Netzfund:
Aus der beliebten Serie „shit you just can‘t make up“:
Herr Maas aus dem Saarland will den USA helfen, wieder in die weltumspannende Gemeinschaft der Demokratien zurückzufinden.
„Wir dürfen den Feinden der liberalen Demokratie keinen Raum geben. Das gilt nicht nur in den USA, sondern genauso bei uns in Deutschland und Europa“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sind bereit, mit den USA an einem gemeinsamen Marshallplan für die Demokratie zu arbeiten.“
Ich finde es unheimlich großzügig vom Heiko, dass er den Amis, quasi als kleines Dankeschön für die Unterstützung beim Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg, jetzt helfen will, ihre eigene, offensichtlich arg ramponierte Variante der freiheitlich-demokratischen Grundordnung wiederherzustellen. Man könnte ja glauben, dass ein prominentes Mitglied der momentan bei 15 % dümpelnden ehemaligen Arbeiter:innen-Partei, im Nebenberuf Außenminister, neun Monate vor der nächsten Bundestagswahl schon genug auf dem Zettel hat. Aber nein. Heiko macht einfach!
Ich habe allerdings noch ein bisschen Schwierigkeiten, mir die praktische Umsetzung vorzustellen (wobei ich zggm. einen begrenzten Horizont habe, der demnächst zu meiner eigenen Sicherheit auf 15 km eingeschränkt wird, vermutlich durch ein „Gute-Grenze-Gesetz“).
Wird der Mann sein Meisterwerk, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (von dem nur böswilligste Wikipedia-Autoren behaupten können, autoritäre Staaten nutzten es gerne als Blaupause bei der Einschränkung der Meinungsfreiheit im Internet), ins Englische übersetzen und über den ausgebombten amerikanischen Innenstädten abwerfen lassen? Sollen deutsche Architekten ihren US-Kollegen bei der Errichtung ausbruchsicherer Umerziehungslagern für fehlgeleitete Trumpisten helfen? Werden freigestellte Duden-Mitarbeiter bei der Erstellung gendergerechter Leitfäden gegen „Hassende, Hetzende und Falschmeldende“ in einfacher Sprache behilflich sein? Oder plant er gar eine an postfaschistische Verhältnisse angepasste Neuauflage von „Aufstehen statt wegducken“, jenem Opus Magnum der neuen politischen Literatur (aktueller Verkaufsrang Platz 312.955 in der Amazon-Bücherliste), ohne das wir vermutlich schon längst im Vierten Reich leben würden? Man darf nur träumen, aber was für einen langen Schatten dieses kleine, wirkmächtige Büchlein auf die Bill of Rights und andere Amateurarbeiten werfen würde!
Man weiß so wenig. Aber nun kann die Hoffnung auch im Westen wieder blühen. Baby steps towards democracy!