Fortsetzung...
Ich habe den Strassenverkehr in und um Phayao etwas genauer beobachtet.
In der Stadt Phayao selbst wird gefahren, wie in jeder anderen Provinzhauptstadt auch, insofern ist hier nichts Besonderes zu berichten.
Die Entdeckung der Langsamkeit erfährt man jedoch, wenn man aufs Land heraus fährt. Wie mir Verwandte berichteten, braucht der Linienbus für die 75km kerzengeradene Strecke von Phayao- Stadt über Chun bis Chiangkham geschlagene 2,5 - 3 Stunden. Dies liegt daran, daß der unklimatisierte Bus jeden Fahrgast am Strassenrand aufnimmt und mit sage und schreibe 35- 50 km/h durch die Lande tuckert. Für die 95km von Chiang Rai nach Chiangkham braucht derselbe Typ Bus ca. 4 Stunden, wobei hierbei ein kleineres Gebirge mit einigen engen Kurven zu überwinden ist. Dieses Gebirge, welches kurz hinter Amphoe Thoeng anfängt, ist sehr unfallträchtig, wie man an den durchbrochenen Leitplanken und den Bremsspuren unschwer feststellen kann. Manchmal sieht man auch die Laster und PKWs noch im Graben liegen.
Kleine Realsatire am Rande: Die lokalen Behörden haben dort einige Schilder aufgestellt:
อุบัติเหตุ ? โทร 1669 (Bei Unfall 1669 anrufen)...ich sehe auf mein Handy- Display...kein Netz, da mitten im Wald.

Überhaupt nehmen es die Behörden mir ihrer Arbeit nicht so sehr genau: Ein Schwager hatte vor 4 Tagen mitten in der Stadt an einer Ampel einen Zusammenstoß mit einem anderen Pick-up.
Warum ? Die Stadtverwaltung hatte die Ampeln so gestellt, daß alle auf gleichzeitig "grün" hatten. Die Schuldfrage war somit recht klar, jedoch sagte ein Vertreter der Verwaltung, daß man keine Verantwortung übernehmen werde. Falls jemand nicht damit zufrieden sei, so solle er die Stadtverwaltung verklagen...am Ende sind beide Unfallparteien nach Hause gegangen und jeder hat seinen Schaden selbst bezahlt.
Das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer ist öfter auch sehr besorgniserregend. Die Mopeds schiessen ohne zu gucken aus den Seitenstrassen heraus oder biegen einfach auf die Hauptstrasse auf. Manche bremsen an der Eingabelung an, drehen den Kopf zu mir, sehen mich auf der Hauptstrasse herannahen...und geben freudig Gas. Das sorgt dann immer für Adrenalinstöße bei mir.
Fussgänger sind auch nicht ohne, denn Viele überqueren nach Lust und Laune die Strasse in der Stadt, ohne Anzeichen von Eile und ohne auf den Verkehr zu achten.
Die Parkerei vor dem einzigen 7-11 in der Innenstadt (es gibt noch einen bei der PTT- Tankstelle schräg gegenüber vom Spital) ist am Abend chaotisch, mit Autos in der zweiten und dritten Reihe parkend, bis fast die ganze Fahrbahn zugestellt ist. Das Personal bei 7-11 ist legendär freundlich, ganz anders als in bkk. Beim Eintritt in den Laden wird man fast immer mit "Sawasdee Jao" begrüßt. Das hört sich so schön an, dass man geneigt ist, nochmal rauszugehen, um es beim erneuten Eintritt nochmals hören zu können.
Ach ja, die Helmquote liegt bei ungefähr 5%, die Fahrgeschwindigkeit von Mopeds liegt so bei 40- 50 km/h ausserorts. Wenn ich von hinten nahe, bremse ich öfter runter, weil ich vom Fahrstil des Vordermannes ableite, dass dieser sicher gleich auf der Strasse wenden wird. Aber nichts, er/sie schleicht immer weiter geradeaus.
Sehenswert auch die älteren Damen, die mit dem Fahrrad und Regenschirm durch die Stadt fahren. Sieht man heutzutage nur noch selten in LOS.
Etwas Besonderes ist die Kurvenschneiderei: Trotz der geringen Fahrgeschwindigkeit lassen es sich die Meisten nicht nehmen, in Kurven ein "Abkürzung", sprich die Gegenfahrbahn zu nehmen, was immer wieder zu gefährlichen Situationen führt. Wieder Stichwort Adrenalin.
