@#6
Es konnte nicht ausbleiben, dass ich mich auch mit medizinischen Traktaten, wie sie im Video im Beitrag 6 an Nichtmediziner herangetragen werden, auseinandersetzen muss, um zu vermeiden, dass Patienten in falsche Sicherheit versetzt werden.
das ist ärgerlich, weil sehr zeitaufwändig, aber dafür kann der georg natürlich nichts. Er hat seinen Beitrag sicher in allerbester Absicht eingestellt.
Nun zur Sache:
Der Beitrag im Video strotzt vor medizinischem Halbwissen, seine Aussagen sind zum Teil schlicht und ergreifend falsch!
Warum Gallensteine in manchen Menschen entstehen und in anderen Menschen nicht - bei völlig gleichartigen Lebensumständen und bei gleicher Ernährungsweise - ist bis heute nicht im Detail bekannt.
Statistisch gesichert ist, dass Personen, die folgende 5 "f" aufweisen, signifikant häufiger von Gallensteinleiden betroffen werden als der Rest der Bevölkerung.
F1: female - weiblich
F2: forty - (über) vierzig (Jahrealt)
F3: fertile fruchtgar (haben Kinder zur Welt gebracht
F4: fair - blond (hellhaarig/hellhäutig)
F5: fad - Übergewichtig
Weiter wissen wir, dass Galllensteinleiden in Familien gehäuft auftreten.
Das mag an einzelnen Genen liegen, aber durchaus auch an den in der Familie vererbten Lebensgewohnheiten.
Steine bilden sich (weit überwiegend!!!) in der Gallenblase, nur selten in den Gallengängen.
Hier ist aus unbekannten Gründen die Gallenblase erkrankt, weshalb es auch nichts bringt, nur die Gallensteine zu entfernen und die kranke funktionsgestörte und dadurch steinbildende Gallenblase im Körper zu belassen.
Bei der Gallenblasenoperation wird also - ähnlich wie bei einem erkrankten Blinddarm - das erkrankte (und bis heute) nicht heilbare Organ entfernt.
In der Vergangenheit immer wieder durchgeführte Versuche, die Gallensteine zu zertrümmern (mit Ultraschallwellen), ähnlich wie man das ja auch mit Nierensteinen macht, hat nicht nur nicht zum Erfolg geführt, meistens mussten die so behandelten Patienten entsetzlich leiden, wenn beim Abgang der Steinfragmente durch die Gallenwege schlimmste Gallenkoliken auftraten.
Schlimmer noch: Selbst wenn es gelungen war, die Stine aus der Gallenblase zu entfernen
nach Monaten oder wenigen Jahren waren neue Steine in der Gallenblaseentstanden! Da capo!!!
Bei Gallensteinleiden drohen die folgenden Komplikationen:
Die Gallenblase kann sich entzünden, vereitern und schließlich durchbrechen.
Dieser Vorgang ist mit heftigen rechtsseitigen Oberbauchschmerzen verbunden, die den bekannten Gallenkoliken an Intensität in nichts nachstehen. Fließt bei geplatzter Gallenblase Gallenflüssigkeit (und dabei die zu diesem Zeitpunkz meist reichlich in der Gallenflüssigkeit vorhandenen Bakterien) in den bauchraum, so entsteht die So genannte "Gallige Peritonitis/Bauchfellentzündung", die das Leben des Patienten aufs Höchste bedroht. Viele dieser Patienten sind dann auch durch Operation und medikamentöse Intensivbehandlung nicht mehr zu retten!
Überleben sie erfreulicherweise die Operation, so drohen den Überlebenden Patienten Verwachsungsbeschwerden infolge der massiven Entzündung im Bauchraum, die ihrerseits lebenslange Schmerzen nach sich ziehen können und weitere Operationen zur Folge haben.
Etlichen dieser Patienten kann schließlich nur noch - und das oft noch eingeschränkt - mit der Anlage eines bleibenden künstlichen Darmausgangs (Anus Praeter) geholfen werden.
Mal ehrlich - Wer will denn sowas???

Ein weiterer Punkt gibt zu denken:
Gallenblasenkrebs ist selten.
Kein Arzt hat bisher Gallenblasenkrebs beobachtet, wenn keine Gallensteine vorhanden waren.
Für Gallenblasenkrebs gibt es
keine Heilung, die Patienten versterben nach Diagnosestellung meist binnen dreier Monate!
Gallensteine müssen nicht notwendigerweise Beschwerden machen, bei manchen Menschen waren Gallensteine ein Zufallsbefund bei der Obduktion. Bei den eifrig obduzierenden österreichischen Kollegen kann man das nachlesen.
Langezeit herrschte die Meinung vor, Gallensteinpatienten seien nur zu operieren, wenn gallensteinbedingte Beschwerden aufgetreten waren.
Unter den früheren Operations- und Narkosebedingungen und bei der viel geringeren Lebenserwartung war diese Meinung - die sich bei einigen nicht weitergebildeten Kollegen leider bis heute erhalten hat - weit verbreitet.
Die heutige schonende Entfernung der Kranken Gallenblase (mitsamt der Gallensteine) unter modernen Narkosebedingungen hat die Sachlage völlig verändert. Es gibt heute keinen grund mehr, von einer Gallenblasenoperation abzusehen, wenn Gallensteine sonographisch (mittels Ultraschall) gesichert sind. Erfolgt die Operation im so genannten "beschwerdefreien Intervall", so ist sie nur gering belastend und hat eine sehr niedrige Komplikationsrate. Das ist anzustreben.
Anders als früher vermutet ist
nach einer Gallenblasenentfernung keine Diät erforderlich!
Mir ist die im Video geschilderte Selbstbehandlung mit Olivenöl und allen möglichen anderen Zusätzen seit Jahren von russischstämmigen Zuwandererpatienten bekannt, die trotz intensiver Selbstbehandlung schließlich doch nur durch eine Operation geheilt werden konnten.
Bei einer der Patientinnen aus dieser Gruppe, einer Reinigungskraft aus unserem Op, die uns wegen der Gallenblasenoperationen immer sanft belächelt hatte, kam jede Hilfe zu spät. Sie entwickelte eine schmerzlose Gelbsucht, bei der Operation fanden wir ein ausgedehntes Gallenblasenkarzinom(Gallenblasenkrebs), die bedauernswerte Patientin verstarb mit nicht einmal 60 Jahren binnen 4 Wochen!
Ich bin der festen Überzeugung, dass diese (sonst völlig gesunde) Patientin heute noch am Leben wäre, wenn die seit mehr als 20Jahren bekannten Gallensteine samt der kranken Gallenblase rechtzeitig entfernt worden wären.
Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen.
Gallensteine sind ein Risiko, das durch Olivenöl mit einigen Zusätzen auf Dauer nicht beherrschbar ist.
Man kann nur hoffen, dass der Autor des Videos nicht eines Tages Opfer seiner eigenen Fehlmeinung wird.
Ein Konkurrent für die nächste Nobelpreise in Medizin wird er nicht werden.
Wolfram