ThailandTIP Forum

Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Erweiterte Suche  

Neuigkeiten:

Hier kommen sie zu den aktuellen Nachrichten auf ThailandTIP.info

Autor Thema: Ist Kambodscha eine Alternative?  (Gelesen 106483 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Samuijumbo

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 877
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #15 am: 11. August 2009, 13:17:28 »

Das besuche ich nicht. Gibt wohl angenehmeres. :'(  :'(
Gespeichert

Niedersax

  • ist voll dabei
  • ****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 156
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #16 am: 11. August 2009, 13:55:45 »

Man trifft dort Farangs,die mit ihrer Thailändischen Freundin übergesiedelt sind.

...kann man an der Grenze von Thailand zu Kambotscha irgendwo den Farang-Mantel abgeben??

MG

Auf jeden Fall! An der grenze bekommst Du dann im Austausch den Barang-Mantel angepasst.

Der Niedersax
Gespeichert

steff

  • kommt langsam in Fahrt
  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 57
  • alc 6.4 % vol
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #17 am: 11. August 2009, 15:48:55 »

Kambodscha ist auf jeden Fall eine Alternative zu Thailand.
War letztes Jahr 3 Tage in Siam Reap - absolut super !!
Und es sind nicht nur die Tempel, auch die Mennschen sind richtig freudlich und das Preisniveau ist ähnlich wie in Thailannd. Ich stelle mir Pattaya vor 30 Jahren so ähnlich vor wie Siem Reap heute - staubige Straßen und Urwaldflair.
Anbei ein Kambodscha-Blog, der sehr informativ ist.
Gruß Steff

http://www.no-have.net/
Gespeichert
It's just a game

thai.fun

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.813
  • Sag es durch die Blume, oder Face to Face.
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #18 am: 11. August 2009, 19:01:44 »

Habe gerade ein erschreckend guten Bericht im TV angeschaut:

UN-Millenniumsziele:
http://www.mittagsmagazin.zdf.de/ZDFde/inhalt/21/0,1872,7612213,00.html

Reporter sehen die Kehrseite der positiven Statistiken.
In Kambodscha haben die Reporter Carsten Behrendt und Marcus Niehaves auf ihrer "Mission 2015" zu ergründen versucht, warum das Land bei der Trinkwasserversorgung große Fortschritte gemacht hat und sind auch auf viele ungelöste Probleme gestoßen.

Kambodscha Ein Slum auf vier Etagen:

Ein Kino als Slum:
Schon auf dem Weg über die ungesicherte Steintreppe ins Innere würde jeder deutsche Bauaufseher sofort zum rot-weiß gestreiften Flatterband greifen. Im ersten Stock geht es ins schwarze Nichts. Hier war mal ein Kinosaal, vor 30 Jahren. Nur ein paar kleine Fenster in der Saaldecke lassen etwas Sonnenlicht in den riesigen Raum fallen.
Unter dem Dach zwitschern die Fledermäuse. Je mehr sich die Pupille ans Dunkel gewöhnt, desto mehr entdeckt das Auge. Draußen ist es 40 Grad heiß, hier drinnen in den dicken Kinomauern angenehm kühl. Das ist der einzige Vorteil.

Das Dorf im Dunkeln:
Es wirkt wie in einem Science Fiction Film, in dem die Menschheit vor den bösen Herrschern in den Untergrund geflüchtet ist. Ein Dorf im Dunkeln. 500 Menschen leben hier. Sie haben sich Verschläge in den Kinosaal gebaut. In jedem zwei Pritschen, groß wie ein Doppelbett. Eine Pritsche, eine Familie. Dazwischen kleine Läden. Viele arbeiten als Bettler, Motorrad-Taxifahrer oder Schuhputzer. Ein kleines Kind stapft fröhlich vorbei. Seine Schuhsohlen quietschen bei jedem Schritt wie eine Badeente.
In der Saalmitte stapeln sie ihren Müll. Über eine Außentreppe geht es hinauf ins Licht. Vier Stockwerke. Jedes voller Menschen, bis aufs Dach. Hier oben wohnt die "Rooftop Community", die Dachgemeinschaft. Eine Gemeinschaft der Verzweifelten. Es gibt eine Toilette. Eine für alle. Sauberes Wasser gibt's auch - illegal angezapft und gegen Bezahlung. Es ist teurer als das Legale vom städtischen Wasserwerk. Aber von dort gibt es keinen Anschluss für die Menschen hier.
Vertreibungspolitik als Konfliktherd
Für die Regierung sind die Kinobewohner Hausbesetzer, für viele Menschenrechtsorganisationen sind sie Landbesitzer. Es geht um ein Filetgrundstück, das sich gut an einen internationalen Investor verkaufen lässt - wahrscheinlich für einen Millionenbetrag. In der Nachbarschaft wurden bereits viele Siedlungen aufgelöst, einige mit Polizeigewalt. Die so genannten "Evictions", Vertreibungen, sind das wohl heißeste innenpolitische Thema in Kambodscha. Die offene Landfrage ist ein Überbleibsel der unrühmlichen jüngeren Geschichte des Landes.
Unter der Gewaltherrschaft der Roten Khmer wurde die Stadtbevölkerung aufs Land vertrieben und die Intelligenz des Landes grausam ermordet. Phnom Penh glich einer Geisterstadt. Nach dem Ende dieses Kapitels waren auch die Grundbücher vernichtet. Jeder siedelte sich dort an, wo er wollte. 2001 wurde ein Gesetz verabschiedet, das diese Landnahme legalisierte. Grundbucheinträge gibt es jedoch immer noch nicht, und die Ärmsten können sich nicht wehren, wenn das große Geld seinen Raum einfordert.

Umsiedlungen der Ärmsten:
Die Ärmsten werden mit kleinen Entschädigungen abgespeist, das richtige Geschäft machen die Mächtigen. Mit dem Versprechen auf ein besseres Leben werden die Stadtbewohner aufs Land verfrachtet.
Trotz aller Fortschritte, die ihr Land bei der Trinkwasserversorgung gemacht hat, erwartet sie dort das gleiche Elend: wieder kein Wasser, keine Toiletten, kein Strom. Wahrscheinlich werden auch die Bewohner des Kinoslums schon bald in so einer Siedlung leben. Fernab der Hauptstadt, in einem Meer aus Wellblechdächern.

MG
Gespeichert
Thailand für Einsteiger, hier... / Alternative fürs TIP-Forum.  {--

drwkempf

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.919
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #19 am: 12. August 2009, 00:14:47 »

Bei so viel Interesse soll’s natürlich flott weitergehen. Auf die freundlichen Anmerkungen will ich möglichst im weiteren Text reagieren. Auf spezielle Fragen zu Roundtrips (Böser Wolf) antworte ich vielleicht besser auf eine PN.

