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Autor Thema: Geschichten aus Hinterindien  (Gelesen 444233 mal)

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Low

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Silbermond und Kupferkäsch
« Antwort #1725 am: 17. Januar 2012, 10:36:16 »

Silbermond und Kupferkäsch                                                     Januar 2012

Norwegerklaus fragte nach dem Aufsatz “Ein Neujahrswunsch“: „Was lehrt uns das?“
Meinst du etwa, daß 1000 Flaschen Schnaps im Täschchen keinen Platz finden?

Erneut schildere ich einen Neujahrswunsch. Allerdings sind Ort und Zeit verändert. Weil bald das Chinesische
Neujahr, das Jahr des Drachens gefeiert wird, spielt die Handlung im alten China. Ein diffiziles Thema. Es
erforderte 114 alkoholfreie Versionen. Als denk- und schreibfauler Pöt im Ruhestand, machte ich beim Titel
eine Anleihe beim großen William Somerset Maugham. (1)

Käsch ist die Bezeichnung für chinesische, japanische, koreanische, vietnamesische und sino-indonesische
Münzen aus Messing, Bronze, Kupfer - seltener Eisen, auch Zinn oder Blei. (2) Sie haben ein quadratisches,
selten ein rundes Loch in der Mitte. Während der Ming-Dynastie bestanden diese Münzen aus stark bleihaltigen
Bronzen. Deshalb konnten sie leicht gebrochen, halbiert und geviertelt werden. Ungeteilte Münzen wurden auf
Schnüre gezogen. Eine Schnur mit fünfhundert Münzen wurde Tiao genannt. Zwei Tiao hatten annähernd den
Wert eines Tael Silber von etwa 37 Gramm. Der Wert des Silbers stieg. Ein Tael galt drei Tiao.
Die Münzen wurden samt Schriftbild gegossen. Nach dem Ausbrechen aus einem Guß-Münzbaum und
anschließendem Entgraten erfolgte eine Politur. Verglichen mit geprägten Münzen, waren sie viel langlebiger.
Diese Lochmünzen wurden zweitausend Jahre lang, vom dritten Jahrhundert vor Christus bis Anfangs des
zwanzigsten Jahrhunderts, produziert.

Noch vor wenigen Jahren verzierten Balinesen ihre Fruchtbarkeitsgöttinnen mit diesen chinesischen Münzen.
Ein fragiles Reisstrohgebilde aus Bali fand bei der Räumung meines Hauses eine neue Unterkunft. Meine bange
Frage ist: Wie geht es dem göttlichen Käsch in fremder Umgebung? Wurde das Stroh durch Mäuse oder Ratten
gefressen?

Dewa Rambut Sedana, die balinesische Göttin des Glücks und des Reichtums wurde oft als fast abstrakte,
vergoldete Maske, Salang, dargestellt. Zahlreiche Fäden hängen wie Haare herunter. In diese Fäden wurde
Käsch als Glücksbringer eingeflochten. Käsch stammt ursprünglich aus dem Sanskrit-Wort karsha.

In einem meiner verpfuschten, vorherigen Leben umwarb ich im Reich der Mitte die außergewöhnlich schöne
Xiao Zie, das heißt Fräulein - Silbermond. Wie es genau war, kann ich nicht mehr sagen. Sie bezirzte und
bezauberte mich. Sie vergoldete ihr Dasein geschickt durch ihr Futteral. Ich aber, ein eingebildeter, bezopfter,
hormongesteuerter Trottel bildete mir ein, ich würde sie locker verführen. (3) Dank weiter entwickelten
Erziehungs- und Schulungsmethoden gehören solche Fehleinschätzungen heute weltweit zur düsteren
Vergangenheit und dürften ausgeschlossen werden!
 
An einem strahlend kalten Neujahrsfest waren wir beide in beste und auserlesen bestickte Seiden gekleidet.
Wie es Sitte und Überlieferung gebot, überreichte ich der teuren Schönen drei rotgoldene Orangen, zu Deutsch
Apfelsinen, China Äpfel - und eine größere Menge Käsch.

