und weiter geht's

Ein wichtiges Kapitel hätte ich doch beinahe vergessen: Phnom Penh und sein Märkte.
Nirgendwo in Kambodscha ist das Angebot so groß, nirgendwo kauft man günstiger ein. Die Märkte sind aber selbst dann ein Erlebnis, wenn man sie nur besucht, um sich an der Farbenpracht zu erfreuen, für Photoenthusiasten sind sie ein „must have seen“. Im Psar Thmei, dem „Neuen Markt“, gibt es ein großes Angebot an Schmuck und Textilien, im Psar Tom Poung, auch „Russian Market“ genannt, gibt es schlichtweg alles, von der Copy-CD bis zum gebrauchten Mopedauspuff, aber auch Textilien findet man hier wieder – und eine Menge Schneider, die nicht passende Klamotten ohne zu zögern passend machen. Dieser Markt ist mein Lieblingsmarkt, Er liegt nicht zu abgelegen, ist sehr preisgünstig und doch gerade noch übersichtlich.
Natürlich gibt es noch viel mehr Märkte in Phnom Penh, aber wer einmal zwei oder drei Märkte besucht hat, ist von dem Riesenangebot so erschlagen, dass er erst einmal eine Marktpause braucht.
Das Gegenstück zu den klassischen Märkten ist das Soriya Center mitten in der Stadt, ein modernes Kaufhaus westlichen Zuschnitts, das als eines der Highlights eine Inlineskaterbahn auf dem Dach hat. Und noch etwas hat dieses Kaufhaus: Rolltreppen! Besonders am Wochenende sieht man immer noch Gruppen von „Landeiern“, die staunend und ängstlich vor diesem Wunderwerk der Technik zögern, bis sich einer aus der Gruppe ein Herz fasst, und mutig auf dieses Teufelsding aufspringt. Die Bewunderung der mitgereisten Dorfbevölkerung ist ihm gewiss!
Natürlich gibt es aber noch jede Menge kleinerer und größerer Supermärkte, auch verwöhnte Ausländer müssen auf nichts verzichten, Weinliebhaber kommen in Phnom Penh preiswert auf ihre Kosten.
Die Ladies werden die Boutiquen lieben, die überall aus dem Boden schießen. Einige der kambodschanischen Designermodelle fand ich ausgesprochen gelungen.
Wir verlassen heute Phnom Penh, obwohl es natürlich noch viel mehr über diese wieder aufblühende Stadt zu erzählen gäbe, aber vielleicht findet sich im Forum ja noch der eine oder andere, der die von mir gelassenen Lücken auffüllt. Auf spezifische Fragen kann ich aber jederzeit gern eingehen.
Wir machen uns auf den Weg nach
Siem Reap, der Stadt neben den Tempeln Angkors, die zum Pflichtprogramm eines jeden Asienreisenden gehört.
Wie kommt man von Phnom Penh nach Siem Reap?
Zum Beispiel mit dem Flugzeug – für die ganz eiligen. Die Flugzeit beträgt kaum 45 Minuten. Die Zeitersparnis muss man sich natürlich etwas kosten lassen. Zusätzlich zu den Ticketkosten fallen übrigens 6$ Flughafensteuer an.
Man kann auch mit dem Boot fahren, allerdings haben sich in den letzten Jahren die Preise fast verdoppelt, ein Ticket kostet jetzt 35 Dollar und kann meines Erachtens eigentlich nicht mehr empfohlen werden. In der Vergangenheit, als der Preis noch 20$ betrug und die Nationalstraße Nr. 6 noch nicht fertig ausgebaut war, war der Bootstrip eine Empfehlung wert. Man setzte sich am besten auf das Dach der Flussboote, weil man von dort die beste Aussicht auf den Tonle Sap und seine Umgebung hatte und weil der Fahrtwind eine angenehme Kühlung verschaffte. Das Sonnenbrandrisiko war allerdings immens! Manches „Bleichgesicht“ kam nach fünfstündiger Fahrt als „Graf Lobster“ in Siem Reap an.
Die meisten Traveller nehmen den Bus.
Das one-way-ticket kostet nur 4 bis 5 Dollar, die Fahrtzeit beträgt etwa 6Stunden. Die Qualität der Busse ist inzwischen recht gut geworden, die Seelenverkäufer früherer Zeiten gehören der Vergangenheit an. Mit Thailands Luxusbussen können sich kambodschanischen Busse allerdings noch lange nicht messen.
