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Autor Thema: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok  (Gelesen 76611 mal)

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hmh.

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Tibetische Seen ohne Fischer
« Antwort #30 am: 26. August 2008, 20:49:19 »

Die tibetischen Seen sind unter anderem deshalb so einsam, weil die Tibeter keinen Fisch essen, wie man uns sagte. Viele enthalten ohnehin Salzwasser, aber auch im Süßwasser fischen die Tibeter nicht, die ursprünglich aus der Mongolei kamen und ein Steppenvolk sind.

Wie man mir weiter erklärte, bestatten oder bestatteten sie ihre Toten in den Seen; in den Fischen leben also wohl die Ahnen weiter und die werden offenbar deshalb nicht gegessen . . .

Es soll aber inzwischen auch in Tibet Seen geben, in denen die dort angesiedelten Han Chinesen mit offizieller Lizenz fischen bzw. Fischfarmen betreiben. Ich habe solche Orte aber nicht gesehen.

Hier noch ein Bild vom Namtso. Ich war dabei, als Wolfgang es photographierte, vom Busparkplatz aus.
Schon mit einem leichten Teleobjektiv läßt man in Tibet die Menschen rasch hinter sich - selbst an diesem für mich schon "überlaufenen" Ort:



Der Namtso soll der größte der tibetischen Seen sein. Es ist der höchstgelegene Salzwassersee der Welt (4718 m), so groß wie der Bodensee und mindestens so kristallklar wie der Lake Tahoe.




Im Namtso liegen fünf Inseln. Entlang des Ufers findet man viele bizarre Steine; manche erinnern an Körper, andere an Bäume. An wieder anderen Stellen findet man Höhlen und beschriftete Steine. Was die Schriften bedeuten, haben wir nicht erfahren.
« Letzte Änderung: 28. August 2008, 01:03:53 von hmh. »
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wufgaeng

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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #31 am: 27. August 2008, 00:36:13 »

auf der nachfolgenden, aus einer WEBsite kopierten, Landkarte habe ich mal die Strecke aufgeführt, die wir mit der Tibet-Bahn gefahren sind, insgesamt 1972 km, fast genau die Hälfte der Strecke Lhasa - Beijing.



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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #32 am: 27. August 2008, 04:22:22 »


Die Ortschaft Amdo auf 4700 Metern Höhe
(Amdo, so steht es auf den Landkarten, An Duo so schreiben es die Chinesen)


Wieder eine phantastische Panoramasicht auf eine Bergkette


Die Wolken wechseln alle Minuten ihre Formationen


Sonnenuntergang über Lancang, einem weiten Distrikt in Nord-Tibet


Im Lancang Distrikt


Die Bahn durchfährt ein gefährliches Erdbebengebiet entlang der Kunlun Mountains.
Erst im Jahre 2001 ereignete sich hier ein Erdbeben der Stärke 8.1


Ein angeblich wirksamer Schutz gegen Erosion bzw. gegen Wanderdünen und Schneewehen sollen diese Flächenraster sein.


Kurz vor Nemrong, einem nordtibetischen Distrikt


Ein kleiner, uns namenloser, Fluss in der Nähe von Tsonang in Nord-Tibet


Der BamTso (See) in Nord-Tibet

... und morgen geht es wieder weiter bis nach Xining und ein paar Bilder aus Xining.
Auch diese Stadt wurde von einem Erdbeben  am 23. Mai 1927 gebeutelt und erreichte einen Wert von 7,6 auf der Richter-Skala. Bei dem Beben verloren 41.000 Einwohner ihr Leben. Es gab dabei auch große Landverschiebungen.
« Letzte Änderung: 27. August 2008, 15:38:36 von hmh. »
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Surrealistische Wolkenbilder
« Antwort #33 am: 27. August 2008, 06:21:33 »

Das oben stehende Bild, vom Bamtso, an dessen einsamen Ufer die Tibetbahn schier stundenlang enlangfuhr (es kam mir jedenfalls so vor: kein Mensch, keine Behausung, noch nicht einmal eine Yakherde während der gesamten Zeit des Vorbeifahrens), zeigt auch etwas ganz ungewöhnliches in dieser Region: Regenwolken. Denn das Tibet Plateau ist neun Monate im Jahr zumindest nachts klirrend kalt. Und knochentrocken dazu.

