Der Heiligenschein
Ein Antrag auf meine Heiligkeit wurde gestellt. Allerdings wollte ich keinen filigranen, zerbrechlichen Halo, wie er auf schönen, unbezahlbaren alten Gemälden dargestellt ist.
http://www.geschichteinchronologie.ch/steiner-terror/Steiner_klassenzimmer-d/027-Raphael-madonna-dell-granduca-m-blondem-jesusbaby.jpgMit Rücksicht auf unser eher schlecht als recht ausgebildetes Raumpflegepersonal, stellte ich das Gesuch auf einen eher rustikalen und pflegeleichten Heiligenschein in rostfreiem Stahl.
Gold kam für mich als Anfänger nicht in Frage, ausserdem wäre es viel zu schwer und würde zu erheblicher Transpiration im heissen Klima führen.
Eine Ausführung in Titan, eventuell Titankarbid, wäre für die Tropen wohl am Geeignetsten.
Weil ich in heiligen Dingen nicht sehr erfahren bin, halfen mir einige Leute beim Ausfüllen der Formulare, denn die sind noch schwieriger zum Ergänzen,als die Erhebungen der hiesigen Fremdenpolizei.
Ein ewig kichernder chinesischer Jurist mit Falsettstimme und Klumpfuss, Herr Doktor jur. S.A. Tan unterstützte mich mit seinen ausgefallensten Ideen.
Er meinte, dass ich im Vatikan keinerlei Erfolgschance hätte, denn dort müsse man vor der Heiligsprechung zuerst tot, zumindest scheintot sein. Der Chef daselbst sei der Massstab aller Dinge.
Dr. S.A. Tan äusserte sich unvorteilhaft über die Herren im Stato della Città del Vaticano, die in bunten Weiberröcken herumliefen, sich gegenseitig artige Komplimente machten
und sich offenbar keinen Deut um das schöne Geschlecht kümmerten und dennoch auf Nachwuchs von dieser Seite angewiesen waren.
Deshalb wandten wir uns vielversprechend an:
Ihre Heiligkeit
Die Oberhirtin, Papesse Mamma
Muttikhan
Die Oberin war wenig erfreut an meinen dilettantischen Bemühungen um etwas Glorienschein und zeitlose Unvergänglichkeit. Sie wies mich harsch an ihre Materialabgabestelle,
Division A wie Asien, Unterabteilung T wie Thailand und dort and die sich in Auflösung befindliche Gruppe N wie Nord, mit der dringenden Aufforderung, ich solle mich sputen wegen der Umstrukturierung, sonst bräuchte ich mindestens zehn Jahre Geduld. Bis dahin wären dann meine Akten, wegen Umstellung auf EDV, bestimmt unauffindbar verlegt.
Dr. S.A. Tan freute sich am positiven Bescheid. Er lachte sich ins Fäustchen.
Verzeihung der Ausrutscher zu Geheimrat Goethe. Der Gesetzesverdreher machte sich feixend und mit viel Elan ans Werk, das ich nur noch zu unterzeichnen brauchte.
Ich war fast auf alles gefasst, als die Antwort eintraf. Als ich den Wisch
ungläubig betrachtete, entzog sich mir der Boden unter den Füssen und der Verputz bröckelte von den Wänden.
Dann verbrannte das Dokument in meiner Hand ohne Blasen zu hinterlassen. Dr. S.A. Tan polterte etwas Gips von der Decke auf den Schädel.
Zwei wüste Beulen entwickelten sich, so dass er geschwind seinen Hut nehmen musste. Der Jurist hinterliess bei seinem schnellen Abgang einen Hauch von Schwefeldioxid
und verschwand auf Nimmerwiedersehen.
Es hiess da in etwa:
Betreff: Heiligenschein in Sonderausführung.
So etwas komme laut ortsüblichen negativen Erkundigungen nicht in Frage.
Ich hätte Dreck am Stecken, an welchem auch immer. Ich sei eines jener lumpigen Mannsbilder, die jungen Damen stets einen Knüppel zwischen die Beine werfen,
wenn sie sich auf dem beschwerlichen Pfad der Tugend zu irgend etwas aufraffen wollten.
Heiligenschein gäbe es keinen, nicht einmal eine Spezialversion aus OTOP (One Tambol One Product) Hundedreck käme für mich in Frage. Ja, der tiefste aller Hosenbandorden sei noch zu hoch für mich.
Entschuldigt mein Unwissen, Hosenbandorden oder Hodenbandorden kenne ich nicht, mir ist nur das Strumpfband geläufig.
Nur weil ich einmal einer verdurstenden Ameise das Leben mit einem Tropfen Urin rettete, (der allerdings nur wegen Parkinsonschem Zittern nicht im Urinal landete,)
könnte man mir auf einen weiteren Antrag einen allerdings klemmenden Reissverschluss aus einem Armeemagazin (Heilsarmee?) abgeben.
Da ich als halber Buddhist wenig Wert auf materielle Güter lege, verzichtete ich auf technisch minderwertige Reissverschlüsse.
Als Scheinheiliger brauche ich keinen Heiligenschein. Das wäre Materialismus pur.
Johann Wolfgang Goethe (1749 - 1832)
Faust. Der Tragödie erster Teil (1797/1806)
Halo:
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-9531-2009-02-18.html