hab gerade mal ein paar Takte reingehört. - Kann es sein ,daß die seit 30 Jahren das gleiche Lied spielen ? 

Kann schon sein. Aber ein guter Riff genügt eben
Sehr geiles Interview. Lesenswert
SPIEGEL: Wie kommt es, daß Sie alte Songs wie „Whole Lotta Rosie”, „TNT” und „Highway to Hell” auch heute noch fast unverändert spielen?
Malcolm Young: Meistens ist eine einfache Idee auch eine gute Idee. Aber weil die meisten Leute gar keine Idee haben, fangen sie an, ihre dürftigen Songs mit Mist zu beladen. So etwas geht mir auf die Nerven.
SPIEGEL: Keith Richards hat gesagt, er halte nicht viel von moderner Musik; er möge eigentlich nur AC/DC. Ist Richards Ihr wichtigster Konkurrent im Wettstreit um die besten Gitarrenriffs des Rock’n’Roll?
Angus Young: Meine Frau sagt, sie erkennt ein Riff der Rolling Stones sofort an den klassischen drei Akkorden. Sehr schön, sag’ ich dazu, aber viel zu aufwendig. AC/DC benötigen nur ein Riff: Dä Dä Dä! „Highway to Hell” oder „Back in Black” basieren auf einem Riff. So muß es sein, so erreicht man die Leute.SPIEGEL: Ist Minimalismus harte Arbeit?
Malcolm Young: Richtig harte. Und diese Arbeit besteht vor allem aus einem: Wegschmeißen. Für unsere Arbeit brauchen wir außer unseren Gitarren vor allem einen großen Mülleimer. Bis man ein Riff hat, das einen Song wie „Highway to Hell” trägt, sind tausend andere in den Abfall gewandert.
SPIEGEL: Als Sie die Band 1973 gründeten, beherrschten Bombast-Rocker wie Emerson, Lake & Palmer den Markt. Hat es Sie gereizt, den Kampf dagegen aufzunehmen?
Angus Young: Eine schlimme Zeit. Kunststudenten, Abiturienten und Doktoren hatten den Rock’n Roll fast erledigt. Sie hatten eine Operette und eine Wissenschaft aus ihm gemacht.
SPIEGEL: Was hat Sie damals beeindruckt?
Malcolm Young: Als ich zum erstenmal The Who hörte, habe ich laut geschrien vor Glück. „My Generation” hat mich direkt ins Herz getroffen. Ein unglaubliches, wunderbares Gefühl. Du kriegst Gänsehaut, springst auf und ab und jubelst, daß da endlich jemand ist, der dich versteht.
SPIEGEL: Kritiker haben Schwierigkeiten, Ihre Musik einzuordnen. Was spielen Sie denn nun wirklich – Hardrock, Heavy Metal oder Punk?
Angus Young: Eine schwachsinnige Diskussion. Zu Mozarts Zeiten hat auch keiner gefragt: Wolfgang, was komponierst du da eigentlich? Klassik? Gute Klassiker überleben auch ohne Stempel, weil man sie nach den ersten Tönen erkennt. Du hörst die ersten Akkorde vom „Walkürenritt” und denkst: Oh, Wagner! Du hörst die ersten Akkorde von „Thunderstruck” und erkennst: Donner. AC/DC!
SPIEGEL: Zu AC/DC und zum Rock’n’Roll überhaupt gehört das Gitarrensolo – viele Leute halten es trotzdem für einen Irrtum der Musikgeschichte.
Angus Young: Chuck Berry hat meiner Meinung nach das perfekte Solo gespielt. Er hat sich die Gitarre gegriffen und damit seinen Rücken gekratzt – genial. Auch wir wollen unser Publikum unterhalten, und wenn es bei „Highway to Hell” nicht mitgrölt, muß einer von uns krank sein. (…)
SPIEGEL: Mit 14 und 16 haben Sie die Schule verlassen und gründeten eine Band, aus der später AC/DC wurde. Wie kamen Sie gerade auf diesen Namen?
Angus Young: Unsere Schwester entdeckte die vier Buchstaben auf ihrer Nähmaschine. Wir dachten, das ist so schön einfach wie gute Musik, außerdem kann sich jeder den Namen merken. Bei unserem ersten Konzert hieß es: Meine Damen und Herren, heute abend für Sie auf der Bühne: AB/CD. So kann man sich irren.
SPIEGEL: Und warum trugen Sie, Angus, Ihre Schuluniform, die zum AC/DC-Markenzeichen wurde?