Folgen wir doch einfach einmal meiner Empfehlung und fliegen wir von Bangkok nach Phnom Penh. Der Air Asia Flug geht grausam früh in Bangkok raus, dafür sind wir aber auch schon eine Stunde später am frühen Vormittag in Phnom Penh. Die Abfertigung am Flughafen nimmt nur wenig Zeit in Anspruch, die ausgefüllten Einreisanträge werden zusammen mit den 20US-$ in Empfang genommen, der Reisepass mit Antrag und Geld passiert einen langen Schreibtisch, an dem sich ein halbes Dutzend Beamte darum kümmern, dass kein Stempel fehlt. Am Ende des Schreibtisches bekommt man den Pass zurück, man geht zum Einreisekontrollschalter, wo es auch rasch weiter geht. Inzwischen ist das Gepäck auf dem Band, das Passieren des Zolls erledigt sich sozusagen im Vorbeigehen. Alles in allem dauert die ganze Prozedur kaum 20 Minuten, wenn man es schafft, das Flugzeug schnell zu verlassen.
Nun stehen wir vor der Tür und werden vom Fahrer unseres Guesthouses oder Hotels erwartet, wenn das so ausgemacht war. Alle anderen werden von den immer zahlreich vertretenen Taxifahrern bedrängt, ihre Dienste anzunehmen. Der Standardpreis in die Stadt beträgt 7$, mehr sollte man nicht bezahlen. Wer mit kleinem Gepäck reist, kann zu Fuß das Flughafengelände verlassen und mit einem Motodop für etwa 3$ zu seinem Hotel oder Guesthouse fahren.
Auf dem Weg in die Stadt kommt man an der Universität vorbei, überall sieht man rege Bautätigkeit, auch die mindestens vierspurige Straße ist in einem guten Zustand. Nur wenige Jahre zuvor war der Weg in die Stadt ein Abenteuer gewesen, davon ist nichts übrig geblieben. Es herrscht Rechtsverkehr – in der Theorie mindestens. Jeder fährt, wie meint, dass es richtig ist, die Geschwindigkeit ist nicht sehr hoch, so dass man nur wenige Unfälle sieht.
Nach gut zwanzig Minuten kommt man normalerweise an seinem Hotel oder Guesthouse an, heute durchfährt man kaum mehr die noch vor kurzem allgegenwärtigen dirt roads (ungeteerte Nebenstraßen).
Du meine Güte, wie hat sich Phnom Penh verändert?!
Aber vielleicht muss ich doch ein wenig mehr über Phnom Penh erzählen. Phnom Penh liegt am Zusammenfluss von vier Flüssen, der Tonle Sap, über den noch zu reden sein wird, und der Bassac münden hier in den mächtigen Mekong.
Phnom Penh liegt also ähnlich wie Bangkok am Wasser.
In den frühen siebziger Jahren war Phnom Penh nach Aussage von Peter Scholl-Latour die schönste Hauptstadt Südostasiens gewesen. Sie blickte auf eine lange Geschichte zurück, auch wenn sie erst 1867 auf Druck der französischen Kolonialverwaltung Hauptstadt geworden war. Tatsächlich reicht die Geschichte Phnom Penhs bis in das Jahr 1372 zurück, als auf einem Hügel ein Tempel errichtet wurde, der vier Buddha Statuen aufnehmen sollte, die auf Treibholz den Mekong herab geschwommen kamen.
Durch die folgenden Jahrhunderte hatte sich nicht viel getan, nachdem Phnom Penh Verwaltungszentrum geworden war, kam es zu einer rapiden Entwicklung, wobei die Franzosen bei der Stadtplanung federführend waren. Die Straßen wurden im Schachbrettmuster angelegt, sodass sie der Einfachheit halber nummeriert werden konnten. Das hat sich im Stadtplan bis heute erhalten, auch wenn einige Hauptstraßen zusätzlich einen Straßennamen erhielten. Zur Trockenlegung der Sümpfe erhielt die Stadt ein Kanalsystem, das heutzutage meist zugeschüttet Platz für die großen Boulevards ließ, die heute das Stadtbild Phnom Penhs bestimmen.
War anfangs die Bevölkerungsstruktur eine etwa paritätische Mischung von Khmer, Vietnamesen und Chinesen gewesen, so machen nach der Khmer Rouge Ära heute die Khmer den größten Teil der Stadtbevölkerung aus, die wirtschaftliche Bedeutung und Macht der verbliebenen vietnamesischen und chinesischen Minderheit ist allerdings gewaltig. Das kommt uns doch auch irgendwie bekannt vor!
Bereits während des Vietnamkrieges war die Bevölkerung Phnom Penhs durch Flüchtlinge vom zerbombten Land auf etwa zwei Millionen Bürger angewachsen.
Kambodscha hatte 1953 seine Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich erreicht, französische Kultur und Lebensart bestimmten aber weiter maßgebend das politische und gesellschaftliche Leben. Wer auf sich hielt, sprach französisch, die Kinder der Oberschicht wurden zur Ausbildung auf Universitäten in Frankreich geschickt, auch kulinarisch hatte man sich mit der früheren Kolonialmacht angefreundet. Nur die arme Unterschicht aß ausschließlich „khmer“.
Auch das Stadtbild Phnom Penhs erinnerte irgendwie an eine Stadt in Frankreichs Süden. Boulevards und Straßenrestaurants sowie viel Geschäfte im franzischen Kleinstadtstil konnten einen vor allem in der Gegend um den Sisowath-Kay glauben lassen, man sei versehentlich irgendwo in Frankreich gelandet.

