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Autor Thema: "Quo vadis" Thailand ?  (Gelesen 51645 mal)

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Blackmicha

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #150 am: 11. September 2008, 21:09:55 »

Zitat
Spiegel :Das Militär putscht diesmal durch Passivität.  Es könnte am Ende als Sieger aus dieser Schlacht hervorgehen - ohne einen einzigen Schuss abgegeben zu haben.

super einschaetzung !
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Konfuzius - oder so

ilunkinam

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #151 am: 11. September 2008, 21:44:56 »

Danke Waitong

werde es weiter geben.

Gruss Bernd
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Waitong

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #152 am: 12. September 2008, 20:16:48 »

Zur Rolle des M. in Thailand kann man unterschiedlicher Ansicht sein...

Was mich sehr hoffen lässt ist die Aktivität der Gerichte in T. wenn die "neue Linie" konsequent verfolgt wird kann das Land einen entscheidenden Schritt vorwärts kommen. Es kristallisiert sich mehr und mehr heraus welche Kräfte am Werk sind und welche Folgen das hat...die Partei-Genossen Samaks u.a. fangen an nachzudenken...einige werden sich wohl überlegen  (müssen) wie die Richter über eine erneute Wahl Samaks zum PM denken könnten, denn es stehen noch einige Gerichtsentscheidungen an...über eine Angelegenheit, die Samak betrifft wird am 25. Sept. entschieden...eine andere Sache ist in Arbeit...(die staatliche Wahlkommission hat der PPP Betrug bei der Wahl am 23. Dezember 2007 vorgeworfen und einen Verbotsantrag gegen sie gestellt)...die Entscheidung darüber wird sicherlich noch folgen.
« Letzte Änderung: 12. September 2008, 20:25:05 von WAITONG »
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gruffert †

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #153 am: 12. September 2008, 22:13:38 »

Waitong schreibt

"Zur Rolle des M. in Thailand kann man unterschiedlicher Ansicht sein"

Da bin ich ganz deiner Meinung

"Was mich sehr hoffen läßt ist die Aktivität der Gerichte in T. wenn die "neue Linie" konsequent verfolgt wird kann das Land einen entscheidenden Schritt vorwärts kommen"

Da bin ich gegenteiliger Ansicht

"Es kristallisiert sich mehr und mehr heraus welche Kräfte am Werk sind."

Und da stimme ich dir wieder voll zu. Man darf es aber besser nicht laut sagen.

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macman

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #154 am: 12. September 2008, 22:41:23 »

Ich sehe da auch einen roten Faden,die Einen verfolgt man mit aller Härte,die Andern lässt man unbehelligt.Eine Wende in der Recht-un-rechtsprechung kann ich nicht erkennen,eher ist das Gegenteil der Fall.Hoffendlich habe ich mich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt,jedenfalls fasse ich keine Kochlöffel mehr an.Die internationale Presse spottet zwar,aber ich bin mir sicher die Drahtzieher vor Ort wissen was sie wollen.Gottseidank hab ich immer noch genug Satang für ein Flugticket.
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dragon

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #155 am: 12. September 2008, 22:58:40 »

@macman, das sehe ich ähnlich. Die thailändische Judikative hat der Welöffentlichkeit vorgeführt, dass Thailand weit davon entfernt ist ein Rechtsstaat zu sein. Damit übrigens eine Steilvorlage für Thaksin geliefert, seinen Asylantrag in GB zu begründen. Auch die, ich wage mal zu sagen, kommende Auflösung der PPP hat ja mit Rechsstaatlichkeit, in unserem Sinne nichts zu tun. Die Gerichtsbarkeit und nicht wie sonst das Militär, schaltet diesmal die Demokartie aus!
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Waitong

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #156 am: 13. September 2008, 16:50:32 »

Mein Zitat:

Was mich sehr hoffen läßt ist die Aktivität der Gerichte in T. wenn die "neue Linie" konsequent verfolgt wird kann das Land einen entscheidenden Schritt vorwärts kommen.

Gruffert's Zitat:

Da bin ich gegenteiliger Ansicht.


Wir müssen abwarten wie sich alles entwickelt.

In der Zwischenzeit können wir unsere Meinungen, sachlich wie immer, austauschen  ;)

Etwas Information, zur Justiz, wird uns allen nicht schaden, deshalb habe ich etwas Hintergrund-Infos ausgesucht.