Ihre erlauchte Schlitzohrigkeit, Xiao Zie Silbermond, mit Lotos-Füßchen (4) und perfekt harmonischem Mond-
gesicht, verlangte listig lächelnd, lispelnd nach einem soliden Goldkettchen, um die kostbaren Münzen aufzu-
ziehen. Ihre fast anspruchslose Begierde war streng definiert: zu einer feinen, möglichst langen Kordel ver-
arbeitete reine Goldfäden. Diese Lösung erforderte meinerseits wiederum größere Mengen Käsch. Es war
jedoch wohlüberlegt, die bessere und kostspieligere Investition als jedes textile Behältnis.

`Gong Xi Fa Cai`, ist der Wunsch für ein erfolgreiches Neues Jahr.
Eine spassige, unter Umständen freche Antwort ist:
`Hang Bao Na Lai`, den roten Umschlag bitte.
Der rote Umschlag, Ang Pow, enthält Geld, kein Käsch.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Silbermond_und_Kupferm%C3%BCnze
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4sch
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesischer_Zopf
(4)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lotosfu%C3%9F

Meine Umschreibungen aus dem Chinesischen sind, ähnlich wie beim Thai, möglicherweise fehlerhaft.
Ein gefundenes Fressen als Geschenk für jeden Experten. Im Laufe der Zeit benutzte ich etwa drei Schreib-
weisen. Trotz meiner Unsicherheit verwende ich Xiao Zie. Es vermittelt dem eher faden Gericht aus pech-
schwarzer Bosheit etwas orientalische Würze. Für allfällige Lektionen danke ich.




Xiao Zie Silbermond
« Letzte Änderung: 07. Februar 2012, 00:16:11 von Kern »
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Pinkas

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1726 am: 17. Januar 2012, 16:01:04 »

wieder eine wunderbare Geschichte.

Und ich habe soeben das gebundene Buch "Geschichten aus Hinterindien" via Schweiz hier in Thailand bekommen. Ich lese mich da begeistert durch und erfreue mich immer wieder an den wirklich gut geschriebenen Geschichten.

Danke Low, für diesselbigen.

Und natürlich zähle ich darauf, dass es wirklich die nächsten Bände gibt und dass der Autor weiterhin seine Erlebnisse und seine Sicht der Dinge uns mitteilen wird.

Pinkas, ein lesesüchtiger Fan von Lows Geschichten
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“Zwang ist der Bruder der Gewalt”

Low

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Teures Forum: Außer Spesen nichts gewesen!
« Antwort #1727 am: 23. Januar 2012, 13:55:16 »

Teures Forum: Außer Spesen nichts gewesen!

Erstaunlich, niemand erteilte mir Nachhilfestunden im Chinesisch. Niemand bestätigte meine korrekte Schreibweise.
Noch erstaunlicher, nur zwei Schreiber äußerten sich in der Prügelecke betreffend Bild: „Sein oder nicht sein.“
Es beruhigt ungemein, zu wissen, daß rund um den Globus mit Milliarden von Menschen deren zwei bestätigten,
Bilder können Texte ergänzen ohne zu stören.

Das Ganze ist natürlich eine Frage des Preises. Stellen sie sich vor, ich erfinde eine extrem kurze Neujahrs-
geschichte. (1) Zehn Zeilen inklusive Titel.
Dann erwerbe ich in Chiang Mai zwei Flugscheine und buche ein Hotel in Singapur. Es sollte, aus orientierungs-
taktischen und bewegungstechnischen Gründen, möglichst in der Nähe von Chijmes sein. Da kommen bloß
Raffles, Fairmont oder Carlton in Frage. In Raffles City besorgen wir das Täschchen von Gucci. Nach einem
lukullischen Dinner dislozieren wir zu Chijmes in die Bar mit den tausend Flaschen und knipsen die besagte
Aufnahme.

Nach dem Rückflug übergab ich dem Verleger eine Spesenauflistung. Erst war er erfreut und dankbar, daß
endlich wieder eine Geschichte erscheint. Kürzlich erhielt ich eine milde Mahnung: „Heute habe ich viele
Leute getroffen, allesamt LOW-Fäns. Es scheint so, daß sich alle etwas Sorgen machen, weil Du keine
Geschichten mehr schreibst. Man hofft allgemein wieder etwas von Dir zu hören.“