Am 17.April 1975 kam es dann zu einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.
Die Roten Khmer eroberten Phnom Penh.
Zunächst wurden die Khmer Rouge von der Bevölkerung überwiegend begeistert begrüßt, erhofften sich doch die einfachen Leute und große Teile der Intelligenzschicht ein Ende der bis dahin vorherrschenden Vetternwirtschaft und der damit verbundenen Korruption.
Es sollte ganz anders kommen.
Pol Pot, der „Bruder Nummer Eins“, ließ die ganze Stadt evakuieren, von zwei Millionen. Einwohnern verblieben nur wenige Tausend Khmer Rouge Truppen, die maßgeblich eine heimliche Rückwanderung der Bevölkerung verhindern sollten. Die gesamte Infrastruktur wurde von den Khmer Rouge zerstört, die Pläne der Wasserversorgung und der Abwasserkanäle fast vollständig vernichtet. Durch die systematische Ausrottung der gesamten gebildeten Mittel- und Oberschicht wurden auch die Mitarbeiter des Amtes für Stadtplanung nahezu komplett eliminiert. Als Pol Pot sein Werk beendet hatte, war Phnom Penh eine tote Stadt, dem völligen Zerfall preisgegeben. Sein Plan wäre wohl auch aufgegangen, wenn sich die Roten Khmer nicht zu Massakern unter der vietnamesischstämmigen Bevölkerung im Grenzgebiet zu Vietnam hätten hinreißen lassen. Die Geduld der vietnamesischen Führung währte nicht lange, nachdem wiederholten Mahnungen an die Khmer Rouge-Führung kein Erfolg beschieden war, beschloss die vietnamesische Regierung allen Warnungen von chinesischer Seite zum Trotz dem grausamen Treiben ein Ende zu setzen.
Ende der Regenzeit 1978 begann die Vietnamesische Armee mit der Invasion Kambodschas, der vorzüglich ausgebildeten vietnamkriegserfahrenen und ausgezeichnet bewaffneten vietnamesischen Truppe hatte Pol Pot abgerissener und halb verhungerter und nicht zuletzt miserabel ausgerüsteter Mob nichts entgegenzusetzen, im Januar 1979 rückten vietnamesische Truppen in Phnom Penh – oder was davon übrig geblieben war – ein.
Langsam kehrte die Bevölkerung in die Geisterstadt zurück. Keine Elektrizität, kein fließendes Wasser, zerstörte Abwasserkanäle und der Mangel an qualifiziertem Führungspersonal ließen eine Wiederbelebung der Stadt aussichtslos erscheinen, doch was sich in der Folge ereignete, ist das, was ich persönlich als das „Wunder von Phnom Penh“ bezeichne. Mit wenig internationaler Hilfe zogen sich die Phnom Penher an den eigenen Haaren aus dem Dreck, eine einfach unglaubliche Leistung. Ich erinnere mich noch an unbeleuchtete Straßen, nicht funktionierende Wasserleitungen und die berüchtigten Dirt Roads mitten in der Stadt, und das ist gerade nur mal ein paar Jahre her, ich kann’s immer noch kaum glauben, wenn ich heute in Phnom Penh spazieren gehe.
In der ersten Zeit nach Pol Pot ereignete sich eines der übelsten Beispiele verfehlter Hilfe durch die UNO: Die UNO schickte „Friedenstruppen“ aus aller Herren Länder nach Kambodscha, um „die Lage zu stabilisieren“. Die meisten Truppen kamen aus Entwicklungsländern Afrikas und armen Ostblockländern Europas, viele gegen ihren Willen dort hingeschickt, teilweise waren die Truppen in den Gefängnissen der Heimatländer rekrutiert worden! Sie brachten natürlich nicht die gewünschte Stabilität, wohl aber ein hohes Maß an Kriminalität und schließlich auch Infektionskrankheiten wie AIDS nach Kambodscha. Die mit unglaublichen Summen um sich werfenden Truppen und Hilfsorganisationen verdarben in Kürze alle Preise, für ein bewohnbares Haus wurden 4000$ verlangt und bezahlt. Dass auf diese Weise Kambodschaner keine Chance mehr hatten, zu vernünftigen Preisen etwa ein Haus oder eine Wohnung zu mieten, versteht sich.
Inmitten dieser unglaublichen Schweinerei zeichnete sich das als Hilfstruppe nach Kambodscha entsandte Sanitätskorps der Bundeswehr als leuchtendes Beispiel aus. Die Truppe reaktivierte ein Krankenhaus in Phnom Penh, das sie komplett mit allem Notwendigen ausstattete, das sie mit Angehörigen des Sanitätskorps betrieb und in dem sie begann, junge Kambodschanerinnen und Kambodschaner zu Krankenschwestern und Ärzten aus- und fortzubilden. Die Behandlung in diesem Krankenhaus war selbstredend für die mittellose Bevölkerung kostenlos.
Den Vogel – im positiven Sinne – schoss die Bundeswehr ab, als sie bei ihrem Abzug entgegen strengster UNO-Order „vergaß“, die ins Land gebrachte Ausrüstung mit nach Hause zu nehmen. Die Bundeswehrsoldaten fuhren buchstäblich mit dem nach Hause, was sie auf dem Leib trugen. Das Krankenhaus blieb den Kambodschanern sozusagen als Geschenk, über das man nicht einmal reden durfte.
Diese großzügige Vorgehensweise haben uns viel Kambodschaner, speziell aber viele Einwohner Phnom Penhs nicht vergessen, kein Wunder also, dass die Deutschen zu den beliebtesten Ausländern in Kambodscha zählen.
In der schwärzesten Zeit Phnom Penhs entwickelte sich im benachbarten Thailand Bangkok dank amerikanischer Milliardenhilfen zu der Glitzer- und Glamourstadt, die wir alle kennen.

Jaaaa, es geht weiter…




Gespeichert
Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

farang

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.384
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #20 am: 12. August 2009, 01:54:53 »

Herzlichen Dank drwkempf
Hast wie immer sehr guten Bericht gebracht.Ich lese solche Sachen sehr gerne trotzdem dass ich vermutlich einiges
jünger bin.Ich habe mit grossem Intresse deinen Bericht von früher und mit der Geschichte über Polpot gelesen.
War leider erst mitte 80iger jaheren in Asien unterwegs.Das von den Deutschen habe ich auch heute das erstemal gehört.
Im Normalfall sollte es eigentich bei der Uno so sein,man hilft der Bevölkerung und nicht der Regierung und Anhang.
Hast du schon mal von dem Doktor gehört.Ich verfolge seine Geschichte schon lange.(mit Bewunderung)

www.wikipedia.org/wiki/Beat_Richner
www.beat-richner.ch

Grüsse Walo
« Letzte Änderung: 12. August 2009, 02:24:03 von farang »
Gespeichert

drwkempf

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.919
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #21 am: 12. August 2009, 02:59:37 »

Lieber Walo,
auf Dr.Beat Richner (Beatochello) werde ich noch zu sprechen kommen. Er wäre mein Kandidat Nummer 1 für den Friedensnobelpreis!
Warte einfach auf meine Notitzen zu Siem Reap/ Angkor.

