Lieber udo 50,
ich bewundere Deine Hausarzttreue, den Rat/die Aussage Deines Hausarztes bewundere ich nicht, er ist nämlich grob falsch!
Die Existenz von Gallenblasen-/Gallenwegssteinen rechtfertigt diee Operation. Der dazugehörige Diagnoseschlüssel für Deinen Hausarzt lautet
K 80.2.
Man wartet eben nicht, bis eine Entzündung der Gallenblase oder schwere Koliken aufgetreten sind, sondern entfernt die Gallenblase endoskopisch im so genannten "schmerzfreien Intervall".
Der Eingriff hat in diesem Intervall die geringste Komplikationsrate, ein dreitägiger Klinikaufenthalt ist meist völlig ausreichend.
Wenn Du Dich mit rechtsseitigen Oberbauchschmerzen in einer Klinik vorstellst - Du brauchst Dir diese Schmerzen ja ausnahmsweise nur einmal vorstellen - dann bekommst Du üblicherweise einen Termin zur geplanten endoskopischen Gallenblasenentfernung.
Einfach zuzuwarten ist m. E. unverantwortlicher Blödsinn.
Ich will Dir nicht zum Hausarztwechsel raten, seinen Empfehlungen würde ich aber in Zukunft sehr skeptisch gegenüberstehen.
Für alle "Gallensteininteressierten" füge ich den Artikel (hier leider ohne die in der Zeitung mitveröffentlichten Bilder) bei, den ich vor längerer Zeit in der TIP-Zeitung veröffentlicht habe. An seiner Aussage und Aktualität hat sich seither nichts geändert:
GALLENSTEINLEIDEN
Gallensteinleiden zählen zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland, die ein chirurgisches Eingreifen erforderlich machen. Heutzutage sind Gallenblasenoperationen zur Entfernung der Galenblase mitsamt den darin befindlichen Steinen die zweithäufigste allgemeinchirurgische Operation in den chirurgischen Kliniken Mitteleuropas. Betrachtet man die Gruppe der weiblichen Patienten isoliert, dann dürfte Die Gallenblasenentfernung sogar die häufigste allgemeinchirurgische Operation sein.
Etwa 15% der Bevölkerung entwickeln im Laufe ihres Lebens ein Gallensteinleiden, Frauen dabei wesentlich häufiger als Männer.
Die meisten Gallensteinleiden treten erst jenseits des vierzigsten Lebensjahres auf, aber auch in der Jugend können sich schon Beschwerden zeigen, meine jüngste Patientin war einmal gerade 15Jahre alt.
Frauen sind, wie schon gesagt, häufiger betroffen.
Früher haben wir in der Ausbildung eine Faustregel gelernt, die trotz der weit besseren Kenntnisse über die Gallenblasenleiden immer noch einen gewissen Sinn behallten hat, die 5-F-Regel.
Sie besagt dass Patienten besonders gallensteinanfällig sein sollen, wenn sie die folgenden Bedingungen mehr oder weniger erfüllen.
F1: female – weiblich
F2: fertile – fruchtbar (hat Kinder geboren)
F3: fad – fett/übergewichtig
F4: forty – 40Jahrealt oder älter
F5: fair – blond/hellhäutig
Amerikanische Studenten mussten noch ein 6.“F“ dazulernen. F6 steht für „family“ und soll daran erinnern dass Gallensteinleiden familiär gehäuft beobachtet werden.
Gallensteinleiden treten familiär gehäuft auf, es gibt regelrechte „Gallensteinfamilien“, in denen so gut wie jedes Familienmitglied, aber immer alle Frauen im Laufe ihres Lebens ein Gallensteinleiden entwickelten.
Befragt der Arzt bei der Aufnahmeuntersuchung seine Gallensteinpatienten, so wird ihm fast regelhaft berichtet, dass Mutter, Schwester oder Tante, aber auch seltener männliche Familienangehörige bereits operiert werden mussten.
Mit einer Auftretenswahrscheinlichkeit von 15% sind die Mitteleuropäer noch gar nicht schlecht bedient. Einige Indianerstämme Nordamerikas sind mit 70% weit schlimmer betroffen, in Asien dagegen soll die Krankheit etwas seltener auftreten.