Man kann natürlich auch mit dem Mietwagen oder dem Taxi reisen. Lohnen tut sich das m.E. nicht, es sei denn, dass man eh’ für längere Zeit ein Auto gemietet hat oder dass man mit seinem eigenen Auto (aus Thailand) unterwegs ist.
Fazit: Am günstigsten reist man mit dem Bus!
Wer ein wenig mehr Zeit zur Verfügung hat, legt unterwegs in
Kampong Thom einen Zwischenstop ein.
Diese Stadt liegt etwa auf der Hälfte der Distanz zwischen Phnom Penh und Siem Reap. Dieses Städtchen verschafft einem einen recht guten Überblick über das Leben abseits der Haupttouristenstädte. Es besitzt aber immerhin schon so viel touristische Infrastruktur, dass man auf nichts Wesentliches verzichten muss.
Das Städtchen erstreckt sich entlang der Nationalstrasse N6, in seiner näheren Umgebung findet man einige präangkorianische Tempelanlagen, die einen Besuch lohnen. Im Gegensatz zu den Hauptsehenswürdigkeiten in Angkor Wat sind sie von den Touristenmassen noch nicht entdeckt und daher ohne den angkorüblichen Umtrieb zu besuchen. Jeder Kulturreiseführer sollte über „Sambor Prei Kuk“ Auskunft geben können, wer gut englisch spricht, dem empfehle ich, sich bei
www.tourismcambodia:com/Attractions/Kampong Thom/ zu belesen.
Wer hier vorbeischaut, wundert sich später, an welch tollen Sehenswürdigkeiten die Touristenherde mal wieder vorbeigezogen ist.

Man kann in Kampong Thom auch sehr preiswert und doch recht luxuriös wohnen und speisen, Provinzpreise eben.
Nicht nur das Arunas Hotel in der Stadtmitte, auch das Sambor Prei Kuh Hotel und das Stung Sen Royal Garden Hotel bieten viel für den geforderten Preis. Im Hotel, aber auch in der Tourist Information nahe der Bushaltestelle „werden Sie geholfen“.
Hier in der Provinz ist das Leben total entspannt, wer einmal hier gewesen ist und nicht auf großen Trubel aus ist, der fühlt sich hier wohl, das Risiko, wieder hierher zurückzukehren, wird allgemein als ziemlich hoch angesehen.
Siem Reap – Angkor WatEin Besuch der Tempel von Angkor Wat gehört mit zu den beeindruckendsten Erlebnissen einer Südostasienreise. Zusammen mit den Tempeln Bagans in Burma, dem Borobudur auf Java und den großen Monumenten Chinas und Indiens zählt er zu den Weltwundern, die man einmal in seinem Leben gesehen haben sollte, ganz bestimmt aber, wenn man seit Jahren in unmittelbarer Nähe lebt. Dabei wird von niemandem verlangt, dass er sich alle Einzelheiten bis ins Detail betrachtet und einprägt, ein Besuch Angkors soll ja Spaß machen und nicht mehr anstrengend sein als das Klettern in den Ruinen in der tropischen Hitze Kambodschas.
Dass Angkor auch Spaß machen kann, wenn man nicht überdurchschnittlich archäologisch interessiert und bewandert ist, hat ein Berliner Tourist einmal ganz treffend so formuliert:
„Wennde Angkor ma gesehen hast, kannste die Pyramiden eindosen!“
Wir fahren also mit dem Bus weiter nach Siem Reap, der inzwischen ganz schön ins Kraut geschossenen Stadt, die sich selbst als „Gateway to Angkor – Tor nach Angkor)“ versteht.
Von Kampong Thom erreicht man nach dreistündiger Fahrt (ca.180km) die Stadtgrenzen Siem Reaps. Die ganze Stadt scheint auf den ersten Blick aus unzähligen Guesthouses, Hotels und Restaurants zu bestehen, und dieser Eindruck ist gar nicht so falsch. Ohne Angkor wäre Siem Reap heute gar nicht mehr lebensfähig.
Die große Anzahl an Guesthouses und Hotels macht es leicht, eine geeignete Unterkunft für die nächsten Tage und Nächte zu finden, man braucht nämlich tatsächlich einige Tage, wenn man Angkor Wat nicht im Schweinsgalopp durchrasen will.