Schöne Grüße
Wolfram
Gespeichert
Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

astronaut007

  • gehört zum Inventar
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.198
  • es blüht, es glüht, ich und das Gestüt!
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #22 am: 12. August 2009, 08:56:35 »

Lieber drwkempf, wunderbar geschrieben, ich saugs förmlich auf, hochinteressant, bitte weiter.
Herzlichsten Dank meinerseits und Gruss in den "wilden" Norden.
astronaut007
Gespeichert

drwkempf

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.919
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #23 am: 12. August 2009, 20:49:38 »

Heute ist Phnom Penh eine typisch asiatische Großstadt. Überall wird gebaut, erfreulicherweise gibt sich die Stadtverwaltung aber große Mühe, auch die alte Bausubstanz zu erhalten. Touristen sehen das am besten im Stadtzentrum und in den Straßen in der Nähe des Sisowath-Kays, der sich am Tonle Sap entlang zieht. Die Uferpromenade ist so gut wie fertig, besonders am Wochenende flanieren hier Touristen und Kambodschaner, sehen und gesehen werden, ganz wie in alten Zeiten. Die Hotels und Restaurants sind zum allergrößten Teil schön hergerichtet, ab der Happy Hour wird es regelrecht voll in den Straßenrestaurants.
Es gehört zum absoluten Pflichtprogramm, sich hier ab vier Uhr nachmittags in eines dieser Restaurants im Freien  zu setzen, und bei ein paar Bier oder auch einem Glas Wein dem bunten Treiben zuzuschauen.
Selbst hier, in der wohl teuersten Region der Stadt kostet ein Bier vom Fass höchstens einen Dollar während der Happy Hour, das sind mal gerade 33 Baht!
Wer hier zum Essen bleiben will, findet auf der Speisekarte eine Mischung aus internationalen und einheimischen Gerichten. Besonders der Einfluss der französischen Küche ist unübersehbar, aber auch Thailand, Italien und Deutschland lassen kulinarisch grüßen. Schweinshaxe mit Sauerkraut – kein Problem! Aber das gibt’s ja auch zuhause.
Lecker sind die Fische aus dem vor der Haustür vorbeifließenden Tonle Sap, dem fischreichsten Gewässer der Welt und dem einzigen Fluss, der einige Monate im Jahr, nämlich während der Regenzeit, wenn der Mekong Hochwasser hat, seine Strömung umkehrt, sodass das Wasser sozusagen stromaufwärts fließt.
Aber auch die Fleischgerichte sind lecker, hier gibt es schon einmal ein Fillet vom Rind, das diesen Namen auch verdient. Auch Kartoffelliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Wem der Sinn mehr nach asiatischen Köstlichkeiten steht, kann sowohl vietnamesische, als auch Thai- und Khmergerichte finden. Grundsätzlich wird das Essen in Kambodscha nicht so scharf gewürzt wie in Thailand, ganz scharfe Gerichte habe ich ganz selten gefunden.
Als ehemaliges französisches Kolonialland ist es alles andere als außergewöhnlich, Wein zum Essen zu bestellen. Auch der Wein ist preiswert wie alle alkoholischen Getränke, für Alkoholiker ist Kambodscha  El Dorado und Verdammnis zugleich. Es gibt aber natürlich auch alle erdenklichen nicht alkoholischen Getränke, jeder findet leicht das, wonach ihm gerade ist.
In den Khmer-Restaurants wird man feststellen, dass die Khmerküche der thailändischen Küche nicht das Wasser reichen kann. Alles schmeckt irgendwie weniger raffiniert, hat weniger Pepp. Vielleicht ist mir aber auch das Essen einfach nicht scharf genug.
Seit einigen Jahren gibt es auch in Phnom Penh die ersten Gourmet-Restaurants, die aber stark Haute Cuisine-lastig sind, für meinen Geschmack sind die Teller mit dem Essen einfach zu übersichtlich! Aber wem danach ist, viel Geld für wenig Essen zu berappen, bekommt auch diesen Wunsch erfüllt.
Als Snack zwischendurch kann man sich überall ein belegtes Baguette kaufen. Sie erreichen meines Erachtens nicht ganz das ausgezeichnete Niveau der Baguettes in Vientiane, aber lecker sind sie doch.

Nun muss man natürlich auch noch irgendwo wohnen.
Die Auswahl an Guesthouses und Hotels ist riesig, das Preisniveau sehr erfreulich. Üblicherweise werden die Preise in US-$ aufgerufen.
Hier ist vielleicht eine kleine Zwischenbemerkung angebracht. Viele Reisende haben berichtet, sie hätten Kambodscha als teuer empfunden, einer genaueren Nachfrage hielten diese Empfindungen nie stand. Vielleicht rührt der Irrtum davon her, dass in unserem Bewusstsein der US-Dollar immer noch mit einem hohen Wert verknüpft wird. Ich habe mir daher seit Jahren zur Gewohnheit gemacht, alle Dollarpreise in Thai-Baht umzurechnen, was in der Regel vieles schlagartig zurechtrückt.
Für ein gutes Guesthouse bezahlt man in Phnom Penh zum Beispiel kaum mehr als 20$, also etwa 630Baht. Für 40$ kann man schon in ganz respektablen Hotels wohnen, also für weniger als 1300Baht. Da ist dann das Frühstück schon im Preis enthalten. Wir befinden uns – wohlgemerkt – in der Hauptstadt eines Landes, die oben angesprochenen Hotels liegen keineswegs irgendwo in der Peripherie, sonder schön zentral. Selbst Phnom Penhs Spitzenhotels sind im Vergleich zu den Bangkoker Hotels sehr preiswert. Das Raffles Le Royal zum Beispiel, das in etwa dem Oriental Hotel in Bangkok vergleichbar ist, kostet nicht einmal die Hälfte von dem, was man im Oriental im allergünstigsten Fall abdrücken müsste. Im Internet findet man leicht eine große Auswahl an Hotels und Guesthouses, meine Lieblingswebsite zur Unterkunftssuche ist
www.canbypublications.com.
Die Unterkunftsfrage ist damit auch geklärt, eine Joinerfee gibt es übrigens nirgends.

