21. Dezember 2012 - Weltuntergang abgesagt
Astronom und Wissenschaftsblogger Florian Freistetter erklärte in Braunschweig, warum es keinen Grund zur Panik gibt!
Von Johannes Kaufmann
BRAUNSCHWEIG."Das Ende ist nah!" In vielen Hollywood-Filmen reckt ein einzelner verrückter Demonstrant ein Schild mit dieser Aufschrift in die Kamera. Doch diesmal ist es anders. Dem Weltuntergang 2012 hat Roland Emmerich 2009 einen ganzen Blockbuster gewidmet. Laut einer Umfrage der Agentur Ipsos unter mehr als 16 000 Teilnehmern glauben weltweit 10 Prozent der Menschen an das Ende der Welt noch in diesem Jahr.
In sechs Tagen ist es soweit: Der Maya-Kalender endet, ein Sonnensturm röstet die Erde, das Magnetfeld der Erde wird umgepolt, der Planet Niribu taucht auf und kollidiert mit der Erde, zumindest aber werden seine Bewohner die Menschheit versklaven. Vielleicht haben wir aber auch Glück, und die Erdachse richtet sich zum Zentrum der Galaxie, von wo wir einen "Synchronisationsstrahl" empfangen, der uns zu einem Bewusstseinssprung verhilft.
Alles Quatsch, weiß Florian Freistetter. Der Astronom und Buchautor sprach im Haus der Wissenschaft in Braunschweig über das nicht nahende Ende und empfiehlt: "Keine Panik." In mehr als 50 Einträgen in seinem Internet-Blog "Astrodicticum simplex" hat der Österreicher sich mit dem Thema beschäftigt und ist so ungewollt zu einem der führenden deutschsprachigen Untergangs-Experten geworden.
Doch was als launig-ironische Kommentierung einer Absurdität aus der Esoterik-Ecke begann, hat für Freistetter mittlerweile jeden Spaß verloren: "Wenn man täglich 10 bis 15 Mails von völlig verängstigten Kindern bekommt, fällt es schwer, das noch lustig zu finden."
Der Astronom hat auf seinem Blog eine Seite mit Fragen und Antworten zum Weltuntergang eingerichtet. In den Kommentaren schreibt die Leserin Hannah: "Ich möchte einfach wissen, ob die Welt untergeht. Ich habe solche Angst, ich bin erst 13 Jahre. Wenn es stimmt, mache ich davor Selbstmord. Bitte helfen sie mir! Sind sie sicher, dass es nicht passiert?"
Ist er. "Die Fakten sind allesamt falsch. Der Maya-Kalender endet nicht, es gibt keine alten Prophezeiungen zum 21. Dezember 2012, weder bei den Maya, noch bei den Hopi aus Nordamerika und auch nicht bei Nostradamus. Die meisten Untergangsszenarien stammen aus der New Age-Bewegung der 1970er Jahre und werden jetzt wieder einmal recycelt."
Ein knappes Dutzend dieser Szenarien widerlegte Freistetter bei seinem Vortrag am Donnerstag - zumeist mit wenigen, simplen Argumenten. Einen Planeten auf Kollisionskurs mit der Erde würde man zum Beispiel schon seit Jahren mit bloßem Auge am Nachthimmel sehen. Darauf legt Freistetter besonderen Wert: "Man muss kein Experte sein, um Unsinn zu erkennen.
Oft reichen Basiswissen und eine kritische Grundeinstellung." Was aber macht 2012 so besonders? Frei
Freistetter sieht in Roland Emmerichs Katastrophenfilm "2012" einen Grund für die starke Reaktion auf eigentlich angestaubte Geschichten. "Dadurch bekam das Thema eine enorme Aufmerksamkeit - Zeitungen berichteten, es gab eine Menge Pseudo-Dokus im Fernsehen", beklagt der Astronom.
Doch trägt er mit seinem Blog nicht selbst dazu bei? "Ja", gesteht er ein, "aber wenn das Interesse erst einmal da ist, kann man es nicht ignorieren. Man darf das Feld nicht den Esoterikern überlassen."
"Wenn man täglich 10 bis 15 Mails von verängstigten Kindern bekommt, findet man das nicht mehr lustig."
Dr. Florian Freistetter, Astronom