Ach, ihr wollt doch alle bloss Geschichten lesen von jungen, grossen straffen Titten, die die Schwerkraft verhöhnen.

Aber gut, hier Teil 2.
Das Police Auto mit uns auf der Pritsche und 3 grimmig dreinschauenden Bullen fährt 200 Meter und dreht dann überraschend um. Wir fahren noch einmal die ganze Brandschneisse entlang, sehen verzweifelt weinende Lao-Frauen vor ihren paar geretteten Habseligkeiten und halten vor einem unscheinbaren Gebäude mit Hammer und Sichel beflaggt.
Wie eine Police Station sieht das aber nicht hier aus, denke ich mir, als ich einen Raum im Charme der 50er Jahre DDR betrete. Vergilbete Fotos mit alten Männern in Uniform hängen an der Wand. Viele Flaggen und Wimpel ebenfalls. O.k., das hier ist wohl das Rathaus bzw. die lokale Kommunisten Partei Zentrale.
Ein älterer Mann in Zivil fragt uns in grottenschlechtem Englisch „whatt happended“ , reicht Wasser, Papier und Stifte. Ich trinke einen Schluck und gehe gleich mal wieder bewacht von Bullen 2 raus vor die Tür zum kotzen. Verfluchte Rauchvergiftung. Wenigstens blutet mein Schenkel nicht mehr.
Als ich wieder reinkomme, haben die anderen bereits eine Verlustliste ausgefüllt und versuchen zu erklären, dass sie keine Ahnung haben, wo das Feuer ausgebrochen ist. Ich habe aber einen Verdacht mittlerweile. Das Feuer muss im äussersten rechten Raum ausgebrochen sein, wo der einzelne Japaner war, so sah es zumindest bei der Flucht vom Dach aus. Gut für mich, da meines ganz links war und Leute vom Haus gegenüber haben meine Dachflucht beobachtet haben. Der Japse sagt aber nix, was ich irgendwo verstehen kann.
Die Verlustliste fülle ich kurz und bündig aus, da ich eh keine Gepäckversicherung habe. Zudem machen die Preisangaben der anderen (DigiCAm 500$, TCs 3.000$, Sunglases 200$, usw.) die Stimmung nicht gerade besser. Der Ober Laote bekommt auf jeden Fall langsam einen dicken Hals mit uns, spüre ich.
Nun kam auf einmal ein gut gekleideter, perfekt Englisch sprechender Mann mittleren Alters herein, der sich uns als Inder und Hotelmanager vorstellt. Er sei hier, um die Angelegenheit zu managen. Mir ist sofort klar, dass das ein Spitzel bzw. Agent sein muss und schalte auf Misstrauen.
Es folgte noch ein kurzer Besuch auf der Krankenstation. Beim Anblick der Instrumente geht es mir gleich viel, viel besser und ich verzichtete bis auf etwas Jod und Verband auf jegliche Behandlung. Lieber nähe ich meinen Schenkel mit meinem eigenen Nähzeug zusammen, desinfiziere es zuvor mit Mekongwasser, als hier eine verseuchte Spritze oder sonst irgendwas zu bekommen. Schweitzers Lambarene wäre das John Hopkins Hospital im Vergleich dazu gewesen.
Wir fahren mit dem Inder zu seinem etwas abgelegen Hotel. Im Schlepptau natürlich die Bullen. Noch im Auto sagt er zu uns, dass wir jetzt ohne ihn bereits im Knast hocken würden. Aber nachdem er um Übersetzungshilfe gebeten wurde, hat er sofort im Innenministerium angerufen und denen klargemacht, dass sie den aufblühenden Tourismus auf Jahre vergessen können, wenn wir Touris hier schlecht behandelt werden würden. Ja klar, denke ich mir, du und dein Luxus Hotel in im Urwald am Mekong, ihr seid schon eine grosse Nummer.
