Roger Federer über Ivo Karlovic und den Halbfinal gegen Tommy Haas, einen alten Bekannten.Roger Federer, ist Ivo Karlovic der langweiligste Gegner im Tennis?Nein, ich spiele gerne gegen ihn. Es ist nicht fair, ihn langweilig zu nennen. Er verfügt über einen phänomenalen Aufschlag; auch seine Volleys sind gut. Ich fand, es war ein exzellenter Match.
Weshalb kommen Sie besser mit seinem Aufschlag zurecht als andere?Immerhin musste auch ich 23 Asse hinnehmen. Aber ich bin einer, der in den wichtigsten Momenten am besten spielt. Die Gegner wissen, dass ich voll da bin, wenn ich zu Chancen komme; das erhöht den Druck.
Karlovic sagte, auf Gras seien Sie mit Abstand der Beste. Weshalb sind Sie so stark?Vielleicht, weil ich gern kurze Ballwechsel spiele. Auf Rasen werden alle meine Stärken noch stärker, bin ich noch gefährlicher. Vielleicht bewege ich mich auch besser als andere; dazu habe ich viel Erfahrung. Rasentennis kann man eben nicht richtig lernen, weil man so wenig darauf spielt.
Sind Sie überrascht, wie schon am French Open auch in Wimbledon auf Tommy Haas zu treffen?Nicht gross. Ich schätzte ihn auf Rasen und Hartplätzen schon immer stärker ein als auf Sand, und schon in Paris war er brutal stark. Er hat viel Talent, schlägt ausgezeichnet auf und kommt oft ans Netz. Er hatte mit seinen Verletzungen einige harte Jahre. Wir sind gute Freunde, trainieren oft zusammen und gehen manchmal essen. Ich wusste, es war nur eine Frage der Zeit, bis er sein Spiel wieder finden würde. Ich freue mich für ihn.
Sie stehen im 21. Grand-Slam-Halbfinal in Folge. Was bedeutet Ihnen dieser Rekord?Eine Menge. Es ist nicht einfach, auf allen Belägen über so viele Jahre konstant gut zu sein. Der Rekord wird nicht einfach zu schlagen sein. Vielleicht bin ich in Best-of-five-Partien so schwer zu schlagen, weil da alles zum Tragen kommt - die mentale, die körperliche und die taktische Stärke.
Mit Roddick, Hewitt, Ferrero und Haas erreichten mehrere Spieler aus Ihrer Generation die Viertelfinals. Freut Sie das?Darüber bin ich wirklich froh. Ich spiele deshalb auch lieber gegen Haas als gegen Djokovic. Und ich mag den Erfolg auch Ferrero gönnen, den man neben Rafa (Nadal) etwas vergessen hat. Was mir gefällt, ist eine gute Mischung - nicht nur immer ich gegen die Jungen.
Zwei Siege fehlen zum 15. Grand-Slam-Titel. Denken Sie daran?In erster Linie bin ich froh, dass ich gut spiele. Das ist das Wichtigste. Ich werde mich auf ein hartes Ende des Turniers einstellen und vorbereiten. Ich weiss, dass ich hier Geschichte schreiben kann. Aber so weit sind wir nicht. Es fehlen noch viele Aufschläge und Vorhände.
Wie erleben Sie in Wimbledon die Schwangerschaft Ihrer Frau?Mirka ist total entspannt, das hilft enorm, weil ich mich dadurch voll aufs Tennis konzentrieren kann. Ich hätte erwartet, dass sie ein wenig nervöser sein würde und sich weniger gut fühlt. Nach diesem Wochenende kann sie dann komplett entspannen. Natürlich wächst jetzt aber die Anspannung.
Was sagen Sie zum Ausscheiden Wawrinkas gegen Murray?Ich traf Stan am Dienstag und sagte ihm, dass ich stolz sei, wie er gespielt, gekämpft und sich aufgeführt habe. Das lässt für die Zukunft hoffen. Murray unter diesen Umständen so zu fordern, war fantastisch zu sehen. Ich war selber ultranervös während der Partie und hoffte, dass er endlich einen Grossen schlagen kann an einem Grand-Slam-Turnier. Er kommt immer näher. Es fehlt nur ein wenig Glück, vielleicht auch einige Anpassungen im Spiel.
Sind Sie überrascht, wie gut Murray mit dem Druck umgeht?Es ist ja nicht alles nur negativ. Der grosse Favorit zu sein, ist auch sympathisch. Dass er mit dem Rummel gut umgeht, überrascht mich nicht. Er zieht seine Sache einfach durch. Die Partie gegen Wawrinka war schon stark.
Murray hat als einziger Halbfinalist schon bei geschlossenem Dach gespielt. Könnte das ein Vorteil sein?Vielleicht ein kleiner. Aber das Wetter sieht ja nicht schlecht aus für das Wochenende.
Er sagte, der Unterschied sei ziemlich gross.Da kann ich nicht mitreden, weil ich es nicht weiss. Ich hatte das Gefühl, dass die Bedingungen ziemlich langsam wurden, was gut für Stan war. Es wird zudem kühler, statt 30 Grad sind es noch 24. Aber es bleibt immer noch Rasen.
Würden Sie gerne in der Halle spielen?Dieses Jahr nicht unbedingt. Nächstes Jahr dann.
http://www.tagesanzeiger.ch/sport/tennis/Nicht-nur-immer-ich-gegen-die-Jungen/story/24169680