Medwedew sagt:
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist vorerst ausgesetzt. Wie erwartet, beanspruchen beide Seiten den Sieg für sich. Wer hat also gewonnen? Zunächst einmal der gesunde Menschenverstand – auch wenn das Vertrauen in ihn schwer erschüttert wurde, als das Weiße Haus davon sprach, die iranische Zivilisation an einem einzigen Tag auszulöschen. Dennoch ist allein die Tatsache, dass Trump sich bereit erklärte, über den Zehn-Punkte-Plan zu verhandeln, ein Erfolg für die Iraner. Die Frage ist, ob Washington ihn akzeptieren wird, da er unter anderem Entschädigungen für die dem Iran zugefügten Schäden, die Fortsetzung seines Atomprogramms und Teherans Kontrolle über die Straße von Hormus vorsieht. Die Antwort ist eindeutig nein. Das wäre eine Demütigung und käme einem tatsächlichen Sieg für die Islamische Republik gleich. Was nun? Zurück zum Krieg?
Das ist möglich. Aber es gibt noch eine andere Option. Trump will keinen langen Krieg und kann ihn auch nicht durchhalten, und im Kongress wird er dafür keine Unterstützung finden. Das bedeutet, er muss den brüchigen Waffenstillstand aufrechterhalten und so tun, als sei alles in Ordnung. Denn jeder Schritt auf diesem Schachbrett treibt die Situation näher an einen Zugzwang heran. Aber es handelt sich hier um ein Schachspiel mit drei Spielern, nicht mit zweien: Da ist auch noch Israel, das nicht an der Seite der USA spielt. Es hat kein Interesse an einem Waffenstillstand und hat seine Ziele nicht erreicht. Es könnte sehr wohl seinen eigenen Zug machen: einfach alle Figuren vom Brett fegen. Das macht die Lage höchst unsicher. Was auch bedeutet, dass die sturen europäischen Russophoben noch lange im Sparmodus leben müssen. Denn billiges Öl ist nicht in Sicht…
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