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Autor Thema: Tagebücher Prügelecke  (Gelesen 68126 mal)

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Profuuu

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #105 am: 16. Mai 2010, 07:21:42 »

irgendwo meine ich mal  gehört zu haben, dass du der Langweile keine Chance gibst, he he..  8)
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Ozone

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #106 am: 16. Mai 2010, 07:29:47 »

irgendwo meine ich mal  gehört zu haben,...

Deine Ohren sind top ! ;)

Die Info auch   8)
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madaboutsingha

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #107 am: 22. Mai 2010, 12:16:09 »

22. 5. 10

Hallo Low, ich vermisse dich!

Machst du wirklich Ernst mit deinen 6 Wochen Enthaltsamkeit?

Ich schrieb es dir ja schon, man darf das Forum nicht so wichtig nehmen. Es ist auch nur eine vorübergehende Erscheinung. Wie alles auf dieser Welt. Was man hingegen wichtig nehmen sollte, ist die eigene Arbeit und das bemühte Ringen um das eigene Anliegen.

In letzter Zeit mussten wir Ereignisse wahrnehmen, die wir uns niemals eingestehen wollten. Dabei lag alles schon so lange und so evident vor unseren Augen. Schon 2008 waren wir dabei und mussten miterleben wie das Recht und die Menschenwürde mit Füßen getreten wurden. Drum wundert mich dies in der aktuellen Auseinandersetzung überhaupt nicht. Doch über das Ausmaß dieser unsinnigen Gewalt und dieser blinden Zerstörungswut bin ich sehr entsetzt.

Nichts scheint eine Rolle zu spielen. Das öffentliche Leben darf man zum Stillstand bringen. Die eigenen Bürger darf man paralysieren. Die eigene Wirtschaft darf man ruinieren. Kein Preis scheint zu hoch für den Erhalt von Privilegien und Macht. Marodierende Banden dürfen brandschatzend durch die Stadt ziehen, dürfen Geschäfte plündern und Bewohner in Angst und Schrecken versetzen. Was ist das für ein Land? Darf denn hier wirklich jeder machen, was er will? Und wenn ja, warum fürchten wir uns nicht?

Wo ist der starke Arm der Polizei, der Schutz und Sicherheit gewährleistet? Wo ist der Staat, der sein Gewaltmonopol durchsetzt, die Bürger schützt und den Gesetzen zu Recht verhilft? Wo ist die weitsichtige Regierung dieses Landes, die den nationalen Ausgleich und den Konsens im Auge hat?

Was ist das für ein Land, das wir uns da ausgesucht haben?

Dieses Land gibt uns zwar eine vorübergehende Heimstatt, aber es ist selber zerrissen, mehr als zuvor innerlich gespalten und an den Rändern aufgefasert. Die Vorstellung von einem Leben in einem sicheren Umfeld, einem durch Gesetze gewahrten Lebensraum und einer durch eine pflichtschuldige Polizei gewährleistete Überwachung ist nur eine schöne Blase. Solange sie nicht geplatzt ist, funktioniert sie ja auch! Doch – wie die jüngsten Ereignisse zeigen - leben wir im Grunde auf einer morbiden Müllkippe von faden Träumen.

Ich mache mir da keine Illusionen und ich denke, dir wird es ähnlich ergehen. Du bleibst dennoch hier und bleibst ein unauffälliger Protokollant mit wachen Augen, wenn auch – wie es scheint - in vorübergehendem Pausenmodus.

Bitte sei nicht sauer! Durch deine stille und beständige Arbeit hast du etwas Wunderbares und ganz Einzigartiges geschaffen, was viele Leser erfreut und bereichert hat. Der vielfache Zuspruch, den du dafür erhalten hast, spricht seine ganz eigene Sprache.

