Meine Güte, Hans Muff, hättest Du nicht mit Deinem wirklich überflüssigen Beitrag noch etwas warten koennen?
Als ich die soeben vollendete Seite 4 meiner Abhandlung mittels "Schreiben" auf den Weg bringen wollte, stürzte sie ab und ging verloren - da Du zum gleichen Zeitpunkt (3:57:21) Deinen Beitrag eingabst, der keineswegs bereichernd war. Dass ich deshalb auf Dich ziemlich sauer war, wirst Du vielleicht nachempfinden.
Heute versuche ich nun erneut, meine ausführliche Abhandlung mit der geplanten Seite 4 abzuschließen. Dabei komme ich nochmals auf die vom DGK-Präsident Hamm neuerdings vertretene Meinung, dass nunmehr "definierte Zielwerte für das in zu hoher Konzentration schädliche LDL-Cholesterin in den Hintergrund treten". Bisher wurden diese Zielwerte allerdings mit hohen Dosen Statin auf niedrigere Werte gesenkt.
Das bedeutet im Klartext: Man hat vermutlich in der Vergangenheit viele Patienten unnoetig mit Statinen und ihren unangenehmen Arzneimittel-Nebenwirkungen malträtiert (Patienten mussten teilweise Schmerzmittel einnehmen, um die Muskelschmerzen zu ertragen), um fragwürdige Cholesterin-Werte zu erzielen, insbesondere um das "schädliche" LDL-Cholesterin zu reduzieren.
In diesem Zusammenhang nochmals der Hinweis auf
www.herzstiftung.de: "Ich bekomme unter meinem Statin Muskelschmerzen - Gibt es Alternativen? (ich hatte bereits auf der Themenseite "Atorvastatin" hierauf verwiesen) und auf
www.sanego.de, wobei vor allem die negativen Erfahrungen von Patienten mit dem neuen "Crestor" auffallen. Aufgrund des hohen Preises wird dieses Präparat nicht häufig verschrieben.
Doch nun zu den positiven Forschungsergebnissen zur Diabetes-Therapie mit dem bewährten Wirkstoff Metformin:
20.11.2013 -
www.diabetes-deutschland.de/news373.html:
"In einer multizentrischen Studie wurden 304 Patienten (mittleres Alter: 63 Jahre; im Bereich von 36-80 Jahre mit Typ 2-Diabetes und bereits vorausgegangenen kardiovaskulär bedingten Ereignissen untersucht".
"Ergebnisse: Der HbA1c-Effekt der beiden Medikamente war vergleichbar. Jedoch war die Rate an kardiovaskulären Ereignissen unter Metformin um die Hälfte geringer als bei dem Sulfonylharnstoff-Präparat".
Dass in jüngster Zeit in bestimmten Bereichen mehr Forschungsergebnisse aus China und nicht aus Deutschland kommen, verwundert gar nicht, nachdem man den eindrucksvollen FAZ-Beitrag vom 14.11.2014 gelesen hat: "China auf dem Weg zur Forschungsweltmacht: Japan im Forschungsaufwand überholt, die EU eingeholt, und die OECD pronostiziert, dass China sogar die USA innerhalb dieser Dekade überholen koennte".
15.12.2014 -
www.aerztezeitung.de: "Mehnert-Kolumne - Antidiabetika mit Fett-Schmelz-Effekt":
"Vorsicht ist immer mehr bei Sulfonylharnstoffen geboten. In einer britischen Studie gab es jetzt erneut starke Hinweise auf ein deutlich schlechteres Risiko-Nutzen-Profil im Vergleich zu Metformin (Diab Obes Metabol 2014: 16: 1165)".
Im Jahr 2009 wurden in Deutschland laut Arzneiverordnungs-Report 2010 folgende Mengen der zwei genannten Diabetes-Medikamente verordnet:
Metformin 547 Mio. Tagesdosen x 0,30 Euro, Sulfonylharnstoffe 471 Mio. Tagesdosen x 0,18 Euro.
Ob nun alle therapierenden Ärzte diese neuen Erkenntnisse zum Metformin auch schon kennen und ihre Patienten auf diesen gut verträglichen Wirkstoff umstellen, sofern diese noch kein Insulin oder Insulin-Analogon benoetigen? Das weltweit meistverwendete langwirksame Insulin-Analogon "Lantus" von Sanofi-Aventis (siehe Wikipedia: Insulin glargin), auch in Deutschland mit 83,9 Mio. Tagesdosen x 2,03 Euro im Jahr 2009 Marktführer, verliert im Januar 2015 seinen Patentschutz.
Der Verbrauch von Insulin-Analoga ist 2009 auf 316 Mio. Tagesdosen gestiegen (2008: 289 Mio.), der von Human-Insulinen auf 491 Mio. Tagesdosen gefallen (2008: 505 Mio.) bei steigendender Zahl von Diabetikern. Obwohl Sanofi-Aventis das umsatzstärkste Diabetes-Medikament hat (weltweit mehr als 5 Mrd. Dollar), macht Novo Nordisk mit den Präparaten NovoRapid, NovoMix, Levemir und Victoza mehr Umsatz (über 25% Marktanteil).
Da die Poilitik bisher nicht ausreichend dem Fortschreiten von Diabetes-Erkrankungen entgegenwirkte (die Ärzte beklagten dies mehrfach, will man nun mit einem sogenannten "Präventionsgesetz" die Situation verbessern, wobei das geplante Gesetz nach Meinung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft in einer Anhoerung als voellig unzureichend bezeichnet wurde: "26.11.2014: Präventionsgesetz geht an den wirklichen Problem vorbei: Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert andere Strategie".
Nach meinem Eindruck wird Deutschland zunehmend von Stümpern regiert und nicht von Koennern. Wie kann man ein Gesundheitsgesetz planen ohne Mitwirkung der maßgeblich betroffenen Ärzte? Anlässlich der Diabetes-Charity-Gala am 16.10.2014 (
) - der Welt-Diabetes-Tag am 14.11.2014 fiel aus - zeigten sich alle sehr zufrieden (Prof. Danne: "Nie waren wir unserem Ziel so nah wie heute", Dietrich Monstadt (CDU): "Ich denke, wir sind auf einem guten Weg", Edgar Franke (SPD, Leiter des Gesundheitsausschusses: "Ich setze mich für ein Präventionsgesetz ein..." - welches die Diabetes-Gesellschaft ablehnt.
Die im SPIEGEL von Prof. Danne erwähnte Kritik (18 Länder in Europa haben einen Nationalen Diabetesplan - Deutschland hinkt hinterher) wurde oeffentlich nicht erwähnt. Schließlich wollte man ungestoert die Gala genießen, die immerhin 74.000 Euro Spenden einsammelte - zumeist von Pharma-Unternehmen, die für Anzeigen in den Fachzeitschriften mehr zahlen müssten.