Wir aber kamen bei anhaltendem Regenwetter nach Tibet, was ungewöhnlich ist. An jeden Tag unseres Aufenthalts mit Ausnahme des Ankunftstags gab es zumindest einen kurzen Regenguß; während unseres Ausflugs zum Namtso regnete es sogar fast die gesamte Zeit außer am Namtso selbst. Bei der Besichtigung des Potala-Palastes goß es zeitweise in Strömen.

Deshalb sind Bilder wie die hier gezeigten in Tibet wohl nicht oft zu machen. Die Wolkenformationen, die man zum Beispiel beim Blick aus der Tibetbahn sah, waren schon alleine diese Reise wert. Ein Glücksfall. Während der Bahnfahrt kam ich mir manchmal vor wie der Teilnehmer eines nicht enden wollenden surrealistischen Films. Ich konnte mich nicht sattsehen an diesen Wolkenbildern und drückte mir fast die Nase platt an der Fensterscheibe.

Bevor die Reise weitergeht, hier aber noch ein Bild, das auf seine ganz eigene Weise ebenfalls typisch für Tibet ist:



Ein Nomadenzelt, das Wolfgang auf der Rückfahrt vom Namtso aufgenommen hat; im Hintergrund die Trasse der Tibetbahn.

Tibetische Tradition neben der chinesischen Hochtechnologie.

Wird ein Nebeneinander in Tibet künftig noch möglich sein?
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #34 am: 28. August 2008, 22:09:15 »

heute setze ich unsere Reise bis Xining fort und schließe damit den zweiten Teil unserer Reiseetappe. In Xining hatten wir nur etwa 8 Stunden Zeit, uns ein bisschen die total neuaufgebaute, hochmoderne Stadt anzusehen. Es war Freitag und tausende gläubige Muslime strömten aus den Moscheen, sodass es im Stadtzentrum nur schwer vorwärts ging. Salama und ich machten eine reizende Bekanntschaft mit Diane, einer ortsansässigen jungen Chinesin, mit der ich heute noch einen warmherzigen E-mail-Kontakt halte.

Zuerst noch zwei Photos, die ich im Zug knippste, eins zeigt das Display, der in jedem Waggon in englischer und chinesischer Sprache ständig wichtige Informationen, wie auch die gerade erreichte Höhe anzeigte, das andere Bild zeigt den Speisewagen. Man bestellt die Speisen nicht nach der Karte, sondern man bestellt einen Tisch für 4 Personen für 200 Yuan = 19,90 €. Dann kommt das Essen, Platte für Platte, Teller für Teller, und man ißt, was einem schmeckt. Mir schmeckte alles hervorragend.
Übrigens wurden wir in diesem Thread gefragt, was denn die ganze Reise eigentlich gekostet hat.
Ich habe in Kathmandu zwei sehr empfehlenswerte Reise- und Treckingunternehmer, mit denen ich schon mehrmals so gut wie hundertprozentig gute Erfahrungen gemacht hatte, eine ist die Karnali Excursion Company, hier ihre WEBsite:
http://www.trekkinginnepal.com/
Nicht ganz billig, aber dafür sind diese Leute hochprofessionell und es klappt alles zu 99,9 Prozent. Nur beim chinesischen Gruppenvisa hatten wir im Land Probleme, weil wir dann in Kunming einzeln ausreisten. Die Umwandlung von einem Gruppenvisa in Einzelvisas verursachte ziemlich hohe Zusatzkosten. Im Nachhinein hat Karnali aus Kathmandu alles ersetzt - und das war nicht selbstverständlich.
(Die andere Tour-Agentur heißt Mustang Trecking- and Excursion Company. Mit ihr und dem Manager Rajendra Thakuri, einem Thakali, organisierte ich die Treckingtour mit einem schweizer Freund und Salama im Jahre 1999, siehe meine Ipernity-Seite http://www.ipernity.com/doc/wolfgang-pfriemer/album/58465).

Da jeder seine Reise individuell arrangiert, sind auch die Preise extrem unterschiedlich, am besten man frägt an. Herr Hira von der Karnali Tour antwortet umgehend. Sagt, dass ich ihn Euch empfohlen habe, dann nimmt er jedes Anliegen von Euch besonders ernst.
 