Wir wissen heute, dass Gallensteinleiden wenigstens teilweise vererbt werden. Wir kennen heute einige Genmutationen, die offensichtlich mit für die Bildung von Gallensteinen verantwortlich sind. Diese Genveränderungen bewirken Stoffwechselstörungen in der Leber, die die Steinbildung „erleichtern“.
Es gibt weitere Stoffwechselstörungen, die von Genveränderungen unabhängig ebenfalls die Lithogenese (Steinbildung) fördern.
Neben diesen Stoffwechselstörungen sind aber sicher auch alle Gallenabfußbehinderungen wie zum Beispiel Verengungen der Gallenwege dazu angetan, einer Gallensteinentstehung Vorschub zu leisten.
Wir wissen zusätzlich, dass bei einigen Erkrankungen, die mit der Gallenblase zunächst gar nichts zu tun haben scheinen, ebenfalls deutlich gehäuft Gallensteinleiden auftreten.
Dazu gehören zum Beispiel die Zuckerkrankheit, krankhafte Fettsucht, Fettstoffwechselstörungen wie die Hypercholesterinämie, Erkrankungen der Nebenschilddrüsen und noch etliche mehr.
Um das maß voll zu machen, gibt es auch noch Arzneimittel, die die Gallensteinbildung zu fördern scheinen. Am bekanntesten sind hier wohl die Antibabypillen.
Alles in allem also kein Wunder, dass Gallensteinleiden so häufig sind.
Warum bilden sich Gallensteine ganz bevorzugt in der Gallenblase?
In der Gallenblase, die lediglich ein „Gallenflüssigkeitszwischenlager“ ist, kommt der Gallenfluss zum Stehen, es wird nach einer Mahlzeit kaum zur jeweils vollständigen Entleerung der Gallenblase kommen, sodass mehr oder weniger Gallenflüssigkeit in der Gallenblase „stehen bleibt“.
Hier können sich nun zuerst ganz kleine Steinchen („Gallengrieß“) bilden, die dann – wenn sie nicht vor einer Größenzunahme ausgeschieden werden – in der Gallenblase an Größe mehr und mehr zunehmen. Große Gallensteine können die gesamte Gallenblase ausfüllen, man spricht dann von „Tonnensteinen“.
Bild 1: Tonnenstein im „Merzedesdesign“
Bild 2: Steingefüllt Gallenblase (Operationspräparat)
Gallensteine sind in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Stoffwechselstörung von ganz unterschiedlicher Form und Beschaffenheit.
Die meisten Gallensteine sind nicht sehr hart, sodass sie mit geeigneten Geräten in der Gallenblase zertrümmert werden können. Man unterscheidet (grob) Colesterinsteine, Calciumsteine und Bilirubinsteine.
Bild 3: Gallenstein in unterschiedlicher Größe und Form
Unsere Gallenflüssigkeit, die zusammen mit der Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit (Pankreassekret) zum Verdauen unserer Nahrung nötig ist, wird in der Leber gebildet. Ohne Gallenflüssigkeit können wir nicht leben, ohne unsere Gallenblase aber sehr wohl,
Die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit wird über die Gallengänge in der Leber, die immer größer werden, je weiter sie zum Leberausgang („Leberpforte“) zustreben, in den Hauptgallengang geleitet, in dem die Galleflüssigkeit schließlich unsere Leber verlässt. Ein Teil dieser Gallenflüssigkeit wird in der Gallenblase, die sozusagen im Nebenschluss zum Hauptgallengang liegt, zwischengespeichert. Nach einer Mahlzeit wird ein Reiz auf die muskuläre Gallenblasenwand ausgesendet, der die Gallenblase dazu anregt, sich zusammenzuziehen und so die zwischengelagerte Gallenflüssigkeit auf dem Wege über gen Gallenblasengang (ductus zysticus) in den Hauptgallengang zurück zu entleeren.
