สะพานพุทธ sà¿ pa:n púd Saphan Phut "Phutthayodfa Bridge", "Buddhabrücke", "Memorialbrücke" und was dergleichen in Reiseführern noch so alles steht.
Einer, der gerade anfängt, Thai zu lernen, fragte mich, wie man eigentlich dazu käme, dem Erleuchteten ein so schnödes Gewerk wie eine simple Stahlbrücke in Bangkok zu widmen. Bei "Saphan Phut", also "Buddhabrücke", müßte sich der erleuchtete Prinz Gautama, der dem Irdischen bekanntlich wenig bis nichts abgewann, ja wohl im Grabe umdrehen, falls das im Nirvana überhaupt ginge...
Eine gute Frage. Aber die Erklärung ist ganz einfach: Mit Buddha hat die bekannte "Saphan Phut" am gleichnamigen bekannten Pier der Engelshauptstadt nämlich nur indirekt etwas zu tun.
Auf Farang-Kauderwelschisch kursiert sie vor allem unter "
Memorial Bridge", weil diese erste Bangkoker Brücke über den Chaophraya keineswegs dem Buddha, sondern dem Andenken an den ersten Chakri-Herrscher gewidmet war. Heute würde man sie analog zu allen anderen Bangkoker Brücken wohl einfach "
Rama I Brücke" nennen, denn den wirklichen Namen des Kriegherren und Usurpators, der eigentlich ganz unerleuchtet
Thong Duan hieß und an die Macht kam, weil er seinen jahrelangen Förderer
König Taksin in seinem Beisein in einen Fesselsack stecken und dann mit einem Hartholzknüppel totschlagen ließ, nimmt offiziell niemand mehr in den Mund.
Thong Duan, der Halbchinese war und ansonsten unter anderem einer alten Mon-Linie entstammte, die schon in Ayutthaya mit an den Töpfen der Macht gesessen hatte, ließ sich, mächtig geworden, erst mal den militärischen Ehrennamen "
Phraya Chakri" bzw. "
Chao Phraya Chakri" geben. Später, bei der Krönung kraft eigener Macht, nahm er kurzerhand den Namen des ersten überlieferten Herrschers des alten Ayutthaya an,
Ramathibodi. Die Macht des untergegangenen Ayutthaya wollte er nämlich in Bangkok in noch größerem Glanz wieder erstehen lassen, weswegen er 1782 der alten Handelssiedlung
Bangkok alias
Thonburi auch gleich noch den alten Zungenbrecher-Namen gab, den einst schon
Krung Kao, die "alte Hauptstadt" übergestülpt bekommen hatte. Dieser Name fing so an: "
Krung Thep Phra Maha Nakon...
Aber zurück zum Usurpator
Thong Duan: "Ramathibodi" schien den späteren hohen königlichen Geschichts-Umschreibern (die noch bis ins 20. Jahrhundert ausschließlich den beiden Herrscherfamilien
Chakri und
Bunnag selbst entstammten) immer noch nicht hoch genug, weswegen man ihn später nochmals umbenannte. Und zwar — nein, wirklich kein Witz! — nach seiner posthum errichteten Statue (!), die einen ewig langen Namen hat, der hier nichts zur Sache tut (genaueres im TIP Führer Bangkok), aber jedenfalls mit "
Phutthayodfa..." beginnt. Dadurch setzte man das Abbild des nun so benannten erleuchteten Herrn
Yodfa nicht nur
dem Abbild des Buddha gleich, sondern verwirrte in der Folge bis heute jede Menge Bangkok-Besucher, die spätestens mit beginnenden Thai-Kenntnissen fast ausnahmslos erst mal für lange Zeit glauben, die erste Brücke über den Chaophraya in Bangkok sei nach dem "Buddha" benannt...
Vielleicht war den Thais dieses Mißverständnis ja irgendwie peinlich, jedenfalls einigte man sich dann für Ausländer inoffiziell auf den für Ausländer offiziellen Namen "Memorial Bridge" (also "
Brücke des Gedenkens", nämlich an den ersten Vertreter des Chakri-Clans auf dem Thron). In der Praxis erhöhte das die Verwirrung natürlich nur noch weiter...
Nur nicht für Tipianer, die solchen Dingen immer von Anfang an gleich richtig auf den Grund gehen...

© 2009 Hans Michael Hensel und © TIP Zeitung für Thailand