Der Entschluss, die von mir empfohlenen vier Nächte in Siem Reap zu bleiben, kommt einen dank der großen Konkurrenz unter den Hoteliers und Guesthouse –Besitzern nicht teuer zu stehen, außer man will das so!
Im
Phnom Bok Hotel gibt es Zimmer mit AC/Fan incl. Frühstück ab 10$, die Abholung vom Busbahnhof, Flugplatz oder Bootsanlegestelle ist im Preis inbegriffen, das Hotelchen hat einen schönen Garten mit einem Swimmingpool, ein willkommenes Extra, auf das ich noch näher eingehen werde. Um das Maß des Guten voll zu machen, spricht der Chef auch noch deutsch und hilft bei allen Problemen nach Kräften. WIFI und PCs runden das tolle Angebot ab.
Auch nicht schlecht ist das
Noria Hotel im Bungalowstil, das auch über einen schönen Garten mit Pool verfügt. Der Preis pro Bungalow liegt zwischen 15$ und 25$.
Darfs etwas luxuriöser sein?
Dann ist vielleicht das Q
ueen Villa Angkor Hotel das richtige. Hier bezahlt man pro Nacht immerhin schon bis zu 35$, auch hier gibt’s Pool und Garten.
An dieser Stelle alle empfehlenswerten Guesthouses und Hotels aufzuzählen und zu beschreiben, würde den Rahmen diese Threads entgültig sprengen.
Wen der Hafer sticht, findet auch Unterkünfte für zwei Dollar oder für über Tausend Dollar pro Nacht.
Wo die gewählte Unterkunft innerhalb Siem Reaps liegt, ist relativ nebensächlich. Wer nach Angkor will, muss sowieso fahren, sei es mit dem Motodop, der Mopedrikscha oder der gemieteten Limousine. Wichtig er ist, dass man sich in der gewählten Unterkunft wohl fühlt, dass man sich von der doch etwas anstrengenden Besichtigungstour durch Angkor immer wieder zu einer ausgedehnten Pause zurückziehen kann, daher der Garten mit Pool!
Man erwirbt am besten ein sog. Dreitagesbesichtigungsticket für 40$. Das Ticket ist sauteuer, wenn man das übliche Preisniveau in Kambodscha bedenkt, erträglich im Preis, wenn man sich vor Augen hält, was wir in DACH für einen einzigen Kino- oder Konzertbesuch bezahlen müssen.
Es gibt natürlich auch Tagestickets, aber wer sich Angkor in einem einzigen Tag reinziehen will, der hat sie nicht alle - oder er ist Koreaner oder Japaner.
Eine Angkorbesichtigung teilt man sich ein, und zwar in Vormittags- und Nachmittagstrips. Der Vormittagstrip startet in der Frühe, wen es noch kühler ist und viele Touristen noch pennen oder frühstücken und einem so aus den Beinen sind. Man fährt also etwa von 7.00Uhr bis 10.30Uhr aufs Tempelgelände, danach legt man in seinem Guesthouse/Hotel eine ausgedehnte Mittagspause bis etwa drei Uhr ein, während der man sich am Pool entspannt, etwas isst, sein Mittagsschläfchen einlegt, seine bisher geschossenen Photos durchmustert. Danach fährt man zur zweiten Session, nach Sonnenuntergang ist man in seinem Quartier zurück, um ein weiters Päuschen einzulegen, ehe man sich abends auf die Piste begibt, um Siem Reaps Restaurant- und Nachtleben zu erkunden.
Auf diese Weise kann man sich alle Herrlichkeiten Angkors genussvoll und stressfrei anschauen und man hat deutlich bessere Chancen, sich später einmal auch an Details zu erinnern und nicht alle Tempel durcheinander zuwerfen.
Es liegt mir fern, jetzt zu einer auch nur annähernd ausführlichen Schilderung der Großartigkeiten Angkors durchzustarten, gute und ausführliche Beschreibungen der Geschichte und der einzelnen Bauwerke gibt es in jeder Weltsprache. Wer sich etwas Besonderes gönnen will, der mietet sich wenigstens für einen Tag einen der deutschsprechenden Tourguides für die Hauptmonumente, ansonsten tut’s auch ein guter Reiseführer, selbst die überall ausliegenden kostenlosen Broschüren über Siem Reap und Angkor Wat sind erstaunlich detailliert und enthalten Tourenvorschläge.