Display im Zug-Waggon


im Speisewagen


Slums vor Xining, hinter den Fasaden sieht China noch sehr entwicklungsbedürftig aus


wir erreiche Xining auf die Minute pünktlich nach 24 Stunden und 50 Minuten


Der Bahnhof von Xining


im Zentrum ein Einkaufs-Plaza in Xining


Salama und unsere neue chinisische Freundin Diane


ein anderer Blick auf das Zentrum von Xining


Kinder haben einen riesigen Spaß, in einem Airball auf einem Pfuhl zu spielen.
Der Ball wird mit Atemluft gefüllt und die Kinder können sich nach Belieben austoben.
Stoßen die Luftbälle zusammen ist nach allen Seiten alles weich.


Auch das sieht man im Stadtpark, obwohl die Hundehaltung eigentlich selten erlaubt ist.

Ich schließe jetzt die 2. Reiseetappe und beginne mit der 3. und letzten Etappe Yunnan.
« Letzte Änderung: 22. Oktober 2008, 00:41:16 von hmh. »
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Unsere Reisegruppe
« Antwort #35 am: 29. August 2008, 02:16:00 »



Unsere Reisegruppe, photographiert in Lhasa von dem deshalb leider auf diesem Bild fehlenden Wolfgang (aber wir haben ihn ja schon auf Seite 1 gemeinsam mit einem besonders hübschen tibetischen Photomodell abgelichtet...) vor dem Überschreiten des etwas kurz geratenen Roten Teppichs am Eingang zu unserem Wagon der Tibetbahn. Von Links Moritz, Albin, Hans, im Hintergrund die für unsere Abteile zuständige freundliche "Aufpasserin", Salama, Wolfgangs unvergleichliche Frau, und Phakinee, die holde Gattin.

Albin und Moritz, die beiden Schweizer Lehrer, sind wohl das, was man guten Gewissens als "fröhliche Junggesellen" bezeichnen darf. Albin wohnt schon ewig in Bangkok und kennt hier vieles, von dem ich keine Ahnung habe, angefangen etwa bei Golfplätzen. Moritz, der ebenso wie Albin pensioniert ist, konnte uns auch sehr viel über Südamerika, vor allem Brasilien, erzählen, wo er teilweise lebt, was mir zum Teil geradzu den Mund wässrig machte... Überhaupt lockerte er mit seiner trockenen Art unsere Gesprächsrunden oft erst richtig auf.

Albin hatte, wie schon Wolfgang erwähnte, auf unserer Reise die Rolle des "lebenden Lexikons" übernommen. Über Nepal, Tibet und China wußte er, wie es mir jedenfalls schien, einfach alles, was interessant ist. Nach der Rückkehr besuchte ich ihn mehrmals in Bangkok plünderte vorübergehend seinen Bücherschrank aus, soweit es vor allem Tibet betraf. Bei der Lektüre seiner Tibet-Bücher, die ich mir inzwischen zum größten Teil selbst besorgte (und noch mehr...) wurden mir einige Zusammenhänge klar, die wohl allgemein wenig bekannt sind.

So scheint zum Beispiel die Mär von den grundsätzlich friedlichen Buddhisten wirklich nur eine naive, bei uns im Westen verbreitete Mär zu sein, vor allem von Wunschdenken geleitet.

In Tibet, aber auch in anderen Ländern, in denen der Buddhismus den Herrschenden nützlich ist, z. B. in Bhutan, unterdrücken die Herrschenden im Namen ihres einzig wahren Glaubens genauso brutal viele andersdenkende und "andere" Mitmenschen wie das die Wortführer des Islam oder das Christentum auch überall dort getan haben, wo sie stark waren und/oder es sind.

Das Land mit der derzeit höchsten Pro-Kopf-Flüchtlingsrate der Welt aus ethnisch-religiösen Gründen ist zum Beispiel ein geistergläubig-buddhistisches, nämlich Bhutan. Alle Hindus, auch wenn sie seit Generationen dort lebten, wurden dort verjagt und teilweise auch ermordet. Das ist erst ein paar Jahre her, aber man hat fast nirgends im Westen was darüber gelesen, weil das ja alles so geheimnisvoll lächelnde fromme Buddhisten sind, denen man freiwillig 200 Dollar pro Tag abdrückt, um in diese ach so friedliche Gegend überhaupt mal reinschauen zu dürfen...