Wie bewegt man sich in Phnom Penh?
Man geht entweder zu Fuß, was man aber wegen der tropischen Temperaturen nur für kurze Strecken machen sollte. Das Bewegungsmittel der Wahl ist das Mopedtaxi, das für kürzere strecken 2000 Riel, also etwa einen halben Dollar oder 17 Baht kostet. Die Mopedrikscha ist schon etwas teurer, dafür für zwei Personen recht bequem. Hier bezahlt man einen Dollar, eventuell auch einmal eineinhalb Dollar, besonders abends. Dass zunächst mehr verlangt wird, sollte man mit einem freundlichen Lächeln ignorieren. Sobald die Fahrer merken, dass man die Preise kennt, lenken sie üblicherweise ein.
Es besteht auch die Möglichkeit, sich ein Mopedtaxi oder eine Mopedrikscha zu Sightseeingzwecken für einen halben Tag oder auch für einen Ganzen Tag zu mieten. Man bezahlt dafür 5$ bzw. 8$. Es gibt auch vereinzelt Taxis, meist ältere Toyota Limousinen, die man ab etwa 20$ pro Tag mieten kann.
Auch wer das Nachtleben erkunden will, ist nicht schlecht beraten, wenn wer sich ein Motodop mietet. Die Fahrer wissen immer, wo was los ist, und zum „Martiniclub“ etwa laufen nur ganz überzeugte Fußgänger. Nicht vergessen, Phnom Penh ist eine Großstadt.
Wer in der Stadt unterwegs ist, sollte sich nicht gerade mit Goldketten behängen, auf seine Photoausrüstung muss man nicht mehr oder weniger aufpassen als anderswo. Angeblich ist es nachts gefährlich, zu Fuß unterwegs zu sein. Ich kann das nicht bestätigen, in vielen Jahren ist mir nie etwas passiert – aber mit dem Mopedtaxi ist es eh’ bequemer, und die Jungs müssen ja auch leben!
Eine Spezialität soll hier nicht unerwähnt bleiben. Einige der älteren Motodop-Fahrer waren in ihrer Jugend für einige Zeit in der DDR gewesen und sprechen sehr gut deutsch. Mein Freund Sarin gehört zu dieser Gruppe und freut sich über jeden Fahrgast, seine Handynummer verrate ich bei Interesse gern.
Ach ja, die Handys. Man kann inzwischen Sim-Karten kaufen, die im Kaufpreis bereits ein Guthaben beinhalten. Sie sind zwei oder vier Wochen gültig, beinhalten ein Guthaben und sind speziell für Touristen gedacht.
Natürlich soll auch das Nachtleben Phnom Penhs Erwähnung finden.
Das Nachtleben ist nicht ganz so öffentlich wie in Bangkok oder gar Pattaya, aber es findet statt, das walte Hugo!
In zahlreichen Bars und Clubs warten freundliche junge Damen auf Interessenten, die Preise für einen Nacht liegen je nach Schönheit der Unterhalterinnen und je nach Englischkenntnissen zwischen 10$ und zwanzig $ LT. ST ist in Phnom Penh meist nur in so genannten Clubs im Angebot, hier werden meist 10$ bis 15$ aufgerufen. Extra-Tips sind nicht üblich, werden jedoch auch nicht frenetisch abgelehnt.
Wer sich über die gängigen Bars und Clubs informieren will, findet eine handliche Aufstellung in kleinen überall aufliegenden kostenlosen Broschüren.
Wer nachts in Phnom Penh allein bleibt, der hat das so gewollt! Verboten ist das aber auch nicht gerade.
Zocker finden reichlich Gelegenheit zum Glücksspiel, das ja bekanntlich in Kambodscha nicht verboten ist. Da ich dazu überhaupt keinen Draht habe, kann ich euch keine Details liefern.
Verbreitet sind auch Massageinstitute aller Arten. Etliche Massageinstitute machen ehrliche Khmer-Massagen, die den klassischen Thai-Massagen ähneln. Für eine der ausgezeichneten Massagen bezahlt man höchstens 10$, also etwa 330Baht. Steht statt Massage nur „Massa“ an der Haustür, dann ist die Massage mehr auf Sanuk als auf Gesundheit ausgerichtet. Die Preise beginne hier bereits bei 5000Riel, also bei weniger als einem Euro. Ich habe selbst Männer aus solchen „Massageinstituten“ kommen sehen, die gar nicht unzufrieden dreinschauten.
Wer über Kambodscha und sein Nachtleben spricht, muss natürlich auch zum Thema Kinderprostitution Stellung beziehen. Also: Es gibt Kinderprostitution, wie wahrscheinlich überall auf der Welt. Aber im Gegensatz zu früheren Jahren, als einem allein durch die Straßen wandernden Mann immer mal wieder von Motodop-Fahrern entsprechende Angebote gemacht wurden, habe ich in den vergangenen Jahren keine derartigen Angebote mehr bekommen. Der Staat greift inzwischen recht energisch durch, auch das Personal von Hotels und Guesthouses drückt inzwischen kein Auge mehr zu. Wer mit einheimischen Kindern unterwegs ist, wird oft schon nach kurzer Zeit von „Volonteers“ (meist Frauen aber auch Männern aus Australien oder sonst woher) verfolgt, die eifrig Photos machen und für jede Menge Ärger gut sind. Einige dieser Zeitgenossen sind besonders fies: Sie treten sozusagen als Zuhälter auf, die interessierte andere Ausländer in ein Falle locken wollen. Haben sie Erfolg, wird unverzüglich die Polizei herbeigerufen, am nächsten Tag kann man dann wieder einen saftigen Artikel über auf frischer Tat ertappte Kinderschänder lesen.
Einheimische Männer ertappen sie nie! Das liegt aber nicht etwa daran, dass es keine einheimischen Kinderschänder gibt, sondern daran, dass die Volonteers genau wissen, dass ihr Leben keinen Pfifferling mehr wert ist, wenn sie sich mit einheimischen Kunden anlegen. Insgesamt bleibt das erfreuliche Fazit, dass zumindest im Zusammenhang mit Ausländern Kinderprostitution kaum noch eine Rolle spielt.
Gespeichert
Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

thaiman †

  • Thailand Guru
  • *******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 4.643
  • 1
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #24 am: 13. August 2009, 13:09:25 »


Da ich selbst zu faul bin und wo
ich sitze, da sitze ich,
habe aber von Verschiedenen
gehoert, wenn man einen Visa-Trip
macht, sollte man sich die Kueste
ansehen, klares Wasser, fischen
auch baden und Bootstouren machen

und preiswert
Gespeichert
Man wird nicht reich von dem was man verdient, sondern von dem was man nicht ausgibt

drwkempf

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.919
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #25 am: 13. August 2009, 13:42:37 »

"Da ich selbst zu faul bin und wo
ich sitze, da sitze ich,
habe aber von Verschiedenen
gehoert, wenn man einen Visa-Trip
macht, sollte man sich die Kueste
ansehen, klares Wasser, fischen
auch baden und Bootstouren machen"

Ja doch, nach Sihanoukville kommen wir auch noch. Aber vorher geht's nach dem Norden des Landes.
Wolfram
Gespeichert
Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

drwkempf

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.919
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #26 am: 13. August 2009, 21:21:04 »

Wer Phnom Penh besucht, sollte sich wenigstens einige der Hauptsehenswürdigkeiten abschauen. Phnom Penhs Monumente können nicht mit der Pracht eines Wat Pra Keo mithalten, auch wenn der Königspalast in Phnom Penh dieses monumentale Bauwerk zum Vorbild hatte. Einen Besuch ist der Königspalast aber allemal wert, in der Silberpagode, die ihren Namen von dem mit Silberplatten ausgelegten Fußboden hat, gibt es einige wunderschöne Buddhastatuen zu sehen. Man muss morgens früh kommen, da der Palast bereits um 11.00Uhr seine Tore wieder schließt. Auf diese Weise entgeht man aber auch der Tageshitze.

