingedenk seiner Gefühlswallungen) mindestens 80%.