Wenn du jetzt Enthaltsamkeit übst, geht davon selbstverständlich die Welt nicht unter. Aber viele Menschen werden enttäuscht sein. Deine aus Erlebnissen entwickelten Erzählungen, die du wie verlorene Perlen vom Wegesrand aufgeklaubt hast, waren nie frech, ketzerisch oder beleidigend. Trotzdem gucktest du genau hin, und hast es in geradezu genialer Weise geschafft, tragische, groteske oder fatale Begebenheiten in nachdenkliche und unterhaltsame „Geschichten aus Hinterindien“ um zu münzen.

Viele kleine Lebensmalheure beschriebst du als wären es Fabeln, die nur in Büchern vorkommen und nicht im prallen realen Leben, und die meisten wären wohl auch unentdeckt im Schattenkosmos von Belanglosigkeit und Schnelllebigkeit gleich sterbenden Kometen verglüht, doch du sammeltest sie auf, hauchtest sie an und erwecktest sie mit humorigen Kopfnüssen zu neuem Leben und tatest auch noch, als wären sie heruntergefallene Sterntaler!

Low, du hast uns allen viel gegeben.



Ban

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #108 am: 22. Mai 2010, 13:29:00 »

22. 5. 10
...
Low, du hast uns allen viel gegeben.

das hört sich ja an wie ein Nachruf  :( Bitte lass so etwas. Noch 5 Wochen...
Tapfer weiter so. Dann aber gerne die Erfahrungen der gewonnenen Zeit
mitteilen in deiner unvergleichlichen Art.

BAN
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Ozone

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #109 am: 30. November 2010, 19:44:45 »

>>aus demTagebucheintrag von Low<<



befremdet mich das Verhalten der schweizer Psychiater aus äußerste, bot (und bietet höchstwahrscheinlich) der Patient fraglos alles, was einer dringenden Abklärung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung bedarf.

Auch bei mir ist der erste Impuls Unverständnis.

Zitat
Ich muss gestehen, dass ich mit dem schweizer Gesundheitswesen nicht hinreichend vertraut bin

In ein paar Worten kurz zusammengefasst. Ein sogenannter FFE (fürsorgerischer Freiheitsentzug), heisst in D glaube ich Unterbringungsverfahren, ist über das Zivilgesetzbuch geregelt. Anordnen kann einen solchen nur eine Behörde mit  Vollmachten im juristischen Sinne. Ein mündiger Bürger (CH ab 18. J), der in vollen bürgerlichen Rechten und Ehren steht, kann nicht gegen seinen Willen festgehalten werden, es sei denn, z.B. die Vormundschaftsbehörde leitet eine entsprechende Verfügung ein.

Jeder Arzt Dr. med (inkl.  Hausarzt oder Notfallarzt) kann eine Zwangs-Einweisung in einem akuten Notfall zwar veranlassen, aber eine zwangsweise verordnete Therapie, die einen längeren Aufenthalt mit sich zieht,  muss zwingend juristisch abgesegnet werden. Direkte Angehörige und der Patient selber haben ein Beschwerderecht gegen diesen verwaltungsrechtlichen Eingriff. Die Schwellen sind heute ziemlich hoch gesetzt.

Man muss auch sagen, zum Glück ist es grundsätzlich so; es gab auch Zeiten, wo ein verärgerter Dorfpolizist zusammen mit dem Dorfzampano soviel Macht besassen, unliebsame oder unbequeme Bürger über die Psychiatrie von der Bildfläche verschwinden zu lassen.


...benutze ich die Gelegenheit den Pflegerinnen, Pflegern, dem Personal,  den Ärzten und besonders Frau Dr. Kittiwan Thiamkaew im Suang Prung Psychiatric Hospital für die Hilfe und erstklassige Betreuung des Patienten unseren herzlichen Dank auszusprechen.


Man muss das schon sehr schätzen, wenn jemand in einer thail. Psychiatrie eine adäquate Behandlung bekommt.  ;}



Dass der gemeine Bürger von Thailand ohne private Versicherung kaum eine solche geniessen kann, lässt sich unschwer erahnen, wenn man die zahlenmässige Personalbesetzung der Klinik mal unter die Lupe nimmt.  