Beim Überprüfen der Spesen äußerte er sich eine Spur zu laut, zudem – schlechtes Omen – stirnrunzelnd,
für zartbesaitete Autoren wie mich, wenig inspirierend:
„Busineßklasse für eine zehnzeilige Kurzgeschichte, - das finde ich übertrieben. Zum chinesischen Spanferkel
hätte ein Chrysanthementee besser gepaßt als eine Flasche Pommard. Was - zwanzig Jahre alt, ... unglaublich,
Preis und Geschmacksrichtung! Zum Ferkel gehört doch ein gerbstoffreiches Getränk wie roher Rhabarbersaft.“
War das ein versteckter Werbespot für Frankenwein?
„In Chijmes servieren sie sicherlich preisgünstigere Getränke. Was, für das miese Foto zweihundert Dollar für
zwei gebrannte Malzeinheiten, nicht Mahlzeiten!! Nein, solchen  U n f u g  honoriere ich nicht! Das ist
schlußendlich der Zenos-, nicht der Krösus-Verlag!“ (2) Er knallte die Türe zu. Ich war verabschiedet, ohne
Honorar, ohne Käsch.

Der hatte ja keine Ahnung. Der `Unfug` war eine geschönte Kurzfassung, weil ich mich in der Bar einige Tage
akklimatisieren mußte. Unter Akklimatisation versteht man die individuelle physiologische Anpassung eines
Organismus an sich verändernde Umweltfaktoren. Ich bin ein Organismus. (3) Ich studierte während der
Anpassung nicht nur das reiche Angebot in Theorie und Praxis, sondern verschiedene Blickwinkel, um für
Taschen und Flaschen das beste Verhältnis zu finden. Auf leeren Magen kann ein Barbesuch zudem
gesundheitsschädigend wirken. Schlotternd fotografieren liefert keine scharfen Bilder. Das werden unsere
Fotografen gerne bestätigen.
Unter Brüdern ist das Foto mit all dem Aufwand gut und gerne eine halbe Million Baht wert. Das Mädel benötigte
außer dem Figaro aus Milano, man beachte den feinen Glanz im Haar, zur Tasche das farblich abgestimmte
Designerkleidchen.

(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg1031323#msg1031323
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%B6sus
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Akklimatisation

Baron Lowhausen
« Letzte Änderung: 02. Februar 2012, 14:05:46 von Kern »
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hmh.

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Re: Teures Forum: Außer Spesen nichts gewesen!
« Antwort #1728 am: 23. Januar 2012, 16:46:41 »

kürzlich erhielt ich eine milde Mahnung: „Heute habe ich viele Leute getroffen, allesamt LOW-Fäns. Es scheint so, daß sich alle etwas Sorgen machen, weil Du keine Geschichten mehr schreibst. Man hofft allgemein wieder etwas von Dir zu hören.“

Dazu kommt noch, daß die Low Fäns fast alle aus Pattaya waren, das zählt doppelt, Herr von und zu Lowhausen.  ]-[

Wehe, es schreibt hier nochmal einer, dort gäbs keine Kultur oder nur eine einseitige.  :)
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Low

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Kürzlich verguckte sich einer in Hinterindien
« Antwort #1729 am: 27. Januar 2012, 18:28:07 »

Kürzlich verguckte sich einer                                                               Januar 2012

Wieder kann eine Geschichte, zumindest ein Unter-Kapitel daraus, abgehakt werden.

Im Juli 2011 schrieb ich: (1)
... die tollkühnen Männer mit ihren genormten Liebeskasper-Bedürfnissen.
Kürzlich verguckte sich einer von denen, ein Däne, der Name sagt es, im Dorf in eine Isaanfrau. Sie ist attraktiv,
herzlich, freundlich und nett. ...
Der Däne verknallte sich innerhalb weniger Tage unsterblich in dieses fragwürdige Stück Fleisch und kaufte ihr
sogleich einen Flugschein, nicht ahnend, daß die Königin seines Herzens für die Einreise in sein Heimatland ein
Schengen-Visum benötigt. ...

Meine unfreundliche Denkweise über den Herrn entpuppte sich als Volltreffer.
Die Feiertage verbrachte der Pseudowikinger mit heißen Nahkampfübungen bei seiner “Verlobten“ in Lan Na
Land. Zum Jahreswechsel besuchten beide zusammen zwecks Umtrunk eine Bar. Einige Promille später
entdeckte der Zecher neue Weiblichkeit, die er als potenter Normanne unbedingt erobern mußte. Für diesen
Feldzug war seine Braut überflüssig. Er sandte sie vorzeitig nach Hause und behielt nur das Moped bei sich.