Faszinierend die Geschichten, die uns Albin aus der tibetischen Geschichte erzählte, daß die ersten Europäer, Engländer, tatsächlich erst Anfang des 20. Jahrhunderts nach Lhasa kamen, daß der erste Ausländer, der Lhasa erblickte, aber ein Japaner war und daß der Dalai Lama seine tiefgläubigen Krieger als Kanonenfutter verheizte, indem er ihnen sagen ließ, daß ihnen die Kugeln der englischen Musketen nichts anhaben könnten, weil sie ja durch irgendeinen Zauber mit seinem persönlichen Segen doch unverwundbar seien.

Und noch eine Überraschung aus unseren Unterhaltungen und aus Albins Büchern: Einst waren die heute als so friedlich angesehenen Tibeter bei ihren Nachbarn - ganz ähnlich übrigens wie auch einmal die Thais - als brutale Räuberhorden gefürchtet. Nicht weniges, was ich auf dieser Reise erfuhr, erinnerte mich an den treffenden Satz von Karlheinz Deschner:

"Wer Geschichte nicht als Kriminalgeschichte schreibt, ist ihr Komplize."
« Letzte Änderung: 31. August 2008, 17:37:58 von hmh. »
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thaiman †

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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #36 am: 29. August 2008, 09:06:46 »

Hallo hmh, es sind wunderbare Fotos auch die Optik ist einmalig. Ich werde dieses Land nie erleben und schaetze daher solche Beitraege von TIP-Lesern und Moderatoren.

Man muss den Bericht tatsaechlich oefter sich ansehen, die Fotos sind fantastisch. Man sitzt selbst im Zug,  oder geht mit.

Danke   thaiman

[2 Beiträge zusammengeführt, hmh.]
« Letzte Änderung: 29. August 2008, 16:57:04 von hmh. »
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Nicht genug von diesen Bildern
« Antwort #37 am: 30. August 2008, 06:41:33 »

Das Lob für die Bilder wird Wolfgang bestimmt freuen, der fast alle aufgenommen und bearbeitet hat. Am Ende der Reise waren es 2 volle CDs mit Bildern, die er uns zugesandt hat.

Mir geht es sogar als Teilnehmer der Reise genauso, ich kriege jetzt, genau ein Jahr nach dem Ende der Reise, immer noch nicht genug von den Bildern dieser gewaltigen Landschaften, in denen wir Menschen eigentlich gar nichts verloren hätten.

Man stelle sich einmal die ersten Europäer vor, die im 20. Jahrhundert nach monatelangen, entbehrungsvollen Reisen nach Lhasa kamen:

Kein Europäer hatte jemals zuvor Lhasa gesehen; der erste Ausländer überhaupt, der vor kaum 100 Jahren zuerst nach Lhasa durchdrang, war ein Japaner: seine Mönchskutte half bei der Tarnung. Und dann stand er da: dieser gigantische Potala Palast.

Umwerfend, unglaublich, atemberaubend, riesenhaft.

Aber auch Yünnan wartete noch mit Überraschungen auf uns.
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wufgaeng

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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #38 am: 30. August 2008, 18:22:05 »

Hans sei Dank und allen interessierten Foremfreunden, die diese Reise so fasziniert, dass dieser Thread bereits 1603 mal aufgerufen wurde. Heute beginne ich mit einem Bild die dritte Etappe unserer Reise: wir kommen nach Yunnan (oder Yünnan, wie man es auch richtig schreibt).