Wenn ich jetzt einen Auszug aus einem längeren Artikel in's Forum stelle und mit Thaksin beginne, so ist es nicht um zu polarisieren...ich muß das jetzt schreiben, weil sonst der ein oder andere nicht weiter lesen will. 


Turbulente Thaksin-Ära

Doch in der Amtszeit von Premierminister Thaksin Shinawatra (2001–2006) entwickelte sich erneut ein Konflikt zwischen verschiedenen Politiklagern. Dem Establishment aus Militär und Bürokratie galt er als Emporkömmling; bei der armen Landbevölkerung genoss er dagegen großes Ansehen. Anfang 2006 verschaffte er sich und seiner Familie enorme Vorteile beim Verkauf der Anteile am Telekommunikationskonzern Shin Corp an eine Firma aus Singapur. Dank von ihm eingeleiteter Gesetzesänderungen blieb der Verkaufserlös von rund 1,6 Milliarden Euro steuerfrei.

Um der wachsenden Kritik zu begegnen, rief Thaksin für April 2006 Neuwahlen aus, obwohl die Bevölkerung ihn nur ein Jahr zuvor an den Urnen im Amt bestätigt hatte. Die Opposition boykottierte die Neuwahlen, so dass kein Parlament gebildet werden konnte. Das geltende Recht schrieb nämlich Mindestquoren für die Stimmbeteiligung vor.

Deshalb erklärte das Verfassungsgericht die Aprilwahlen schließlich für ungültig. Neuwahlen wurden für Mitte Oktober 2006 angesetzt. Indessen entließ das Oberste Verwaltungsgericht die Wahlkommission wegen Korruptionsvorwürfen. Somit bewährten sich die obersten Justizorgane augenscheinlich als Hüter der Verfassung und rechtsstaatlicher Prinzipien. Allerdings hatte auch der König eine Rolle gespielt, als er die Richter der höchsten Instanzen aufforderte, eine Lösung zu finden.


Es lohnt sich den ganzen Artikel von Clauspeter Hill (leitet das Rechtsstaatsprogramms Asien der Konrad-Adenauer-Stiftung in Singapur), zu lesen.

http://www.inwent.org/ez/articles/055192/index.de.shtml

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gruffert †

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #157 am: 13. September 2008, 18:00:59 »

Waitong

Ein interessanter Bericht ueber die Situation hierzulande, leider schon etwas angestaubt und von den Geschehnissen ueberholt. Ich habe ihn aber wie du empfohlen hast sorgfaeltig gelesen.

Wieso  du aber mit Zitaten aus diesem Beitrag beweisen willst, dass die  "neue Linie" (der Gerichte), konsequent verfolgt, das Land einen entscheidenden Schritt vorwärts bringen wird, ist mir schleierhaft. Ich zitiere nur einen anderen Satz aus dem von dir gebrachten Beitrag:

Der Militärputsch vom September setzte sich aber über alle Grundsätze des demokratischen Rechtsstaats hinweg. Zwar erklärt Artikel 18 der Übergangsverfassung die Justiz für unabhängig, doch das bedeutet nicht viel. Das Verfassungsgericht als Kontrollinstanz wurde nämlich aufgelöst und durch ein Verfassungstribunal mit sorgfältig ausgesuchten Personen ersetzt.

Wer hat den wohl diese Personen "sorgfaeltig" ausgesucht ?

Guenther
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Waitong

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #158 am: 13. September 2008, 18:28:01 »

gruffert,  "Wieso  du aber mit Zitaten aus diesem Beitrag beweisen willst, dass die  "neue Linie" (der Gerichte), konsequent verfolgt, das Land einen entscheidenden Schritt vorwärts bringen wird, ist mir schleierhaft".

Beweisen will ich nichts. Hoffnung habe ich, um die geht es mir. Mit den Zitaten will ich Informationen weitergeben, wie Informationen verstanden/verarbeitet werden hängt vom Betrachter ab, den zu ändern ist nicht mein Anliegen.Das muß jeder mit sich selbst auf die Reihe bekommen.
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Waitong

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #159 am: 13. September 2008, 18:55:42 »

Eigentlich wollte ich nicht darauf eingehen, aber, ob Absicht oder Versehen...?

Wenn ich schreibe:

"Was mich sehr hoffen läßt ist die Aktivität der Gerichte in T. wenn die "neue Linie" konsequent verfolgt wird kann das Land einen entscheidenden Schritt vorwärts kommen"


Ich behaupte nicht: das Land wird entscheidend vorwärts kommen !