Alkoholisiert baute er in derselben Nacht einen Verkehrsunfall und landete schwerverletzt im Spital. Er litt fast
zwei Wochen. Vor einigen Tagen war die Kremation. Für Wißbegierige, die Feuerbestattung kostete
60`000 Baht. (2)

(1)
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg1010167#msg1010167
(2)
Beerdigungskosten in Thailand
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=12533.0

« Letzte Änderung: 31. Januar 2012, 12:34:54 von Kern »
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Low

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Mit Löchern Geld verdienen
« Antwort #1730 am: 04. Februar 2012, 09:42:26 »

Mit Löchern Geld verdienen                                                                                                     Januar 2012

Das ist ein häufig heiß diskutiertes Thema. Speläologen (1) aller Herren Ländern besuchen selten wegen der
Tempel, sondern vor allem aus persönlichem Forscherdrang mit Spezialwerkzeug das Land des Lächelns.
Löcher, sie brauchen sogar nach Stephen Hawking nicht unbedingt schwarz zu sein, begleiten uns oft
unbewußt, zuweilen unerwünscht, auf allen Wegen. (2)

Nachdem das Gästehaus tagelang von der gemeindeeigenen Wasserversorgung abgeschnitten war,
beschlossen wir, dort ebenfalls einen Brunnen zu bohren. Weil fast jeder im Dorf bohren ließ, war der
Preis günstiger, als eine Revision der Pumpen, der Ventile und des gesamten Verteilernetzes.
Der Brunnenmeister als Oberschlaumeier benötigte dringend Bares. Er sperrte für mehrere Tage das
Ventil zur Versorgung des einen Dorfteils. Der ahnungslose Gemeindeobmann organisierte für seine
leidenden Mitbürger unbehandeltes Wasser aus dem Mae Ping.
Der Wassermann seinerseits ging von Haus zu Haus. Er sprach mit ernstlich besorgter Miene von Pumpen,
Filtern, Leitungen und verlangte pro Haus bescheidene viertausend Baht für die Sanierung. Zu spät
reduzierte er sein Angebot auf fünfhundert Baht.
Die Löcher wurden zu Discount-Preisen angeboten. Weil Lan Na Nasen bekanntlich kurz sind und Einheimische
nicht darüber hinaus sehen, entging den Leuten, daß ein Bohrloch allein kein Wasser liefert. Mit weiteren
Kosten für Pumpe, Filter, Zubehör und Strom rechnete keiner.

Ein 1500 Liter Tank im Garten des Gästehauses und eine kleine Pumpe hielt unsere Probleme in überschau-
baren Grenzen. Einzig unsere Nachbarn stahlen bei Wassermangel Flüssigkeit aus dem Tank. Wir erschwerten
dreisten Diebstahl und stellten den Strom bei Abwesenheit ab. Die lachten, legten einen Schlauch in den Tank
und nuckelten Wasser wie seinerzeit Milch an Mutters Brust aus hundertfünfzig Zentimetern Tiefe.
Erwähnte ich Hängebrüste? Meine Kinder nannten sie in Afrika Schlangennippel.

Wir litten selten an Wassermangel und waren die letzten Kunden des Bohrtrupps. Der Meister meinte, er rechne
mit Wasser in zwanzig Metern tiefe. Ich kannte das Gelände, die Schichtung des Bodens und sagte, daß in neun
Metern sogar am Ende der Trockenzeit etwas Wasser vorhanden sei.
Als die Männer im Garten zaghaft von Hand zu graben begannen und zahlreiche Steine und reichlich Bauschutt
fanden, kommentierte ich scherzend:
„Sollten sie Gold finden, behalten sie es. Die Edelsteine gehen an uns. Sie kennen die Gesteine nicht!“