700 stationäre Patienten (täglich) sind da vermerkt. Dazu kommen jährlich noch 60'000 ambulante Patienten aus 13 Provinzen.

Die Zahl der "Therapeuten"  ist  ein trauriger Witz.

 
 14     Erwachsenen Psychiater
   1     Kinder/Jugend Psychiater
   2     Neurologen
   3     Zahnärzte ( :o geht wohl einiges kaputt da während den Elektroschocks...  >:  )

 10     Apotheker  (ganz schönen Mediumsatz)
   3     Psychologen
   3     Beschäftigungstherapeuten
   5     Sozialarbeiter
116    Pfleger
  44    technische Pfleger   (das sind die mit den grossen Schlüsselbunden, die Assistenten bei den Stromschlägen und die Kettenverschrauber)
    3    "Medical Technologists" (weiss der Gugger was das sein soll)
383    Verwaltungs- und übrige Angestellte

wohlverstanden, diese dünne personnelle Bulkware händelt stationäre und ambulante Fälle.
http://www.suanprung.go.th/eng/suanprung.php



Aus dem Bericht von  >>Low's Link<<   (Bangkok Post über eine sehr kleine Institution aus Pattani)


ganze 2 verschiedene Pillen kommen zum Einsatz

ansonsten


hat einer den Film Papillon gesehen ?



    

« Letzte Änderung: 01. Dezember 2010, 06:35:19 von Ozone »
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Isan Yamaha

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #110 am: 30. November 2010, 20:09:03 »

Und die Bunten Pillen,heisen Doxepin. ??? ??? wie in D.
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Low

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #111 am: 30. November 2010, 21:59:26 »

Danke Ozone für die wertvollen Ergänzungen.
Ich wollte mich mit den juristischen Hintergründen nicht auseinandersetzen. Die Ereignisse belasten mich leider immer noch.
Zum Glück sah ich in den letzten Tagen einige schöne Krathongs bestückt mit hochgestylten jungen Ladies. Das Gehirn mit seinen tristen
Gedanken verflüchtigte sich flugs in einen kleinen Sack. Drecksack werdet ihr sagen.
Danke Dart für die Bilder. Wenn ich klickte, fotografierte ich dauernd den Rücken eines Farang. Warst Du das?

Die Zahlen über Suan Prung im Internet stammen höchstwahrscheinlich aus dem Jahr 2003.
Das Spital ist seitdem gewaltig gewachsen. Es dürfte nach meiner Schätzung einige Patienten mehr beherbergen.

Ozones Beitrag ist fundiert und brillant, mit den Bildern für nicht Versierte mehr als verständlich, warum ist er in der Prügelecke angesiedelt?
Darf ich einen Wunsch äussern? Ist es technisch möglich, Ozones Antwort in die Geschichten zu verschieben?

Dank, Krap
Low
« Letzte Änderung: 30. November 2010, 22:15:48 von Low »
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Sie wollte in die Galeries Lafayette.

dart

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #112 am: 30. November 2010, 22:09:20 »

Danke Dart für die Bilder. Wenn ich klickte, fotografierte ich dauernd den Rücken eines Farang. Warst Du das?
--C
Unterhalte uns lieber mit den furchterregenden Stories, aus einem kleinen, unheimlichen Dorf im Amphoe Hang Dong. 8)
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drwkempf

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #113 am: 30. November 2010, 23:10:28 »

@#109

Lieber Ozone,

folgendes zu Deinem Beitrag:

"aber eine zwangsweise verordnete Therapie, die einen längeren Aufenthalt mit sich zieht,  muss zwingend juristisch abgesegnet werden. Direkte Angehörige und der Patient selber haben eine Beschwerderecht gegen diesen verwaltungsrechtlichen Eingriff. Die Schwellen sind heute ziemlich hoch gesetzt. "



