Der fünfte Akt – Buddha auf hoher SeeDer
Theravada Buddhismus blieb bei Pali. Der Sprache, die einfache Leute zu Buddhas Zeiten verstanden. Pali Begriffe wie nibbana, (Sanskrit: nirvana) und Kamma (Sanskrit: karma) sind uns nicht so geläufig.
thera = Ältere
vada = Weg (man beachte die Ähnlichkeit mit dem altrömischen „vadis“ aus „quo vadis“, wohin gehst du?)
theravada = Weg der Älteren
Die Verbreitung von Buddhas Worten zusammen mit seinen Statuen bis nach Süd-Ost-Asien hinein findet in Pali statt, der Sprache des Theravada.
Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Ist uns etwa bei aller historischer Überlieferung über die Grossen und Mächtigen auf dem Indischen Kontinent etwas entgangen?
Es scheint so. Sehen wir mal von Asokas Sohn ab, der 500 Jahre vorher Ceylon auf den buddhistischen Weg führte. Die meisten Geschichtsbücher schweigen, da im Süden keine Weltgeschichte gemacht wird. Gäbe es nicht die Jahrtausende alten Ceylon Chroniken wüssten wir heute sehr wenig.
Fernab von den Wirren der wechselnden Herrscherhäuser in Nord-Indien hat sich dort eine weitestgehend friedliche Handelsgesellschaft entwickelt, der Seefahrt nicht unkundig. Fast unentdeckt von aufsehenerregender Geschichtsschreibung gehen die Menschen dort einfach ihren Geschäften nach.
Buddha-Skulpturen der Mathura und Gupta Ära begleiten die Handelswaren in den Schiffsbäuchen Ihr friedliches Lächeln übt auch auf die Handelspartner in Süd-Ost-Asien eine unwiderstehliche Faszination aus. Ganze Völkerwanderungen finden über den Seeweg statt. Süd-Indische Seefahrer bilden Niederlassungen überall in Süd-Ost-Asien. Lassen ihre Familien, Handwerker und Künstler nachkommen, leben den Buddhismus und auch den Hinduismus vor.
Wir sind aber auch auf die Chroniken der Zielländer dieser Indischen Seefahrer angewiesen. Demnach gab es schon vor Christi Geburt Kontakte zu den
Pyu, Vorgänger der Burmesen, sowie mit dem Vorgängerreich der Khmer, genannt
Funan, mit Kern im Mündungsdelta des Mekong viel weiter östlich. Natürlich auch mit den
Mon in Ost und Süd-Burma sowie im am unteren Chao Phraya Lauf.
Zwischen Burma, Kambodscha und Thailand herrscht ein geradezu
religiöser Kampf, wer denn nun als Erster Kontakt zum Indischen Buddhismus hatte und wem die Ehre zukommt, sich
Suvarnabhumi, das goldene Land, nennen zu dürfen.
Für die Burmesen hatte
Pegu den ersten Kontakt. Für die Thais ist es
Nakhon Pathom und für die Khmers natürlich das alte Funan Reich. Und wen wundert es, von Wunschgedanken beseelt, knüpften sich die ersten Beziehungen natürlich schon mit Asokas Großreich im 3. Jahrhundert v. Chr.. Die lokalen Buddhistischen Legenden gehen sogar noch weiter. Demnach ist Buddha höchstpersönlich an all diesen Orten in Burma, Kambodscha und Thailand gewandelt.
Prinzessin Sirindhorn hat mal laut einem Artikel im „Herald Tribune“ zum Thema „Indischer Einfluss auf Thailand“ den Gedanken lächelnd geäußert, dass es wohl wenig Zweck hätte, solch ein Thema öffentlich in Thailand zu diskutieren, da ja die meisten Thais sowieso glauben, Buddha wäre in Thailand geboren.
http://www.iht.com/articles/2003/01/07/edray_ed3_.php Wie auch immer. Wir dürfen davon ausgehen, dass ab dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. auch Buddhastatuen in den Schiffsbäuchen an all diese Orte gelangten.
Spätestens vom 6. Jahrhundert n. Chr. an übernimmt das
Dvaravati Reich der Mon am Unterlauf des Chao Phraya Flusses die Kunst der Herstellung von Buddha Statuen. Nakhon Pathom wird laut offizieller Geschichtsschreibung als religiöses Zentrum für den Buddhismus jener Zeit genannt.
Im 8. bis 9. Jahrhundert n. Chr. errichtet ein König der Sailendra Dynastie auf Java den
Borobudur Tempelkomplex.
Etwas später können auch die Khmers trotz all ihrer Hinwendung zum Hinduismus nicht mehr widerstehen, übernehmen die Kunst der Herstellung von Buddha-Statuen neben der von Shiva und Vishnu und legen die Saat für ein später entstehendes Juwel,
Ankor Wat, welches wie schon zuvor in Borobudur Hinduismus und Buddhismus in sich vereinte.
Im 13. bis 15. Jahrhundert erlebt die buddhistische Kunst in
Sukhotai, dem ersten offiziellen Thai-Reich im Norden Thailands, einen ungeahnten Höhepunkt.
Ayutthya folgte auf dem Fuße.
Wir befinden uns nun am Ende des 15.Jahrhunderts n. Chr. Die buddhistische Lehre ist fast 2000 Jahre alt. Sie ist 1000 Jahre älter geworden, als Buddha je annahm. Sie hat ihre ursprüngliche Heimat gänzlich verloren. Außer in Sri Lanka, dem ehemalige Ceylon. Nord-West-Indien (heute Pakistan), Bactria, Afghanistan und ein gutes Stück entlang der Seidenstrasse sind schon seit mehreren hundert Jahren islamisch.
Die Verdienste
Asoka’s, Melinda’s, Kanishka’s und die der
friedlichen Händler in Süd-Indien bleiben für immer unvergesslich, solange der Buddhismus lebt. Ein
„Käk“, ein
„Farang“ und ein
Chinese verhinderten den Untergang des Buddhismus. Halfen ihm über unruhige Zeiten hinweg, bis er schließlich eine neue Heimat fand. Der Mahayana in Groß-China, Tibet, Nepal und Japan (Zen), der Theravada in Thailand, Kambodscha, Laos und Burma.
Dort gehören Buddha Statuen zum Alltagsbild, sind Bestandteil des sozialen und religiösen Lebens.
Kann uns Buddha verzeihen?