Der Bohrmeister und sein Bruder grinsten und erzählten uns eine Geschichte. Sie fiel kurz aus, denn bereits
nach sieben Metern sprudelte das Wasser.
In ihrem Dorf wurde während ihrer Abwesenheit wiederholt eingebrochen und vor allem Geld geliehen. Man
behält es ja nicht, sondern gibt es aus.
Der Bruder war es müde, wiederholt sein mit viel Schweiß sauer verdientes Geld zu verlieren. Löcher konnte
er nur schlecht stapeln.
Wenn dieser Mann Bank hört, denkt er an eine Sitzbank und nicht an eine Sparkasse. Deshalb grub er in
seinem Garten ein Loch. Er nahm einen Plastikbeutel und verstaute sechstausend Baht darin. Menschen
westlichen Ursprungs denken an sechs Tausender. Sie kennen die Bräuche in Lan Na Land nicht.
Da wurde nicht lange gefackelt, gewechselt, gefaltet, sortiert und aufgetürmt. Er hatte eine Menge Banknoten
zu zwanzig, fünfzig und einhundert Baht. Das ergab eine beachtliche Tüte voller buntem, durcheinander
gemischtem Papiergeld. Das versteckte der Kleinkapitalist listig im ausgehobenen Loch. Ob er es danach mit
Blumento-Pferde oder mit einem synthetischen Hundekegel tarnte, teilte er nicht mit.

Eines heißen Tages wollte er seinen vergrabenen Schatz heben. Zweihundertneunzig Tage im Lan Na Jahr
sind heiß. Entsetzt stellte er unter kalten Schweißausbrüchen fest: Bis auf einige Krümel wurden seine mühsam
gerafften Geldscheine von Ameisen gefressen.

(1)
Speläologe ist der Fachausdruck für den gemeinen Höhlenforscher.
http://de.wikipedia.org/wiki/Spel%C3%A4ologie
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking

Bullshit-Index: 0.08
Ihr Text zeigt keine oder nur sehr geringe Hinweise auf 'Bullshit'-Deutsch.
http://www.blablameter.de/index.php





"Wie ein Affe im Bohrgestänge"
  

« Letzte Änderung: 04. Februar 2012, 11:22:28 von Kern »
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khun mai ru

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1731 am: 04. Februar 2012, 19:56:28 »

Hallo Low,

gäbe es eine Rating Agentur für Forenbeiträge,
wäre AAA+ fällig!

mfg kmr
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Geschichte aus Hinterindien
« Antwort #1732 am: 07. Februar 2012, 18:11:17 »

Das Thema Löcher blieb leider diskussionslos. Von der Astronomie über Bankschließfächer, Haustüren,
Hausfrauen, bis zum Einlochen beim Golfspiel oder in staatlich geförderte Fürsorgeanstalten für Delinquenten
– weiblich oder männlich – wäre ein beinahe unerschöpfliches Spektrum vorhanden gewesen.
Höhlenbewohner lebten und liebten in Löchern, Kurzformel: L^3.
Ich ahne, das harte Schicksal des schwitzenden Kleinkapitalisten bewegte die Leser. Der Griff zum Taschentuch
wurde wichtiger als die Tastatur.
Informationen auf optischen Datenträgern werden als Löcher gespeichert.

Tief aus meinem Wohnloch, Low.
« Letzte Änderung: 07. Februar 2012, 18:58:52 von Low »
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Killerliteratur in Hinterindien
« Antwort #1733 am: 09. Februar 2012, 19:47:28 »

Killerliteratur                                                                               Ende Januar 2012

Einen angenehmen Sylvesterabend verbrachte ich in Chiang Mai in kleiner Gesellschaft. Irgendwie wollte ich
mich für das feine Essen und die ausgesuchten Weine erkenntlich zeigen.
Tage später hielt ich freudig fadengebundene Exemplare der Geschichten, Made in Germany, in den Händen.
Kritiker bemängelten häufig einen fehlenden roten Faden. Die Farbe der Fäden kannte ich nicht. Dennoch
überreichte ich meinem Gastgeber ein Büchlein.
Am nächsten Tag rief er mich an. Er freute sich über die ihm unbekannten Erzählungen und sprach:
„Während fünfzig Seiten hab ich nur gelacht! Nach dem Anruf werde ich weiterlesen.“
Ich erwiderte:
„Das sind doch tieftraurige oder bösartige Geschichten. Warum lachen die meisten Menschen über Schicksals-
schläge dritter? Ist es Schadenfreude?“
Dann klärte ich ihn auf:
„Ein übermüdeter Bücherwurm stützte sein Kinn mit der rechten Hand, den Ellenbogen auf der Tischplatte aus
hochglanzpoliertem Teakholz gelagert. Links, etwas im Hintergrund stand ein fast leeres Glas mit bernstein-
farbener Flüssigkeit. Seine Augen fixierten ein preisgünstiges Taschenbuch, billiges - bereits leicht vergilbtes
Papier. Als er bei der langweiligen Lektüre gähnend einschlief, knallte sein Kiefer so unglücklich auf den Tisch,
daß er ins Krankenhaus mußte.“

