Der nächste Fall!Plagiats-Vorwürfe gegen Kultusminister AlthusmannDoktorarbeit offenbar mit unsauberen Text-Übernahmen -
Er will im Amt bleiben 
Von Peter Mlodoch
und Katrin Teschner
HANNOVER. Schlamperei oder Schummelei? Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) gerät wegen seiner Doktorarbeit unter Druck. Er räumt handwerkliche Fehler ein, lehnt jedoch politische Konsequenzen ab.
Plagiatsjäger werfen dem Minister und amtierenden Präsidenten der Kultusministerkonferenz vor, fremde Quellen inhaltlich und wörtlich an vielen Stellen seiner Arbeit übernommen und nicht als solche gekennzeichnet zu haben. 2007 wurde Althusmann an der Universität Potsdam promoviert.
Der Minister entschuldigte sich gestern für handwerkliche Fehler. Er habe allerdings keine Textpassagen ohne Quellenangabe kopiert. "Es gab keinen Täuschungsversuch von meiner Seite", sagt er. Die "Zeit" hatte berichtet, dass der Politiker aus Lüneburg in seiner Dissertation an vielen Stellen die Übernahme fremder Textpassagen nicht korrekt gekennzeichnet habe. Die Arbeit trägt den Titel "Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung - Folgen für die Personalentwicklung".
SPD, Grüne und Linke legen Althusmann bereits mehr oder minder offen einen Rücktritt nahe. Zumindest müsse er den Vorsitz der Kultusministerkonferenz ruhen lassen. Das gebiete schon die Vorbildfunktion als oberster Hüter der Bildungspolitik in Deutschland.
Aber wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen Schlamperei und vorsätzlichem Regelbruch in der Wissenschaft?
Auch wenn die Kennzeichnung fremder Quellen handwerklich nicht immer korrekt sein sollte, liegt nicht automatisch ein Plagiat vor. So erklärt es Professor Jochen Litterst von der TU Braunschweig. "Man muss immer den Einzelfall untersuchen und die Zusammenhänge begutachten", sagt Litterst. Entscheidend bei einer Doktorarbeit sei, dass der Verfasser Neues herausfindet und eigene Gedanken entwickelt - also nicht nur fremde Passagen aneinanderreiht.
Braunschweiger Zeitung: 7. Juli 2011, Titelseite, Seite 01