Ab in die Pampa
Wer die inzwischen auch schon etwas ausgetretenen Touristentrampelpfade Kambodschas verlassen will und sich auch für Kambodschas Hinterland interessiert, der kann sich von Phnom Penh aus auf den Weg nach Norden Richtung laotische Grenze machen.
Man reist meist zunächst nach Kampong Cham, das heute eine ruhige Provinzstadt geworden ist. Früher war die Stadt ein bedeutender Handelsposten, die erhaltenen Kolonialbauten zeugen noch von dieser Zeit.
Seit einigen Jahren überspannt eine gewaltige Brücke den Mekong River, die die vormaligen Fährschiffer arbeitslos gemacht hat.
Beim Spaziergang durch die Stadt sieht man den riesigen Buddha vor dem Wat Pra Tohm Day Doh, schlendert über den Markt –und das war’s dann auch schon.
Wer erst später am Nachmittag in die Stadt kommt, der sollte über Nacht in einem der vielen kleinen und doch gar nicht schlechten Hotels übernachten. Auch verhungern muss man nicht, viele ordentliche Restaurants bieten auch eine kleine Auswahl an westlichen Gerichten.
Kampong Cham ist eben eine mittelgroße kambodschanische Provinzstadt, die von einer bedeutenderen Vergangenheit zu träumen scheint.
Von Kampong Cham geht es weiter nach Kratie, einer Kleinstadt, die dadurch einige Bekanntheit erlangt hat, dass man hier mit etwas Glück noch einige der wenigen überlebenden Mekong-Flussdelphine beobachten kann. Die Stadt lebt vom Leben auf dem Mekong, Kratie ist die wichtigste Zwischenstation auf dem Flussweg nach Norden, nach Stung Treng. Sonst ist hier nicht viel los, das Städtchen geht bereits recht früh am Abend schlafen.
Auch hier kann man gut übernachten.
Nochmals 140km nördlich von Kratie liegt Stung Treng, den Weg dorthin legt man am besten mit einem Flussschiff auf dem Mekong zurück. Hier ist der Weg das Ziel, Stung Treng selbst ist noch verschlafener als Kratie und Kampong Cham.
Hier trifft man nur noch Traveller, die entweder auf dem Weg nach Laos oder auf dem Weg nach Rattanakiri sind.
Die Grenze nach Laos ist von Stung Treng mal gerade knapp 60 Kilometer entfernt, aufgrund der schlechten Wegeverhältnisse benötigt man für diese Strecke aber doch eine geraume Zeit, es sei denn, man hätte sich für eines der lärmenden Speedboote entschieden.
Wer nach Laos ausreisen will, benötigt aber in jedem Fall ein Visum, das an Ort und Stelle nicht zu besorgen und daher aus Phnom Penh mitgebracht werden muss. In den letzten Jahren hat die Anzahl der Touristen, die hier auf dem Landweg von Südlaos kommen oder die nach dorthin weiterreisen, ständig zugenommen.
Rattanakiri ist endgültig das Ende der Welt. Es liegt ganz im Nordosten des Landes an der Grenze zu Vietnam, die Provinz wird überwiegend von Bergstämmen bewohnt, die nicht mehr zu den Khmervölkern gehören.
Hierhin verirrt sich niemand, wer bis hierher gekommen ist, hat das so gewollt.
Der Bergdschungel ist vielfach noch unzerstört, die Gegend um den Yeak Lom Kratersee zählt landschaftlich zu den schönsten Regionen Kambodschas.
Die Hauptstadt der Provinz Rattanakiri ist Banlung, ein kleines Städtchen an der holprigen Nationalstrasse 78.
Banlung bietet eine erstaunlich große Zahl an Unterkünften aller Komfortklassen, die etwas abgelegene (und nicht ganz billige) Terre Rouge Lodge bietet zum Beispiel nicht nur sehr viel Stil, sondern auch einigen Komfort.
Im Mountain Guesthouse in der Stadt ist der Service für die Trecking Touristen am besten. Hier kann man Mopeds und Jeeps mieten oder sich bei der Planung seiner Touren beraten lassen. Der Chef spricht sehr gut englisch und kennt die Gegend wie seine Hosentasche.
Auch die Auswahl an Restaurants überrascht die Besucher, es ist eine Kleinigkeit, hier äußerst lecker zu essen. Wer die Nase vom Reis voll hat, findet zum Beispiel im American Restaurant ein tolles Angebot an westlichen Gerichten.
Da in der Gegend Edelsteine geschürft werden, ist es nicht verwunderlich, dass diese auf dem Markt vielfach angeboten werden. Wer sich aber nicht wirklich auskennt, lässt am besten die Finger von solchen Gelegenheitskäufen, auch wenn ihre Qualität angeblich ganz in Ordnung sein soll.
Ein guter Tip sind aber sicher die Elefanten-Trekking-Touren, 10$ für einen zweistündigen Ausflug in den Dschungel sind nicht zu teuer.
Wer sich bis hierher vorgewagt hat, hat auch das ländliche und abgelegen bergige Kambodscha erlebt. Hier braucht man sich wirklich nur wenige Meter von der Strasse zu entfernen, um in vermeintlich längst vergangenen Zeiten zu landen. Aufgrund der miserablen Infrastruktur – die aber von Jahr zu Jahr spürbar besser wird – ist eine Reise in diese abgelegeneren Landesteile noch mühsam, aber was man hier sieht, ist eben auch Kambodscha.
Wer aber erst einmal dem Charme dieses Landes erlegen ist, wird auch einmal den Weg hierher finden.
Abseits der Touristenpfade ist Kambodscha noch sehr urtümlich. Das hat Vor- und Nachteile, wenn man beabsichtigt, hier zu leben.
Einerseits ist vieles noch spottbillig, was im LOS bereits eine Menge Geld kostet, andererseits kann es auf dem Land Probleme mit der Gesundheitsversorgung geben, und bei den immer noch oft schlechten Straßenverbindungen abseits der Hauptverkehrsstraßen macht ein Transport nach Siem Reap oder nach Phnom Penh oder auch Battambang keinen rechten Spass.
Die Kambodschaner sind fremden Zuwanderern gegenüber meist sehr aufgeschlossen, ihr Eifer, etwas dazuzulernen, was sie vorwärts bringen könnte, unterscheidet sie von der Mehrzahl der einfachen Thais, die vorsichtshalber zunächst einfach einmal recht haben, auch wenn ihre Lösungswege mitunter äußerst abwegig sind.
Diesen Eifer, vorwärts zu kommen, etwas erreichen zu wollen, auch wenn es mit Mühe und Kosten verbunden ist, habe ich stets bewundert.
Ich sehe für Kambodscha eine große Zukunft, allen Widrigkeiten wie der bekannten Korruption zum Trotz.
Ist Kambodscha eine Alternative zum LOS?
Vielleicht noch nicht ganz, aber von Tag zu Tag mehr.