Doch als wir ankommen, staune ich nicht schlecht. Der Mann hat nicht gelogen. Ein wunderschönes 5 Steren Ressort begrüsst uns. Wir bekommen ein riessiges, unglaublich schönes Teak-Zimmer mit Blick auf den Mekong. Die Bullen, zum Teil in Zivil, postieren sich derweil auffällig unauffällig auf der Anlage. O.K., also Hausarrest. Zwar auch ungewohnt, aber definitiv besser als Laos Knast.
Ich checke meinen Mönchsbeutel und habe dabei fast ein schlechtes Gewissen, da ich im Gegensatz zu den anderen, die nichts mehr besitzen als ihre „Kleidung“ am Leib, wenigstens noch Waschzeug und Schuhe habe. Und Sound. B.B. King erfüllt den Raum mit seinem Blues. Den schieben wir auch. Ich checke meinen Kulturbeutel und bekomme Glücksgefühle: Da sind ja noch zerknüllte 45 Euro in Scheinen und ca. 400 Bath. Hatte ich vergessen. Ausnahmsweise mal für was gut deine Schlampigkeit, morrison. Ausnahmsweise.
Wir gehen an die Rezeption zum Inder, der gerade telefoniert. Also Israel hat keine Vertretung in Laos, die Japsen müssen wohl auch Bangkok kontaktieren. Wird vermutlich ein paar Tage alles dauern. Rachel fängt zum heulen an. Deutschland hat aber eine Botschaft. Das weiss er von seinem Freund von der GTZ, der ihn öfters hier besucht. Er verbindet mich.
Ich schildere dem GTZ Mann was passiert ist. Dieser meint er kann mir leider auch nicht weiterhelfen, da er zu weit weg ist, ausser dass er mich bei der Botschaft in Vientianne anmelden kann. Ist ja schon mal was.
Ich verabschiede mich mental von meinem Rückflug nach Deutschland, weil mir klar wird, dass ich es niemals in 4 Tagen bis nach Bangkok über Chiang Mai schaffe, wo mein Flug-Ticket, Perso, EC-Karte und eine grosse Reisetasche deponiert sind. Laos war ja nur als Kurz-Trip für ein paar Tage geplant gewesen, wo ich von Luang Prabang nach CNX zurückfliegen wollte.
Später am Nachmittag geht’s dann zum Verhör auf die Polizeistation. Aber ich merke schnell, dass sie mich nicht für den Verursacher halten. Aus den anderen Zimmern höre ich auch keine Schreie. Meine Schicksals-Kollegen werden also anscheinend auch anständig behandelt.
Abends bekommen wir an einem Tisch etwas abseits unser Essen serviert. Man möchte wohl den wenigen anderen Gästen unseren zerlumpten Anblick – ich schön bandagiert am ganzen Bein - ersparen.
Nach dem Essen gehe ich alleine runter zum Mekonufer und bekomme einen kleinen Nervenzusammenbruch. Mir wird klar was für ein wahnsinniges Glück ich/wir, das ganze Dorf hatten. Auf der anderen Seite hasse ich mich für die wertvollen verschwendeten Minuten, wo ich dieses verdammte Ganja suchen und schlucken musste, was mir das Leben hätte kosten können.
Mir geht´s wie dem Koch in Apocalpse Now: DAFÜR BIN ICH NICHT HERGEKOMMEN, DAS BRAUCH ICH NICHT! VERFLUCHTES FEUER! ALLES WAS ICH WILL IST FÜR MEINEN KONZERN WETTBEWERBER ZU ANALYSIEREN UND EIN BISSCHEN PROGRAMMIEREN!!!
Morrison, du bist jetzt über 30, zu alt für den Scheiss. Jetzt hockst hier im Urwald ohne Pass und nix wie der letzte Khoa San Asso. Such dir endlich eine Frau, bau ein Haus, vermehr dich, mach 2 Wochen Pauschalurlaub auf Mallorca und gut ist. So geht das alles nicht mehr weiter. Nach ca. 1 Stunde habe ich mich wieder halbwegs beruhigt.