Der Hauptgallengang (ductus choledochus) mündet meist zusammen mit dem Bauchspeicheldrüsengang (ductus pancreticus) in den Zwölffingerdarm (Duodenum).
Bild 4: Lage der Oberbauchorgane
Man sieht die am Unterrand der Leber hängende Gallenblase (Gallbladder) und erkennt den Hauptgallengang (common bile duct), der zusammen mit dem Bauchspeicheldrüsengang (Pancreatic duct) durch den kleinen Schießmuskel (Major duodenal papilla) in den Zwölffingerdarm (Duodenum) mündet. Der Magen (Stomach) liegt im Körper viel näher an der Gallenblase, hier sind aus Gründen der Übersichtlichkeit die einzelnen Organe etwas auseinander liegend dargestellt.
Steigt also der Gallenflüssigkeitsdruck im Hauptgallengang an, so öffnet sich ein kleiner Schließmuskel, der den Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang zum Zwölffingerdarm hin verschließt, Galle und Pankreassaft können in den Dünndarm fließen, wo sie die Nahrungsmittel, die im Magen schon vorverdaut wurden, weiterverdauen können. Die Gallenflüssigkeit aktiviert das Pankreassekret. Bei der Verdauung verfärbt sich unser Stuhlgang unter dem Einfluss der Gallenflüssigkeit zu seiner charrakteristischen dunkelbraunen Farbe.
Wir wollen uns also merken, dass erst die Gallenflüssigkeit, kurz Galle genannt, den Bauchspeicheldrüsensaft „aktiviert“. Weiter wollen wir uns noch einmal klarmachen, dass Gallensteine durchaus auch bereits in den Gallengängen der Leber gebildet werden können, wo sie allerdings nur in seltenen Fällen verbleiben, da der Gallenfluss sie meist in den Dünndarm befördert, ehe sie einen relevante beschwerdenverursachende Größe erreichen.
Beides wird später noch von Bedeutung sein.
Wenn alles ein Leben lang so funktioniert, wie die Natur sich das ursprünglich einmal ausgedacht hatte, dann merken wir von unserer Gallenblase und den mit der Gallenflüssigkeit verbundenen Verdauungsvorgängen nie etwas.
Bei schon geringer Störung des Gleichgewichts in unserem Körper können sich aber Steine in der Gallenblase und auch in den Gallengängen bilden, die den Betroffenen erheblich zu schaffen machen können.
Aber erst einmal vorweg: Nicht jeder Mensch, der Gallensteine gebildet hat, bekommt auch prompt spürbare Beschwerden.
Viele Menschen bemerken während ihres ganzen Lebens nichts von der Existenz ihrer Gallensteine. Früher wurden sie dann meist erst bei der Obduktion der Verstorbenen (in Österreich grundsätzlich per Gesetz, in Deutschland (leider) nur selten durchgeführt) entdeckt. Heutzutage lassen sich Gallensteine – soweit vorhanden – bei jeder gründlichen Ultraschalluntersuchung unseres Bauchraumes auffinden.
Es ist in unseren Tagen immer seltener geworden, dass Gallensteine nicht irgendwann im Leben Probleme bereiten. Das erklärt sich sicher zu einem ganz großen Teil daraus, dass wir mit unseren Gallensteinen, die wir meist im mittleren Lebensalter bilden, immer länger leben müssen. Bei der früher viel geringeren Lebenserwartung haben viele Menschen ihr Gallensteinleiden nie erlebt, einfach weil sie aus irgendwelchen anderen Gründen verstarben, ehe die Gallensteine Probleme zu bereiten begannen.
Heute muss man dringend davon ausgehen, dass Gallensteine nicht ein langes Leben lang unbemerkt ertragen werden. Ein großer Teil der Patienten, die wir operieren, ist denn auch schon im besten Alter, aber bis ins hohe Alter können Gallensteine ernste Probleme verursachen.
Was machen die Steine in der Gallenblase?
Nun, zunächst einmal meist gar nichts! Sie werden einfach mit der Zeit größer, auf jeden Fall aber so groß, dass sie nicht mehr einfach den dünnen Gang, der Gallenblase und Hauptgallengang miteinander verbindet (ductus cysticus), problemlos passieren können.