Das ist in Deutschland auch nicht anders. Auch hier muss eine Dauertherapie ohne die Einwilligung des Patienten (oder der Angehörigen) juristisch abgesegnet werden. Zuständig ist in D der Vormundschaftsrichter, dem der behandelnde Psychiater die Indikation zur Behandlung un den unmittelbaren Behandlungsbedarf zur richterlichen Entscheidung vorlegen muss.
Der Richter entscheidet aber auch in Deutschland natürlich nur, wenn ihm ein entsprechender Behandlungsantrag zur Entscheidung vorgelegt wird! Kein Antrag, keine richterliche Entscheidung. Wer sich also die Mühe, einen fundierten Antrag auf stationäre geschlossene Behandlung  gegen das Einverständnis des Patienten zu stellen, nicht machen will, händigt so praktisch dem Patienten den Haustürschlüssel zur geschlossenen Abteilung aus.

Das Problem ist wohl auch kein schweizer Problem per se , sondern hat wohl eher unmittelbar mit den behandelnden Psychiatern zu tun.
Nun haben Psychiatern bei der Einschätzung ihrer Patienten ja öfters einmal die falsche Brille aufgehabt.
Wir kennen in Deutschland zahllose Fälle von Fehleinschätzungen im Rahmen gutachterlicher Beurteilungen, die Patienten für hinreichend unbedenklich einschätzten, so dass diese sich nicht einer Behandlung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung unterziehen mussten.
Nicht wenige Opfer einer solchen psychiatrischen Fehleinschätzung wurden inzwischen beerdigt.
Die irrenden psychiatrischen Gutachter lebten hernach - frei nach den Gebrüdern Grimm - "froh und glücklich bis an ihr seeliges Ende".

Ohne die schweizer Bestimmungen zur Unterbringung psychiatrischer Patienten in einer geschlossenen Einrichtung im Detail zu kennen, vermute ich doch stark, dass auch in der Schweiz gilt, dass Patienten, die ein hohes Potential an Eigen- oder Fremdgefährdung aufweisen, in dafür vorgesehenen Abteilugen zu behandeln sind, bis keine erkennbare Eigen- oder Fremdgefährdung mehr vorliegt.

Ich habe den im Falle Low genannten Patienten selbst gesehen. Ich staune immer noch über die die Fähigkeiten der betreffenden schweizer Kollegen zur Wunderheilung. Nun mag man einwenden, dass ich ja auch nur Chirurg bin und daher in solchen Fällen nicht so genau Bescheid weiß. Dagegen steht, dass psychiatrische Fachärzte in D, denen ich den Fall schilderte, nicht weniger staunten als ich.
Hoffen wir also auf die stattgehabte Wunderheilung!

Wolfram
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farang

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #114 am: 01. Dezember 2010, 02:47:57 »

Ich habe auch schon einen ähnlichen Fahl in Asien erlebt und wünsche niemandem das er das Erleben muss.
Es kam gut und er ist wieder in CH in Behandlung.
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Ozone

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #115 am: 01. Dezember 2010, 05:53:13 »

Ozones Beitrag ist fundiert und brillant, mit den Bildern für nicht Versierte mehr als verständlich, warum ist er in der Prügelecke angesiedelt?

Low,

das habe ich selber so entschieden, weil ich eine (mögliche) längere  Diskussion über die Zustände in Thailands psychiatrischen Einrichtungen von Deinem geschätzten Tagebuch abtrennen wollte.

Zitat
Darf ich einen Wunsch äussern? Ist es technisch möglich, Ozones Antwort in die Geschichten zu verschieben?

Natürlich. Vorschlag: Ich beame davon eine Kopie in die "Geschichten aus Hinterindien", eine allgemeine Diskussion zum Thema findet mit URL Hinweis hier statt. Sollte eine solche nicht stattfinden, kann man alle Beiträge dazu auch im Nachhinein und dem Datum gerecht in Dein Tagebuch verschieben.




Wolfram,

Da bin ich vollkomen bei Dir. Deine Einschätzung teile ich persönlich vollkommen.