Als ich mit meiner Frau Salama vor 8 einhalb Jahren Yunnan bereiste, fuhren wir von Kunming zum "Steinwald" noch 4 1/2 Stunden, heute führt eine Autobahn uns in 1 1/2 Stunden zu diesem naturhistorischen Phänomen, einem Labyrinth aus Felsen und Steinen. Inzwischen ist dies eine der großen Touristenatraktionen, die kein Yunnan-Busucher auslassen sollte, aber auf eine Hochburg mit tausenden Besuchern gefasst sein muss.
Beginnen wir den dritten Teil mit einem Portrait eines hübschen Mädchens in der dort üblichen Sani-Tracht. Sie führt den Besucher auf Wunsch durch den steinernen Irrgarten:



... aber fassen Sie das Mädchen nicht am Hut, sonst heisst es gemäß alter Tradition nämlich: "Heiraten!"
« Letzte Änderung: 22. Oktober 2008, 00:50:40 von hmh. »
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #39 am: 30. August 2008, 21:53:12 »


Die Residenz einiger einflussreicher Regionalpolitiker und -funktionäre am See vor dem Steingarten


Ein von vielen Touristen gestürmter Pavillion auf einem Felsen, um von dort eine
wunderbare Aussicht zu genießen


irgendwann kracht auch dieser Felsen mal herunter!? ???


See inmitten der Felsformationen

Der Ort des Steingartens heisst Shilin und ist ein Kulturerbe der Cultural Organization UNESCO
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Yünnan - Wo China am schönsten ist
« Antwort #40 am: 31. August 2008, 16:42:32 »

Unsere ersten zwei Tage in China empfand ich nach der Eisenbahnfahrt durch Tibet zunächst einmal ernüchternd. Aber das ging sicher nicht nur mir so. Das mehrfach zerstörte Xining (Shining) war als Endpunkt unserer Bahnfahrt unvermeidlich. Ansonsten: Nothing to write home about.

Dann ging es nach Kunming, die „Stadt des ewigen Frühlings“, wo wir allerdings zunächst nur eine Nacht blieben. Sie ist Heimat vieler Nationalitäten, dominiert von der Yi-Minderheit – eine ethnische Gruppe mit farbenprächtigen Trachten, von der wir allerdings nichts sahen. Kunming ist eine moderne Großstadt und keineswegs idyllisch. Unser Hotel, das wir vor dem Rückflug nochmals zwei Tage aufsuchten, richtete sich an die typische Travellerszene und lag sehr günstig. Ein Konsulat von Laos befindet sich direkt im Hotelgebäude und ein Konsulat von Thailand ein paar Schritte nebenan. Massagesalons und Restaurants und Bars ebenso.

Der bizarre Steinwald bei Shilin befindet sich 120 km südöstlich der Stadt. Es handelt sich dabei um eine weitläufige Fläche, auf der bis zu 30 Meter hohe Felsnadeln wie Bäume in einem Wald stehen.

Im "Steinwald" beeindruckte mich das dortige Weltkulturerbe schon angesichts der gewaltigen einheimischen Touristenmassen eigentlich überhaupt nicht. Sicher, es lag am Weg, und es war nicht uninteressant, das mal zu sehen: Alles hübsch angelegt, mit vielen Blumen, blitzsauberen autofreien Parkwegen, kurzweiligen folkloristischen Darbietungen, riesigen Restaurants, noch größeren Parkplätzen und millionenschweren Funktionärsvillen in bester Lage an einem künstlichen See, die in diesem angeblich kommunistischen totalitären Staat nachdenklich stimmen.

Das Riesengebirge und die Sächsische Schweiz wird den aufmerksamen Reisenden, zumal wenn er Zeit hat, ganz sicher stärker beeindrucken als der "Steinwald" von Shilin.

Zwar sollte es laut Reiseführer hier theoretisch romantisch sein, zwischen diesen bizarren Felsformationen den Sonnenuntergang zu erleben, aber in praxi ist der "Steinwald" abends geschlossen (aus gutem Grund natürlich) und Steinformationen außerhalb des geschützten Naturparks, die scheinbar selten besucht werden, waren im Programm nicht vorgesehen.  Beim "Steinwald" handelt sich übrigens wirklich um Steinformationen, nicht um versteinertes Holz. Das gibt es in China zwar auch, hat aber mit dem Weltkulturerbe von Shilin nichts zu tun.

Überhaupt strahlen chinesische Sehenswürdigkeiten ja sehr oft eine Art Disneyland-Charakter aus, wenn auch manchmal mit einer kleinen Prise Rüdesheimer Drosselgasse versetzt. Die Natur, das Denkmal scheint nur noch ein Vorwand, wird zur Staffage degradiert für die 40 Jahre nach der zum Teil vollständigen Vernichtung in der Kulturrevolution wieder aus dem Boden gestampfte Folklore, die zudem oft gar nicht mal mehr von den jeweiligen Minderheiten, sondern durchaus vom Herrschervolk der Han Chinesen präsentiert und aufgeführt wird. Nicht zu vergessen natürlich die vielen gut durchorganisierten, großen Wirtschaften und Andenkengeschäfte ringsum.