Haben die Steine eine gewisse Größe erreicht, so kann von ihnen ein Reiz auf die Gallenblasenwand ausgehen, der schließlich zur Entzündung der Gallenblase führt. Dadurch entsteht ein dumpfer Schmerz im Oberbauch, meist etwas nach rechts von der Mittellinie versetzt, oft auch mit einem Schmerzmaximum unter dem rechten Rippenbogen. Manche Patienten berichten, dass der Schmerz in die Gegend unter dem rechten Schulterblatt ausstrahlen würde. Zu den Schmerzen gesellen sich oft noch Übelkeit und Brechreiz, meist ohne eigentliches Erbrechen. Die Patienten fühlen sich schwer krank.
Bild 5: Die ganze Gallenblase ist hochakut entzündet, die Gallenblase selbst ist eitergefüllt, im Eiter schwimmen deutlich erkennbar viele Steine.
Durch Übelkeit und Appetitlosigkeit bedingt, nehmen die Patienten wenig oder auch gar keine Nahrung zu sich und entlasten so ihr Verdauungssystem.
Ist die Immunsituation der Patienten ausgezeichnet, dann kann die Gallenblasenwandentzündung sich ohne weiteres ärztliches Eingreifen wieder zurückbilden, krampflösende Arzneimittel und Mittel gegen die Übelkeit können neben Antibiotika den Prozess der Entzündungsrückbildung maßgeblich unterstützen.
Für diese Mal ist dann alles noch einmal gut gegangen.
Lässt sich unter Diät, Ruhe und Medikamenten keine Besserung herbeiführen, müssen die Patienten nach Sicherung der Diagnose operiert werden, nicht wenige notfallmäßig!
Es gibt aber auch noch andere Gallensteinbeschwerden, die berüchtigten Gallenkoliken.
Zu diesen Koliken kommt es, wenn sich ein Stein vor den Ausgang der Gallenblase im so genannten Gallenblasenhals verklemmt und so den Abfluss der in der Gallenblase zwischengelagerten Gallenflüssigkeit verhindert.
Bild 6: Der mit dem Pfeil bezeichnete Stein hat den Gallenblasenausgang ventilartig verlegt, die Folge waren heftige Gallenkoliken. (aufgeschnittene Gallenblase, Operationspräparat)
Die Gallenblase versucht nun immer wieder, sich zusammenzuziehen, um durch die dadurch hervorgerufene Druckerhöhung den Stein in den Hauptgallengang loszuwerden. Ab einer gewissen Steingröße ist das aber technisch nicht mehr möglich, was unsere „dumme“ Gallenblase aber nicht erkennt. Sie zieht sich also immer wieder und immer wieder zusammen, der Druck auf die Gallenblasenwand wird zunehmend schmerzhaft. Der Patient empfindet das als wellenartig auftretenden „hellen Schmerz“, kurz als Kolik. Dieser fatale Zustand kann bis zur völligen Erschöpfung anhalten, manche Patienten geben an, sie hätten das Gefühl, vor lauter Schmerzen wahnsinnig werden zu müssen.
Mit dem Schmerz kommt häufig ein Brechreiz, der die Patienten immer wieder erbrechen lässt, „bis schließlich nur noch Galle rauskommt“.
Anderweitig schwer vorerkrankte Patienten könne durchaus einmal eine derartige Attacke nicht überleben.
Gallensteinbeschwerden können sich aber auch sozusagen als „Magenschmerzen“ äußern. Das erklärt sich aus der unmittelbaren Nähe der Gallenblase zum Magen. Entzündet sich die Gallenblase, so kann die Entzündung auf die daneben liegende Magenwand übergreifen, ohne dass der Magen eigentlich selbst erkrankt ist. Der Arzt spricht dann von einer „Sympathischen Magenmitreaktion“ (sympathein (griech.) – mitleiden, mitempfinden).
Ehe die Diagnostik der Gallensteinleiden mittels Ultraschalluntersuchung allgemein üblich und leicht durchführbar wurde, wurden viele Patienten mit Gallensteinen als „Magenpatienten“ fehlbehandelt. Das kommt auch heute noch vor!