Ich bedaure den Unfall und empfehle für solche Fälle einen Integralhelm. (1)
Wir, Autor und Verlag, weisen daraufhin, daß beim Konsumieren des Stoffes in elektronischer oder gedruckter
Form, jegliche Haftung ausgeschlossen ist.

Wie ein Mediziner bestätigte, wird das Werk häufig an relativ stillen, durch dissonante Flatulenzen penetrant
beschallte Örtchen, gelesen. (2) Da könnte theoretisch einer vom Klo fallen und sich mit Integralhelm, Becken-
und Oberschenkelknochen brechen.
Im Haus fehlt offenbar eine behaglich eingerichtete Bibliothek mit Plüsch, altem Porto und Single-Malt in
geschliffenen Kristallkaraffen. Wo bleibt die Lebensqualität, wenn die Bedürfnisanstalt anziehender eingerichtet
ist als eine Bibliothek? Mit reichlich Phantasie und Geld freilich lassen sich selbst zweckorientierte Räume
beispielsweise unter dem Motto `Kaktus unter Palmen` als Erlebnislandschaften gestalten.

(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Motorradhelm
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Flatulenz


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samuispezi

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Re: Killerliteratur in Hinterindien
« Antwort #1734 am: 09. Februar 2012, 22:34:13 »

Killerliteratur                                                                               Ende Januar 2012

Wie ein Mediziner bestätigte, wird das Werk häufig an relativ stillen, durch dissonante Flatulenzen penetrant
beschallte Örtchen, gelesen. (2) Da könnte theoretisch einer vom Klo fallen und sich mit Integralhelm, Becken-
und Oberschenkelknochen brechen.
.



Lieber Low,

ich wollte schon lange zu diesem gewichtigem Thema ein kurzes Anektötchen schreiben, hab mich jedoch, wie
wohl die meisten Lesenden nachvollziehen dürften eigentlich nie so richtig getraut.

Als 50%-Anteil Deiner österreichischen Fangemeinde hab ich mir die Unverschämtheit erlaubt, die ersten Seiten Deines sensationellen
Werkes ebenfalls auf der Ersatzbibliothek in meiner 2-Zimmerwohnung zu verschlingen.

Als  zu Sylvester dann der geplante Besuch bei uns eintraf wurde von mir überraschend festgestellt, dass meistens einer der Männer längere
Zeit abgängig war,. Mein großer Fehler war, daß ich mein (Dein) Büchlein neben der Geschäftsstelle auf der Ablage liegen hatte.

Diesen Fehler mach ich nie wieder, spricht aber eindeutig für Dein Werk. ;}

Vielen Dank dafür

vor allem, bei meinem Intellekt hab ich mindestens drei mal was davon, weil ich immer wieder neues entdecke,
drum wundere Dich bitte nicht, wenn Du nicht immer gleich eine Resonanz auf Deine Geschichtchen bekommst.

Grüße
Samuispezi }}
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Kloliteratur aus Hinterindien
« Antwort #1735 am: 11. Februar 2012, 23:13:31 »

Kloliteratur                                                                                                                                     Februar2012

@samuispezi

Danke für die exakten Ausführungen. Ich ahnte nicht, daß eine so große österreichische Fangemeinde existiert.
Österreich bedeutet für mich Kultur - wie Wiener Schnitzel, Kaiserschmarrn und Sachertorte. Auch K - wie Kreisler,
nämlich der Georg Franz und der Fritz. (1, 2) Es gab den Feldmarschall Radetzky. (3)  Der alte Haudegen durfte
erst mit 90 Jahren in den verdienten Ruhestand. Radetzky war ein verhinderter Hinterindier. Angesichts seiner
Freigiebigkeit, der großen Familie und der Verschwendungssucht seiner Frau Gemahlin, befand sich Radetzky
Zeit seines Lebens in finanzieller Bedrängnis.
Johann Strauss Vater widmete ihm einen rassigen Marsch. Es gab eine Menge Sträuße, ein ganzes Walzer
Quartett. Zuvor komponierte Mozart, danach Mahler und für mich weniger schön, Schönberg. Es würde zu weit
führen, weitere musikalische Details und daneben Malerei, Architektur und Literatur zu erwähnen.