Wie schaut man sich Angkor Wat an?
Über die Zeiteinteilung habe ich ja schon gesprochen, jetzt noch ein paar Worte über die Verkehrsmittel:
Das
Mopedtaxi: fährt einen dahin, wo man hin will. Der Vorteil liegt im geringen Preis für einen Tag, etwa 7$ oder 200Baht, der Nachteil ist, dass man durch den ganzen Staub und durch die Hitze muss und dass man sein Gepäck beschränken muss.
Die
Mopedrikscha: Bietet Platz für mehrere Passagiere, kostet etwa 10$ bis 15$, alles andere ist wie oben schon beschrieben.
Die
Limousine: Kostet pro Tag incl. Sprit 20$, besteht meist aus einer klimatisierten älteren Toyota Camry Limousine samt Fahrer (Englisch sprechend). In der klimatisierten Limousine kann man sich zwischen den einzelnen Besichtigungspunkten abkühlen, man kann seine mitgebrachten Getränke gekühlt halten, das obligate Handtuch zum Abtrocknen des Gesichts bleibt sauber, der Fahrer passt auf alles auf, was man nicht überall mit sich herumschleppen will. Wer nicht dramatisch sparen muss, sollte sich diese Verkehrsmittel leisten. Für längere Fahrten zu den entlegeneren Tempeln wie Banteay Srei bittet der Fahrer um ein paar Extradollars. Die sollt man ihm geben, denn Sprit gehört zu den teuren Artikeln in diesem Land.
Der Fahrer steht 24 Stunden zur Verfügung, also auch abends, um einen in ein Restaurant oder in eine der vielen Kneipen und Bars und natürlich auch wieder zurück zum Guesthouse oder Hotel zu bringen! Ob er sich über ein kleines Extratrinkgeld freut? Wahrscheinlich!
Zu den Sehenswürdigkeiten Siem Reaps gehört auch ein Ausflug auf den Tonle Sap, der sich bei Siem Reap zu einem breiten See gemausert hat, dessen gegenüberliegendes Ufer nicht mehr zu sehen ist.
Natürlich gibt es auch noch Museen und Khmerdance-Shows, über die man reden könnte, aber nach drei Tagen Tempelbesichtigung ist nicht jedem nach einem Extraschluck Kultur.
Ein paar Worte möchte ich zu einem der ganz besonderen Menschen auf unserer Erde sagen.
Der Mann heißt
Dr.Beat Richner. Der Doktor ist schweizer Staatsbürger, hat allerdings längst auch einen kambodschanischen Diplomatenpass. Beat Richner hat vor vielen Jahren das Elend der kambodschanischen Kinder erlebt und beschlossen, hier zu helfen. Das hat er in der Vergangenheit zunächst als Kinderarzt gemacht, bald aber mehr und mehr dadurch, dass er sich seine Virtuosität als Cellospieler (mit einer ausgesprochenen Vorliebe für die Werke J.S.Bachs) zunutze gemacht hat, um Geld für den Bau und die Ausrüstung von Kinderkrankenhäusern in Kambodscha zu machen. Heute lebt B.R. den Großteil des Jahres in Siem Reap, freitags und samstags kann man ihm zuhören, wenn er auf seinem Cello spielt und über sein Hilfsprogramm spricht. Spenden in jeder Höhe sind willkommen und landen schließlich auch da, wo sie hingehören, nämlich nicht in den Taschen korrupter Beamter oder raffgieriger NGO-Mitarbeiter, sondern bei den armen Menschen Kambodschas.
Aus der mittlerweile jahrzehntelangen Arbeit B.R.s sind mehrere Kinderkrankenhäuser in Siem Reap und Phnom Penh entstanden, in denen arme kleine Patienten auf hohem internationalem Niveau gratis behandelt werden, wohlhabendere Kunden müssen für die Behandlung bezahlen, wobei sich der Preis nach der wirtschaftlichen Potenz der Familie der kleinen Patienten richtet.
Ein Blick in eines der Krankenhäuser, also z.B. in das „Jayavarman VII Hospital wird interessierten Besuchern nicht verwehrt.
Ob Schweizer in Kambodscha beliebt sind? Darauf kannst Du wetten!!!