In manchen Kliniken oder Fachpraxen wird deshalb häufig zu jeder Oberbauchuntersuchung mit Ultraschall auch noch eine Magenspiegelung durchgeführt. Das ist nicht grob falsch, aber meist einfach überflüssig.
Bei eindeutigem Ultraschallbefund und spätestens beim Auftreten entsprechender Beschwerden ist vernünftiger weise an einer Operation nicht mehr vorbeizukommen. Am besten operiert man Gallensteinpatienten sogar dann, wenn gar keine Beschwerden vorliegen, also im so genannten „beschwerdefreien Intervall“.
Wenn Patienten mit mäßigen Gallenbeschwerden kommen, macht es durchaus Sinn, durch Medikamente und entsprechende Diät den Reizzustand abklingen zu lassen, um erst im beschwerdefreien Intervall operieren zu müssen.
Viele Patienten lassen ihren Ärzten diesen Behandlungsspielraum leider nicht, sie müssen notfallmäßig unters Messer, haben also einmal mehr die bei weitem zweitbeste Lösung gewählt!
Was ist an der Operation im beschwerdefreien Intervall so viel besser?
Nun, das sagt uns eigentlich schon unser gesunder Menschenverstand.
Beschwerdefreie, kreislaufstabile Patienten haben immer ein viel geringeres Narkose- und Operationsrisiko. Der Narkosearzt tut sich viel leichter, der Chirurg hat im nicht entzündeten Operationsgebiet eine viel bessere Übersicht, die Blutungsneigung ist weit geringer, die Operationszeit deutlich kürzer, der Patient erholt sich wesentlich schneller von dem Eingriff. Wahrscheinlich habe ich hier auf die schnelle noch einige weitere Vorteile unterschlagen.
Gallenblase und –steine werden heute meist laparoskopisch/endoskopisch entfernt (Laparoskopische Cholezystektomie). Diese Operationsmethode ist wesentlich schonender für den Patienten, da auf einen großen Bauchschnitt und die völlige Eröffnung des Bauchraumes (bei der „konventionellen Cholezystektomie) verzichtet werden kann. Diese Operationsart kann allerdings nur angewendet werden, wenn eine ausreichende Übersichtlichkeit gegeben ist. Durch massive Entzündungen („verschlampte Gallenblase“) kann die Übersichtlichkeit im Operationsgebiet so sehr eingeschränkt sein, dass man auf die viel belastendere althergebrachte Bauchschnittoperation zurückgreifen muss.
Nun kann man sich fragen, warum Gallensteine nicht wie Nieren- oder Harnleitersteine oder auch Harnblasensteine mittels Ultraschall zertrümmert werden, sodass die danach ganz kleinen Brösel auf natürlichem Weg die Gallenblase verlassen können.
Man hat diese Methode in der Tat langezeit probiert, sie allerdings dann wegen erwiesenem Verfahrensnachteil wieder verlassen. Es gibt allerdings immer noch ganz vereinzelt Internisten, die ihren Gallensteinpatienten gerade dieses Verfahren nahe legen, bei Nierensteinen ginge es doch schließlich auch.
Wo liegt der Denkfehler?
Ultraschallwellen sind geeignet, um sehr harte Steine zu kleinsten Reststeinchen zu zertrümmern. Nieren- und Harnleitersteine sind meist sehr hart, hier funktioniert die Methode („Urolithotripsie, extracorporale Stoßwellenlithotripsie“) also, auch wenn der Abgang der kleinen Steinreste durch den engen Harnleiter mit heftigsten Nierenkoliken verbunden sein kann.
Gallenblasensteine sind meist relativ weich und reagieren damit auf die Ultraschallstoßwellen nicht wie erhofft.
Aber das ist gar nicht der Hauptgrund dafür, dass man dieses Verfahren bei Gallensteinen nicht zur Anwendung bringen sollte. Hier steht anderes im Vordergrund.