Das ist aber auch gar nicht anders möglich, denn schon die gewaltigen Massen der heimischen Erlebnishungrigen würden in China schlichtweg alles zertrampeln, wenn man sie auf wirklich unberührte Natur und wirkliche Denkmäler losließe. Es ist also kein Wunder und nur ganz logisch, daß an solchen Orten (selbstverständlich nicht nur in China) alles wie am Schnürchen organisiert sein muß.

Tourismus ist in China bereits jetzt ein riesiges Organisationsproblem, wie wir immer wieder erlebten. Das geht so weit, daß dort ganze Städte vollkommen neu gebaut werden, um die dann künstlich abgetrennten Altstädte für Touristen zu konservieren und zu vermarkten. In diesem totalitären Staat ist es allenfalls ein organisatorisches Problem, die Bevölkerung einer ganzen Stadt umzusiedeln - oder doch zumindest diejenigen, die den Plänen des großen Bruders im Wege stehen.

So baut man in China schon mal einen ganzen Treppen-Wasserfall im Gebirge künstlich in Beton nach, um die eigentliche Attraktion vor der Vernichtung durch die vielen Menschen zu bewahren. Aber das kann man auch positiv sehen. Davon später noch mehr.

Beeindruckend war in Yünnan jedoch das Erlebnis des Landes überhaupt, das wir meist auf modernen Autobahnen und Straßen durchquerten. Die steilen bewachsenen grünen Berge rechts und links der Straße erinnern tatsächlich an die bekannten chinesischen Aquarellmalereien. Alles wirkt hier, und zwar auch in den Städten, frisch, klar und sauber, so ganz anders als der sonst übliche Dreck und Mief festlandschinesischer Städte, wo man die Luft schneiden kann und Wasser in freier "Natur" nur noch als Kloake vorkommt. Erstaunlich in Yünnan auch die Felder und Obstgärten, die sich bis in die steilsten Hänge hinein an den Bergen entlang hochziehen.

Die Straßen, auf denen wir ab dem dritten Tag in China durch das Gebirge und an wilden Flüssen entlang fahren sollten, waren zum Teil geradezu abenteuerlich.

Aber nicht nur der Weg war das Ziel, auch an den Zielen selbst warteten noch ein paar beeeindruckende Dinge.
« Letzte Änderung: 01. September 2008, 00:39:43 von hmh. »
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #41 am: 31. August 2008, 19:44:51 »

Heute zeige ich weitere fünf Photos aus dem Steinwald, bevor wir unsere Reise nach Dali fortsetzen. Für mich war der Besuch im Stone Forest auch das zweite Mal ein lohndendes Erlebnis, auch wenn sich diese Sehenswürdigkeit mittlerweile zu einem chinesischen Disneyland entwickelte. Bei meinem ersten Besuch vor gut acht Jahren hatte ich mich mit Salama in diesem Labyrinth fast verlaufen, als uns lange Zeit kein Mensch entgegenkam und wir wirklich nicht mehr wussten, wo wir und befanden. Auch jetzt verläuft sich der Massenansturm der Besucher in dem riesigen Gebiet, und man findet durchaus noch menschenleere idyllische Stellen. Am Ende unserer Besichtigungstour begegneten wir eine bunt bekleidete Tanzgruppe mit rythmischen Klängen.


Der Steingarten am Ende der Tour


Panoramablick vom Aussichtspavillion


dto.


Eine Tanzgruppe präsentiert sich für touristische Schnappschüsse


... wie auch hier sich Angestellte im Sani-Outfit für Erinnerungsphotos knippsen lassen

« Letzte Änderung: 31. August 2008, 19:48:38 von wufgaeng »
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #42 am: 01. September 2008, 00:59:31 »

Von Kunming aus flogen wir nach Dali, berühmt vor allem durch die San Ta Si, die drei Pagoden des Chongcheng Tempels, das historische Wahrzeichen zwei Kilometer nordwestlich der Stadt. Hinter dem im 9. Jahrhundert gegründeten Tempel erhebt sich eine wahre Bilderbuch-Gebirgslandschaft, die man mit Hilfe einer Seilbahn auch von oben erleben kann.

