Erlebnisse mit der Aktivierung meiner Lidl Prepaid Simcard CONNECT zu einem Kurzurlaub in Deutschland, eingeflogen mit Eurowings aus Bangkok/Thailand
Der Prepaid-Identifizierungszwang, der Verrückte macht…

Es ist mal wieder ein typischer Vorgang: Der pure Aktionismus unserer gewählten Volksvertreter bringt dem mündigen Bürger vor allem eines: Stress und Chaos. So geschehen mit dem Registrierungszwang für Prepaidkarten. Seit Juni muss sich jeder Käufer mit einem Personalausweis legitimieren. Damit das möglichst bürokratisch abläuft reicht nicht etwa der Blick des Postboten oder Verkäufers im Supermarkt auf den Ausweis – Nein, hier wird vorgegangen, als beantrage man Zugang in einen Hochsicherheitsbereich. Penibelste Ausweiskontrolle inklusive.
Begründung: Terrorgefahr durch anonym oder auf falsche Inhaberdaten registrierte Prepaidkarten. Wir starteten einen Versuch und testeten im Fall von LIDL Connect das dort angebotene Video-Identifizierungsverfahren. Das Verfahren dürfte dabei typisch sein für Discounter, die ihre Angebote im Netz von Vodafone bereitstellen.
Schon auf der Verkaufsverpackung wird darauf hingewiesen, dass die Freischaltung der Karte nur in Verbindung mit einem Identitätsnachweise möglich sein wird. Den Warnhinweis sollten alle Käufer ernst nehmen und genau prüfen, ob die technischen und räumlichen Voraussetzungen für eine Freischaltung über Video-Ident gegeben ist. Denn eine andere Möglichkeit zum Identitätsnachweis bietet LIDL Connect gleich gar nicht an. Im Internet ist der Hinweis dann etwas konkreter: Benötigt wird ein Notebook, Tablet oder Smartphone mit einer Kamera und Mikrofo. Auflösung mindestens 640 x 480 Pixel, eine stabile Internetverbindung und gute Lichtverhältnisse. In der Praxis bedeutet das wohl eher: High-End Smartphone mit Top-Kamera und ein fotostudioähnlich ausgestattetes Wohnzimmer mit aufs feinste abgestimmten Scheinwerfern auf den Protagonisten und gut justierte Strahler auf den Ausweis…doch alles der Reihe nach.
LIDL Connect empfiehlt, die vom für die Identifizierung zuständigen Unternehmen WebId Solutions bereitgestellte App zu verwenden. Dumm nur, dass diese mit unserem Testequipment nicht kompatibel ist (es handelt sich ja nur um ein aktuelles Huawei Honor 6X mit neuestem Android Nougat). Also probieren wir es über den in der Email beigefügten Link. Die Prüfung des Browsers ist erfolgreich und wir geben per Klick Kamera und Mikrofon frei. Kurze Zeit später meldet sich er erste Mitarbeiter, sagt kein Wort und beendet die Verbindung. Gut, kann ja mal passieren. Wir probieren es nochmal. Nun hören wir eine Frauenstimme und sehen die Kollegin in einem kleinen Bildchen auch. Mehr als ein „guten Morgen, ich kann Sie nicht sehen…“ bekommen wir nicht zu hören – Verbindung wieder unterbrochen. Ganz offensichtlich sollte im großen schwarzen Bildschirm darüber eigentlich das Bild des Anrufers zu sehen sein, es bleibt aber schwarz. Auch weitere Versuche schlagen fehl. Wir entschließen uns, einen erneuten Versuch mit einem Tablet zu starten.