Zitat gruffert:  "Wieso  du aber mit Zitaten aus diesem Beitrag beweisen willst, dass die  "neue Linie" (der Gerichte), konsequent verfolgt, das Land einen entscheidenden Schritt vorwärts bringen wird, ist mir schleierhaft".

Meine Bitte: Entweder orig. Zitat verwenden, oder den Inhalt richtig wiedergeben.
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Roy †

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #160 am: 13. September 2008, 22:17:05 »

Waitong, die Hoffnung stirbt zuletzt. Davon leben die Geier. Das Land wird nur nach viel, viel Blutvergiessen vorwärtskommen. Aber nicht nur mit einem. Es muss RICHTIG wehtun, so wie bei uns zwei Weltkriege.
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dragon

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #161 am: 14. September 2008, 02:53:04 »

gruffert,  "Wieso  du aber mit Zitaten aus diesem Beitrag beweisen willst, dass die  "neue Linie" (der Gerichte), konsequent verfolgt, das Land einen entscheidenden Schritt vorwärts bringen wird, ist mir schleierhaft".

Beweisen will ich nichts. Hoffnung habe ich, um die geht es mir. Mit den Zitaten will ich Informationen weitergeben, wie Informationen verstanden/verarbeitet werden hängt vom Betrachter ab, den zu ändern ist nicht mein Anliegen.Das muß jeder mit sich selbst auf die Reihe bekommen.

Wo jetzt in diesem Zitat eine Information versteckt ist, kann ich nicht ergründen, abegehen davon das die neue "Militär"-Gerichtsbarkeit konsequent eine anitdemokratische Line verfolgt und das gesamte Land der Läckerlichkeit preis gibt!

Will nicht soweit gehen wie @Roy aber ohne eine gewaltigen Knall kommt dieses Land wirklich icht weiter . Dieses politische Kasperletheater uns die, an ihren Privilegien hängende Möchtegern-"Elite", die sich benimmt wie Kleinkinder im Trotzalter, werden diese Land bestimmt nicht nach Vorne bringen!
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Waitong

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #162 am: 14. September 2008, 21:00:06 »

dragon, hier ist die Information versteckt...zwischen den Zeilen  ;D ;D ;D

[ Justiz ]

Fort- und Rückschritt in Thailand
Die Verfassung des Königreichs Thailand von 1997 wurde als Meilenstein der Demokratie gefeiert. Neben einer speziellen Verwaltungsgerichtsbarkeit etablierte sie auch ein Verfassungsgericht, das auf Distanz zur Regierung ging. Leider drehte der Putsch vom September letzten Jahres die Uhren wieder zurück.


[ Von Clauspeter Hill ]

Um die in Thailand praktizierte Demokratie zu verstehen, muss man die Verfassungsgeschichte und die Bedeutung des Königshauses für das Land kennen. Besonders der seit über 60 Jahren herrschende König Bhumibol Adulyadej (der Name bedeutet: Stärke des Landes, unvergleichliche Macht) hat die politische Kultur geprägt.

Die absolute Monarchie endete in Thailand 1932. Mitglieder der Bildungselite, die während der Ausbildung in Europa andere Verhältnisse kennengelernt hatten, hatten massiv protestiert. Zunächst ging es nur darum, die Macht vom Königshaus auf wechselnde Gruppen hochrangiger Bürokraten und Militärs zu verlagern.

Der in der Schweiz ausgebildete Bhumibol Adulyadej bestieg 1946 im Alter von 18 Jahren den Thron. Er galt bislang als Bewahrer der Demokratie. Allerdings erlebte das Land in seiner Amtszeit 18 Militärputsche – 1991 den vorletzten dieser Reihe. Im Jahr darauf gab es blutige Unruhen. Nach drei Tagen gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Militärregierung und Demokratiebewegung zitierte der Monarch die Protagonisten zu sich. Er forderte sie auf, die Gewalt einzustellen und sich über die künftige Gestaltung der Demokratie in Thailand zu einigen.

Daraufhin wurde erstmals über eine echte Beteiligung der Bürger an der politischen Willensbildung in Thailand nachgedacht. Zuvor kannte das Land lediglich eine ineffiziente und korrupte Verstrickung von politischer Elite, Unternehmertum und Militär. Unter diesen Gruppen wurden die Machtverhältnisse sorgfältig verteilt, die Fäden behielt aber der König im Hintergrund in der Hand. Dies gelang ihm aufgrund seines hohen Ansehens in der ganzen Bevölkerung und der im Buddhismus verankerten Überzeugung, nur ein Buddha ähnlicher, starker Herrscher könne die Geschicke des Volkes lenken.