Naxi (in etwa Na Schi gesprochen) und Hui (chinesische Moslems) prägen das Stadtbild. Wir kamen an einem Freitag an und steckten gleich hoffnungslos im frommen Stau, als die Freitagsgebete geendet hatten . . .

Die Altstadt von Dali, die immer noch von einer mächtigen Mauer umgeben ist (die Leute hier waren schon immer relativ schwer zu regieren . . .) ist einer der ganz wenigen Orte Chinas, welche die Kulturrevolution des Massenmörders Mao einigermaßen glimpflich überstanden haben. Wahrscheinlich hatte man aus blutigen historischen Gründen Respekt vor diesen Leuten.

Die Stadt wirkt tatsächlich authentisch, fast schon „gemütlich“ einschließlich Kopfsteinpflaster, das wirklich seinen Namen verdient: Halsbrecherisch! Die Zeit scheint hier still gestanden zu haben. Und die Natur in dieser Region ist tatsächlich außerordentlich schön. Viele Touristen besuchen hier etwa den 1 980 m hoch gelegenen Erhai See , machen Fahrad- und Bootsausflüge. In Dali sind außerdem noch etliche Relikte aus der Nanzhao Zeit erhalten.

Wer Lust hat, kann sich auf dieser offiziellen (deutschen) Seite des Touristenamtes von Yünnan informieren:

http://de.yunnantourism.com/dali.htm
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #43 am: 03. September 2008, 03:26:49 »

Das erste Programm in Dali war eine Seilbahnfahrt in diese Bilderbuch-Gebirgslandschaft, das Cangshan-Gebirge. Vor dem historischen Zhonghe Temple ist ein unvermeidlicher Souvenir-Markt für Touristen, die den Berg hinter Dali zu Fuß oder per Seilbahn erklommen haben. Von oben genießt man eine wunderbare Sicht auf Dali und den Erhai See, vorausgesetzt man hat eine bessere Sicht als wir zu diesem Zeitpunkt.


Taihe Tempel hinter dem Zhonghe Tempel auf dem gleichnamigen Berg hinter Dali


Der Zhonghe Tempel bei Dali


Die drei Pagoden in Dali


Junge Buddha Statue im Three Pagoda Park


Parkanlage im Three Pagoda Park


Die Drei Pagoden in Dali haben mehrere fatale Erdbeben überstanden

« Letzte Änderung: 03. September 2008, 03:30:42 von wufgaeng »
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Re: Rundreise durch Nepal, Tibet und Yünnan ab Bangkok
« Antwort #44 am: 04. September 2008, 22:48:28 »

alleine für den Park mit den drei Pagoden kann man gut einen Tag einplanen, um diesen geschniegelten Park ganz gesehen zu haben. Doch das Wesentliche, die drei Pagoden, sind durchaus unbedingt einzuplanen. Leider kann man auf den mittleren Turm nicht mehr hinaufsteigen. Ein Pagode ist ganz schief, vielleicht, weil man auch hier am Fundament gespart hatte zum Wohle einiger Lokalpolitiker und -behörden (siehe Bayoke II in Bangkok).


Der Schiefe Turm von Dali


Die Quianxun Pagode in der Mitte der drei. Früher konnte man diese besteigen.


Der Haupttempel im Drei Padoden Park


Ein weiterer kleiner Tepmpel in der großen Parkanlage

Am Wochenende setze ich die Reihe mit einigen Bildern der Altstadt Dali fort. Wie schon Hans-Michael geschrieben hatte, scheint in Dali die Kulturrevolution außerhalb der dicken Stadtmauern vorbeigegangen zu sein, denn die Altstadt bietet eine wunderhübsche idyllische Atmosphäre mit viele kleinen Touristenläden für überwiegend chinesische, koreanische, japanische, und auch, nicht wenige, taiwanesische Besucher. Die Anzahl der westlichen Gäste geht dabei fast unter - und es gibt dort (noch) keinen gröhlenden Ballermann-Tourismus. :D
« Letzte Änderung: 04. September 2008, 23:00:49 von wufgaeng »
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