Man weiß aus Erfahrung, dass sich in der kranken Gallenblase immer wieder Steine bilden würden, sodass der Behandlungserfolg von kurzer Dauer wäre, ließe er sich bei ausnahmsweise einmal harten Gallensteinen tatsächlich unter Inkaufnahme der damit verbundenen Gallenkoliken erzielen. Es macht also viel mehr Sinn, das kranke Organ, also die Gallenblase, zu entfernen.
Der Mensch kann ohne Gallenblase ohne jedwede Einschränkungen weiterleben, sehr viel besser sogar, als mir einer kranken Gallenblase.
Die Nieren kann man dagegen nicht ohne lebensbeeinträchtigende Folgen entfernen. Hier muss man die Stoßwellenzertümmerung der immer wieder auftretenden Nierensteine als bestes verfügbares Mittel dankbar akzeptieren.
Auf die Gallenblase kann man also verzichten, aber wie sieht es nach der Gallenblasenentfernung aus? Muss man für den Rest seines Lebens eine bestimmte Diät einhalten?
Nein, nur während der ersten Wochen nach der Operation macht es Sinn, seine Verdauung zu entlasten. Danach sind keine weiteren Diätmaßnahmen erforderlich, jedenfalls keine, die sich aus der nun fehlenden Gallenblase ergäben.
Dass viele von uns aus anderen allerbesten Gründen manchmal etwas Diät halten sollten, steht auf einem anderen Blatt.
Können Gallensteine außer den schon genannten Schmerzen auch noch andere missliche Folgen nach sich ziehen?
Leider ja!
Im Rahmen einer Gallenblasenentzündung kann die Gallenblasenwand bei ausbleibender Operation so verletzlich werden, dass Gallensteine die Gallenblasenwand durchdringen, die Gallenblase also „platzt“.
Die Gallensteine entleeren sich dadurch samt der Gallenflüssigkeit in die Bachhöhle, wodurch es zur „galligen Bauchfellentzündung“ (gallige Peritonitis) kommt. Es besteht dabei unmittelbare Lebensgefahr, ein erheblicher Prozentsatz der betroffenen Patienten verstirbt trotz intensivster chirurgischer und intensivmedizinischer Bemühungen.
Als eine weitere Möglichkeit kennen wir den Weg des Gallensteines durch die entzündete Gallenblasenwand in mitentzündete Darmschlingen, was wiederum einen Darmverschluss zur Folge haben kann. Auch hier besteht unmittelbare Lebensgefahr, oft kann der Patient bei ausgedehnteren Entzündungen im Bauchraum nur durch die Anlage eines künstlichen Darmausganges (Anus Praeter) gerettet werden. Das alles wegen nicht rechtzeitig operierter Gallensteine? Leider ja! Aber es kann noch schlimmer kommen.
Gallensteine, die es geschafft haben, den Gallenblasengang zu passieren, können am oben erwähnten Schließmuskel stecken bleiben und so den Gallenabfluss verhindern.
Im „günstigeren“ Fall kommt es dann „nur“ zu heftigsten kolikartigen Schmerzen, die sich durch Schlitzung des kleinen Schließmuskels mit nachfolgender Steinentfernung aus dem Hauptgallengang beheben lassen. Das macht man über eine Magenspiegelung mit einem besonderen Endoskop („Magenschlauch“). Das Verfahren heißt in der gängigen Abkürzung „ERCP+EST“.
Danach lässt man den Patienten möglichst beschwerdefrei werden, um im beschwerdefreien Intervall die meist immer noch steintragende Gallenblase endoskopisch operativ zu entfernen.
Im „ungünstigeren“ Fall kann Gallenflüssigkeit in die Bauchspeicheldrüse hinüberfließen, was dort prompt zur Aktivierung des Bauchsspeicheldrüsensaftes (Pankreassekret) führt mit der Folge, dass sich die Bauchspeicheldrüse selbst zu verdauen beginnt! Der Patient bekommt also eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, befindet sich also in akuter Lebensgefahr. Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung endet auch heute noch gar nicht selten mit dem Tod des Patienten.
War’s das jetzt?