Selbst wenn im besten Falle eine Selbstgefährdung in der Anamnese als nicht gegeben befunden wird, bleibt da immer noch der nicht unwesentliche Teil der Fremdgefährdung. Die behandelnden Psychiater in der CH haben sehr wohl die Möglichkeit, einen Patienten vorerst stationär zu "neutralisieren" und in der Zeit mit den zuständigen Behörden+Verwandten einen sogenannten fürsorgerischen Freiheitsentzug zu erwirken.

Am Rande bemerkt. Sehr viele der praktizierenden  Psychiater in der CH stammen aus D, arbeiten i.d.R. mit identischer Philosophie wie die Schweizer Kollegen.

Ich habe den im Falle Low genannten Patienten selbst gesehen. Ich staune immer noch über die die Fähigkeiten der betreffenden schweizer Kollegen zur Wunderheilung. Nun mag man einwenden, dass ich ja auch nur Chirurg bin und daher in solchen Fällen nicht so genau Bescheid weiß. Dagegen steht, dass psychiatrische Fachärzte in D, denen ich den Fall schilderte, nicht weniger staunten als ich.

Es wäre tatsächlich interessant, wie die Einschätzung der zuständigen Psychiater in der CH zustande kam. Auch ich habe den neben die Spur geratenen Menschen am verhängisvollen Abend  gesehen.

Zitat
Hoffen wir also auf die stattgehabte Wunderheilung!

Vor allem sind solche Erkrankungen in der Kürze de facto nicht therapier- resp.  heilbar. Ueber Psychose, Manie und Persönlichkeits-Störung war von allem etwas zu erkennnen. Eine Kanalisation der Symptome  kann mit geeigneten  Medikamenten erreicht werden. Nur schon das propere Einstellen dieser erfordert einen längeren Klinikaufenthalt. Dazu braucht es intensive psychosoziale Betreuung und Therapie inkl. engmaschiger Interventionen im und aus dem Umfeld des Patienten. Dazu erfordert es eine gut strukturierte Begleitung über einen Klinikaufenthalt hinaus.

Bleibt zu hoffen, dass für ihn und seine Umwelt in der CH eine gerechte Lösung gefunden wird. Dafür muss aber ein Wille, mindestens von einer Partei, erkennbar sein.







 

« Letzte Änderung: 01. Dezember 2010, 05:56:44 von Ozone »
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drwkempf

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #116 am: 01. Dezember 2010, 13:29:59 »

Lieber Ozone,

SO ISSES!

dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Wolfram
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Sato

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #117 am: 01. Dezember 2010, 22:30:37 »

Zitat drwkempf:
„Ich habe den im Falle Low genannten Patienten selbst gesehen. Ich staune immer noch über die die Fähigkeiten der betreffenden schweizer Kollegen zur Wunderheilung. Nun mag man einwenden, dass ich ja auch nur Chirurg bin und daher in solchen Fällen nicht so genau Bescheid weiß. Dagegen steht, dass psychiatrische Fachärzte in D, denen ich den Fall schilderte, nicht weniger staunten als ich.“

Zitat Ozone:
„Es wäre tatsächlich interessant, wie die Einschätzung der zuständigen Psychiater in der CH zustande kam. Auch ich habe den neben die Spur geratenen Menschen am verhängisvollen Abend  gesehen.“

@drwkempf und @Ozone

Da habt Ihr den Mann offensichtlich ad hoc viel klarer diagnostiziert. Wie habt Ihr zwei erfahrenen Freunde (Mediziner und Pharmakologe) in dieser Situation dann den geplagten Low unterstuetzen koennen, bzw effektiv agiert ?

Freundliche Gruesse, Fritz
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Low

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #118 am: 02. Dezember 2010, 00:11:06 »

@Sato
Lieber Fritz

Ozone war mir am Vorabend der Hospitalisierung eine moralische Hilfe.
Er wusste nicht alles. Er beobachtete scharf und zog seine Schlüsse.
Wir beide fragten uns, ob der Mann drogenabhängig sei. Wir verneinten und besprachen die Möglichkeiten einer Therapie und welche
Medikamente geeignet wären.
Glücklicherweise blieb der unangenehme Gast für einige Zeit verschwunden und wir wandten uns erfreulicheren Themen zu.