 Ein weiterer point of interest ist der Wat Phnom, von dem sich der Stadtname ableitet. Wer sich eingehender für die Bildhauerkunst Kambodschas interessiert, sollte auch den Besuch des Nationalmuseums einplanen.

Ob man das Genozid-Museum Toul Sleng gesehen haben muss, soll jedem Besucher selbst überlassen bleiben. Erlebt man die Kambodschaner heute, so erscheinen die dort gezeigten Grausamkeiten noch unwirklicher, als sie ohnehin schon sind. Wie in den Konzentrationslagern und Vernichtungslagern in Deutschland und Polen wird einem unverhüllt vor Augen gehalten, wozu Menschen fähig sind.
Man muss sich klarmachen, dass immerhin die Hälfte der überlebenden Bevölkerung der Khmer Rouge Bewegung angehört hatte und so mehr oder weniger an den Gräueltaten aktiv Anteil hatte. Heute müssen Täter und Opfer miteinander weiterleben, einen anderen Weg gab es nicht. Selbst die Verfolgung der Spitzenfunktionäre der Roten Khmer Bewegung verläuft schleppend.

Ich persönlich kann mir nur schwer vorstellen, Tür an Tür mit meinem Nachbarn zu leben, der meine Eltern mit einem Hammer totgeschlagen hat, um kostbare Munition einzusparen. Selbst kleine Kinder wurden auf bestialische Weise massakriert, um sich so ungeliebter Esser zu entledigen.
Was ich für das Toul Sleng Gefängnis gesagt habe, gilt einmal mehr für die Killing Fields von Choeung Ek, auch ihr Besuch ist nicht jedermanns Sache.

Lohnend ist aber ein Besuch der alten Königsstadt Oudong. Hierzu verlässt man die Stadt, fährt ein kurzes Stück über Land und taucht erstmals in das kambodschanische Landleben ein.

Kann man die auserkorenen Besichtigungstouren allein in Angriff nehmen? Ja, man kann! Es ist allerdings eine gute Idee, sich die Stadt und das Umland von einem der vielen gut englisch sprechenden Studenten männlichen oder weiblichen Geschlechts zeigen zu lassen, die glücklich sind, wenn sie ihren Lebensunterhalt mit einem solchen Job aufbessern können.An dieser Stelle bietet es sich an, einen Blick auf das kambodschanische Erziehungssystem zu werfen. Hier finden sich nämlich erhebliche Unterschiede zum Nachbarland Thailand.

Einer guten Schulbildung wird in Kambodscha ein überragender Wert beigemessen, vor allem guten Fremdsprachenkenntnissen misst man einen hohen Wert bei. Anders als in Thailand ist es durchaus üblich, große Mengen eigenen Geldes für Fortbildungskurse aller Art aufzuwenden, an Schul- und Ausbildungskosten wird erst an der Grenze zum schieren Hunger gespart. Kein Wunder also, dass man besonders in den kommerziellen und touristischen Zentren des Landes auf viele Menschen trifft, die erstaunlich gute Englischkenntnisse vorweisen können. Das beginnt schon bei den Motodop-Fahrern und bei den Bedienungen in den Restaurants und Bars. Auch die Mädels in den Bars eignen sich in kurzer Zeit Englischkenntnisse an, die die Englischkenntnisse auch langjähriger Thaibarflies mühelos in den Schatten stellen. Kambodscha ist nicht sanukorientiert, hier hat Leistungsbereitschaft einen weit höheren Stellenwert.

Auch das Interesse an allem, was im Ausland vor sich geht, ist wesentlich ausgeprägter als in LOS. Wer einen Tag an der Universität von Phnom Penh verbringt, wird über den hohen Stand der Allgemeinbildung und über das große Interesse an nahezu allem überrascht sein. Mit Kambodschanern zu plaudern macht Spaß, kann ich nur empfehlen.
Hier auch ein paar Worte zum politischen System des Landes: Kambodscha ist ein Königreich, der König hat allerdings nur repräsentative Befugnisse, die Rolle des Königshauses ist nicht mit der des thailändischen Königshauses zu vergleichen.

Ansonsten ist Kambodscha ein „Demokratie“, allerdings keine Demokratie mitteleuropäischer Prägung. Wir sind in Asien, die grundsätzliche asiatische Lebensart schlägt auch hier voll durch. Größtes Problem des Landes ist die Korruption, die die Entwicklung des Landes entscheidend hemmt. Der Korruption völlig aus dem Weg zu gehen ist unmöglich, wenn man längere Zeit in Kambodscha leben will. Wer gewohnt ist, mit diesem Instrument umzugehen, tut sich allerdings nicht schwer, im Strom mitzuschwimmen.

Eine interessante Persönlichkeit ist der kambodschanische Ministerpräsident Hun Sen. Seinen bei der letzten Wahl mitgewählten Kopräsidenten hat er der Einfachheit halber kurzerhand entmachtet, allein regiert sich’s einfach leichter! Hun Sen war selbst einer der führenden Funktionäre der Roten Khmer gewesen, musste allerdings, als auch sein Leben in Gefahr geriet, nach Vietnam fliehen, von wo aus er mit den vietnamesischen Befreiungstruppen nach Kambodscha zurückkehrte und eine neue politische Karriere begann. Trotz dieser außergewöhnlichen „politischen Flexibilität“ bringt er sein Land langsam aber stetig vorwärts, obwohl es auch ihm nicht gelungen ist, die wuchernde Korruption einzudämmen.

In der Peripherie sind die Provinzgouverneure mächtige Instanzen, viele von ihnen sind in einigen wenigen Jahren aus völliger Mittellosigkeit heraus zu unglaublichem Reichtümern gekommen, für viele hochrangige Militärs gilt sinngemäß dasselbe.
Ausländern gegenüber tun sich die Kambodschaner leichter als die Thais. Aus Kolonialzeiten ist man den Umgang mit Ausländern gewöhnt, und Ausländer bringen viel positive Entwicklung ins Land. Als Beispiel will ich hier den Straßenbau erwähnen, der immer dann dauerhafte Fortschritte macht, wenn er von Ausländern geplant und durchgeführt und nicht nur bezahlt wird.