Vorbildliche Regeln

Eine verfassunggebende Versammlung wurde mit dem expliziten Auftrag gewählt, das politische System grundlegend zu reformieren und nicht bloß die Machtbalance neu zu tarieren. Diesmal wurde die Bevölkerung in kontroverse, öffentliche Debatten einbezogen.

Am 11. Oktober 1997 trat die neue Verfassung in Kraft. Sie brach mit der Tradition, der zufolge Militär und Administration Hand in Hand gingen, sodass oft ehemalige Soldaten oder hochrangige Polizisten exekutive Schlüsselpositionen besetzten. Die neue Verfassung führte eine striktere Gewaltenteilung ein. Sie gab insbesondere der Justiz eine größere Unabhängigkeit. Zentrale Elemente der neuen Staatsordnung waren zudem Normen, die die Rechte und Freiheiten der Bürger schützten und amtliche Eingriffsmöglichkeiten begrenzten. Wichtig waren auch Bestimmungen – etwa über Wahlen –, welche die Bevölkerung an politischen Prozessen beteiligten und Amtsträger gegenüber der Öffentlichkeit verantwortlich machten.

Damit war die Dominanz der Bürokratie bei Rechtsetzung und -auslegung weitgehend beendet. Konkrete Formulierungen begrenzten ehemals weite Ermessens- und Regelungsspielräume. Artikel 29 bestimmte ausdrücklich, dass Rechte und Freiheiten nur insoweit eingeschränkt werden durften, wie das die Verfassung selbst vorsah. Noch vor dem Kapitel über die Stellung des Königs wurde in Artikel 6 klargestellt, dass die Verfassung das höchste Gesetz des Landes war und dass alle ihr entgegenstehende Vorschriften nicht länger galten.

Artikel 27 band alle Staatsgewalten an diese Verfassung. Er führte zum ersten Mal das Prinzip des unmittelbar geltenden Verfassungsrechts ein. Ein wesentliches Element davon ist, dass die Durchsetzung der textlich festgelegten Regeln durch Verfahren abgesichert wird. Ohne Mechanismen zur Erzwingung der Verfassungsprinzipien würden wohlformulierte Normen sonst wirkungslos bleiben.

In früheren Verfassungen Thailands war es allein Sache des – oftmals nicht direkt gewählten – Parlaments, die Verfassung zu interpretieren. Vor dem Putsch von 1991 war dieses Recht einem Verfassungstribunal übertragen worden, das allerdings unter der Kontrolle der Exekutive stand. Dieses Tribunal war also keineswegs Bestandteil einer unabhängigen Gerichtsbarkeit.


Deutsche Erfahrungen

1997 wurde dagegen ein unabhängiges Verfassungsgericht eingeführt. Der wesentliche Vorteil solch einer Institution ist, dass es niedrigere Instanzen dazu motiviert, bei allen Entscheidungen zu prüfen, ob bestehende Regeln wirklich verfassungskonform sind. Im Zweifel obliegt die Letztentscheidung nämlich dem Verfassungsgericht und nicht der Regierung oder ihren Behörden, die im Eigeninteresse problematischen alten Normen den Vorrang geben könnten.

Positive Erfahrungen sammelten die Bundesrepublik Deutschland aber auch Österreich nach der Hitlerdiktatur mit solch einer unabhängigen Verfassungsjustiz. Das Bundesverfassungsgericht hat schon mehrfach – etwa in Spanien oder Lateinamerika – als Vorbild gedient, wenn es darum ging, nach autoritärer Herrschaft einen demokratischen Rechtsstaat zu etablieren (Schoeller-Schletter, 2004).

Das galt auch für die thailändische Verfassung von 1997. Dazu trug unter anderem der Rat bei, den die Konrad-Adenauer-Stiftung mit ihrer kontinuierlichen Rechtsstaatsarbeit in Thailand bei den thailändischen Partnern erteilte. Offensichtlich ließen sich auch die Verfassungsrichter vom deutschen Modell inspirieren, immer wieder baten sie in konkreten Fällen um Erfahrungsaustausch. Ihre relativ starke Stellung wurde auch darin deutlich, dass es sich um 15 hauptamtliche Richter handelte, während das Tribunal zuvor nur nebenberuflich tätig gewesen war. Die Mitglieder des Verfassungsgerichts wurden auf Vorschlag des gewählten Senats vom König ernannt.