Gastronomie auf dem Land: Die ganzen Gastro- Ketten glänzen durch Abwesenheit, also nix mit Hot Pot, Daidomon, Fuji, Shabushi, Sizzler oder Oishi. Der nächste McDonalds ist in CNX, ca 220km entfernt (vielleicht gibts einen in CEI, habs aber noch nie bemerkt). Jediglich KFC ist da, aber immer so leer, daß man Angst haben muss, daß der bald wieder zumacht. Kein Wunder,
ไก่ทอด (Hähnchen) gibts vor dem Markt für 25 THB pro Schlegel, also knapp die Hälfte des Preises von KFC. Guat-dieauw kostet schlappe 15 THB und schmeckt ganz toll.

Was bleibt also für Dinner ? Richtig,
หมูกะทะ, das Korean BBQ. Das Buffet kostet hier 89 THB, allerdings ist die Auswahl nicht so reichhaltig wie in bkk. So fehlen Shrimps, Krebse und Garnelen vollständig.
Gewöhnungsbedürftig sind auch die Stosszeiten: Während in bkk der Laden erst so ab 20.30 - 21.00 voll wird, ist in Phayao schon ab 18.00 guter Betrieb. Ab 20.00 gehen die Leutz dann schon langsam wieder nach Hause und es wird leer. Um 22.00 ist dann meistens Feierabend.
Die Atmosphäre im Lokal ist auch gewöhnungsbedürftig, denn es ist fast totenstill, denn es gibt keine Live- Musik wie in bkk. Die Gäste reden auch nicht nicht viel oder laut; man sitzt am Tisch und isst und geht hernach zugig nach Hause. Mir ist mal im Lokal der Schlüsselbund am Tisch runtergefallen und ich hab den Aufschlag deutlich gehört, so niedrig war der Geräuschpegel.
Die Zubereitung der Zutaten und die Würzerei unterscheidet sich natürlich auf von bkk: Es ist eher deftig, so ungefähr wie Hausmacher Art in DACH. Singha Bier ist fast immer nach der 2. Flasche aus oder nicht mehr kalt im Kühlschrank....überhaupt hört man auf dem Dorf sehr oft in Läden die Antwort บ่มี (ist alle, aus).
Zum Schluss die Leute und wie sie ticken:
Es ist so, wie @hmh schon im anderen Thread sagte, daß man als Mann alleine durch den Norden fahren kann, ohne ständig irgendwelche Töchter oder kleine Schwestern angeboten zu bekommen. Der "Norder" ist zurückhaltent und von Grund auf anständig, da lass ich nix auf die Leutz kommen.
Gestern war ich bei "Greenwing", ein großer Honda- Händler im Norden, meine Mopedreifen aufpumpen lassen...kein Geld wollten die haben, nix. Ich hab dann 10 Baht auf die Werkbank gelegt. Der Monteur hat es mir sofort wieder zurückgegeben....Dasselbe Spiel gabs vor 2 Wochen, als ich den Spiegel habe richten lassen.
Letzten März haben wir mit dem Wagen eine Tour in die Berge zur laotischen Grenze gemacht, welche nicht weit von unserem Haus entfernt liegt. Dabei geht es einen Geröllweg sehr hoch nach oben, insgesamt knapp 20km unbefestigte Piste, 3 Meter breit. Rechts ist dann der Hang, links der Abgrund, manchmal richtig haarig. Es gibt dort keine Tankstelle, keine Banken, keinen Arzt, kein gar nix.
Dort oben wohnen die Hilltribes in ihrer Abgeschiedenheit, wir sind auf dem Weg nach oben durch 2-3 Dörfer gekommen. Dort oben bauen die Leutz u.a. Mais an den Steilhängen an. Natürlich ist unser Wagen in ein übles Loch eingebrochen, wie es sich für einen ortsunkenntlichen Fahrer gehört.
Und dann ? Dann kamen ein paar Hiltribes heran und haben uns geholfen, unseren Wagen aus dem Loch wieder rauszubekommen, was gar nicht so einfach war...ich hab denen dann hinterher 100 THB geben wollen, aber die wollten ausser einem "Danke" gar nix haben...da kann man ganz beschämt dastehen ob dieser Bescheidenheit.
To be continued...