Keineswegs, es geht noch schlimmer!
Gallenblasenkarzinome sind selten, Gott sei Dank.
Gallenblasenkarzinome können nie geheilt werden, das ist die andere Seite der Medaille. Die Überlebenszeit nach Diagnosestellung eines Gallenblasenkrebses beträgt auch heute noch weniger als ein Vierteljahr!
Gallenblasenkarzinome treten nur in „Steingallenblasen“ auf.
Daraus kann nun jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.
Ich will nun abschließend kurz einmal erzählen, wie eine Gallenblasenoperation so vor sich geht.
Zuerst schildere ich die heute wünschenswerte endoskopische Gallenblasenentfernung, die „laparoskopische Cholezystektomie“.
Gallenblasen- und Gallenwegsoperationen werden in Vollnarkose durchgeführt.
Laparoskopische Gallenblasenentfernung
Der Patient liegt bei der Operation auf dem Rücken.
Nachdem die Narkosewirkung eingesetzt hat, wird der Bauch sorgfältig mit Desinfektionslösungen abgewaschen, danach wird der gesamte Körper bis auf die Bauchdecke mit sterilen Tüchern abgedeckt.
Man sticht nun eine stumpfe Nadel in der Nabelgegend bei gleichzeitigem Anheben der narkosebedingt schlaffen Bachdecke in den Bauchraum ganz vorsichtig hinein. Durch diese Nadel, die eine kleine seitliche Öffnung hat, strömt nun Kohlendioxidgas in den Bauchraum hinein, wodurch sich die Bauchdecke wie eine Kuppel über dem Bauchraum aufspannt.
Der Chirurg schafft sich dadurch einen nach außen geschlossenen Raum, in dem er arbeiten kann.
Bild 7: Hier sind die endoskopischen Operationsinstrumente schon im Bauchraum platziert
Er kann nun seine Operationsinstrumente nacheinander in den Bauchraum einführen, er beginnt dabei mit einem etwa kugelschreiberdicken Instrument, das neben der Kamera Kaltlicht beinhaltet. Die Kameraoptik vergrößert das Bild 4-fach. Der Operateur sieht also bei der Operation alles im allerbesten Licht und auch noch vergrößert. Unter Sicht und Kontrolle durch die Kamera lassen sich nun die anderen Arbeitsinstrumente durch kleine Hautschnitte in den Bauchraum platzieren.
Bild 8: Hier sieht man endoskopische Operationsinstrumente im Bauchraum
Der Operateur stellt nun den Gang dar, der die Gallenblase mit dem Hauptgallengang verbindet (ductus cystikus), den er eindeutig als solchen erkennen muss. Dieser Gang wird mit Silberklammern oder Kunststoffklammern (clips) verschlossen und zwischen zwei Klammern durchtrennt. Das gleiche macht er anschließend mit dem Blutgefäß, das die Gallenblase mit Blut versorgt hat. Auch dieses Blutgefäß muss eindeutig identifiziert werden!
Jetzt ist schon fast alles vorbei. Der Chirurg muss nur noch die Gallenblase von der Leber ablösen, da die Gallenblase bindegewebig mit dem Unterrand der Leber verwachsen ist. Dass macht man ganz vorsichtig, sodass keine Blutungen aus der Leber auftreten.
Bild 9: Hier ist die Gallenblase schon von der Leber abgelöst, sie kann nun entfernt werden.
Ist die Gallenblase prall mit Flüssigkeit (Galle) gefüllt, so kann man die Flüssigkeit absaugen, sind größere Steine in der Gallenblase erkennbar, so wird man diese in der Gallenblase mit einer speziellen Zertrümmerungszange soweit verkleinern, dass sie in der Gallenblase verbleibend mitsamt der Gallenblase durch einen der kleinen Operationskanäle entfernt werden kann.
Ist das geschehen, dann müssen nur noch die Operationskanäle in der Tiefe mit einer Naht verschlossen werden. Die kleinen Hautschnitte kann man auch zunähen, meistens reicht es aber aus, wenn man die kleinen Hautschnitte mit einem speziellen Hautkleber verschließt.
