
Unsere Reisegruppe, photographiert in
Lhasa von dem deshalb leider auf diesem Bild fehlenden Wolfgang (aber wir haben ihn ja schon auf Seite 1 gemeinsam mit einem besonders hübschen tibetischen Photomodell abgelichtet...) vor dem Überschreiten des etwas kurz geratenen Roten Teppichs am Eingang zu unserem Wagon der Tibetbahn. Von Links
Moritz,
Albin,
Hans, im Hintergrund die für unsere Abteile zuständige freundliche "Aufpasserin",
Salama, Wolfgangs unvergleichliche Frau, und
Phakinee, die holde Gattin.
Albin und Moritz, die beiden Schweizer Lehrer, sind wohl das, was man guten Gewissens als "fröhliche Junggesellen" bezeichnen darf.
Albin wohnt schon ewig in Bangkok und kennt hier vieles, von dem ich keine Ahnung habe, angefangen etwa bei Golfplätzen.
Moritz, der ebenso wie Albin pensioniert ist, konnte uns auch sehr viel über Südamerika, vor allem Brasilien, erzählen, wo er teilweise lebt, was mir zum Teil geradzu den Mund wässrig machte... Überhaupt lockerte er mit seiner trockenen Art unsere Gesprächsrunden oft erst richtig auf.
Albin hatte, wie schon Wolfgang erwähnte, auf unserer Reise die Rolle des "lebenden Lexikons" übernommen. Über Nepal, Tibet und China wußte er, wie es mir jedenfalls schien, einfach alles, was interessant ist. Nach der Rückkehr besuchte ich ihn mehrmals in Bangkok plünderte vorübergehend seinen Bücherschrank aus, soweit es vor allem Tibet betraf. Bei der Lektüre seiner
Tibet-Bücher, die ich mir inzwischen zum größten Teil selbst besorgte (und noch mehr...) wurden mir einige Zusammenhänge klar, die wohl allgemein wenig bekannt sind.
So scheint zum Beispiel die Mär von den grundsätzlich
friedlichen Buddhisten wirklich nur eine naive, bei uns im Westen verbreitete Mär zu sein, vor allem von Wunschdenken geleitet.
In Tibet, aber auch in anderen Ländern, in denen
der Buddhismus den Herrschenden nützlich ist, z. B. in Bhutan, unterdrücken die Herrschenden im Namen
ihres einzig wahren Glaubens genauso brutal viele andersdenkende und "andere" Mitmenschen wie das die Wortführer des Islam oder das Christentum auch überall dort getan haben, wo sie stark waren und/oder es sind.
Das Land mit der derzeit
höchsten Pro-Kopf-Flüchtlingsrate der Welt aus ethnisch-religiösen Gründen ist zum Beispiel ein geistergläubig-buddhistisches, nämlich
Bhutan. Alle Hindus, auch wenn sie seit Generationen dort lebten, wurden dort verjagt und teilweise auch ermordet. Das ist erst ein paar Jahre her, aber man hat fast nirgends im Westen was darüber gelesen, weil das ja alles so geheimnisvoll lächelnde fromme Buddhisten sind, denen man freiwillig 200 Dollar pro Tag abdrückt, um in diese ach so friedliche Gegend überhaupt mal reinschauen zu dürfen...
Faszinierend die Geschichten, die uns Albin aus der
tibetischen Geschichte erzählte, daß die ersten Europäer, Engländer, tatsächlich erst Anfang des 20. Jahrhunderts nach Lhasa kamen, daß der erste Ausländer, der Lhasa erblickte, aber ein Japaner war und daß der Dalai Lama seine tiefgläubigen Krieger als
Kanonenfutter verheizte, indem er ihnen sagen ließ, daß ihnen die Kugeln der englischen Musketen nichts anhaben könnten, weil sie ja durch irgendeinen Zauber mit seinem persönlichen Segen doch unverwundbar seien.
Und noch eine Überraschung aus unseren Unterhaltungen und aus Albins Büchern: Einst waren die heute als so friedlich angesehenen Tibeter bei ihren Nachbarn - ganz ähnlich übrigens wie auch einmal die Thais - als brutale
Räuberhorden gefürchtet. Nicht weniges, was ich auf dieser Reise erfuhr, erinnerte mich an den treffenden Satz von Karlheinz Deschner:
"Wer Geschichte nicht als Kriminalgeschichte schreibt, ist ihr Komplize."