Angus Young: Auch ein Einfall meiner Schwester. Sie sagte: Geh damit auf eine Bühne, und kein Mensch wird dich je vergessen. Ein Genie, unsere Schwester. Sie hat mich auch zu meinem ersten Konzert mitgenommen: Louis Armstrong. Seine Songs haben uns zu Tränen gerührt, da müssen wir bis heute weinen. Einfache Schönheit.
SPIEGEL: Und diese Schönheit schwebte Ihnen vor, als Sie mit dem inzwischen verstorbenen Sänger Bon Scott auftraten? Zur ersten Probe soll er zugekokst und mit zwei Flaschen Whiskey intus erschienen sein und das Höschen seiner Frau getragen haben.
Angus Young: Stimmt – und er sang absolut großartig. Ich sagte noch zu Malcolm: Wenn der so einen Meter gehen kann, wäre das eine Sensation.
Malcolm Young: Bon war über und über tätowiert. Aber nicht aus blöden Rock-Glamour-Gründen, sondern weil er auf einem Fischkutter gearbeitet hatte. Er hatte vorher in einer Popband gesungen und mußte die Tätowierungen mit Make-up übermalen. Bei uns zeigte er sich so, wie er aussah. Und alle haben es ihm nachgemacht.
SPIEGEL: Er war eine Art Rock’n’Roll-Vater für Sie?
Malcolm Young: Er war ein paar Jahre älter und hatte immer das Gefühl, für uns beide sorgen zu müssen. Nachts riß er schon mal unsere Hotelzimmertür auf, setzte zwei nackte Frauen auf unser Bett und rief: Für euch, Jungs. Viel Spaß.
SPIEGEL: Und?
Angus Young: Na ja, wir flehten: Nimm sie wieder mit, was sollen wir mit denen? Aber bei allen Exzessen hat er nie einen Job verpaßt. War immer in Form, wenn es drauf ankam. Der Mann konnte drei Flaschen Bourbon trinken und war am nächsten Morgen pünktlich im Studio.SPIEGEL: Bis man ihn eines morgens in London im Auto fand – an seinem Erbrochenen erstickt.
Malcolm Young: Wir haben den toten Bon genommen und ihn mit dem Flugzeug zu seinen Eltern nach Australien gebracht. Wir haben ihn beerdigt und nach schottischer Art mit seinen Eltern ein paar Whiskey getrunken und gesagt: „Das war’s. Wir hören auf.” Dann haben seine Eltern gar nichts gesagt, noch einen Whiskey eingegossen und gesagt: „So ein Unsinn, Jungs, Bon ist tot, und er will, daß ihr weitermacht.”
SPIEGEL: Sie haben über 80 Millionen Platten verkauft. Was tun Sie mit dem Geld?
Malcolm Young: Es ist lustig, wir werden so oft gefragt, was wir mit unserem Geld tun. Nichts tun wir. Absolut nichts. Unser Hobby ist die Musik. Angus malt ab und zu.
Angus Young: Manchmal.
Malcolm Young: Nackte Mädchen kriegt er ziemlich gut hin. Vergiß den Sex, die Drogen, wir wollen nur den Rock’n’Roll.
Angus Young: Ich bin mal auf Hochzeitsreise gewesen. Nach zwei Jahren hatte mich meine Frau soweit. Irgendeine winzige Insel bei Tahiti, aber meine Gitarre durfte nicht mit. Es waren nur 14 Menschen da, und nach einem Tag dachte ich, es ist so langweilig, ich sterbe. Für 200 Dollar habe ich mir die einzige Gitarre auf der Insel gekauft. Meine Frau war ziemlich sauer, aber meine Flitterwochen waren gerettet.
SPIEGEL: Ihr Sänger hat mal gesagt: Auf der Bühne sind wir ein Team. Wenn einer tot umfällt, werden die anderen dafür sorgen, daß er ein anständiges Begräbnis erhält.
Angus Young: Wir sind wie die Wikinger. Wir halten zusammen. Und eines Tages treffen wir auch Bon Scott wieder.
SPIEGEL: Im Himmel oder in der Hölle?
Malcolm Young: In der Hölle. Keine CDs. Nur Gitarren. Und AC/DC sind Nummer eins: „Highway to Hell”. Das wäre schön.
SPIEGEL: Mr. Angus Young, Mr. Malcolm Young, wird danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Gespräch führten SPIEGEL-Mitarbeiter Christoph Dallach und Redakteur Thomas Hüetlin in London.