Damit ist die Operation endgültig beendet, der Narkosearzt kann seinen Patienten aufwachen lassen.
Vier Stunden nach Beendigung der Narkose kann der Patient etwas trinken, am Morgen des folgenden Tages (spätestens) darf der Patient aufstehen und frühstücken. Er soll lediglich für die erste Zeit alles meiden, was erfahrungsgemäß „schwer im Magen liegt“ oder bläht.
Zwei Wochen nach der Operation fühlen sich die meisten Patienten wieder völlig genesen.
Konventionelle Gallenblasenentfernung
Ehe die endoskopischen Operationsverfahren entwickelt wurden, musste die Gallenblase wie nachfolgend geschildert entfernt werden.
Dieses Verfahren wenden wir auch heute noch an, wenn das Operationsgebiet bei ausgedehnten intensiven Entzündungen so unübersichtlich geworden ist, dass eine endoskopische Operation zu riskant erscheint oder wenn Patienten nach vorausgegangenen Oberbauchoperationen (z.B. Magenoperationen) im Oberbauch derartig ausgedehnte Verwachsungen aufweisen, dass keine ausreichende Übersicht erreicht werden kann.
In Deutschland und in allen anderen Ländern, die über eine moderne Medizin verfügen, wird das konventionelle Operationsverfahren zur Gallenblasenentfernung bei Patienten im beschwerdefreien Intervall nur noch höchst ausnahmsweise angewendet werden.
Bei dieser Operation passiert im Bauchraum selbst das gleiche wie bei der endoskopischen Operationsform. Der Weg in den Bauch hinein und zu dem eigentlichen Operationsgebiet hin ist aber ganz anders.
In Abhängigkeit von der Dicke der Bauchdecke – Gallensteinpatienten sind gern recht füllig – eröffnet der Chirurg den Oberbauch durch einen Schnitt entlang des Rippenbogenrandes oder durch einen Längsschnitt etwa 5cm rechts parallel zur Mittellinie. Dieser Schnitt durch alle Bauchwandschichten hindurch muss leicht zwanzig Zentimeter oder auch noch länger werden, um später in der Tiefe des Bauchraumes genug Übersicht zu gewinnen.
Dieser lange Schnitt durch alle Bauchwandschichten hindurch muss nach der Operation natürlich auch wieder verheilen. Das braucht seine Zeit. Auch sind die Schmerzen nach der Operation mit von der Schnittlänge abhängig.
Als unerwünschter Nebeneffekt der „Schnittoperation“ kommt es weit häufiger zu postoperativer Verwachsungsbeschwerden, die weitere Operationen zur Folge haben können.
Das alles erklärt wohl hinreichend, warum man von dieser Operationsmethode Abstand nehmen will, wann immer das möglich ist.
Patienten benötigen nach der konventionellen Gallenblasenentfernung üblicherweise drei bis vier Wochen, ehe sie sich wieder fit fühlen. Um Bauchwandbrüchen (Narbenbrüchen, Narbenhernien) vorzubeugen, müssen sich die Patienten für wenigsten 6Wochen körperlich schonen.
Anmerkung zum Schluss:
Keine Operation ist völlig risikofrei. Das gilt natürlich auch für alle Arten von Gallenblasenoperationen.
Es gilt also, Risiken gegeneinander abzuwägen. Kein vernünftiger Chirurg wird bei einem anderweitig schwer vorerkrankten hinsichtlich der Gallensteine aber völlig beschwerdefreien hochbetagten Patienten zu einer Operation drängen.
Bei jüngeren und weitestgehend gesunden Patienten wird er das ungewisse zukünftige Risiko eines Gallensteinleidens zum Anlass nehmen, seinem Patienten zu einer operativen Gallenblasenentfernung „im beschwerdefreien Intervall“ zu raten.
„Alternative Methoden“ um Gallensteine loszuwerden, sind im günstigen Fall wirkungslos, aber sonst unschädlich (außer für den Geldbeutel), im ungünstigen Fall provozieren sie Situationen, in der die Patienten notfallmäßig operiert werden müssen.