Immerhin: Hier klappt die Verbindung und nach wenigen Sekunden sprechen wir schon mit einer Mitarbeiterin, die uns auch sehen kann. Es folgt zuerst die obligatorische Frage nach der Aufzeichnung des Gesprächs, diese bejahen wir. Nun folgt der Abgleich des Geburtsortes und -datums. Anschließend wird es spannend. Wir müssen die Vorderseite des Ausweises in die Kamera halten. Näher…noch näher…leider wird nun das Bild unscharf und die Mitarbeiterin beschwert sich. „Können Sie die Kamera scharfstellen?“ Haha…am Tablet mit Autofocus. Wir sollen das Licht anmachen. Aber wir sitzen bereits in einem ausreichend durchfluteten Wohnzimmer mit ordentlicher Morgensonne (der Zeitpunkt sollte auch sorgsam gewählt sein; nach der Arbeit in der Dämmerung geht die Chance der erfolgreichen Aktivierung vermutlich gegen Null). Schließlich entfernen wir den Ausweis wieder etwas von der Kamera und die Mitarbeiterin ist vorerst zufrieden. Wer schon viele Selfies gemacht hat oder gar spontaner Youtuber ist, der dürfte deutlich leichteres Spiel beim folgenden Prozedure haben: Ausweis nach oben kippen, nach unten, nach rechts…nach Links. Diese Übungen kannte ich zuvor nur von meinem halbjährlichen Besuch bei Frau Dr. Schütze (Anm. der Redaktion: Das ist meine Augenärztin) – nur dort ging es um die Augen. Nun musste ich den Ausweis drehen zwecks Adressabgleich. Nunja, ich hätte wissen müssen, dass der Ausweis keinesfalls mit einem Adressänderungsaufkleber versehen sein darf. Denn jetzt geht der Spaß erst richtig los.
Egal wie nah oder fern ich den Ausweis halte, die Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung kann den Text nicht lesen. Erst soll ich das Licht im Wohnzimmer anschalten (bringt nichts!!), dann fragt sie nach einer Taschenlampe im Gerät. Damit kann ich auf der Frontseite aber nicht dienen und auch auf der Rückseite hat mein Tablet keine solche Einrichtung (zumal ich nicht wüsste, wie ich denn nun verdammt nochmal auf die rückseitige Kamera schalten soll). Nun soll ich mich zum Fenster begeben und wir spielen weiter. „Das ist ja so kleiner Text und auch noch mit Serifen, das kann ja keiner Lesen“…Fast schon entschuldigend gebe ich zu verstehen, dass diese Adressänderungsaufkleber nunmal so klein bedruckt sind. Beim nächsten mal auf dem Bürgeramt bestehe ich aber auf Schriftgröße 14, ganz sicher!! Nach ganz viel Mühe schaffen wir es dann tatsächlich. Nun noch ein nettes Portraifoto – nicht von unten, nicht von oben – gar nicht so einfach mit dem Tablet in der einen und dem Ausweis in der anderen Hand. Puh. Irgendwann haben wir es dann doch geschafft. Die Worte „Ich konnte die Identifizierung erfolgreich abschließen“ waren noch nicht mal verhallt, da wurde die Verbindung schon unterbrochen. Schade, ich hätte nun doch gerne nochmal nach der ganzen Aufregung flink einen Blick auf die Mitarbeiterin geworfen, wenn man schon einmal Videotelefoniert…
Ein Glück, dass vor allem Jugendliche zur Zielgruppe von Prepaid gehören. Denn kaum ein älterer Bürger wird dieses Prozedure ohne Hang zum Nervenzusammenbruch heil überstehen. Demnach prüfen Sie vorher genau die technischen Voraussetzungen und Lichtverhältnisse, bevor Sie sich für eine solche Prepaidkarte entscheiden.
Um es nochmal klar zu machen: Den Anbietern geben wir hier keine Schuld. Allerdings: Von Einfachheit ist das jetzige Verfahren weit entfernt und die Attraktivität von Prepaid dürfte ganz erheblich unter diesen neuen Regelungen leiden. Deshalb müssen hier schnell neue Ideen her, die es einfacher machen, sich als rechtmäßiger Nutzer zu legitimieren.
Alles lesen:
https://www.prepaid-wiki.de/der-identifizierungszwang-der-verrueckte-macht/Ihre Identifizierung für LIDL Connect – Einfach, sicher, schnell – durch die Deutsche Post.
POSTIDENT durch Videochat
Im Livechat mit einem Mitarbeiter der Deutschen Post identifizieren.
Der Videochat ist derzeit nicht besetzt.
Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt, so dass Sie das Verfahren zu einem späteren Zeitpunkt durchführen können.
Identifizieren Sie sich mittels Videochat bei einem Mitarbeiter der Deutschen Post.
Öffnungszeiten:
Jeden Tag von 8:00 bis 22:00 Uhr (außer an bundesweiten Feiertagen)

Voraussetzungen für Video-Identifikation:
Gültiges Ausweisdokument: Personalausweis oder Reisepass.
Staatsbürger aus Syrien und Afghanistan benötigen einen Elektronischen Aufenthaltstitel (deutsch) mit ReisepassComputer, Tablet oder Smartphone mit einer Kamera (Mindestauflösung: 640 x 480 Pixel)
Stabile Internetverbindung
Gute Lichtverhältnisse