Vollkommen neu war zudem die Einführung der Verfassungsbeschwerde, die jeder Bürger einlegen konnte (Artikel 28). Zugleich wurden noch andere Wege eröffnet, Entscheidungen von Gesetzgeber und Exekutive gerichtlich überprüfen zu lassen. So konnte etwa der parlamentarische Ombudsmann Fälle vor die Verwaltungsgerichte bringen, wenn er Verfassungsnormen verletzt sah. Selbstverständlich konnte er auch das Verfassungsgericht anrufen.

Diese Reformen werteten die Justiz deutlich auf. Die staatliche Bürokratie unterlag fortan einer objektiven Kontrolle. Tatsächlich entschieden die Gerichte oft gegen Behörden, beispielsweise wenn diese die Bürger an der Planung von Infrastrukturprojekten nicht beteiligt oder Umweltaspekte außer Acht gelassen hatten, obwohl Verfassung und neue Gesetze das vorschrieben. Breite Kreise der Bevölkerung begannen die Justiz als nützlichen Bestandteil des modernen Verfassungsstaates wahrzunehmen. Gerichte aller Instanzen gingen dazu über, Entscheidungen im Lichte der Grundrechte zu fällen.

International wurde Thailand deshalb zu einem Vorbild. Eine Reihe von Entwicklungsexperten hofften, dieses Beispiel werde auch in den asiatischen Ländern Schule machen, die eher autoritäre Führungen aufweisen und nicht als Rechtsstaaten bezeichnet werden können.


Turbulente Thaksin-Ära

Doch in der Amtszeit von Premierminister Thaksin Shinawatra (2001–2006) entwickelte sich erneut ein Konflikt zwischen verschiedenen Politiklagern. Dem Establishment aus Militär und Bürokratie galt er als Emporkömmling; bei der armen Landbevölkerung genoss er dagegen großes Ansehen. Anfang 2006 verschaffte er sich und seiner Familie enorme Vorteile beim Verkauf der Anteile am Telekommunikationskonzern Shin Corp an eine Firma aus Singapur. Dank von ihm eingeleiteter Gesetzesänderungen blieb der Verkaufserlös von rund 1,6 Milliarden Euro steuerfrei.

Um der wachsenden Kritik zu begegnen, rief Thaksin für April 2006 Neuwahlen aus, obwohl die Bevölkerung ihn nur ein Jahr zuvor an den Urnen im Amt bestätigt hatte. Die Opposition boykottierte die Neuwahlen, so dass kein Parlament gebildet werden konnte. Das geltende Recht schrieb nämlich Mindestquoren für die Stimmbeteiligung vor.

Deshalb erklärte das Verfassungsgericht die Aprilwahlen schließlich für ungültig. Neuwahlen wurden für Mitte Oktober 2006 angesetzt. Indessen entließ das Oberste Verwaltungsgericht die Wahlkommission wegen Korruptionsvorwürfen. Somit bewährten sich die obersten Justizorgane augenscheinlich als Hüter der Verfassung und rechtsstaatlicher Prinzipien. Allerdings hatte auch der König eine Rolle gespielt, als er die Richter der höchsten Instanzen aufforderte, eine Lösung zu finden.


Die Generäle greifen ein

Jedoch beendete am 19. September letzten Jahres ein Militärstreich diese rechtsstaatlich-demokratische Entwicklung. Durch Tragen der königlichen Farbe Gelb und entsprechende Verlautbarungen stellte die Armee klar, dass sie sich der Unterstützung des Monarchen versichert hatte. Der „Rat für demokratische Reformen unter der konstitutionellen Monarchie“, wie sich die Junta zunächst nannte, setzte die Verfassung von 1997 außer Kraft und entließ Parlament und Verfassungsgericht. Inzwischen heißt die Junta „Nationaler Sicherheitsrat“. Dass die Offiziere behaupteten, die Demokratie zu retten, mutet ironisch an. Sie verwiesen auf die beschädigte demokratische Kultur, Korruptionsvorwürfe gegen Thaksin und die Eskalation von Unruhen im muslimisch geprägten Süden.

Am 1. Oktober 2006 trat eine Interimverfassung in Kraft. Sie sieht die Ernennung einer Nationalversammlung sowie einer verfassunggebenden Versammlung durch den König vor. Zudem wurde eine Übergangsregierung unter dem früheren General Surayud Chulanont eingesetzt. Letztlich bleiben aber sämtliche Regierungsentscheidungen unter dem Zustimmungsvorbehalt der Junta unter ihrem Führer General Sonthi Boonyaratglin.

