Die neue Dating-Show «Naked Attraction» zeigt den Abgrund unserer Gesellschaft: Kandidaten wählen ihren Traumpartner anhand ihrer Genitalien und erhoffen sich dadurch die grosse Liebe.

Seit vergangenem Montag ist es wirklich keine gute Idee mehr, sich einfach mal durch das abendliche Fernsehprogramm zappen zu wollen. Nichts ahnend könntest du dich nämlich in dem niveaulosen, mittelalterlichen Spektakel wiederfinden, das sich «Naked Attraction» schimpft. Es ist genau das, wonach es sich anhört. Für alle Glücklichen, die der Dating-Sendung bisher entkommen konnten, hier eine kurze Rekapitulation.
Sechs nackte Frauen und Männer stehen in bunten, neonfarbenen Boxen. Ihre Körper sind durch Milchglasscheiben verdeckt. Vor besagten Boxen steht der «Picker», also die Person, die die Kandidaten bewertet und sich auf ein Date mit dem Gewinner sichern darf. Und weil RTL natürlich nicht als sexistischer Arschlochsender rüberkommen will, startet die würdelose Fleischbeschau mit sechs Männern, die ihre mehr oder weniger haarigen Schambereiche in die Kamera strecken.
«Also, der ist ja wirklich ... ganz symmetrisch hängt der da»
In jeder Runde fährt die Scheibe weiter hoch, um mehr vom Körper des Kandidaten zu enthüllen. Der Picker läuft dann reihum und bewertet die entblössten Pimmel, Muschis, Ärsche und Brüste. Dabei kommen so eloquente Dialoge zwischen der Moderatorin Milka Loff Fernandes und dem Picker zu stande wie: «Also, der ist ja wirklich ... ganz symmetrisch hängt der da ... wie gemeisselt.» Oder auch: «Was sagst du dazu, dass der Popo so behaart ist?», «Ein schöner Apfel-Popo!» Auch der Bildungsaspekt darf natürlich nicht fehlen: So erfährt man durch eingeblendete Diagramme und Grafiken allerlei Möchtegernwissen rund um die eigene Sexualität.
Sind die beiden Finalisten gewählt, muss auch der Picker blankziehen. Ein letztes Mal wird sich zwischen beiden entschieden und dann kann geht’s auf zum ersten richtigen Date – mit Klamotten, ganz angezogen. In der Bar unterhält sich das Match dann über Katzenbabies, aufkommende Kinderwünsche oder erzählt, dass er oder sie «eigentlich viel mehr Wert auf die inneren Werte legt.» Ist klar, ne?
Diese verdammte Sendung spiegelt den Abgrund der Menschheit auf unseren Bildschirmen wider. Dass es dieses Konzept überhaupt in die Produktion geschafft hat, ist ein absolutes Wunder. Wer zur Hölle denkt sich so einen Scheiss eigentlich aus? Und wieso darf das zu Uhrzeiten ausgestrahlt werden, zu denen auch 13-16-Jährige noch nicht im Bett schlummern?
1,45 Millionen Menschen ziehen sich diese Scheisse rein
Die Kandidaten, die bei der Show mitmachen, können zudem nicht ernsthaft erwarten, in den hässlichen Neonröhren tatsächlich den Traumprinzen oder die Traumprinzessin zu finden. «Naked Attraction» ist nicht nur plump, es reduziert Menschen ausschliesslich auf ihr Äusseres, nimmt dem Dating die Spannung und dem Sender den letzten Funken Niveau – und das alles für die Einschaltquoten. Die, wie man bemerken muss, nicht niedrig waren: Rund 1,45 Millionen Menschen haben sich die Erstausstrahlung reingezogen.
Was das nun über unsere Gesellschaft aussagt, sei dahingestellt. Wir haben jetzt wirklich alles gesehen. Was soll denn bitte als nächstes kommen? Live-Sex vor der Kamera? Ach stimmt, das gibts ja schon. Findet man aber eher auf YouPorn als im gängigen Fernsehprogramm. Du schützt auf jeden Fall deine Hirnzellen, wenn du beim nächsten Fernsehabend einfach weiterschaltest.
«Naked Attraction» läuft jeweils montags um 22.15 Uhr auf RTL II.