Mir geht es hier schlicht ums Klo. Eine meist bescheidene Oase der Erleichterung und brisanter Eingebungen.
Zu tiefst im Herzen eine Kapelle der Dankbarkeit fürs tägliche Geschäft und Befreiungsversuchen von Ballast.
Die Wichtigkeit des Ortes wird vielen Menschen erst beim Eintritt einer Fehlfunktion am Abtritt bewußt.

Ein Buch in einem öffentlichen Transportmittel zu lesen mag angehen. Sich in der Intimität während einer
wichtigen Handlung mit fremden Gedankengut auseinander zu setzen, ist im Grunde großartig und eine
Würdigung der Verfasser. Wer würde mich schon als Person als Gesprächspartner aufs Klo einladen?

Es gibt die Geschichten als Taschenbuch. Es gibt die gebundene Version. Nach den eingegangenen Meldungen
überlege ich, das Werk in Rollenform, die perforierten Seiten auf weiches Papier zu drucken. Im Sinne des
Umweltschutzes wäre dies ein unschlagbares Projekt, Lesestoff im doppelten Sinne als Hygieneartikel.

(1, 2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Kreisler
http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Kreisler
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Wenzel_Radetzky_von_Radetz

Nachtrag:
Österreich hat die höchste Brauereidichte der Welt. Eine Brauerei auf 56`860 Einwohner. Dementsprechend
hoch könnte die Nachfrage nach Bedürfnisanstalten sein.


« Letzte Änderung: 11. Februar 2012, 23:21:41 von Low »
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hmh.

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Re: Kloliteratur aus Hinterindien
« Antwort #1736 am: 12. Februar 2012, 01:23:58 »

Nach den eingegangenen Meldungen überlege ich, das Werk in Rollenform, die perforierten Seiten auf weiches Papier zu drucken.

Dazu muß man nicht erst neu drucken. Man kann zum gleichen Zweck auch bereits vorhandene Bücher (auseinander-)nehmen, das kommt zudem dem Umweltschutzgedanken doppelt entgegen.  :o

Damit hängt ferner zusammen, daß man Bücher als Verleger, Autor oder Herausgeber grundsätzlich nicht verschenkt, lieber Low, schon gar nicht an Freunde. {;
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Low

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Adlig sei der Mensch aus Hinterindien
« Antwort #1737 am: 14. Februar 2012, 11:43:48 »

Adel und Papier                                                                                                                       Februar 2012

Adlig sei der Mensch,
Hilfreich und gut! (1)

Aus der Geschichte lernte ich, man sollte sogar mißliebige Bücher nicht vernichten.
Es war relativ schmerzhaft, als ich beim endgültigen Wegzug meine vertraut gewordene Sammlung zurück-
lassen mußte. Jedenfalls sah ich zuvor in den Tropen viele durch Feuchtigkeit und Insekten beschädigte
Wälzer. Angefangen in einem vernachlässigten Museum in Penang, bis zum Nachbarn in Lan Na Land, wo
etwa 300 kg befallenes, bedrucktes Papier aus dem Haus geräumt wurde und der Vernichtung harrte.
Ich hörte die Kiefer hunderter Literaturkannibalen förmlich knacken. Jetzt fressen ihre Nachkommen und
Verwandten Bäume und Sträucher auf.

hmhs Vorschlag, bestehende Bücher zu hinterlistigen Zwecken zu verwenden, ist wenig schmeichelhaft.
Es geht dabei nicht nur um die Papierqualität. Für jemanden, der seinen Hintern regelmäßig mit grobem
Schmirgeltuch poliert, könnten ein paar Buchseiten dennoch eine Wohltat sein.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, bereits im 5. Jahrhundert stellte man in China Toilettenpapier aus
billigem Reisstrohpapier her. In Peking produzierte man jährlich 10 Millionen Päckchen mit 1000 bis
10.000 Blatt. Wurde das Zeug wie in Thailand bei Tisch verwendet?
Eine Zeitung ging in den vierziger Jahren durch viele Hände, bis sie feingerissen oder geschnitten zur letzten
Verwendung in einem Klo im handgefertigten Papierkästchen landete. Das waren kleine Kunstwerke, meist
Kinderarbeit, aus Karton oder filigrane Laubsägegebilde aus Sperrholz. (2) Nur Spinner und Angeber
zerstückelten unbrauchbare Hochglanzwerbung der Automobilbranche. Zeitungspapier unterschied sich
wesentlich vom besseren, aber weniger geeigneten Material aus Büchern.