Am nächsten morgen teilt uns der Inder mit, dass heute jemand vom Innenministerium kommt, der vorläufige Papier bringt, damit ich morgen weiterkomme. Bei den anderen dauert es länger, weil alles über Bangkok läuft. Rachel flennt wieder…
Natürlich passiert den ganzen Tag gar nix. Grosse Lethargie breitet sich aus, die andern müssen noch mal zum Verhör, und ich fange an den einzelnen Japaner zu hassen, der Schuld für das Feuer ist. Das ist uns allen mittlerweile klar. Aber dieser Psycho redet ungefähr 3 Sätze am Tag. Er braucht es ja nicht zugeben vor den Laoten, dass er es war, aber wenigstens bei uns könnte er sich mal entschuldigen, dass er uns fast umgebracht hat! Scheiss Asiatenmentalität! Scheiss Gesicht verlieren.
Am nächsten morgen erscheint tatsächlich einer mit Gefolge und mit Papieren von irgendeinem Ministerium. Auf jeden Fall ist er anscheinend wichtig. Das Ressorteigene Boot für die Weiterfahrt wartet schon besetzt mit Passagieren auf die Weiterfahrt. Mach endlich ran Typ! X Formulare müssen umständlich ausgefüllt werden, Stempel hier Stempel da. Mir wird mitgeteilt, dass ich mit einem Schrieb zur Polizei in Luang Prabang gehen soll, die dann alles weitere für mich regelt. Damit bekomme ich angeblich auch kostenlos Unterkunft, Essen und Transport.
Ich verabschiede mich hastig von den anderen, stecke ihnen noch einen 10er und die letzten Bath für Kippen zu, und renne runter zum Boot, wo die anderen nun bestimmt schon eine Stunde warten.
Die anderen, also 6 Ehepaare sind alles offensichtlich wohlsituierte, ältere Reisende aus USA, GB und Kanada. Ich entschuldige mich 1000-mal, erkläre warum ich so kaputt ausschaue. Einer ist Arzt und schaut sich sofort mein Bein an. Mit Bestürzung hören sie sich meine Geschichte an. Erst jetzt realisiere ich, auf was für einem Luxus Boot ich gelandet bin. Piekfein alles. Es stehen mehrere Couchen rum! Das Gesinde reicht Häppchen. Einen eigenen Musiker haben sie auch an Board. Man spielt Kolonialzeit nach.
Der Ami Opa bestellt mir ein Bier nach dem anderen für 3 Dollar die Dose. Ob ich Geld brauche, will er wissen. Nein, danke, sage ich, müsste gerade reichen bis zur Botschaft in Vientianne. Er legt 2 50er auf den Tisch und sagt ich soll zumindest das sofort einstecken, sonst wird er böse. Ich nehme sie widerwillig und frage ihn nach seine Adresse und Bankverbindung. Er verdreht nur die Augen.
Es ist eine entspannte, unglaublich schöne Fahrt. Leider endet sie nach 7 Stunden. Wir sind in Luang Prabang angekommen. Ich gehe nicht direkt zur Polizei, sondern suche mir selbst ein Hotel bzw. Absteige. Ich frage den Lao-Hotel-Boy, was die Nacht kostet. 10 Dollar. Ich zeige ihm meinen Ich-bin-eine-arme-Sau-Schrieb. Er liest ihn durch und geht wortlos ins Hotel rein. Nach 2 Minuten ist er wieder da und reicht mir ein Flasche Wasser und ein paar Bananen. Fast steigen mir die Tränen in die Augen vor Rührung. Oder ist es die Verzweiflung? Ich will endlich wieder einen teutschen Pass! Ich will nach Hause!
Aber bis dahin ist es noch ein gutes Stück….
To be continued…