
Yazd im Iran nutzt über 700 2.500 Jahre alte Windfänger (Badgirs), die die Innentemperaturen ohne Strom um 15 °C senken
und so mit der weltweit genialsten natürlichen Kühltechnologie der Wüstenhitze trotzen.
Im Herzen der iranischen Wüste, wo die Temperaturen regelmäßig 45 °C erreichen, liegt die Stadt Yazd mit einer Kühlungslösung,
die so effizient ist, dass Klimaanlagen dagegen primitiv erscheinen.
Die über 700 Windfänger (Badgirs), die die Stadt überragen, sind Ziegeltürme mit einer Höhe von 5 bis 33 Metern, die als echte
natürliche Klimaanlagen fungieren. Einige davon sind 2.500 Jahre alt und funktionieren auch heute noch einwandfrei.
Das Prinzip hinter diesen Windfängern ist ein Meisterwerk der angewandten Physik und des Verständnisses der Luftdynamik.
Die Türme sind mit mehreren Innenkammern und Öffnungen in verschiedenen Richtungen gebaut, um den Wind aus jeder
Richtung einzufangen.
Wenn der Wind auf den Turm trifft, wird die Luft durch die inneren Kanäle nach unten in das Haus gedrückt, aber nicht bevor sie
durch mehrere ausgeklügelte Methoden gekühlt wird:
indem sie über Wasserbecken, durch nasse Kanäle oder durch Kontakt mit den dicken Ziegelwänden, die kühl bleiben, geleitet wird.
Der raffinierteste Aspekt ist das Zwei-Wege-Belüftungssystem:
Während eine Seite des Turms kalte Luft von außen hereinlässt, leitet die andere Seite warme Luft aus dem Haus ab, wodurch
eine konstante Zirkulation entsteht.
Wenn es windstill ist, arbeiten die Kollektoren nach dem Prinzip des Kamineffekts – warme Luft steigt auf und entweicht durch die Spitze,
wodurch kühlere Luft vom Fuß des Turms angesaugt wird.
Einige Kollektoren sind mit Qanats (unterirdischen Wasserkanälen) verbunden, die die Luft durch Verdunstung weiter kühlen und
die Temperatur im Vergleich zur sengenden Außenluft um bis zu 15 °C senken.
Die Stadt Yazd ist fast vollständig aus Lehmziegeln gebaut, einem Material mit außergewöhnlichen Wärmedämmeigenschaften.
Die Häuser haben 60 Zentimeter dicke Wände, Innenhöfe mit Springbrunnen und Wasserbecken sowie kleine Fenster, die
strategisch ausgerichtet sind, um den Eintritt von Sonnenwärme zu minimieren.
Windkollektoren ragen majestätisch über diese Architektur hinaus, einige haben achteckige oder sechseckige Formen,
um den Wind aus allen Richtungen optimal einzufangen.
Der höchste Windkollektor der Welt befindet sich im Dolat Abad Garden in Yazd und ist 33 Meter hoch.
Die Effizienz dieser Systeme ist so hoch, dass in den Palästen und wohlhabenden Häusern von Yazd die Innentemperatur auch bei
45 °C Außentemperatur auf 25–30 °C gehalten wird, ohne dass ein einziges Watt Strom verbraucht wird.
Die größeren Kollektoren können 60 Kubikmeter Luft pro Minute bewegen, was der Leistung einer industriellen Klimaanlage entspricht.
Die Technologie ist so fortschrittlich, dass moderne Architekten diese Strukturen untersuchen, um nachhaltige Kühlsysteme
für zeitgenössische Gebäude zu entwickeln.