Deutlich in Erinnerung blieb mir eine Sitzung als Kind während eines Föhnsturms in Adelboden. Ich verrichtete
mein Geschäft und benutzte die Zeitungsschnipsel, wie es von den Eltern empfohlen wurde. Der Hintern zeigte
danach Spuren von Druckerschwärze. Ich schmiß die Papierchen im ersten Stock eines Bauernhauses ins
Plumpsklo. Viele Meter darunter war eine Güllegrube. (3) Sie hatte eine zweite Verbindung direkt in den Stall.
Kräftige Windstöße trieben die beschmutzten Flugobjekte zurück. Ich rannte nicht weg, sondern schaute
neugierig, wie die Flieger unberechenbar aus dem Loch kurvten. Das führte zu ersten Laubflecken in meinem
Gesicht. (4)

Hier benutze ich Wasser mit der Hygienedusche. Zurück in Europa, wo Bidets in neuen Wohnungen ersatzlos
gestrichen wurden, weiche ich dann auf weiches Papier aus. Genau auf diese flauschige Qualität, die ich für
meine Buchrollen verwenden würde.
Die gewünschte Weichheit wird durch die Strukturierung der Oberfläche erzielt. (5) Mit Texten oder mit Bildern
bedrucktes Toilettenpapier findet als Werbe- oder Scherzartikel Verwendung. (6)
In den Museen von London stand um 1970 auf jedem einzelnen Blatt der Klopapierrollen:
’Her Majesty’s property’. (Eigentum Ihrer Majestät, der Königin von England.)  Das war kein Witz. Frevelnd
benutzte ich notfallmäßig, trotz der eindringlichen Warnung, ihr Papier. Sie verzieh mir nie und schlug mich
nie zum Ritter.

Sir Low

(1)
http://www.literaturwelt.com/werke/goethe/goettliche.html
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Laubs%C3%A4ge
(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCllegrube
(4)
http://www.geo.de/GEOlino/mensch/51337.html
(5)
http://www.haede-papier.de/4613/4721.html
(6)
http://de.wikipedia.org/wiki/Toilettenpapier
« Letzte Änderung: 14. Februar 2012, 11:56:30 von Low »
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Sie wollte in die Galeries Lafayette.

jock

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Re: Geschichten aus Hinterindien
« Antwort #1738 am: 14. Februar 2012, 12:03:50 »

@samuispezi

Zitat : "Als 50 %/Anteil deiner oesterreichischen Fangemeinde......"


Und wer,lieber samuispezi ist die andere Person ?


Jock
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hmh.

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Re: Adlig sei der Mensch aus Hinterindien
« Antwort #1739 am: 14. Februar 2012, 14:17:02 »

Hier benutze ich Wasser mit der Hygienedusche. Zurück in Europa, wo Bidets in neuen Wohnungen ersatzlos gestrichen wurden,

... war eine entsprechende Dusche das erste, was ich mir Anfang der 1980er nach den ersten Asienaufenthalt in unsere Hütte aus dem 16. Jahrhundert eingebaut habe. Solche Teile gab es in Deutschland gar nicht zu kaufen, obwohl sie in Asien, u. a. auch schon von deutschen Firmen, hergestellt wurden.

Die Lösung war ein Installationsmeister, der kurz zuvor bei einem Türken in dessem eigenen Haus in Deutschland die Toilette entsprechend aus selbst gebogenen Chromrohr in Verbindung mit einem Friedrich-Grohe-Duschhebel an der Wand hingetrickst hatte. Er hatte es auch sofort für sich selbst übernommen. Auf diesem Gebiet haben wir Mitteleuropäer auch heutzutage noch einigen hygienischen Nachholbedarf...
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