Eines der prägnantesten Beispiele ist die Straße zwischen Poipet und Siem Reap, die als Hauptstrecke auf dem Landweg Thailand mit Siem Reap, also mit Angkor verbindet. Ihr schlechter Zustand ist legendär! Für die mal eben 180 Kilometer zwischen Poipet und Siem Reap konnte man mit dem Bus in der Trockenzeit leicht acht Stunden brauchen, in der Regenzeit auch schon einmal zwei Tage. Es musste als eine bessere Straße her. Die Weltbank gab mehrere Jahre hindurch große Summen an kambodschanische Straßenbauunternehmen, am Ende der Trockenzeit gab es denn tatsächlich auch eine schöne Straße, die sich allerdings regelmäßig während der Monsunzeit in nichts auflöste. Den vielen Straßenbrücken war kein anderes Schicksal beschieden. Viele einfache Kambodschaner lebten in dem Glauben, dass dies ein unvermeidliches Schicksal sei mit dem man wohl leben müsse, bis japanische Straßenbaufirmen die Durchgangsstraße durch Siem Reap bauten, die merkwürdigerweise jedem Monsunregen trotzig standhielt.
Inzwischen gibt die Weltbank das Geld für den Ausbau der Strecke Poipet - Siem Reap an thailändisches Straßenbaukonsortium, was einen gewaltigen Qualitätsschub mit sich brachte und die Fahrtzeit drastisch verkürzte.

Man geht davon aus, dass bei den Thaifirmen nur 10% des Geldes versackt, während bei den kambodschanischen Firmen allenfalls 10% der Gelder tatsächlich verbaut worden waren.Ganz allmählich verbessert sich die Infrastruktur und damit wirtschaftliche Potenz des Landes.
Bis es in Kambodscha ein modernes Straßenwesen wie in Thailand geben wird, wird allerdings noch seine Zeit brauchen.

Können sich Ausländer in Kambodscha niederlassen und ein Geschäft, ein Restaurant oder eine Firma eröffnen? Aber ja!
Wer Know How und finanzielle Mittel mitbringt und wer dringend benötigte Arbeitsplätze schafft, ist hochwillkommen. Hier sind die Unterschiede zu Thailand eklatant. Zahlreiche Gesetze verhindern zwar, dass Kambodscha sozusagen vom Ausland übernommen werden kann, aber es ist vieles möglich, was in Thailand nur schwer oder gar nicht zu erreichen ist.

Kann man in Kambodscha seinen Lebensabend verbringen? Man kann!
Schließlich bringen auch Rentner Geld ins Land, warum also ihnen das Leben durch hinderliche Visabestimmungen vergällen?!
In etlichen Kambodscha-Foren wurde immer wieder die Frage diskutiert, wie viel Geld denn pro Monat nötig sei, um in Kambodscha als Ausländer leben zu können.
Der Konsens lautete, dass es unterhalb von 500$  (= ca. 16500Baht) wohl nur schwer möglich sei, dass man aber mit 1000$ (= ca. 33000Bath) schon ganz auskömmlich leben könnte, mit dieser Summe sei selbst ein moralisch bedenklicher Lebenswandel gut finanzierbar!

Für eine Wohnung außerhalb des Stadtzentrums sollte man bei guter Ausstattung etwa 200$ rechnen(Phnom Penh), für sonstige Nebenkosten und Lebensmittel weitere 300$. Bleiben also ausgehend von 1000$ Gesamtbudget 500$ „Taschengeld“ übrig. Selbstredend sind auf dem Land die Kosten niedriger.
Kambodschaner müssen mit wesentlich niedrigeren Mitteln auskommen. Ein Polizist verdient im Monat etwa 15 bis 30$, ein Lehrer auch nicht mehr, Fabrikarbeiter und  -arbeiterinnen  aber weit weniger! In der Stadt muss ein Familienvater mindestens zwei Jobs haben, um seine Familie durchzubringen.
Mit diesem Hintergrundwissen versteht man auch, dass bei den Barmädels 15$ (500Baht)  für LT eine gute Bezahlung sind.

Natürlich gibt es auch reiche Leute, und nicht einmal wenige. Es gibt auch in Phnom Penh Wohnviertel, an denen auch ein verwöhnter Falang nichts auszusetzen hätte. Das Gefälle zwischen arm und reich entspricht in etwa dem Thailands. Ausländer aus DACH haben aber vergleichsweise einen höheren Gegenwert für ihr Geld. 1000Euro Rente oder sonstiges Einkommen reichen in Thailand aus, in Kambodscha sind das 1400$, eine Menge Geld, mit der man weit mehr als nur auskommen kann.

Morgen fahren wir nach Siem Reap...






EDIT: Absätze gesetzt (zur Entspannung der Augen  ;))






« Letzte Änderung: 14. August 2009, 04:35:59 von Ozone »
Gespeichert
Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint

changbier

  • a bisserl wos geht ohlaweil
  • ist voll dabei
  • ****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 154
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #27 am: 14. August 2009, 06:55:22 »

Jo......
also ich verbringe im Jahr mindestend 3 Monate in Kambodscha, bin da gut 6 bis 8x im Jahr. Und bin da nur nicht permanent, weil meine Angebetete eben nen Job in Thailand hat und den auch beibehalten will.

Ansonsten jann ich es auf folgenden Nenner bringen: Kamb ist  für mich wie Thailand vor 30 Jahren...
PPhen ist meine Lieblingshauptstadt, Kambos sind generell softer als Thais, zwar sehr stolz auf Angkor und ihr Land, aber sehr friedliche Menschen. Die Thaiarroganz und der m.E. abnormale Thai Nationalismus(im negativen Sinne) fehlen.
Man spürt die Mischung aus tief verwurzeltem Buddhismus und jahrzehntelangem französischen Einfluss.
Das Leben ist speziell in der Hauptstdt sehr angenehm und wenn man will auch sehr sehr intellektuell, interessant, aber auch etwas einfacher wenn man "Rund Um Vesorgung" haben möchte.
Das Land ist überschaubar und du kannst mit dem Moped auch überall rumfahren (eben vorsichtig wegenn der Straßen, der fast nicht vorhandenen medizinischen Versorgung und und und..ich sag nur "cos in the street")
Die ganzen Farangbekloppten, die protzen, dicke Autos fahren, Mund groß aufreissen, die eigenen Landsleute die weniger Geld haben auslachen etc..die gibt es hier fast nicht. EIn Protzer und Depp wird hier dann auch eher schneller abgestochen oder hat ein Loch im Kopf...sehr angenehm alles alles in Allem....