Ich verbrachte einen Teil meine Jugendzeit in einem Institut für exakte Medizin.
Entschuldige bitte, das ist ein bösartiger Witz von mir als Anhänger exakter Wissenschaften. Damit ist natürlich die Pathologie gemeint.
Ich bekam dort tiefste (wörtlich) Einblicke in die Medizin und bin daher nicht ganz ahnungslos.

Dr. W. Kempf sah den Patienten sechs Tage später im Spital. Er bestätigte unsere flüchtigen ersten Vermutungen. Er sah die Möglichkeit
einer vollständigen Genesung bei entsprechender Behandlung.
Es half mir ungemein zu wissen, dass Frau Dr. Kittiwan ohne die Muttersprache des schwierigen Patienten zu sprechen, die richtige Spur
verfolgte. Ich konnte dies auf Grund der verabreichten Medikamente überprüfen.

Ich bin den Freunden, beide im Fan Club “Hinterindische Geschichten“, die mich eigentlich rein zufällig besuchten, unendlich dankbar.
Ob ein Engel oder gar Buddha selbst die Besuche programmierte, wissen wir alle nicht.

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Ozone

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Re: Tagebücher Prügelecke
« Antwort #119 am: 02. Dezember 2010, 06:33:31 »

Gerne gebe ich Dir, Fritz, dazu eine Antwort:

@drwkempf und @Ozone

Da habt Ihr den Mann offensichtlich ad hoc viel klarer diagnostiziert.

Wir haben verhaltens-typische Symptome festgestellt. Das alleine ist noch keine Diagnose. Das fehlen einer klaren Untersuchung im Heimatland  kritisieren wir ja gerade explizit. Mit 4 Tagen Aufenthalt ist eine umfassende Abklärung, also die Erfassung der Vorgeschichte inkl. sammeln von bestehenden Krankengeschichten und allf. Behördenmassnahmen,  der  Miteinbezug der aktuellen sozialen Situation, dazu eine rein med. physikalische Untersuchung, schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit.


Woher ich mir erlaube, solche Einschätzungen auszusprechen und warum ich spezifische Abläufe kenne:

- Persönlich selber einen ähnlichen Fall in der eigenen Familie erlebt

- 3 Monate Pflege Praktikum  

- Berufsbedingt und privat viel im Kontakt mit medizinischem Personal aller Art gepflegt.  

- Mitte der Neunziger Jahre habe ich während 2 Jahren bei einem Projekt mitgearbeitet, die mittels Reitpädagogik sozial oder psychisch auffällig gewordene Jugendliche betreute; letztere vorwiegend mit Dualdiagnosen (also neben einer psychischen Erkrankung meist noch ein Suchtproblem zelebrierten).

- Um die Jahrtausendwende gehörte ich in Zürich einem Team an, in dem nebenberuflich viele Freiwillige aus  diversen Berufen 1 -2 x/Monat in einem Projekt Nacht-Dienst verrichten.
 
Dabei handelte es sich um die Betreuung Randständiger, die aus unterschiedlichsten Gründen als Obdachlose strandeten oder gar freiwillig diesen Weg eingeschlagen haben. Viele von ihnen hatten lange Karrieren mit Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken hinter sich.

Im Rahmen dieser Tätigkeiten bin ich sehr viel und intensiv im Kontakt gewesen mit Betroffenen, Psychiatern, Pflegepersonal,  Familienangehörigen, Sozialarbeitern und  Behörden, die sich hauptberuflich der Problematik annehmen. Durch die Arbeit direkt an den Fronten erschloss sich mir sogar ein Bild, das sich in der Gesamtheit nicht selten als deutlich umfassender zeigte als die Sichtweise eines einzelnen Berufsausübenden.

« Letzte Änderung: 02. Dezember 2010, 06:37:21 von Ozone »
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