Zwar erklärt Artikel 18 der Übergangsverfassung die Justiz für unabhängig, doch das bedeutet nicht viel. Das Verfassungsgericht als Kontrollinstanz wurde nämlich aufgelöst und durch ein Verfassungstribunal mit sorgfältig ausgesuchten Personen ersetzt. Ihm war vor allem die Aufgabe zugedacht, über die Auflösung von politischen Parteien zu entscheiden. In der Hauptsache ging es dabei um die Demokraten, Thailands älteste Partei, und die Thai Rak Thai (Thais lieben Thai) des früheren Premiers Thaksin.

Am 30. Mai wurde zunächst das Verfahren gegen die Demokratische Partei entschieden, die vom Vorwurf der Verletzung des Wahlgesetzes und mithin der Verfassung freigesprochen wurde. Das Urteil über die Thai Rak Thai wurde erst am späten Abend bekanntgegeben: Sie wurde aufgelöst. 111 führende Mitglieder – darunter auch Thaksin – erhielten ein fünfjähriges Politikverbot. Problematisch ist indessen, dass die Militärs die Vorschriften, die Parteiauflösung und Politikverbot regeln, erst nach dem Coup erließen. Rückwirkende Regeln sind rechtsstaatlich fragwürdig. Auch hatte sich wieder der Monarch eingeschaltet. Einige Tage vor dem Urteil ermahnte er die Richter öffentlich, die Folgen ihrer Entscheidungen zu bedenken: Es war mit heftigen Protesten gerechnet worden, die bislang aber ausblieben.

Ein neuer Verfassungsentwurf sieht nun vor, dass das Volk künftig nur die Nationalversammlung wählt, während der König den Senat als zweite Parlamentskammer ernennt. Aus beiden Gremien sollen künftig die Richter der obersten Gerichte berufen werden, womit sich für die Politik wieder große Einflussmöglichkeiten abzeichnen.

Sicherlich hatte der thailändische Rechtsstaat schon unter der Regierung Thaksin Schaden genommen. Der Militärputsch vom September setzte sich aber über alle Grundsätze des demokratischen Rechtsstaats hinweg. Die sich andeutenden Tendenzen für die neue Verfassung scheinen daran vorläufig nichts zu ändern.

Clauspeter Hill
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Quelle:

http://www.inwent.org/ez/articles/055192/index.de.shtml
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Kubo

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #163 am: 15. September 2008, 19:17:48 »

Waitong, die Hoffnung stirbt zuletzt. Davon leben die Geier. Das Land wird nur nach viel, viel Blutvergiessen vorwärtskommen. Aber nicht nur mit einem. Es muss RICHTIG wehtun, so wie bei uns zwei Weltkriege.

So doll wie bei uns in 2 Weltkriegen braucht es vielleicht doch nicht zu werden, aber zeitlich gesehen könnte es schon so hinkommen.
Wer die Macht und das Geld hat, läßt sich nicht "demokratisch" vertreiben.  Ohne staatliche Totalpleite oder Revolution der Unzufriedenen geht das Kaspertheater also weiter, wie die Regisseure mit der militärischen Rückversicherung es inszenieren.  Für Ihren Zwecken dienliche "Verfassungen", Gesetze und Richter zu sorgen, ist für die mächtigen Drahtzieher kein Problem und obrigkeitsfürchtiges Volk, welches damit zu beherrschen ist, hat man sich schon seit Generationen herangezogen..
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Waitong

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Re: "Quo vadis" Thailand ?
« Antwort #164 am: 16. September 2008, 12:14:43 »

Kubo schreibt: Ohne staatliche Totalpleite oder Revolution der Unzufriedenen geht das Kaspertheater also weiter, wie die Regisseure mit der militärischen Rückversicherung es inszenieren.

Die Thais scheinen etwas aus der 97iger Finanz-Krise gelernt zu haben, daher ist eine Staatspleite wenig wahrscheinlich.  

Die Revolution der Unzufriedenen...  eigentlich ist mir das egal, weil auf das Kaspertheater steh ich nicht ...aber total egal ist es mir auch nicht ...man muß die "Buben" beobachten, um nicht anfangen nachdenken zu müssen, um eine Entscheidung zu finden, wenn die Sache in vollem Gang ist...wie hab ich zu meinen Kammeraden immer gesagt: absprungbereit müsst ihr sein (ich auch, ist doch klar).  ;D ;D ;D

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