Obwohl das Nachtleben eher intellektueller ist und das Thai bum bum bum da da da ..I want you in my room...Sanuk Sabai etc glücklicherweise völlig fehlt, ist für den Expat in sexuellen Notstand bestens gesorgt...ja ,,denke auch 15$/500BTH die Nacht ist die Rate für Kenner...leider sollen auch, nennen wir sie mal "Pattaya deppen" schnell mal 25 oder sogar 50$ zahlen....die Dummprotzer eben..

soviel ich weiss (und ich hab da auch nicht nur privat zu tun) sind die Vedienste ca so: Polizist: mittlerweile 55$/ Monat Lehrer 30 bis 50$ Farang ENglish Techer 1200$/Monat bei 4 bis 6h am Tag...Arbeiterin in Kleiderindustrie 75$/Mon ( =festgeschriebener Mindestlohn für die..war Bedingung damals um den Sektor international zu fördern)...Khmer Tipsen oder Khmer Staff bei NGO`s etc 500$  Mittleres Management ( Bankangestllter Filialleiter etc) 1000$, Netzwerk administrator in größerer Khmer Firma 1000 bus 1400$ etc...NGO`(Europäisch) ca 12000$ plus 3000$ für "Verpflegung"

Aufgrund der "bad history" ist seit 1992 der ganze NGO Kram quasi explodiert...es gibt z.Zt so um die 8000NGOs in Kambodscha die die verschiedenen Fundingtöpfe  von UN, ADB und Worldbank regelmäßig leersaugen und funding bekommen für alles mögliche wie Bauern zu zeigen wie man reis anbaut, Nutten zu zeigen wie man Pariser anzieht...aus Kuhscheisse Strom zu machen und leider aber auch  HIV infizierten Girlies die notwendigen mittlerweile sehr guten Meikamente kostenlos zu verabreichen. Vom extremen Aufbauschen irgendwelcher Pädophilenstories abgesehn. Dei Pädp Sache ist eine der ganz großen Devisenbringer....ich würde behaupten dass es inmeiner deutschen Heimatstadt mehr Skandale diesbezüglich gibt als in ganz Kambodscha.
Um diese NGOshat sich natürlich ein Netzwerk von so gut und gerne 20 bis 30.000Khmers geschart, die daran kräftig mitverdienen....alles in allem versickern jährlich Milliarden sinnlos im Land.. von Weissen unterstützt und gebracht und auch gern genommen und mitgewaschen.. insofern ist die Korruption auch enorm.
Un dient natürlich den Ärmmeren als Vorbild.

Die Dichte an teuren z.B. Lexus Geländewagen (gerade ist chevrolet escalante in) ist so groß wie nirgends...in D kenn ich keine Stadt mit so vielen Luxuskarossen...ich hab erst vor kurzem nen Bently  und mehrere Aston MArtin  etc gesehen. Auch Hummer H2 gibts einige, Sklasse sowieso etc
die meisten Autos werden in Kaliforniern gekaut und rübergechifft hab ich mir sagen lassen
Am Stadtrand ginbt es wieder 2-3 stöckige Reihenhäuser für 300$ im Monat; im Viertel wieder Wohnungen für 200$..der Immobilenhype mi seinen teilweise über 3000$/m²an der Riverside ist am abebben.
Die typischen Germanen, die man im für interkulturell Unterbelichtete paradiesischen Thailand zu Hauf finden kann, findet man hier eben seltener....sie kommen aber immer öfters...gehn dann aber i.d.R: schnell wieder.
Wenn du alo Thailand wie vor 30jahren suchst, auch mal nicht verzweifelst wenn ds tesco Lotus nicht da ist

Ach ja..was viele Expats (und sehr viele davon lebten vorher in Thailand) begrüßen ist
-die absolute Stressfreiheit was eine Aufenthaltsgenehmigung angeht..dauerte bei mir 5 Min im Reisebüro und 1 Min nen Tag später beim Abholen....es gibt da NUR Businessvisa...wirst aber im Reisebüro noch nicht mak gefragt was für ein Business...wird dann auch nicht nachgeforscht etc.
-die EInfachheit ne Firma zu gründen..und die auch ganz normal legal zu 100% auf dich..ohne diese kriminellen und abhängig machenden Geschichten mit Strohmännern etc in Thailand
-einfach Land auch rechtlich abgesichtert zu erwerben

und: das was man mir sagte Allerwichtigste..man ist willkommen und nicht nur wegen Kohle ( mit Spießrutenlaufen und teilweise ja menschenverachtenden und sehr rassistischen Ansichten flankiert) gedulded.

und mit ENglisch kommst prima durch..alle lernen und praktizieren das..und wenn du mal raus gehst in die provinz...Khmer ist KEINE tonals Sprache..also einfach zu erlernen.
Suseday....
Gespeichert
Gott gab dem Mann Hirn und Penis aber leider nicht genug Blut um beides gleichzeitig zu betreiben

thaiman †

  • Thailand Guru
  • *******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 4.643
  • 1
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #28 am: 14. August 2009, 08:00:16 »


War nicht mein Sinn, vorgreifen
kenne es ja nicht, weil ich hier sitze

                                    Gruss Manfred
Gespeichert
Man wird nicht reich von dem was man verdient, sondern von dem was man nicht ausgibt

drwkempf

  • ist TIP-süchtig
  • ******
  • Offline Offline
  • Beiträge: 1.919
Re: Ist Kambodscha eine Alternative?
« Antwort #29 am: 14. August 2009, 19:51:24 »

@changbier

Prima Kommentar Deinerseits, man merkt doch gleich, dass Du ganz genau weißt, wovon Du sprichst! Es wäre schön, wenn Du uns noch mehr von Deinen individuellen Erfahrungen berichten könntest. Wo wohnst Du In Kambodscha, wo mit verbringst Du Deine Zeit, welche Orte findest Du besonders reizvoll/empfehlenswert, was kostet was? Auch Deine Erfahrungen mit Restaurantpreisen, Lebensmittelpreisen, Preisen für Miete etc. würden sicher nicht nur mich interessieren.
Wolfram

PS: Zum Einkommen der Kambodschaner habe ich etwas andere Informationen, da liegst Du m.E. schon im sehr grünen Bereich. Ich kenne z.B. nur einen Polizisten, der 50$ lohn bekommt, aber etliche, die ein deutlich geringeres Einkommen haben. Diese niedrigenEinkommen fördern natürlich die Korruption maximal.
Wenn ich Stellenanzeigen in Kambodscha lese und die Gehaltserwartungen betrachte, dann scheinen sehr viele Leute für sehr viel weniger Geld arbeiten zu müssen.
Richtig sind aber sicher die z.T. unverschämten Gehälter vieler NGO-Mitarbeiter und ihre vergleichsweise häufig geringe Arbeitsqualität/-leistung, die verhindern, dass mehr Geld bei den Menschen ankommt, für die die Spenden eigentlich gedacht waren (die schlimmsten Beispiele hast Du noch gar nicht genannt!). Diese Kameraden vermitteln den Khmer natürlich erst recht den Eindruck, dass jeder saublöd ist, der sich nicht auch einen großen Schluck aus der Pulle nimmt. >:(
Gespeichert
Tu ne quaesieris scire nefas quem mihi quem tibi finem di dederint
 

Seite erstellt in 0.057 Sekunden mit 17 Abfragen.